Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 35 (27.8.1926)
- Date
- 1926-08-27
- Page
- Seite 454 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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454 und wird es auch bei den bisherigen sehr zutreffenden Bemerkungen über den Inhalt und die Beurteilung des Begriffes „international" nicht bewenden lassen dürfen- Unsere Erfahrungen haben uns bewiesen, welch ein Unfug mit den Worten „Rasse", „raffendes und schaffendes Kapital" und vielen anderen etrieben wird. Man denke nur, welche Fülle von politischer eidenfchaft schon in dem Wort „Arier" liegt, einem Begriff, der nach der Auffassung namhafter Gelehrter überhaupt nicht zu Recht besteht. Gerade diese Grundfragen, „was hat man sich unter diesem oder jenem Begriff zu denken, welche Erscheinungen des täglichen Lebens fallen unter ihn?", werden immer und immer wieder verwirrt und mit Affekten beladen; dadurch enffteht dann die Stimmung, die den Haß erzeugt und in der der Haß gedeiht. Nach der Klärung der Begriffe wird die Ermittlung der Wahrheit die nächste überaus wichtige Aufgabe bilden. Denn der Haß in Deutschland wird zum Teil, und zwar zu einem nicht geringen, durch die L ü g e n getragen, die unbewußt — als vermeintliche Wahrheit — geistiger Besitz ungeheurer Menschenmasfen sind. Mit Hunderten von Beispielen können wir auswarten.. Sind die „Weisen von Zion" eine Wahrheit oder entspringen sie der Phantasie? Erlaubt das Kol nidre-Gcbet den Meineid? Ist der Ritualmord bei den Juden möglich? Das sind Fragen, die das Jud ent um berühren. Ist es wahr, daß der Satz „Der Zweck heiligt die Mittel" eine Erundlühre des Jesuitenordens ist? Ist es richtig, daß die katholische Kirche unter gewissen llmstäudcn die Lüge als sittlich zulässig erklärt? Ferner alle die hier nicht erwähnten Probleme, die Duhr in seinen Jesuitenfabeln behandelt — sie gehen die Katholiken an. Stadt und Land, Mieter und Vermieter, Kapital und Arbeit und Hunderte von ähnlichen Begriffen, die die Grundlagen unseres ganzen politischen und wirtschaftlichen Denkens bilden, sind in der Vorstellung der Masse mit einer solchen Fülle von falschen Tatsachen, die von keiner unterrichteten Seite irgendwie bestritten werden können und wohl auch im Ernst nicht bestritten werden, vermengt, daß zunächst einmal die Aufdeckung aller dieser Unwahrheiten wichtig wäre. Seinerzeit wurde Hitler von uns öffentlich zu einer Erörterung vor einem unparteiischen Schiedsgericht aufgefordert, das über die Behauptung entscheiden sollte, er werfe in seinen schriftlich niedergelegtcn Vorträgen mit Begriffen und Tatsachen herum, die er nicht verstanden habe und die er infolgedessen dem Publikum in völlig unwahrer Weise darstelle. Hitler hat dieser Aufforderung nicht Folge geleistet, jedenfalls wohl, weil er sich klar darüber war, daß eine derartige Darlegung seiner volkswirtschaftlichen Theorie seine völlige Unbildung, seine geradezu staunenswerte Unwissenheit in diesen Dingen beweisen und somit bei allen Einsichtigen den Glauben an seine politische Vernunft rauben müßte. Sind dann die Grundlagen in bezug auf Klarheit und Wahrheit der Dinge geprüft, so wird die Frage zu besprechen sein, wie die Menschen mit dem Mittel der falschen Beweisführung gegeneinander verhetzt werden. Dabei ist besonders die psychologische und soziologische Bedeutung der sogenannten falschen Verallgemeinerung zu untersuchen. Wir glauben, daß man ohne eine Psychologie unseres heutigen öffentlichen Lebens, die tiefgründig die Mittel und Wege der Dchürung psychischer Affekte untersucht, nicht wird auskommen können, um die Grundlagen auszuzeigen, deren Folgen den Zusammenschluß in Deutschland verhindern und die Volksmassen in so furchtbarer Weise gegeneinander aufhetzen. Bei einer Tagung deutscher Uuiversitätsprofessoren in Weimar im April 1926 über „die deutschen Universitäten und den deutschen Staat" wies Friedrich Meinecke auf die ungeheure Gefahr des sogenannten „emotionalen Denkens" hin. Auch eine hochentwickelte Kultur und Geistesdressur vermag nach seiner Auffassung vor einer Plötzlichen Ueberflutung durch elementare, ungeregelte Dcukmotive nicht zu schützen. Diese „emotionale Denkungsweise", d. h. der Durchbruch von unklaren Wünschen, Urteilen, von unklarem Denken, Fühlen und Handeln, getragen lediglich von Gesichtspunkten bloßer Empfindungen, ohne Nachprüfung der Ursachen, ist der Schlüssel zu allem, was den Zusammenschluß verhindert. IV. Wollen aber die Herausgeber des „Zusammenschlusses" ganze Arbeit tun, so dürfen sie cs, wie es in einem im „Zusammenschluß" veröffentlichten