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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-17 · 38 (17.9.1926) · p. Seite 502

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
38 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
Seite 502 (sequence 6)
Language
German
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vor der „Grande Nation" eine Verbeugung, als er den Tag der Marneschlacht als Zeitpunkt der Aufnahme Deutschlands feststellte. sondern er berücksichtigte auch die Weimarer Republik, indem er den jüdischen Neujahrstag zum ^Ausgangspunkt der „neuen Epoche" Neudeutschlands machte. Wer den vollständig jüdischen Ritus der Freimaurerlogen kennt, wird sich nicht weiter darüber wundern, das; Deutschland am ersten Tischri in den Logenbund ausgenommen wurde, und das; es den Ratssitz als jüdisches Neujahrsgeschenk erhalten hat. Jeder wird sich noch erinnern, das; die Berliner Radiostation am heiligen VerfaffungsLag der Novemberrcpublik das „Kolnidre"-Lied über Deutschland erschallen Uetz. Der „B. B." brachte damals den Wortlaut dieses jüdischen Gelübdeliedes, welches für alle zu begehenden Sünden im voraus die Absolution erteilt. Am 11. August erteilten die roten Radiopäpste der Novemberdemokratie mit dem „Kolnidre" die Vergebung, und nun sott, wie Bainvitte in der „Liberty" schreibt, „das Votum der Versammlung Ln Genf vollkommene Absolution" bedeuten..." Für die Novembevrepublik beginnt also am 1. Tischri eine neue Epoche, dein deutschen Volke dagegen wird am Tage der Marneschlacht das „Sakrament der Vergebung" seitens der Freimaurerbrüder in Genf zuteil. Es kann sich jetzt in „die vollendete Tatsache", wie die „Frankfurter Zeitung" ihren heutigen Jubelartikel überschreibt, hineinsügen. Die Novemberdemokratie ist vollendet, auf den Trümmern des deutschen Deutschlands singt ein Siebzig-Millionen-Volk das Jeremiaslied, nur ein kleines Häuflein ballt die Faust unb trotzt stolz, das Häuflein, das nie verzagt, denn es wird eine Auferstehung Deutschlands, eine deutsche Zukunft — ohne Kolnidre und nicht an einem jüdischen Neujahrstag — geben." Jedes Wort wäre schade, um diese „Phantasien aus dem Bremer Ratskeller" oder richtiger „M ünchener Löwenbräukeller" widerlegen zu wollen. Unverständlich ist, daß es in Bayern und anderswo immerhin noch eine stattliche Anzahl Deutscher gibt, die solche Firlefanzereien todernst nehmen. deutschnationale unö völkische Tagungen. A. Zu Der Monat September brachte eine Reihe von T a g u ngen politischer Parteien und Vereine, die die Beachtung des jüdischen Deutschen in verschiedener Hinsicht besonders verdienen. Die Völkischen, die in der Graefeschen Freiheitsbewegung organisiert sind, tagten Anfang September in Berlin. Eine große völkische T a n n e n b e r g - F e i e r ging in Gegenwart des Generals Ludendorsf in Königsberg vor sich. Der Alldeutsche Verband hatte die Wagnerstadt Bayreuth als Tagungsort erkoren. Die Deutsch nationale Volk spartet hielt ihren Parteitag an den Ufern des Rheins, in Köln, ab. Dev Evangelische Bund hatte sich in Dresden versammelt. Wenn uns auch als Juden die religiösen Gegensätze Zwischen Protestantismus und Katholizismus nichts angehen, so empfinden wir als deutsche Staatsbürger es schmerzlich, daß, ohne auf den Streitgegenstand hiev eingehen zu wollen, es auf der OresSener Tac-ung ves Evange »scher» »indes nach den Zeitungsberichten zu einer scharfen Kampfansage gegen den Katholizismus und das Zentrum gekommen ist. Wer, wie wir, für eine wahre Volksgemeinschaft aller vaterlandsliebenden gerechten