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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-17 · 38 (17.9.1926) · p. Seite 498

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
38 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
Seite 498 (sequence 2)
Language
German
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eigentliches Feld ist das Leben! Auch hier wirkt wieder das Vorbild der Religion! Die jüdische Auffassung kennt keinen Zwiespalt zwischen Lehre und Leben, denn zwischen beiden steht die verbindende Kraft der Verwirklichung, die bis in die feinsten Verzweigungen des Alltags hinein als gestaltenden Faktor die religiöse Vorschrift trägt. Und das vergißt man nur zu oft. Centralvereinler ist man nicht in erster Reihe in der Vereins- Versammlung und beim Vortrag, sondern in seiner ganzen Lebensauffassung! Die Grunds a tz e u n s e t e r Q>r ganisation hat man im politischen und gewerblichen Leben, im Geschäft und aus der Straße, bei der Arbeit und bei der Erholung, kurz überall und immer 511 vertreten. Das gilt passiv im bescheidenen,. aber doch selbstsicheren und energischen Benehmen, aktiv im Bekämpfen jeder wie auch inuner gearteteil Tendenz zur Verminderung jüdischen Rechts itnb jüdischen Ansehens. Und hieraus ergibt'sich ganz von selber, daß die Forderung, die der Gedanke des Versöhnungstages aufs neue wachrust, von jcbem unter unseren Anhängern verwirklicht Vierden kann. Und nur, wer sie befolgt, wer in keiner Lebensäußerung den Geist der Eentralvereinsforderung vermissen läßt, ist der wirkliche, der vollwertige Mitkämpfer. Wenn der Versöhnungstag in den Mittelpunkt seiner Forderung die Entwicklung der sittlichen Menschenkrast stellt, wenn er die Verantwortlichkeit der Seele so stark betont, weist er auch Wege aus der Niederung der Zwietracht, in der das Judentum von heute gerade in Deutschland umherirrt. Gegensätze müssen sein! Solche trivialen Selbstverständlichkeiten verlohnt es sich kaum zu wiederholen. Tie Geschichte jeder Entwicklung und jedes Fortschritts beruht ans dem Emporwachsen von Minderheiten, die im Kampfe mit herrschenden Mächten sich Mehrheitsstellung 31t erringen versuchen. Es liegt aber ganz in der Menschen Hand, ob solches Streben fördernder,. Kräfte auslösender, befriedigender Wettbewerb ist, oder ob das zähe Ringen giftigen Haß, heimtückischen Geist der Vernichtung gebiert. Die Versuchllng hierzu ist irr den Kämpfen des Judentumsbesonders groß. Wer mit Niedrigem umgeht, kann selber niedrig werden. Und es ist die größte Gefahr des Kampfes gegen den Antisemitismus, der Auseinandersetzung mit einer Fülle von Bosheit, Lüge, Entstellung, Verdächtigung und falscher Beschuldigung, die zudem alle oft und) aus der Grundlage eines betriebsamen Geschäftsgeistes erblühen, daß er auch den befehdeten Juden in die Niederungen hinabzieht und seine Seele klein und gehässig macht. Da nun alle Teile der Judenheit, mögen sie es wollen oder nicht, mögen sie es 311geben oder nicht, sich mit dem Judenhaß auseinandersetzen, ihm einen erheblichen Teil ihres Aktivismus verdanken, ist die Beeinflussung allenthalben %n verspüren, und iunerjüdische Kümpfe werden oft mit Methoden und Gefühlen geführt, die unbedingt dem Arsenal eines vom äußersten Bernichtuugswillen erfüllten Feindes entstammen. Gerade in den letzten Monaten sind die Gegensätze derart scharf, die Vorwürfe derart unwürdig geworden, daß die Lage für jeden Fall der schnellen Entspannung bedarf. Und der Versöhnungstag weist 31t ihr den Weg, wenn er die Krafr der Seele verherrlicht. Der Streit mit stillen häßlichen Begleiterscheinungen rührt im wesentlichen daher, daß einer die Gesinnungen des anderen, die Reinheit seines Willens verdächtigt. Dadurch unterscheiden sich die Kämpfe des Antisemitismus gegen das Judentum von den Streitigkeiten zwischen den Teilen unserer Gemeinschaft, daß jene vernichten, diese nufbaiten wollen. Jene zielen auf den Untergang des Judentums, diese wollen seine Kraft mehren, seinen Bestand sichern. Und unerläßliche Voraussetzung in diesem Kampfe ist, daß alle Teile, welche Meinung sie auch vertreten, welche Ziele sie mich erstreben, die Gesinnung des Gegners achten. Mit einem schlage wäre so vieles Bittere und Würdelose aus dem jüdischen politischen Leben verschwunden, wenn man auch beim Gegner den ehrlichen Willen, dem Judentum zu dienen, voraussetzen wollte. Denn der Mensch ist vom Mitmenschen nicht zu trennen, und der Versöhnungstag verlangt nicht nur, daß man an sich und seine eigene Kraft, sondern mul) an seinen Nächsten glaubt! Es wäre gewiß nicht recht, wollte man gerade angesichts des Versöhnungstages alle Schuld von sich abwälzen und sie dem Gegner zuschiebeu. Gesündigt wird überall, und so darf die Mahnung auch unseren Anhängern immer wieder zugerufen werden, daß sie Menschenwürde im Kampfe bewahren und im @egitet Buch den Juden achten, dessen Ansicht sie gewiß für fälsch halten, in dem sie aber die Ehrlichkeit der Gesinnung