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Central-Verein-Zeitung · 1926-08-27 · 35 (27.8.1926) · p. Seite 458

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
35 (27.8.1926)
Date
1926-08-27
Page
Seite 458 (sequence 6)
Language
German
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45$ blick, wo wir unser Judentum als eine selbstverständliche Realität Zur Schau tragen, unser jüdisches Bewußtsein innerlich festigen und dadurch die innere Unfreiheit im Verkehr mit der uichtjüdi scheu Welt, innerhalb derer wir als Individuum nicht gleichartig scheine n, aber gleichartig sein wollen, verlieren, das Verhältnis von Juden und Nichtjuden um vieles gebessert sein wird. Wahrscheinlich wird auch dann die Judensoindfchaft nicht verschwinden: aber die Gespensterfurcht, die das Unbekannte und Verborgene erregt, und die das unheimliche Element im .heutigen Antisemitismus bildet, würde zweifellos allmählich verschwinden. Auch die Realität der Palästina- Siedlung, wo Juden vor aller Welt eine große konstruktive Arbeit leisten, wird zu dieser Entgiftung der Atmosphäre beitragen. Wir haben heute schon unzählige Beweise einer solchen Wirkung. (Vielleicht ist es nicht überflüssig, bei dieser Gelegenheit die Legende zu Zerstören, daß die Zionisten die palästinensische Staatsbürgerschaft für alle Juden anstreben. Ties ist ein noch größerer Unsinn, als wenn jemand etwa für die Deutschen in der Tschechoslowakei die deutsche Staatsbürgerschaft empfehlen wollte.) Wir glauben, daß die Lage der Juden mit einem Schlage entscheidend verbessert werden könnte, wenn die Juden selbst wollen, und wenn sie den Zustand durchschauen, den ich — ohne kränkende Absicht, aber mit dem den meisten Juden innewohnenden Gefühl der Unerträglichkeit — die Würdelosigkeit unserer lügender,strickten Existenz genannt habe. Vor dem Judentum liegen heute große positive Aufgaben; ich glaube, daß statt durch unfruchtbaren Kampf der Sache des Judentums mehr gedient wenden könnte, wenn die jüdischen Kräfte vereinigt würden in der Erkenntnis, daß bei allem Gegensatz der Anschauungen die wirklichen Interessen nicht so verschieden sind, wie dies im Parteikampf oft scheint. Indem ich Ihnen nochmals für Ihre Gastfreundschaft danke, bin ich mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Robert Weltsch. Mit den Schlußbemerkungen des W e l t s ch scheu Artikels können wir uns ohne weiteres einverstanden erklären. Im übrigen wird uns der ganze Komplex der jüdisch-nationalen Gedankengänge anläßlich des Blumenseld scheu Generalreserats in der soeben abgeschlossenen Delegiertenoersammlung der deutschen Zionisten alsbald erneut beschäftigen. Dabei werden dann die Ausführungen dieses Brieses gewürdigt werden können. Jll. M. Antisemitismus in den Sergen Hildesheim, im August 1926, An bk Schriftleitung der „C. V.-Zeitung". Unter der Ueberfchrift „O du mein Land Tirol!" erschien in Nummer 26 Ihrer Zeitung vom 25. Juni 1926 ein Artikel von Herrn Oskar H i r s ch f e l d, Sekretär der „Union deutsch-österreichischer Juden in Wien". Wir Juden können, so glaube ich, dem Verfasser dankbar sein, daß er Tatsachen ausgodeckt hat. VeftMfchett» für eine GlikißwrmschMrzerße In die Neujahrsnummer der G.Ä.-Zeliung vom 8. September d. I. wollen Sie untenstehenden Text in Größe der Probeanzeige Nr... Zum Preise von NM.. aufnehmen. den. 1926 (tfnferfd)riff) P v o b e t e x COCXX»OCKXjOOOOC<XX3CXXX>00<X>C)OOOOOOOOC<>DOOOODOOOOOOCO g Verwandten, Freunden und Bekannten 8 Sp 8 wünschen wir herzlichst o NM. 9,- tf'rTD (Name, Wohnort, Strasse.) ÖOOOOOOQOOOOOOOOOOOOOOOOC CXXXXXXDOOOOOOOOOOOCOOOOO 5 0<K><C>0<><XXX>000<>0<XX><X><XK><><> Zum f Jahreswechsel gratulieren 0 » (Name, Wohnort, wünscht seinen Gästen3 Freun- A Strasse.) den und Bekannten fe's.'ÄÄH (Name, Wohnort, Strasse.) Nr. 2 <><><^K><><><><>000000<X><><X><><><X>0 R M. 13/50 die manchen unter uns nicht bekannt waren. Ich, der ich seit 2 5 Jahren die österreichischen Alpen als Bergsteiger aufsuche, habe sehen müssen, wie schon lange vor dem Weltkriege seitens der Antisemiten in den Alpen jede Gelegenheit wahrgenommen wurde, gegen uns zu Hetzen. Worte, wie „Judengesindel.", „Sanjud" las man in Schinäh- und Spottgedichten in Frernden- und Gipfelbüchern. Ich habe gesehen, daß jüdische Touristen, denen man den Juden auf den ersten Blick ansah, in Gasthäusern einfach nicht bedient wurden, trotzdem sie höflich und bescheiden austraten. Ich kann auch bestätigen, daß im Salzburger Land, mit Ausnahme des Salzkammergutes, der Antisemitismus ganz besonders blüht. Selbst in G a st e i n, wo in jedem Jahre zahlreiche Juden aus den verschiedensten Ländern ihre