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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-17 · 38 (17.9.1926) · p. Seite 503

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
38 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
Seite 503 (sequence 7)
Language
German
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Ignaz Jastrow. s Au seinem 70. Geburtstag. Den Wegbereitern neuer Erkenntnisse scheint es schon an der Wiege bestimmt zu sein, daß die Bekämpfung von Widerständen ihr Lebenslvs wird. Der Entdecker ist unbequem, weil er seiner Zeit vorauseilt. Man will ihn nicht verstehen, denn die einmal eingeschlagene Bahn zu verlassen erfordert eine Umstellung, der man sich ungern unterzieht. Bürgertum und Staat versagen deshalb den kühnen Pionieren der Wissenschaft oft zunächst ihre Anerkennung. Ist aber dieser Erneuerer gar ein Jude, der es wagt, die Gemüter aufzurütteln, seinen Mitmenschen neue Ideen zu verkünden, dann verdoppeln sich die Widerstände. Nur die wirklich starken werden sie bezwingen. Zu ihnen gehört Ignaz Jastrow, der am 13. September seinen 70- Geburtstag feiern konnte. Ursprünglich Historiker, ein Schüler Rankes, redigiert er die .Jahresberichte der Geschichtswissenschaft" von 1881 bis 1891 und schreibt, bei seiner glühenden Liebe für das Deutschtum nicht verwunderlich, 1885 eine „Geschichte des deutschen Einheitstraumes". Aber die historischen Studien, die ihn veranlassen, sich auch in wirtschaftliche Fragen zu vertiefen, führen ihn zur Nationalökonomie, der er dann ein Wegbereiter wird. Die Volkswirtschaftslehre verdankt ja ihre Entwicklung einer großen Reihe von Männern, die aus anderen Lagern käme::. Der Historiker Jastrow wird zu einem der glänzendsten Lehrer der nationalökonomischen Wissenschaft. 1885 habilitiert er sich für Nationalökonomie an der Berliner Universität und erleidet das Schicksal so vieler seiner Glaubensgenossen, der ewige Privatdozent zu bleiben. Seit 1896 gab er eine Halbmonatsschrift „Der Arb eits markt" heraus, er war mit dieser Zeitschrift der erste in Deutschland, der sich mit den Vorgängen auf dem Arbeitsmarkte beschäftigte, und der mit seinem Blatt die Arbeitsnachweise fördern wollte. Als 1963 das Statistische Reichsamt damit begann, eine Arbeitsmarktstatiftik auszuftetten und Veröffentlichungen über dieses Gebiet herauszugeben, wurde Jastrow — eigentlich selbstverständlich für die damalige Zeit —, obwohl erste Autorität, übergangen und seinem Blatte der Boden entzogen. Mit der Begründung des „Reichsarbeitsblattes" war das Schicksal seiner Zeitschrift besiegelt. Als die Berliner Handelshochschule begründet wurde, wählte man Jastrow, der sich große Verdienste um die Schaffung dieses Institutes erworben hatte, zum ersten Rektor; er war inzwischen auch 1905 außerordentlicher Professor geworden. Erst 1920 gab man dem 64jährigen eine ordentliche Professur an der Berliner Universität'. Jastrows Hauptwerk liegt auf dem Gebiete der Sozialpolitik; er war einer der Vorkämpfer der sozialen Reform in Deutschland. Neben dem Gelehrten ist es der Lehrer, der seinen großen Nus begründet hat. Dem glänzenden Pädagogen danken heute Tausende von Schülern die Anregung und Belehrung, die der aufrechte, liberale und geistvolle Mann ihnen gegeben hat. tK. Z- Die DarjMung m Juden auf w Mm. Von Hermann Löwenstein. Bei der Ausführung des Hauptmannschen „Fuhrmann Henschel" in einer Provinzstadt Süddeutschlands spielte ein jüdischer Darsteller die Rolle des Fa big. Während der Proben Wardein fortwährender Meinungsstreit zwischen Schanspieler und Regisseur, wie der Fabig zu spielen sei. Der Schauspieler, sich auf den Dichter berufend, wollte einen östlichen Hausiererthp spielen mit aller Redseligkeit, geschäftlichen Schlauheit und schnellen Kombinationsgabe, der aber trotz allem so viel Herz hat, sich des verlassenen Kindes der Hanne Schäl anznnehmen, denn er ist ja eigens deswegen in die Stadt 311 H e n s ch e l gekommen. Der Regisseur aber wehrte sich gegen diese Auffassung, das heißt gegen die Hervorhebung einer menschlich-positiven Seite Fabigs, einfach aus dem Grunde, weil eine der-- artige Darstellung eines Juden u n g e w ö h n - l i ch u n d falsch sei. Am Abend der Aufführung spielte der Schauspieler den Fabig im Sinne des Regisseurs, einen schmierigen, kleinlich schwatzenden Händler. Es kam gewissermaßen ~ zu einem kleinen Eklat, der Rabbiner der Gemeinde, der in der Vorstellung war, wandte sich beschwerdesührend an die Leitung des Theaters, an Gerhart H a u p t m a n n , die Presse und weitere Instanzen, die Darstellung des Juden, Fabig sei für den jüdischen Zuschauer beleidigend gewesen, auch entspräche sie nicht den Intentionen des Dichters. “HÄG Ich habe Kaffee Has sowohl ln der Praxis als auch In meinem Familiengebrauch häufig angewandt. In den meisten Fällen, wo der gewöhnliche Bohnenkaffee contraindizierend ist. leistet Kaffee Hag sehr gute Dienste; er wird auch gern genommen, da er in puncto Aroma hinter keinem Bohnenkaffee zurücksteht. Or. J. Ab der Halden, Altstellen (Zürich) Alleinige Anzeigen-Amiahme Rudolf Mosse, Anzei^en-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin SW 19, Jerusalemer Slrabe46-49-Breslau Chemnitz .Dresden - Düsseldorf- Erfurt Frankfurt a. 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