Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 37 (8.9.1926)
- Date
- 1926-09-08
- Page
- Seite 486 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m Juristen, Schöpfer neuer Handelsformen, Warenhäuser, Großbanken, Schiffahrtsgesellschaften, Philosophen, und unsere geistig und sittlich am höchsten stehenden Exemplare wetteifern mit den Besten in Deutschland und andern Völker, trotzdem jedoch müssen wir' zugeben, daß es bei uns immer noch hundert niedrigere Stufen der Geistigkeit, der Tüchtigkeit, der persönlichen Kultur gibt: Nein, das sagten sie nicht. Sondern jeder, auch der armseligste und unzivilisierteste. Jude in Deutschland verbuchte all das auf sein Privatkonto und dachte wunder was er für eine Vollendung des menschlichen Typs darstellte. Also, daß die durchkultivierten Juden zuerst durch die Christen zu leiden gehabt hatten und dann durch die weiten Schichten der weniger zivile sterten Glaubens- und Rassegenossen.. Aber so notierte ich: In England wird jeder wissen, daß es hundert Stufen der Zivilisation gibt, vom jungen Ehamberlain, der eben in Eton promovierte, bis zu dem Säufer Brown, der seit fünf Jahren auf der sechsten Bank am Strand nächtigt, und niemand wird sie beide mit einander identifizieren. Für den Juden wird aber immer eine völlige Kulturgemeinschaft konstruiert, so daß vor dem Christen alle für das haften sollen, was vielleicht einigen zum Vorwurf gemacht werden kann, und daß dafür jeder Jude sich das für sich anrechnet, was einige von ihnen Gutes leisten oder Hohes erreichen. Aber das eine ist — wenn der Jude wirklich seine Mission erfüllen soll — ebenso gefährlich wie das andere für rhn. Ja das zweite ist das gefährlichere. So ähnlich notierte ich mir 1910. Denn damals wußte ich nämlich noch sehr genau Bescheid und konnte auf alles strikte Rede und Antwort geben. Und ich würde es ohne einen August 1914 noch heute können. Damals wußte ich genau, was ein Jude ist, sprach über seine „Rasse", seine Religion, sein Alter, seine Mission und Stellung innerhalb Deutschlands und in der Welt. Ich hatte eine feste Meinung über den Zionismus, den ich zu 95 Prozent verneinte, zu 4 Prozent bezweifelte und zu 1 Prozent bejahte. Ich hatte meine Ansicht über den Ostjuden, seinen Kulturwert oder seinen Unwert. Ueber Notwendigkeit oder Nichtnotwendigkeit der ReligionsÜbung und des Hebräischen (sie deckte sich prozentual ungefähr mit der über den Zionismus), und natürlich kannte ich den Deutschen überaus genau, denn ich kam ja täglich mit ihm zusammen und hakte mir außerdem aus seiner Literatur ein bestimmtes Bild von ihm gemacht, das ich in das Leben hineintrug. Dieses Bild war für ihn sehr schmeichelhaft. Davon, baß dieser Deutsche in der Welt sehr ander-s gesehen wurde, noch verhaßter eigentlich war, als ich es als Jude meines Judentums wogen bei ihm je fein konnte, ahnte ich nichts. (Weitere Artikel folgen.) Ein Wegbahner Kernte. Geheimrat Ernst Marens 70 Jahre alt. Von Dr. Hugo Hahn (Essen), Die Tatsache, daß Kant auch heute noch weithin zu dm großen Unbekannten gehört, darf zum Teil aus die Eigentümlichkeit seines Philosophierens selbst zurückgesührt werden. Ist es an sich nicht leicht, die „Kopernikanifthe Wendung" feiner Betrachtungsweise mitzumachen, so hat der Philosoph von Königsberg nichts getan, um uns sein Schaffen durch eine gefällige Darstellung näherzubringen. Man kann nicht behaupten, daß dieser Sachverhalt durch die reiche Kant-Literatur, die wir besitzen, wesentlich gebessert worden wäre. Vielfach ist es vielmehr so, daß die umfangreichen Werke der Kant-Philosophen noch schwieriger zu lesen und zu begreifen sind als des Meisters Werke selbst. Ist man aber der Meinung, daß die Geistestat Kants auch der heutigen Menschheit noch Entscheidendes zu sagen hat, so muß man dafür Sorge tragen, daß uns Kants Frage, ohne Einbuße ihres Tiefgangs, in unserer Sprache gezeigt wird, damit wir seine Antwort hören können. Ein Mann, der sein Leben dieser entscheidenden Ausgabe gewidmet hat, feierte am 3. September in Essen seinen 70. Geburtstag: Geheim rat Ernst Marcus. Bis vor einiger Zeit im Justizdienst tätig, hat er während feiner Freizeit in entsagungsreicher Arbeit das Kantsche System von neuem ausgebaut. Von einem Neubau muß man schon reden. Denn hier wird nicht Philosophie nach erzählt, oder aus- und umgedeutet, sondern hier spricht ein eigenwüchsiger Denker, der nur deshalb begeisterter Interpret Kants ist, weil dis gleiche Fragestellung ihn selbsttätig zur gleichen Lösung führte. Es ist hier natürlich nicht der Ort, die gigantische Gesamtleistung dieses Lebenswerkes zu würdigen. Für die Leser dieser Zeitung dürfte aber der Hinweis von Interesse sein, wie sich Marcus in einer seiner Hauptschriften, im „Kategorischen Imperativ"*), mit dem Antisemitismus auseinandersetzt. Der ausschlaggebende Teil seiner Ausführungen gilt dem exakten Nachweis, daß das Grundprinzip der Ethik die Unparteilichkeit des Sittengesetzes gegen jeden seiner Untertanen sein muß. Gegen diesen Grundsatz verstößt aber die Rassen- oder Cliquenethik. Sie hat sich zu diesem Behuf eine eigene Logik zurechtgezimmert. Sie macht die Menschen zunächst ungleich, um sie dann auch ungleich behandeln zu können. Sie argumentiert im allgemeinen folgendermaßen: *) Derlaa von Ernst Reinhardt, München. ISA. 6. 51 ff., 128, 228 ff. Zu beziehen auch durch Philo Verlag und Buchhandlung, Berlin SW 68, Linden* straße 13. Nur xtvei Worte: Dritte Sorte“ Sfgdte- .«orte vre altvewübrrte €)-#§. Sigavette dev SefteeeekchksOe« Tabak-Regie