Kur gebrauchen, schläft der Antisemitismus nicht. Natürlich haben die jüdischen Kurgäste nicht unter der Bewegung zu leiden. So dunem ist man nicht, daß man nicht gern die teuren Pensionspreise von ihnen nimmt. Aber wer Gelegenheit hat, als Jude unerkannt Gespräche über die verdammten „Jutte" Zu belauschen, der bekommt eine Ahnung, wie man über uns spricht, sobald die jüdischen Kurgäste abgereist sind. Sehr schlimm sind meine Erfahrungen, die ich in Kärnten gesammelt habe. In diesem schönen Land w o h n e n meines Wissens überhaupt keine Juden. Man kennt sie also nur aus den Berichten der Kärntner Presse. Was in dieser seit langen Jahren an Judenhetze geleistet wird, grenzt an das Unglaubliche. In Gesprächen, die ich mit eingeborenen Kärtnern führte, hörte ich immer wieder den Satz: „Daran sind die Juden schuld." Ter Haß hat sich so bei den Bewohnern festgesetzt, daß Personen, denen Juden schon sehr gefällig gewesen sind, heute Hakenkreuze tragen. Nach diesen Erfahrungen habe ich beschlossen, die österreichischen Alpen nicht mehr aufzusuchen. Ich halte es als Jude unter meiner Würde, meine Ferien dort zu verdingen, wo wir Juden als Menschen zweiter Klasse angesehen werden. Hermann Hetz (Hildesheim). Haluth in Erez Israel. Das Sonderheft „Erziehung" der Zeitschrift „Der Jude". Besprochen von S t a d t r a b b i ner D r. R i e ge r (Stuttgart)'. Als zweites Sonderheft des neunten Jahrganges der Zeitschrift „Der Jude" ist ein Heft mit dem Sammeltitel „Erziehung" erschienen, nicht wertvoller, aber auch nicht wertloser als die meisten derartigen Zusammenstellungen. In einem ordnungslosen Durcheinander melden sich in diesem Heft 15 „Erzieher" zum Worte, positive und negative, religiöse und nichtreligiöse, Zionisten und Nichtzionisten, Schulmänner und Politiker, die alle etwas zu dem gemeinsamen Thema beizutragen wissen. Die eigentlichen Erziehungsaufsätze der Sammlung sind schwach, sie zwingen zum Vergleich mit nichtjüdischen derartigen Veröffentlichungen, der sehr zuungunsten der jüdischen Aufsatzreihe ausfällt. Der Leser erwartet eine Darstellung der Beziehungen der jüdischen Religion zur Erziehung und der Erziehung zum Judentum und eine Wertung des Jüdischen als Erziehungsfattor. Statt dessen wird ein unmöglicher Vergleich zwischen Religion und Erziehung versucht, von der angeblichen Problematik der jüdischen Erziehung ohne den Versuch ihrer Lösung geredet, der Vater als Lehrer gekennzeichnet, ohne dabei des mütterlichen Anteils an der Erziehung zum Judentum und. Judesein zu gedenken. Die Aussatzreihe wird aber in dem Teile aufschlußreich, der vom, p a l n st i n e n s i s che n Schulwerk handelt, das Fritz L o e w e n - stein als das eigentliche Fundament des Zionismus richtig charakterisiert. Es gehört zum festen Bestand der zionistischen Dialektik, daß der. nichtpaküstinensische Jude, der Jude im Galuth, an innerer Zerrissenheit krankt, an dem widerspruchsvollen Begehren verblutet, in einer Welt heimisch sein zu wollen, die -ihm nie Heimat sein kann. An die Stelle der dem Juden wesensfremden europäischen Landeskultur soll für den Juden die hebräische Kultur treten, die seiner Seele den Frieden und die Heimat schenken wird. Nun sind Jahrzehnte vergangen, seitdem das palästinensische Schulwerk seine Tätigkeit begonnen, so daß die Doppelfrage berechtigt ist: Wie weit steht es mit der hebräischen Kultur in Palästina? Beginnt der neue palästinensische Jude den angeblich so verächtlichen Galuthtyp zu überwinden? Aus beide Fragen gibt die Aussatzreihe des Sonderheftes eine ernste Antwort. ' In dem Essay: „Die Problematik der jüdischen Erziehung" verlangt Viktor Kellner getreu dem zionistischen Dogma eine „kompromißlose und unbedingte Erziehung zu alleinigem Judentum unter Ausschaltung aller nichtjüdischen kulturellen Einflüsse" (S. 10). Seltsam aber, daß alle palästinensischen Stimmen im Sammelhefte gerade die Unmöglichkeit dieser'. Forderung behaupten. Hugo B e r g m a n n gesteht, daß der Versuch des Zionismus, die Ueberleitung der gegenwärtigen palästinensischen Judenheit zur hebräischen Sprache anzubahnen, „allen krampfhaften Anstrengungen" zum Trotz mißlungen ist. Er bekennt, daß der Zionismus „vorschnell ruhmredig von einer Nenaissancebewegung" gesprochen hat, denn, „die Tatsache, daß die Zahl dev hebräisch Verstehenden, der im Hebräischen Lebenden Zurückgegangen ist und ständig zurückgeht, ea> scheint mir außer Zweifel". Gewiß befriedigt das hebräische Schrifttum in Palästina ein natürliches Bedürfnis. Aber „gegenüber den ganzen .Generationen der Erwachsenen unter den Eingewanderten

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