und anständigen Elemente im deutschen Vaterlande eintritt, beklagt es jedesmal lebhaft, wenn Brücken abgebrochen, statt erricht e t werden. Die Tagung der deutschvölkischen Freiheitsbewegung in Berkin stand ganz im Banne rücksichtsloser, bis zum letzten gehender Bekämpfung des Judentums. All die völkischen Rufer ' im Streit, Professor Wolf ans Düsseldorf, die Abgeordneten v. Graefe, Gras Reventlow, Jürgen v. Ramin, Henning, v. Bremer hielten ausführliche Referate, in bereu Mittelpunkt die Judenfrage und die Judenbekämpsung stand, in dem unverständlichen Wahn, als seien nur die Juden schuld an allem deutschen politischen Leid und allem wirtschaftlichen Elend, in der grandiosen Unkenntnis, daß das deutsche Judentum, wirtschaftlich entsprechend eingegliedert wie das deutsche Christentum, genau so schwer und bitter unter all dem leidet, was über das deutsche Volk durch das Unglück des verlorenen Krieges hereingebrochen ist. Aus der Fülle des Materials dieser Tagung, über die die Tageszeitungen berichtet haben, geben wir aus der von Professor Wolf vorgeschlagenen angenommenen Entschließung die Stelle wieder, die besagt: „Unter Volks-, Not- und A r b e i t s g e m e i n s ch a f t verstehen wir, daß alle die Deutschen, denen unser Volkstum höher steht als irgendwelche internationalen Ziele, sich zum Kampfe gegen den Weltkapitalismus zusammenschließen. Verhängnisvoll ist der Wahn, wir könnten mit ultramontaner Hilfe die jüdische Gefahr oder umgekehrt mit jüdischer Hilfe die ultramontaue Gefahr oder zusammen mit Zentrums- und „bürgerlichen" Dernokraten die „rote" Gefahr überwinden." In einer anderen Entschließung, die auch angenommen wurde, heißt es folgendermaßen: „Wir bekämpfen den internationalen Kapitalismus in allen seinen Erscheinungsformen, einerlei, ob er durch Juden oder durch , Deutsche vertreten wird. Soll das deutsche Volk als solches bestehen, so muß er ausgerottet werden. Die Führung des Kapitalismus ist jüdisch. Seine Werkzeuge sind beinahe alle Politischen Parteien; die Sozialdemokratie ist in Wirklichkeit internationale Kapitaldemokratie, ebenso wie die demokratische Partei und die Volkspartei; auch die Deutschnationale Volkspartei wird kapitalistisch geleitet." Danach ist also auch die Deutsch nationale Volks- Partei, die ja „kapitalistisch" geführt, verjudet; von der „ultvamontanen Gefahr", die ja Professor Wolf mit lebhaftem Wort schildert, schon gar nicht zu reden. Die Tannenberg Feier in Königsberg, der General Ludendorsf innerhalb einer Reise durch Ostpreußen beiwohnte, stellte in ihren Reden nichts anderes als die üble Quintessenz völkischer Versammlungsweisheit dar. Kein neuer Gedanke, keine Selbstbesinnung oder gar Selbstbekenntnis! An allem ist Juda schuld oder schuldig beteiligt. So sprechen es die früheren Militärs aus, die bei dieser -Feier mitwirkten. So oder ähnlich ertönt es aus Ludendorffs Mund selbst. Baug fragt man sich, wie Deutschland politisch und wirtschaftlich zu Ehren und zu neuer Geltung kommen soll, wenn nicht zu übersehende Kreise des deutschen Volkes sich in derart beschämenden und trostlosen Jrrgängen ihrer Gedanken bewegen! Bei den Tagungen der Oeutschnationalen Volkspartei in Köln, der stärksten bürgerlichen Partei des Reiches, und der des Attdeuischen Verbandes besonders füllt auf, wie wenig von Juden und Judentum die Rede ist. Es wäre aber völlig verfehlt, deshalb die vollkommen völkische Einstellung der Deutschnatioualen Volkspartei und des Alldeutschen Verbandes zu verkennen. . Die führenden Männer dieser Bewegung sind sich seist langem