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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-03 · 36 (3.9.1926) · p. Seite 467

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
36 (3.9.1926)
Date
1926-09-03
Page
Seite 467 (sequence 3)
Language
German
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Me erfurter 2ioniftentagut»g. Im Zeichen des Kampfes gegen den Centralperein. von lucumg hoiiänaer. Ein Zionistisches Blatt bemerkt aus Anlatz des 21. Delegiertentages der deutschen Zionisten, die Verhandlungen seien durch drei bemerkenswerte Dinge gekennzeichnet: eine scharfe Kampfansage an das a n t i z i o n i st i s ch e Judentum „als Entgegnung aus die unaufhörlichen Provokationen des C. V.", eine ausgiebige Aussprache über die Probleme -der Jugenderziehung und kulturelle Arbeit, und endlich eine heftige und vielfach erregte Aussprache über die Zionistische Außenpolitik. Wenn sich eine Gemeinschaft von Gehässigkeiten und insbesondere von unbegründeten Angriffen im innerjüdischen Lager frei weiß, so ist es der C. V. Im Ringen um die Weltanschauung mutz natürlich eine gegnerische Auffassung kritisch beleuchtet werden. Es würde bedenklichste Schwäche und Frevel an der als richtig erkannten Wahrheit bedeuten, wollte man, nur um nicht Anlaß zu Angriffen zu geben, dann schweigen, wenn gesprochen werden mutz. Aber stets hat der C. V. den Standpunkt eingenommen. daß innerjüdische Kümpfe in Würde und irr An st and geführt werden müssen, soweit sie unvermeidbar sind, und daß infolgedessen jede Entgleisung, wo sie einmal vorgekommen sein sollte — . denn niemand ist unfehlbar —, nach Tunlichkeit wieder gutgemacht werden müsse. Die Würde des Judentums verbietet das, was man in der Politik eine Pöbelei nennt, und sie gebietet, ernster Auffassung auch dann mit Achtung 31t begegnen, wenn man diese Meinung als für das Judentum verderblich zu betrachten gezwungen ist. Von diesem Gesichtspunkt aus mn$ es jeder vornehm denkende Jude aus das allerschmerzlichste bedauern, daß maßgebliche Persönlichkeiten bei den Verhandlungen des 21. zionistischen Delegiertentages in Erfurt in eine Sprache des Schnupfens verfallen sind, die wir bisher auf zionistischen Delegiertentagen in diesem Umfange wenigstens nicht Zu hören gewohnt gewesen sind. Da insbesondere der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blu m e nfe l d, sich geradezu in Schimpfereien über den C. V. überschlug und in der Diskussion eine ganze Reihe von Rednern Herrn Vlumenfeld gefolgt ist, mutz mit einigen Worten aus diese Dinge eingegangen werden. Die offi¬ Qefyeimratpcükenheim 7ö3ahre alt. Am 4. September vollendet der Geheime Medizinalrat Professor Dr. Hugo F a l k e n h e i m in Königsberg i. Pr. das 70. Lebensjahr. Seit Jahrzehnten steht dieser verdienstvolle Vorkämpfer für Deutschtum und Judentum an führender Stelle in unseren Reihen. Sern aufrechter, gerader Charakter, sein kerniges, frisches Wesen haben ihm die Liebe und die Verehrung aller derjenigen erworben, die das Glück hatten, ihn persönlich näher zu kennen. Als Gelehrter und Arzt von einem Ruf, der über Deutschlands Grenzen hinausgeht. hat es Falkenheim zu einer Zeit, als viele, die Karriere machen wollten, dem Judentum den Rücken kehrten, verschmäht, sich durch eine Charakterlosigkeit seinen Weg zu ebnen. Aufrecht und treu in allen seinen Handlungen, hielt er auch dem angestammten Glauben die Treue und hatte jederzeit für alle jüdischen Dinge ein warmes Herz. Als Sohn eines Arztes, des Sanitätsrats Dr. Albert Falkenheim, in Pr.- E y l a u geboren, kam Geheimrat Falkenhelm in früher Jugend nach Königsberg, wo er das Gymnasium absolvierte. Hier wurde er durch seinen Großvater, Dr. Samuel Falkenheim, der damals Sekretär der Synagogengemeinde war, in die hebräische Sprache und in das Judentum selbst eingeführt. Nach Besuch des Gymnasiums in Königsberg studierte er an der dortigen Albertina und in Straßburg im Elsaß und promovierte in Königsberg. Nach Spezialstudien in Wien und Leipzig war er viele Jahre hindurch als Assistent an der medizinischen Poliklinik in Königsberg bei Naunyn tätig. 