und den Willen, dem Judentum zu nutzen, anerkennen. Aber es gibt tu besonnenen und vorurteilsfreien Kreisen auch nicht den geringsten Zweifel, daß den Gegnern des Centralvereins, den Bekämpfern seiner Ideologie und seiner praktischen Fordernngen, der erheblichste Teil der Schuld zusällt, wenn das jüdische öffentliche Leben so unerquicklich geworden ist. Ich verfolge unsere Zeitung mit größter Aufmerksamkeit. Nie ist mir aber eine Zeile zu Gesicht gekommen, die den Gegner persönlich angreift, die seine Gesinnung und die Triebe seines Handelns verdächtigt. Auch energische Stellungnahme har die Sachlichkeit nicht erstickt. In der gegnerischen Presse begegnet einem aber in inuner neuer Variation der eine Gedanke, daß der Eentralverein und seine Anhänger eine Art geringeren Judentums vertreten, daß sie aus Minderung der jüdischen Gesinnung ausgehen, daß sie der Entjudung Vorschub leisten. Es kann weder die Ausgabe dieser Betrachtung sein, Beispiele für -diese Herabwürdigung unseres ehrlichen Wollend zu geben noch auch persönliche Angriffe zu wiederholen, durch die die Gesinnung mancher unserer Freunde in häßlicher Weise angezweifelt wurde. Was geschehen ist, läßt sich gevviß nicht ändern. Aber es wäre an Her Zeit, daß die Kämpfe im jüdischen Lager entgiftet würden. Und das läßt sich nur dadurch erreichen, daß unsere Gegner unter allen Umstanden die R e i n heit u n s e r e x ® e s t n n u n gen it n d it 11 sere s W i l l e n s anerkennen, uns glauben, daß uns des Judentums Zukunft, seine innere und äußere Starke, ganz genau so am Herzen liegt wie ihnen. Politik und Moral gelten in der großen Welt als Gegensätze. Im Judentum dürfen sie es nicht sein. Tenn es geht nicht au, daß man auch nur im geringsten eine jüdische Anschauung von seiner sittlichen Grundlage trennt. Den Weg zu echter jüdischer Politik weift der Versöhnungstag, wenn er die entscheidende Kraft der menschlichen Seele betont. Und unser Weg wird auswärts gehen, wenn wir im kommenden Jahre jenes Persönlichkeitsbewußtsein in uns empfinden, das jeden von uns zur Mitarbeit zwingt, und wenn wir das Persönlichkeitsbewußtsein unseres jüdischen Bruders, die Wahrhaftigkeit seiner Gesinnungen, als ein unantastbares Heiligtum achten. Rommt öie „Liga für öen inneren Zrieöen"? In Nr. 3ö der „C. P.-Zeitung" hotte Ludwig H 0 l l ü nder von der innerpoUtischen Forderung des Zusammenschlusses aller Gutgesinnten gesprochen und das Wirken der Zeitschrift „'Ter Zusammenschluß", herausgegeben von Friedrich T h i m m c und Eduard H e in m er! e, gewürdigt. Zn diesen! Aussatz war auch die Forderung ausgesprochen worden, daß man es nicht bei der Herausgabe der Zeltschrist bewenden lassen dürfe. „Hinter ihr muß eine Vereinigung von Männern und Frauen stehen, die eine Liga zur Förderung des inneren Friedens Zu bilden gewillt sind." Zn denn neuesten Heft 5 der Monatsschrift „Ter Zusammenschluß" teilt nun Friedrich Th im me in einem Aufsatz „Parole Zusammenschluß" mit, daß sich bereits eine „Freie Vereinigung der Freunde des politischen Zusammenschlusses des deutschen Volkes" gebildet habe. iDie Schriftleitung.) aller llrast und Eindringlichkeit", so schreibt Th im me, „rufen wir daher von neuem zum Zusammenschluß in wiederholtem Hinweis ans unseren Appell an alle Freunde deutscher Eintracht aus. Wir bitten alle diejenigen, die ihr Einverständnis mit unseren Bestrebungen erklärt haben, und sie mehren sich von Tag zu Tag: tut alles, was ihr irgend vermögt, damit die Bewegung zur Versöhnung und Ueberbrückung der inneren Gegensätze und zum Zusammenschluß der zn.Gedeih und Verderb auseinander angewiesenen deutschen-Volksgenossen, zur wahren Volksgemeinschaft, immer weitere Kreist ergreife! Was uns in unserer Zuversicht auf ein rasches Wachstum dieser Bewegung stärkt, das ist die Fülle der Zuschriften, die wir aus allen Teilen Deutschlands, aus allen Stünden erhalten, unter ihnen so mancher Schrei aus der Tiefe der Volksseele, der fast erschütternd kundgibt, wie viel innere seelische Not aus dem Anblick der fast hosfnunoslosen Zwietracht ersteht. Gelvitz kommen in manchen der an uns gelangenden Zuschriften auch Zweifel und kritische Bedenken, zum Ausdruck: ob überhaupt der von uns erstrebte Zusammenschluß möglich sei, da die Zwietracht nun einmal ein festgewurzeltes Erbübel aller Deutschen sei, ob der von uns eingeschlagene Weg auch der richtige sei usw. Wenn häufiger gerade der Zweifel laut wird, ob aus dem Wege einer Zeitschrift allein die Bewegung zum Zusammenschluß in die breiten Massen getragen werden könne, so wollen wir mitteilen, daß sich bereits eine „Freie Vereinigung der Freunde des politischen Zusammenschlusses des deutschen Volkes" gebildet hat, und daß ein Netz von Vertrauensmännern dieser Vereinigung in allen Teilen Deutschlands die Werbearbeit mrfzunehmen bereit ist. Wer da mithelsen will, sei herzlich willkommen. Nicht erst bedarf es der Versicherung, daß

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