Briese bereits angeregt wurde, nicht bei der Herausgabe einer Zeitschrift bewenden lassen. Hinter ihr muß eine Bereinigung von Männern und Frauen stehen, dieeineLigazurFörderungdesinnerenFriedens zn bilden gewillt sind. Es muß der Versuch gemacht werden — und er wird gelingen — aus allen Parteien diejenigen Elemente zusammenzubringen, denen die Schaffung inneren Friedens durch gemeinsame Arbeit — ohne Aufgabe irgendeiner Weltanschauung — unbedingt notwendig erscheint. Diese Liga muß vollkommen unparteilich zusammengesetzte Ausschüsse zur Erforschung der Wahrheit einsetzen. Diese hätten im großen und ganzen die Ausgabe, erregende Zeitprobleme durch Nachprüfung der den verschiedenen Anschauungen zugrunde liegenden Tatsachen zu einer leidenschaftsloseren Behandlung zu bringen. Sie hätten alles aus dem Wege zu räumen, was als Unwahrheit erkannt wird. Wenn wir zum Beispiel an unsere eigenen Arbeitsgebiete denken, so würde die Prüfung des Tatsachenkomplexes, der mit dem Begriff „Weisen von Zion" zusammenfüllt, durch eine ganz unparteiische Stelle einer großen Zahl gebildeter, einsichtiger Zweifler wieder den Weg zum richtigen Denken verschaffen. Die Monatsschrift „Der Zusammenschluß" hätte die Ergebnisse der Untersuchungen der Liga zu veröffentlichen. Nicht nur das gedruckte, sondern auch das gesprochene Wort müßte in den Dienst der Sache gestellt wevden. Auch hier müßte zu allen Bcvölkerungskreisen im Geiste der Versöhnung gesprochen werden, und zwar nicht mit Beteuerungen und Bitten, sondern mit der Macht der Tatsachen. Endlich wäre gegen die Lüge in der Presse Front zu machen. Wer zum Beispiel die Erörterungen der Gesamtpresse in der Justizangelegenheit Haas (Magdeburg) gelesen hat, sieht, daß die eine Hälfte des deutschen Volkes nicht weiß, was der anderen Hälfte in ihrer Presse gesagt wird. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um Tatsachenentstellungen und grobe Auslassungen in der Berichterstattung für ein anständiges Blatt grundsätzlich unmöglich zu machen. Hier kann mit dem Wort und kann mit der Schrift gewirkt werden. Der verdienstvolle Anfang ist mit Herausgabe des „Zusammenschluß" gegeben. Mögen die Herausgeber ihre Arbeit der Bedeutungdes Gegenstandes entsprechend ausdehnen und innerlich erweitern. Alle Mittel der Technik, alle Einsichten der Psychologie und Logik müssen angewandt werden, um diesen so notwendigen und gar nicht genug zu unterstützenden „Zusammenschluß" zu einer elementar en Bewegung im deutschen Volke zu gestalte n"). Müilbk v. Hemsen. Der Water der „Weisen von Zion" gestorben. Hg. Müller v. Hausen ist vor wenigen Tagen gestorben. Richtiger nennt man ihn Müller genannt v. Hansen. Denn der alltäglich-bürgerliche Name M ü l l e r ist diesem Manne mitgegeben worden. In der Wahl dieses von ihm selbst gebildeten, adlige Herkunft andeutenden Namens liegt vielleicht, wenn man die Gestalt dieses Mannes recht bedenkt, der Schlüssel seines Wirkens. Denn das gleiche Minderwertigkeitsgefühl, das diesen Mann veranlagte, sich zu „adeln", eben dieses Empfinden eigener Unzulänglichkeit, das ihn unfähig machte, mit den Mächten und Gestalten des Daseins so, wie sie sind, fertig! zu werden, mögen im tiefsten Kern der Grund gewesen sein, Vorstellungen für sich und seinen Kreis solange zu verdichten, bis sie Realitäten schienen. In dieser Wirklichkeit lebte dann Müller, mit ihr setzte er sich auseinander. So wurde der Hauptmann a. D. glühender Verfechter der Idee von dem aufeinander nbgestimmten Weltherrschaftsstreben des Judentums und der Freimaurerei. Mit der Begründung des „Verbandes gegen dieUeber- Hebung d e s I u d e n t u m s" im Jahre 3913 wurde die Privatansicht des Herrn Müller bedeutungsvoller. Ten Anlaß für die Gründung gab die im Anschluß au ein fatsch verstandenes Wort des Herrn L o e b in einer Rede im Rheingvld begonnene Polemik gegen das Judentum, das „d e n christlichen S t a a t bekämpfen müsse". Das Mißverständnis klärte sich zwar bald ans, und die „Kreuzzeitung", die Führerin im Kampfe, dementierte loyal unb ausführlich. Herrn Müller ging dies jedoch wenig an. Er hatte feinen Verband, der ihm nun finanziellen und auch sozusagen moralischen Rückhalt gab. Die von ihm herausgegebene Verbandsnwnatsschrift „Au f V o r p o st e n" mit dem schwarzweißrot umränderten Eberkopf als Umschlagzeichnung begann zu erscheinen, und Heft auf Heft füllte sich mit Beiträgen, meist aus der Feder Müllers selbst, in denen die „geheimen Machen- 2) Dev Gedanke des „Zusammenschlusses" fördert auch die Beseitigung häßlichen Gezeters im innerjüdMen Lager. Darüber demnächst.