1885 habilitierte er sich hier. Im Jahre 1896 erteilte ihm die Königsberger Albertus-Umversität einen Lehrauftrag für Kinderheilkunde. Er wurde dann außerordentlicher Professor ziellen Berichte der Partei, die sich in der „Jüdischen Rundschau" und in den Veröffentlichungen der Zionistischen Korrespondenz finden, verschweigen allerdings diese Schimpfereien. Wenn Blumenfeld sagt: „das Entsetzliche unserer Gegner ist ihre Verlogenheit", wenn er uns wiederholt den Mangel an innerem Wert vorwirft, wenn er behauptet „von gegnerischer Seite wird gegen uns nur mit Lügen gekämpft", so werben solche Sätze aus den: Munde des Leiters einer großen Organisation mehr als bedauert werden müssen, zumal wenn diese Partei sich als die wahre Vertretung des Judentums bezeichnen zu können glaubt. Justizrat Dr. Br0d n itz und Rabbiner Dr. Gold mann (Leipzig) wurden über das Matz der zulässigen Kritik hinaus beschimpft. Der Redakteur der „Jüdischen Rundschau", Herr W a l d - mann, brachte es sogar fertig. Zu behaupten, „auf der Gegenseite ist man nicht nur jüdisch minderwertig, sondern auch menschl i ch". Und so könnten noch manche, jederzeit eidlich zu erhärtende „Bonmots" aus dem Schimpflexikon der jüdisch-nationalen Redner hier angeführt werden, die zeigen, daß der sittliche Stand eines Teiles der'Debatten wenig anziehend gewesen ist. Auf der anderen Seite werden wir selbstverständlich anerkennen, daß eine große Anzahl vornehmer Diskussionsredner bei aller sachlichen Entschiedenheit sich von diesen Schimpfkanonaden ferngehalten hat, und, wie wir wissen, durchaus nicht erbaut davon war. Wir müssen unsere Freunde immer wieder bitten, diese Dinge mit Ruhe entgegenzunehmen. Man wird sie bedauern, man wird aber vielleicht mit Recht in dieser Ueberspitzung der persönlichen Polemik ein Zeichen innerer Schwäche erblicken können. Weit wichtiger als dies ist die sachliche Bekämpfung d e s C. V., die den Hauptt-eil der Reden des Herrn Vlumenfeld ausfüllt-e. Die persönliche Unfreundlichkeit des Redners wird uns nicht abhalten, vei der Würdigung seiner Ausführungen jede nur mögliche Leidenschaftslosigkeit aufzubringen. Herr Vlumenfeld bezeichnete zu Beginn seiner Betrachtungen als Aufgabe des Zionismus „ein entjudetes Judentum zur Klarheit über und Leiter der Universitätskinderklinik, an deren Begründung er unter den größten Schwierigkeiten gearbeitet hat. Lange Jahre hindurch hat er in seiner Laufbahn darunter leiden müssen, daß ev Jude war. Erst nach der Staatsumwälzung wurde er zum ordentlichen Professor ernannt, nachdem er bereits unter dem alten Regime den Charakter eines Geheimen Medizinalrates erhalten hatte. Im Sommersemester 1924 war er Dekan der medizinischen Fakultät, bis er sich am 31. September desselben Jahres emeritieren ließ. Trotz seines Alters meldete sich Geheimrat Falkenheim freiwillig zum Kriege und war zunächst au der Front, später als Chefarzt eines Königsberger Fostungslazaretts bis zum Kriegsende im Heeresdienst, aus dem er als General Oberarzt der Reserve schied. Von seinen Berufsgenossen wurde er in den Vorstand des Vereins Königsberger Aerzte gewählt und wurde Leiter der ärztlichen Unterstützungskasse für Ostpreußen. Eine Reihe von Jahren war er Vorsitzender des Vereins ostpreußischer Aerzte. Jederzeit hat er für die Schwachen und Bedürftigen seine Hilfe zur Verfügung gestellt und eine offene Hand gehabt. Seit dem Jahre 1908 steht Geheimrat Falkenheim an der Spitze unserer Königsberger Ortsgruppe des Centralvereins, deren Vorstand er seit Begründung der Ortsgruppe angehört, und seit 1913 gehört er unserem Hauptvorstande an. Auch an den Arbeiten des Landesverbandes Ostpreußen hat er stets mit großem Jnteresie teilgenommen. Dem Vorstand der Shnagogengemeinde Königsberg gehört er 'seit langen Jahren als stellvertretender Vorsitzender an. Der Centralverein spricht dem in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen hochangesehenen Siebzigjährigen seine herzlichsten Glückwünsche aus mit der Hoffnung, daß er ihm als treuer Mitarbeiter und Vorkämpfer recht viele Jahre in voller geistiger und körperlicher Frische erhalten bleiben möge. Der Hauptvorstand glaubt die Verdien st e Falkenheims nicht besser würdigen zu können, als daß er ihn an seinem Jubeltage zum. Ehrenmitglrede des Centralvereins ernennt, während der Landesverband Ost Preußen beschlossen hat, ihm die Würde eines Ehrenvorsitzenden anzutragen. Wenn man sonst einem Siebzigjährigen ein otium cum dignitate wünscht, so würde man Geheimrat Falkenheim, der noch heute seinen Beruf als Arzt mit jugendlicher Frische ausübt und als Führer des Centralvereins wirkt, beleidigen, wollte man diesen Wunsch aussprechen. Wir hoffen im Gegenteil, daß der verdienstvolle Mann, dem noch heute keine Nachtstunde zu spät ist, für den Centralverein zu arbeiten, noch recht lange mit uns zusammen wirken möge, zum' Heil und zum Segendes deutschen Judentums. Kurt Sahatzky. Dr. Hugo Falkenheim. °" * - < :

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