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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-08 · 37 (8.9.1926) · p. Seite 480

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
37 (8.9.1926)
Date
1926-09-08
Page
Seite 480 (sequence 4)
Language
German
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4$0 sind und in dem wir einmal begraben, fein wollen, ist. der heilige Mutterboden unseres deutschen Vaterlandes." C o b l e n z begnügt sich in den Themen seiner Predigt nicht damit, nur die großen allgemeinen Fragen unseres Judeseins zu erörtern. Den ganzen Reichtum seiner starken Persönlichkeit entfaltet er vielmehr gerade dort, wo er in seiner schlichten Art sich mit ben kleinen und boä) so unendlich wichtigen Problemen des Alltags befaßt. Was die.Menschenbrust bewegt an Nöten und Sorgen, an Zweifeln und Schicksalsfragen, das weiß C o b l e n z mit einem ergreifenden Einfühlungsvermögen zur Klarheit und Lösung zu führen. Von „Entsagung" und „Gottvertrauen", von „Treue" und „Glück", von „Ehrfurcht" und vom „Sinn des Lebens" spricht er, wie man zu einem guten Freunde redet, dem man Helsen möchte in der Stunde der Verlassenheit. Hier sindet er prachtvolle Worte einer starken Menschlichkeit, die lindert mib tragen hilft. Dabei bleibt er fern von Ueberheblichkeit und geistlicher Anmaßung. Nicht als ein Fertiger, sondern stets als Suchender und Mitstrebender tritt er vor seine Hörer und findet gerade hierdurch für jedes Schicksal das rechte Wort, für jede Herzensnot ben rechten Balsam. So klar der gedankliche Aufbau jeder Predigt ist, so edel ist die Sprache. Das ganze Buch ist durchglüht von einem starken, lebensbejahenden Optimismus, dem Erbteil unserer großen Propheten.— Der Phil 0 - Verlag hat dem gehaltreichen Buche ein gleichwertiges äußeres Gewand verliehen. Er darf des Dankes aller Leser gewiß sein! Dr. Karl Roserrthal (Berlin). Aichk HO», fonösrn Mn! Ein katholischer Geistlicher über seine Begegnung mit Inden. Der katholische Stadtpsarrcr in Neustadt (O.-Schl.), Erzpriester Hermann Josef Hübner, Leser unserer Monatsausgabe, sendet uns im Anschluß an den Aufsatz von Professor Earl Maria Kaufmann (Frankfurt a. M.), „Ter Papst über den Judenhaß", einen Auszug aus einem Artikel des Religionslehrers am katholischen S t. - Mathias- Gymnasium in Breslau, Professors Hermann H o f f m a n n, „Unterwegs". Ter Artikel ist in der Augustnummer der von Professor Hoffmann redigierten Monatsschrift für Theologie, praktische Seelsorge und Religionsunterrricht „Die Seesorge" erschienen und gibt, wie Pfarrer Hübner schreibt, einen Beweis von der Friedensliebe des Verfassers. Pfarrer Hübner schließt seinen Brief mit den Worten: „Wie schön wäre es im deutschen Vaterlande unb auf der Welt, wenn wir in wahrer Nächstenliebe uns wieder besser verstehen wollten und als Kinder des himmlischen Vaters gegenseitig achten würden. Edle Züge wie die vorliegenden müssen doch auch die größten Judenhasser bewundern. Nicht hassein sondern lieben sollen wir einander." Wir geben diesen Ausführungen in herzlicher Dankbarkeit für das offene Streben nach Wahrheit und in Freude über die Anerkennung unserer Leistungen Raum. Die Schriftleitung. Professor Hermann H o f f m a n n berichtet: „Nach St. Gabriel in Mödling fuhr ich mit der Elektrischen. Einmal mußte man umsteigen. Ein Herr wies mich freundlich Zurecht. Im Wagen bat er höflich, sich mir gegenübersetzen Zu dürfen. Sachkundig und liebenswürdig erklärte er mir altes, was wir sahen. Als er hörte, daß ich aus Breslau