darüber klar, wie schmählich die Judenfeind« schast der Straße und der Volksversammlung S ch i f s b r u ch erlitten hat und wie ernüchternd die Münchener Vorgänge des Jahres 1923 auf weite Kreise der Völkischen und Deutschnationalen gewirkt haben. So heißt die Parole: Mit dem Judentum nichts gemein haben, vom Judentum weg, das Judentum völlig ignorieren und dafür ausbauende völkische Politik treiben. V o m A n t i s e m i t r s m u s zum A s e m i t i s m u s , eine Feststellung, die schon oft in diesen Blättern dargestellt worden ist. Immer wieder sei darauf hingewiesen, wie gefährlich für unsere Stellung im deutschen Vaterlande diese Taktik ist. Wirwissen, daß täglich große Teile der deutschen Jugend, um von den Alten ganz zu schweigen, mit der Tatsache des angeblich wissenschaftlichen Beweises geistiger Minderwertigkeit der Juden erfüllt werden. Wie wird es in Deutschland aussehen, wenn diese Kreise als Beamte, als Lehrer, als Richter, als Geistliche Führer des Volkes sein werden? Wie wird Recht gesprochen werden? Wie wird dev Beamte sich in Tausenden seiner Berufsfälle verhalten? Wie werden der jüdische Schüler und die jüdische Schülerin behandelt werden? Werden Worte der Versöhnung oder des Hasses dann von den Kanzeln gepredigt werden? Wir sehen, welche gewaltigen Ausgaben der Aufklärung hier für unseren Ce nt ralverein vorliegen, und wie er weit mehr noch als bisher seine ganze Tätigkeit darauf einstellen muß, das politische Leben mit allen erlaubten Mitteln in dem Sinne zu beeinflussen, daß der deutsche Jude, stolz aus seine Geschichte und Religion und unlösbar v e r w u rze! t im deutschen. He i m a tb od en, die volle Gleichberechtigung aus jedem Gebiete wie jeder andere Mitbürger erhält. Die Adonis - Liga. Der Berliner „Montag - Morgen" veröffentlichte kürzlich die Nachricht seines Büdapester Korrespondenten über die Gründung einer „Adonis-Liga" in Kalocsa an der Donau. Diese Liga soll eine Sektion der „Erwachenden Magyaren" darstellen und die Ausgabe haben, Rache für die angeblich von Juden verführten ungarischen Jungfrauen zu nehmen. Dies sott dadurch geschehen, daß sich die Mitglieder der Liga (verheiratete Männer sowohl als auch unverheiratete Jünglinge) feierlich verpflichten, eine Höchstzahl jüdischer Jungfrauen ihrer Jungfräulichkeit Zu berauben. Es heißt im „Montag-Morgen": „In die Adonis-Liga werden nur junge, kräftige und national gerichtete Männer (auch Jünglinge) von unanZweifelbar magyarischer Rasse ausgenommen. Ein Gesundheitsnachweis wird v on ihnen nicht gefordert. Sie verpflichten sich, die allgemeinen Ziele des Vereins der Erwachenden Ungarn Zu verfolgen, überdies aber eine LgwZialaufgabe zu erfüllen, die eben in der Verführung jüdischer Jungfrauen besteht. Die Wahl der Mittel bleibt dem Mitglied im allgemeinen überlassen. Es hat von dem Erfolge seiner Bemühungen den Oberen Bericht zu erstatten, die den „erledigten Fall" in ihre Bücher eintragen. Zur Vermeidung von „Doppelbesetzungen" ist den Mitgliedern prinzipiell Büchereinsicht zu gewähren. Außenstehenden magyarischer Rasse werden die Bücher nur in begründeten Ausnahmefällen und nur unter Bürgschaft Zweier Adonis-Mitglieder gezeigt." Die Nachricht erschien uns so unwahrscheinlich, daß . wir an Ort und Stelle Nachforschungen gehalten haben. Es wird uns von Zuverlässiger Seite bestätigt, daß, wenn auch die Vudapester Zeitungen wohl unter dem Druck der Erwachenden Ungarn nichts über die Neugründung bringen, sie doch als richtig angesehen werden muß.

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