Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-09-08 · 37 (8.9.1926) · p. Seite 485

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
37 (8.9.1926)
Date
1926-09-08
Page
Seite 485 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2277379-2277622-2277659--03153-2283636
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

4SS Vor wenigen Jahren schrieb mir ein bekannter Museumsleiter darüber, er hätte vergeblich versucht, sich meine Axiome zu eigen zu machen, aber er könne leinen Unterschied in der Malerei entdecken. Und doch muß z. B. ein Richard Dehmel ein Aehnliches empfunden haben, wenn er in den „Zwei Menschen" sagt: Er ist mir doch zu göttlich zum Hasse, Ein so urdeutscher Menfchheitsthrann, Daß nur der Bvllblutjude Liebermann Ihn malen könnte, so ganz voll Rasse. Niemand hat früher daran gedacht, iw Buch und Stück eines Schnitzler das Werk eines Juden und Semiten, in dem eines Haupt mann das eines Christen und Germanen zu sehen. Beides war deutsche Literatur. Oder in dem eines Stephan George die Dichtung eines Christen, in dem eines Hofmanns. >thal oder Werfel die Dichtung eines Juden. Beides waren formal vollendete Verse in deutscher Sprache . . . Aber heute sagt sich selbst ein Schriftsteller wie Flake, der „jenseits von Für und Wider steht", hat's ein Jude oder ein Christ geschrieben, ein Semit oder ein Germane? Oder um wörtlich zu sein: „Gehört das Buch zur deutschen Literatur? Zur jüdischen? Zur jüdischen deutscher Sprache? Oder zur deutschen jüdischer Nation?" Nun ganz so reibungslos war ja das Dasein eines deutschen Staatsbürgers jüdischen Glaubens nicht verlaufen. Gewiß, man hatte einmal eine Welle von Antisemitismus über sich Weggehen Lassen, zu Zeiten des Hofpredigers Stöcker und des Rektors A h l w a r d t. Aber die besseren Kreise, mit denen man vordem Fühlung gehabt, hatten sich fern gehalten, und mi't Ahlwardts geplatzten Hosen im Reichstag war die Angelegenheit eigentlich in einem Meer von Gelächter erstickt. Auch der Graf Pückler« L s ch i r n e, der später nachkam, war doch schon mehr ein Amüsement und eine komische Figur gewesen, -ebenso wie Sigel vom .„Vaterland" in München eigentlich -nur gehalten -wurde, damit das -Lachen in der Bajuvaren-Hauplstadt nicht ausstarb, und Lueger in Wien den Antisemitismus einfach als Parteimittel benutzte. Sigel wie Lueger waren umgeben von einem Hofstaat von jüdischen Freunden. Man ärgerte sich als Jude wohl, aber man nahm es nicht allzu -tragisch. . Dann aber kam eine Zeit, so zwischen ,1905 und 1914, da eigentlich eine U e b e r schätzung des jüdischen Elements, des jüdischen Einflusses, der jüdischen Intelligenz und der jüdischen organisatorischen Tüchtigkeit in Deutschland Platz griff. Es gibt noch Aufzeichnungen von 1910 von mir, die seststellen, daß das ebenso gefährlich für den deutschen Juden wäre als die verflossene Aera dos Antisemitismus. Denn erst hatte man sich gesagt: man beschimpft uns; ein Teil der Vorwürfe mag nicht unberechtigt sein ßür einen Teil der Judenschaft. Man konnte sie aber ebensogut gegen -weite Schichten der Christen erheben (der rein arische Bergbau z. B. war seinen Arbeitern gegenüber mindestens so fahrlässig und asozial, wie die Konfektion um 1860). Aber dadurch, daß diese Vorwürfe kritiklos allen galten und gegen alle erhoben wurden, litten die vielen