bin, sagte er: „Dort haben wir ja unser theologisches Seminar. Das ist weltberühmt." Da merkte ich erst, daß es ein Jude war. Warum sind die oft so freundlich, so menschlich, so menschenfreundlich? Aus Angst, um die andern sich günstig zu stimmen? Stirbt da vor kurzem ein jüdischer Verlagsbuchhändler, den ich gut kannte. Er sitzt in unserer schlimmsten Zeit zur Messe in Leipzig im Hotel. Ta kommt ein barfüßiger Knabe und bietet Schnürsenkel an. Weil der Junge gar so elend aussah, läßt der Buchhändler ihm Essen geben. Der Knabe bittet, ob sein Bruder, der draußen wartet, wohl mitessen dürfte. Ter Jude bestellt auch diesem barfüßigen Jungen Essen. Aber die Gäste murren, sie dulden nicht, daß barfüßige Jungen im Gastzimmer essen. Der Direktor des Hotels muß den Verleger bitten, die Jungen wegzu schicken, die Gäste wünschen es. So vertrieben d e utsche Christen den deutschen Juden aus dem Hotel, weil er gut w a r. Am Fronleichnamsfest treffe ich einen jüdischen Kaufmann, der mir seine Freude sagt, daß das Wetter zur Prozession gehalten hat. Nun erzählt er, sein Vater hat Fronleichnam ihnen als Kindern gesagt: „Wenn ihr die Prozession sehen wollt, laßt die Mützen,zu Hause." Vom Vater habe er es, gegen Andersgläubige anständig zu sein. „Die Juden sind ja bekannt dafür," sage ich, „daß sie Vater und Mutter ehren." „Ja," sagte der Jude, „darauf halten wir. 43 Jahre ist meine Mutter tot, und nie habe ich an ihrem Todestage das Jahrtagsgebet vergessen und nie vergessen, an diesem Jahrestage ihr zu Ehren die Kerze zu brennen. Beim Militär hätten die christlichen Soldaten mich aufgezogen, da Hab' ich das Licht im Schranken angezündet und dort versteckt." Müssen wir das nicht achten? Gibt das nicht zu denken?" „Deutsche Streiflichter/ Das Ausland über den Antisemitismus in Deutschland. Der Berliner Korrespondent der „Neuen Zürcher Zertung" gibt seinem Blatte in summarischer Form einen Ueberblick über Ursprung, Gründe und gegenwärtige Lage der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Judengegnerschast und betrachtet dann den auch im Auslande starkes Aussehen erregenden Fall Haas. Der Artikel stellt dar, wie sich aus der ideologischen Grundlage des „ch r i st l i ch e n S t a a t e s" die Tatsachen von der Ausschließung der Juden von der Offiziers-, Beamten- und Nichterlausbahn als Selbstverständlichkeit ergaben, so daß die jüdische Intelligenz sich in die freien geistigen Berufe begab und hierbei eine anteilsmähig hervorragende Rolle zu spielen begann. Daneben waren es Presse, Theater, Film und Kunst, die den Juden ungehemmte Entwicklungsmöglichkeiten boten, so daß sich schließlich die Umwelt gegen diese von ihr selbst verschuldete Erscheinung zu wenden begann. So scheine es begreiflich, daß die übergroße Zahl der deutschen Juden Anhänger der Republik wurden, die ihnen die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung auch in der Praxis brachte, „nicht bloß, wie vielfach unter der Monarchie, in der Theorie, oder erst wenn sie getauft waren". Der Aufsatz stellt dann weiter fest, daß die gesellschaftliche Anerkennung auch jetzt noch ausbleibt, und wie der alte Beamtenstand und der akademische Nachwuchs als traditioneller Nachfolger der früher kaiserlichen Beamten und Osstziere dem in die früher ihnen vorbehaltenen Berufe eindringenden jüdischen Element mit starker Gegnerschaft entgegentritt. Der Antisemitismus ist so eine Erscheinung geworden, die in irgendeiner Form bei Austragung politischer Differenzen eine wesentliche Nolle spielt. Wörtlich heißt es: „Denn die Reizbarkeit links wittert überall den Antisemitismus, und die Verbissenheit. rechts. überall den Juden als Wurzel vielerlei Uebels. Dabei wird derjenige, der die Verhältnisse kennt, auch wenn er der deutschen Republik keine zu große jüdische Dosierung wünscht, billigerweise offen anerkennen müssen, zvieviel große wissenschaftliche, literarische und auch künstlerische Leistungen ans das Konto der deutschen Juden kommen, und wie stark ihr soziales Empfinden, wie viel Ehre sie sich und ihrem Lande machten. Namentlich ist aus dem geistigen Leben und der ökonomischen Entwicklung Berlins das jüdische Element als ungemein treibende Kraft überhaupt nicht hinwegzudenken . . Auch in der Entwicklung des Falles Haas erblickt der Verfasser des Aufsatzes nichts anderes als die erwähnte eigenartige Wirkung des Antisemitismus aus Gegner wie Freunde der Juden. Aus einer im Kern im wesentlichen richtigen Beurteilung der Sachlage werden teilweise überspitzte und deshalb'irrige Schlußfolgerungen gezogen. Jm'.nerhin beweist das nur, lute sich in der Vorstellung des Auslandes die inuerpolitische Situation Deutschlands in dieser Hinsicht darstellt, und mau kann nicht behaupten, daß dieser Eindruck sehr schmeichelhaft sei. ttleddga: hängen. In der Wochenbeilage der „Deutschen Zeitung", „Wehr und Vaterland", schreibt der Führer der Vaterländischen Verbände Vaterland", schreibt der Führer der Vaterländischen Verbände weurstycanos, Generalmajor a. D. Gras v. d. Goltz, in einem Aufsatz: „Nicht reden, sondern handeln!": „Gewiß ist das geschriebene und gesprochene Wort heute eine gewaltige Macht. Es kann niederreißen und aufbauen, zum Zerstören anfeuern und zum Handeln. Tie feindliche Lügenpropaganda steht in aller Gedächtnis, sie vermehrte die Zahl unserer Feinde und untergrub den deutschen Willen zu.m Widerstand. Sie war eine Tat, freilich eine teuflische. Das gleiche gilt von der einheimischen jüdischen Presse, sie wirbt für jüdische Lebensanschauung und untergräbt den Willen zu deutscher Selbsterhaltung. Sie ist eine Tat im Aufbau jüdischer Weltherrschast. Tie deutsche Presse leistet nur dann eine Tat, wenn sie den Wiederaufbau des Deutschtums belebt und fördert und die inneren und äußeren Feinde unseres Volkstums schwächt. Leider ist oft das Gegenteil der Fall. Deutsche bekämpfen Deutsche und stärken damit unsere Feinde." „Deutsche bekämpfen Deutsche . . ." Herr Gras v. d. Goltz, der sich selbst als Führer der Vaterländischen Verbände sicher für den Deutschesten aller Deutschen halt, wagt es, deutsche Volksbrüder, nur weil sie jüdischer Religion sind, in eine Reihe mit den Feinden des Vaterlandes aus der Zeit des Weltkrieges zu stellen. Während des Krieges hat das deutsche Volk unter der Lügenpropaganda der Feinde zu leiden gehabt. Jetzt haben Teile des deutschen Volkes — nicht nur die deutschen Juden, sondern alle, die auf dein Boden der Verfassung stehen — unter der Lügenpropaganda derer zu leiden, die sich allein Deutsche nennen zu dürfen vorgeben. Wir haben geglaubt, daß diese Art der Preßpropaganda Leuten roie Julius Streicher und den anderen Herausgebern all der hakenkreuzlerischen Skandalblätter Vorbehalten sei. Wir sehen, daß wir uns darin getäuscht haben. Wenn selbst ein Graf v. d. Goltz sich nicht'-scheut, mit derartigen Mitteln gegen innerpolitische Gegner — Angehörige des gleichen Volkes — vorzugehen, dann brauchen wir uns über die Methoden eines Streicher, Holz, Dinier u. a. m. nicht mehr zu wundern . . .

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