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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-03 · 36 (3.9.1926) · p. Seite 468

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
36 (3.9.1926)
Date
1926-09-03
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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46$ seine Situation zu bringen". Schon hier muß unsere Kritik einsehen. Immer wieder wird ausfallen. daß Herr Blumenfeld in ferner Beweisführung vorzugsweise mehrdeutige Begriffe zur An- Wendung bringt und dadurch Unklarheit und Wortgeklingel schafft, aus denen man mit genau derselben formalen Schlüssig-, keil das Gegenteil von dem entnehmen kann, was Blumens e l d beweisen will. Wenn er das Wort „entjudetes Judentum" gebraucht, so saßt er das Judentum nur als nationalen Begriff aus. Er will damit ausdrücken, daß alle diejenigen Juden, die heute die jüdisch-nationale Einstellung mehr und mehr ablehnen, die in der Emanzipation, wie es Gabriel N i e ß e r so glänzend bar ge tan hat, ein völliges Ab st reifen der jüdischen Nationalität sehen, entludet seien. Die j ü di sche Religion spielt bei B l u me n f e! d immer eine nur recht nebensächliche Nolle. Es ist in diesem Zusammenhang von Wichtigkeit, festzustellen, daß Blumen fel d in einer von der Zionistischen Vereinigung herausgegebenen Broschüre, in der der Kamps um, den Zionismus nach einem seiner Vorträge behandelt wird, ausführt, daß man — und damit ist der Kreis um uns gemeint — der Totalität der geistigen Erscheinung im Judentum einzelne neue Begrisse entnommen habe. Und zwar fee das im wesentlichen ein Extrakt aus der Ethik der Propheten, stelle aber kein lebendiges Judentum dar. Es heißt dann wörtlich: „In den Kampfspielen, die das assimilierte Judentum aussührt, wird viel zitiert; jeder ist bemüht, die grobe Vergangenheit für sich sprechen zu lassen . . . Sie vergaßen dabei, daß die Lehren,' mit denen sie sich sch ul netten, dereinst von ringenden, kämpfenden Menschen geprägt wurden, daß sie Ausdruck von Taten, Ergebnis lebendigsten Lebens waren. Aber gibt es nicht auch im Tastin der Völker eine Schutzfrist wie im Leben des schassenden einzelnen? Keine Gemeinschaft darf sich in alle Ewigkeit ans Leistungen vergangener Generationen berufen, wenn ihnen in der Gegenwart keine Realität entspricht." Hier ist ein Kernpunkt, an dem die innere Unterscheidung zwischen der jüdisch-nationalen, und unserer Auffassung klar wird. Die religiösen Grundwahrheiten des Jndentnms zu erhalten, sie zu vererben, aus ihnen menschliche und sittliche Weihe zu ziehen, ist das, was uns das Judentum bedeutet. Und wenn auch Herr Rabbiner Dr. Harry Levy die Kühnheit hatte, auf dem Kongreß den Saß auszusprechen: „Die C. V.er verbrämen ihren Antizivnismus mit Religiosität", so brauchte der Herr nur in die Liste der führenden Männer des C. V. zu blicken. Dann würde er aus der großen Zahl ausgesprochen religiöser Persönlichkeiten aller Richtungen, die an der Spitze unserer Bewegung stehen, die Haltlosigkeit seiner Bemäkelnngen erkennen. Lost man also diesen Begriff des „entjudeten Judentums" auf, so hat man zu chgen: der Zionismus hat die Aufgabe, ein ü der die nationalen schranken und über den Nationalismus herausgewachsenes Judentum wieder zu. den: beherrschenden Gedanken der Nationalität zurückzuführen und ihm eine staatliche Grundlage zu geben. Dieses „entjudete Judentum" begeht nach der Auffassung des Präsidenten B 1 u m e n f e I b vor allem den Fehler, sich mit der Welt zu identifizieren. Diese Identifikation führt nach seiner Ansicht dazu, daß man die Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden verberge, daß man sich feige verstecke, daß man sich und die Welt täusche, und