hochkultivierten und ethisch völlig einwandfreien jüdischen Familien unserer Großstädte mit jenen darunter. Es ging ihnen, wie den Kindern in dem alten Witz, zu denen plötzlich die christlichen Freunde sagen: „Wir wollen nicht weiter mit euch spielen, ihr habt unfern Herrn Jesus gekreuzigt." „Nein," sagten sie, „das sind wir nicht gewesen, daS werden gewiß Mahevs aus Hochparterre gewesen sein." Sie hatten wirklich den Herrn Jesus nicht gekreuzigt; und es war ihnen peinlich, dafür mit Worten oder Fäusten streiten zu sollen, sagen wir, in der Schule blutige Nasen m hauen oder zu bekommen, je nach der Kräftigkeit der Gegner. Aber als dann die Jahre der Judenü b e r schätzung kamen, da litten die kultivierten Juden durch die weniger kultivierten. Denn die sagten sich nicht: wir kleine Schar von Sechsmalhunderttausend, aus hundert Deutsche immer nur ein deutscher Jude, wir haben einige ganz tüchtige und wertvolle Menschen unter uns: Gelehrte, Erfinder, Organisatoren, Politiker, Schriftsteller, Schauspieler, Maler, Musiker, Aerzte, 4 ¥< 4 4 4< 4 4 b 4< 4< 8 Der Born Judas Legenden, Märchen und Erzählungen Gesammelt von M. I. bin Gorion Sechs Bande. Gebund. M. 32.—; in Halbperg. M. 48.— Werk bietet zum erstenmal den gesamten Volkstümlichen Märchen- und Geschichtenschatz der Juden und ist durch seine Anlage und Gestaltung gleichsam eine jüdische Tausendundeine Nacht. Gründlichste Kenntnis der Materie und ein sicherer Geschmack haben sich hier vereinigt, um aus dem selbst für Kenner schier unübersehbaren jüdischen Schrifttum verschüttetes Gut zu heben und es in einer künstlerischen Einheit darzuftellen. Iw Insel-Verlag zu Leipzig s i mimt iiüifm SM-MiW Durch eigene Herstellung gewährleistet Beste Verarbeitung — Guter Sitz — Niedrigste Preise Herren - Ulster, kräftiger Marengo- Cheviot, Rückengurt . * . 47.— Herren-Ulster« dunkler Marengo- Cheviot, reine Wolle . . . . . . 57#— Herren-Ulster, reinwollner brauner Cheviot, mit Oberkaro . . . . . 69#— Herren - Ulster« Marengo - Melton- Cheviot, solide Qualität.75»— Herren-Ulster« blaugrauer Cheviot, prima reinw. Qualität...... 106.— Herren -Paletot« mit Samtkragen, dunkler Marengo-Cheviot «... 69.— Herren-Paletot, Marengo - Cheviot, auf Satinelia, bewährte Qualität . . 89«— Herren - Sacco - Anzüge« neueste Musterg., mod. Formen 82.— 63. ~ 47«— Blaue Herren-Anzüge, bewährte Qualitäten, mod. Formen 89.-75.— 63»— Smoking-Anzüge« elegante Ausführung, vorzügl. Paßform 128.— 116.— 97«— Sport-Anzug« 2 teilig, mit kurzer Hose, karieiter, Cheviot, flotte Form . . 43#— Loden-Sport-Anzug« mit kurzer oder langer Hose, dauerhafter Loden, Faltenform. 39.— Sport-Anzug« 4 teilig, mit kurzer und langer Hose, grau gestr. Cheviot, mod. Form . . ..63«— Gummi-Mantel« prima Gummierung und Köperbezug, weite Schlüpferform . 14«50 Loden-Mantel« imprägnierter Strichloden, in grau und grün, bequeme Raglanform . ....... 33»— Damen-Gabardine-Mantel, beste Imprägnierung, Covercoat-Art, flotte Form . ........ 24*— Jünglings- Sacco - Anzüge« haltbare, blaue Cheviots, Gr. 38 47.— 36. — SO*— Jünglings-Sacco - Anzüge, prima Marengo-Cheviots, Gr. 38 75.— 57.— 43»— Jünglings-Sacco-Anzüge, moderne farbige Cheviots, Gr. 38 47.— 36.— 30»— Jünglings-Ulster und -Schlüpfer, in neuen Musterungen. Gr. 38 43.- 36.- 22.-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.