Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 38 (17.9.1926)
- Date
- 1926-09-17
- Page
- Seite 497 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2277622-2277660--03166-2283654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
enmit öerlin, 17. September 1-28 V. Jahrgang > Nr. 38 Einzelnummer 1» Golöpfennig Mütter für ih’uifchhiin undluventum Msnatsabonnem°n^4o Goldxfennig Allgemein© Zeitung des üudenmms Derlag u. Schriftleitung: Berlin 8V K8, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 894 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel stube G, Berlin SW 68, Lmbenstr. 7, und von Eoldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosfe, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moffes Normalzerlenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 MJL, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 vryan des üMtnü-^rÄus -cutskker Stmtt8vürtzeriiwisrden0lmlbe«8Lv Versöhnungslag! Von Felix GolSmarm (Leipzig). Unser Ce n t r alverein ist kein religiöses Gebilde. Weder hat er religiöse Ziele, noch mischt er sich in den Streit um konfessionelle Einzelheiten ein. Aber die Grundlagen jüdischer Weltanschauung sind auch die seinen. Und die Lehre des Versöhnungstages, der die Kraft der Menschenseele verherrlicht, ist gerade für jenen Teil jüdischen Streben?, den wir vertreten, unerläßliche Voraussetzung. Die Centralvereinsidee kann als ein Versuch zur Verwirklichung der -Forderung des VersöhnungstageZ gewertet werden. _ Keine Erlösung von außen her wird dem Inden Zuteil, kein Gnadenmittel kann seine Vergehen und Sünden tilgen. Durch eigene Kraft muß er das Böse überwinden, durch -eigene Arbeit sein seelisches Gleichgelvicht, seine innerliche Befriedigung, seine Versöhnung mit sich selbst erringen. Ruht nicht der Abglanz dieser erhabenen Ideen aus dem Wollen des Centrälvereins, wenn er dem Inden den Weg der Selbsthilfe weist, wenn er von ihm fordert, daß er sich nicht aus gute Freunde, nicht auf das- Wunder, das von außen her kommt, verlassen idars, sondern nur auf sich selber? Viel zu selten wird darauf geachtet, daß die Gesamtheit unserer Grundsätze im politischen Kampfe lediglich eine Nutzanwendung der jüdischen Weltanschauung aus einbegrenztes praktisches Gebiet ist, viel zu selten wird betont, daß die Centvalvereinsarbeit in ihrem unerschütterlichen Optimismus, ihrem Betonen des unbedingten Rechtsanspruchs, ihrer Forderung nach Anerkennung des einzelnen, seiner Gesinnung und seiner Leistung tm echt jüdischen Boden wurzelt. Die Anerkennung der Kraft der Menschenseele bedeutet freilich auch eine Verpflichtung! Keiner ist der Arbeit enthoben, wenn es sich um die Verwirklichung der religiösen Forderung handelt. Und das gilt gewiß in erster Reihe von der Leistung unseres Kreises. Im Judentum gibt eskeine Masse, in der der einzelne verschwinden kann, in der die Verantwortlichkeit auf der Gesamtheit ruht, so daß das einzelne Glied der Masse von ihr -nicht belastet erscheint. Nach jüdischer Anschauung vertritt jeder die Allgemeinheit, und jeder trägt seinen Teil an der V erantwortung. Die nicht zu fassende, unbestimmte unverantwortliche große Menge wandelt sich in eine Vereinigung von selbstbewußten, aktiv wirkenden, ihrer Bedeutung sich bewußten Individuen um. Daranaber fehlt es den Gliedern des Centralvereins noch viel zu sehr. Wir sind Verein, wo wir Bewegung sein sollten! Es gibt noch unendlich viele Mitglieder, die dem Centralverein ebenso beitreten, wie sie einem Wohltätigkeitsvevein sich anschließen, ohne andere Pflichten anzuerkennen als die Zahlung eines höher oder niedriger bemessenen Beitrages. Wahre Demokratie, wie sie im Wesen jüdischer Anschauung liegt und wie sie auch des Centralvereins Verfassung darstellt, bedingt aber die Pflicht zur Mitarbeit aller ebenso wie die freudige Uebernahme der Verantwortung durch einen jeden. Und man kann demnach so lange nicht von einer befriedigenden Lösung unserer inneren Organisation sprechen, wie man — besonders geschieht das leider in den kleinen und kleinsten Teilverbänden- — die Arbeit und die Verantwortung den ganz wenigen überläßt, die in führender Stellung die Geschicke des Vereins leiten. Gewiß ist der Centralverein zahlenmäßig die weitaus überragende und größte Zusammenfassung der deutschen Juden. Aber Zahlen gewinnen erst Leben durch die sittlichen Kräfte, die hinter ihnen stehen, und daß hier der „inneren Mission" ein weites Feld geöffnet ist, daß aus zahlenden und gezählten Mitglied e r n eines V erei n S tätige Mitarbeiter einer Bewegung gentacht werden mi'tss-en, ist eine Mahnung, die am Versöhnungstage, dem Feste des seiner Kraft und seiner Verantwortung bewußten Menschen, in ihrer ganzen Schwere empfunden werden sollte. Zwei Einwänden mag gleich entgegengetreten werden. Das Streben nach Demokratie, Jo wird man sagen, kann Menschen nicht wandeln- Und nicht alle sind zur Aktivität im Vereinsleben geeignet.. Das hat eine gewisse Berechtigung, soweit es sich um die Formalitäten der Verwaltung handelt. Aber die Bewegung hat einen Inhalt, und es gibt leinen, der nicht für sie etwas lvirken könnte. Die Gleichheit, die sich alis der Demokratie ergibt, bezieht sich nur auf die Gesinnung und den Willen, nicht aber auf das Maß der Leistung. Diese hängt von den Kräften ab, von der Stellung im Leben, zuweilen vielleicht auch von der Gelegenheit! Ob einer aber viel oder wenig für die Centralvereinsarbeit zu tun vermag, ist nicht von so großer Bedeutung dem obersten Grundsatz gegenüber, daß er überhaupt etwas 'tut. Wie von der Religion die menschliche Leistung, ob einer nun an führender Stelle Kulturwerte in großem Stile schasst, oder ob -er sich in der kleinlichen Beschaulichkeit eines engsten Kreises betätigt, nur nach der Gesinnung beurteilt wird, so wertet sie der Centralverein auch! Und -das sei insbesondere denen gesagt, die nur Kleines, kleinlich Erscheinendes beitragen können und denen der Spott übektvollender Gegner oft die Freilde an ihrem Tun zu vergällen trachtet. Nicht auf das Maß des Erreichten kommt es an, sonderir nur daraus, daß man seine volle Kraft mit ehrlichem Willen in reiner Gesinnung aufgewendet hat. Zum zweiten aber bedeutet der Umstand, daß wir mehr Bewegung als Verein sind, eine linendkiche Erweiterung des Schallplatzes unserer Tätigkeit. Gewiß gibt es des rein Organisatorischen und Vereinsmäßigen auch genug zti tun, aber unser Befangene Richter. Von Vechtsanwalt Dr. Arthur Brandt (Berlin). Der Reichsverband der deutschen Industrie. Von Dr. Paul Nathan. Die Darstellung des Inden auf der Sühne. Von Hermann Löwensiein.