daß man sich eine eigenartige Lebensdiät zugelegt habe, die in der ständigen Versicherung besteht, es wird von Tag zu Tag besser. Aus Grund einer ganz unvollständig wiedergegebenen Bemerkung, die der Verfasser dieses Aussatzes in der Hauptversammlung des C. V. gemacht haben soll, aber nicht gemacht hat, bekämpfte dann Herr Blumen feld Herrn Rabbiner Dr. Lew in aus Königsberg, der ihm die Antwort auf seine Vortrüge schon in der Hauptversammlung des C. V. gegeben hatte. Der Weg, den Herr Blumenseld beschreibet, ist, wie wir ans dem Nachstehenden sehen werden, immer derselbe. Er behauptet etwas, was nach keiner Richtung hin den Tatsachen entspricht. Er tut es sicherlich in bestem Glauben. Er ist m seine Gedanken von der Dummheit und der Schlechtigkeit der Gegner des Zionismus so hineingerannt, daß er sich nur dann davon befreien kann, wenn er zum Geldsammeln für den Keren Hajessod in die Häuser dieser seiner politischen Gegner geht. Die Gedanken sührung des C. V. ist niemals von dem Gesichtspunkt der vollkommenen Identität zwischen Juden und Nichrjuden a u s g e g a n g e n. Weder Gabriel Ri eher, noch Emil Lehmann, noch Engen Fuchs, denen wir zu einem großen Teile die Begründung unseres Gedankeninhaltes zu verdanken haben, haben die Unterschiede zwischen dem, jüdischen und dem nichtjüdischen Bevölkernngstreis verkannt. In der wissenschaftlichen Darstellung des heutigen Judentums haben sie allerdings schärfer, als es die Gegenseite tut. festgestellt, daß von einer einheitlichen Stellung des Judentums aller Länder nicht gesprochen werden kann, und daß das Judentum, speziell das deutsche Judentum, in ganz anderer Beziehung zu seiner Umwelt lebt als etwa das französische oder polnische. Eine Identifikation des jüdischen Teiles des deutschen Volkes mit dem Gesamtvolke ist allerdings gegeben in einen: ganz wesentlichen Punkte, nämlich in der Auffassung von der gemeinsamen Zukunft. Wahrend der Jüdischnationale die Entwicklung der einzelnen jüdischen Persönlichkeiten zu einer jüdischen Kultur und zu der dringend erforderlichen Hebraisierung verlangt und verlangen muß, wünschen wir, eine mit dern deutschen Volk innerhalb seiner Kultur und als sein Bestandteil gemeinsame Zukunft zu erreichen. Das können wir, ohne von unseren jüdischen Werten, die allerdings ganz andere wie die des Herrn Blumenseld sind, auch nur das geringste aufzug-eben. Man sollte das Problem so behandeln, daß man nicht, wie Herr Blumenseld es tut, der Erläuterung der Begriffe Judentum, Rasse, Volk nsw. mt§ dem Wege geht,, sondern indem man gerade durch eine Klarstellung dieser Begrisse bis aufs letzte auf die Meinungsverschiedenheiten der beiden; Parteien hinweist. Dann wird man sehen, daß ihr Unterschied auf einer ganz verschiedenen A u f f a s s u n g des Judent u m s, sei n e r g e s ch i ch t l i ch e n Gestaltung und seiner w i r k l i ch g e w o r d e n e n S t e I i u n g innerhalb der K ulturwelt beruht. Man wird durch eine solche Untersuchung auch finden, daß die Freunde des Herrn Blumenseld, wie er selbst, Forderunge n mit Tatsachen verwechseln. Es ist aber wissenschaftlich 'und praktisch vollkommen falsch, das Wunschbetonte mit dem tatsächlich Gegebenen in eine Linie zu stellen. Kein Geringerer als Professor Dr. Franz Oppenheimer, den auch Herr Blumenfeld vielleicht als den berühmtesten Soziologen unserer Tage bezeichnen wird und der doch, gewiß dem Zionismus nicht ganz fernsteht, hat sich nicht nur aus dem Posener Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Herrn Blumen- Apotheker Rich. Brandts blntreinigende 8ek.WsrzsTyMsn das gute alte Hausmittel für milde und sichere Regelung des Stuhlgangs. Extr. 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