Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 35 (27.8.1926)
- Date
- 1926-08-27
- Page
- Seite 453 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VerUn, 27. Mgujl 792H V. Jahrgang * Nr. 36 Einzelnummer IS Golöpsennig vMlter sür-eulscdtmn unSluöenMm vryrm des lLukrrü-ll^rÄus üeotscker. StmttsvürseriüöjscdenlUimveusLN MonaLsabonnement 40 Goldpfennig 2\llC$Cm©in0 ZLciflinÖ CÜ0S OtltiLenlUmS zuzüglich Bestellgeld *o Verlag u. SchriftleiLung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. . Fernsprecher: Amt Dönhoff 3584,3595.PostscheSkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel slube O, Berlin SW 68, Linoenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JtcM. für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 die 90 mm breite Reklamezeue 4,»u «/mu Jufammenfchlutz. One ttmevvpKMche F-vdemms. / Vorr Lrrdwks L»oUättdev. i. Angeregt durch verschiedene Veröffentlichungen des ehemaligen Direktors der Bibliothek des Herrenhauses, Dr. Friedrich T h i m m e, getragen von dem Gedanken, daß die dringende Not der Zeit eine Aussöhnung der innerpolitischen Gegensätze zum Erfordernis macht, überzeugt, daß nur eine wesentliche Verminderung der Reibungen das Volksleben kräftigen könnte, hat der C. V. im Frühjahr 1918 die Anregung zur Begründung einer Liga für den inneren Frieden gegeben. Der durch Herrn Dr. Thimme angeregte Gedanke fand bei maßgebenden Politikern aller Parteien grundsätzliche Billigung. Und so war es nach verhältnismäßig kurzen Verhandlungen dem C. V. möglich, eine Konferenz einzuberufen, in der unter Vorsitz Dernburgs über diejenigen Schritte gesprochen wurde, die man zur Verwirklichung des theoretisch so warm begrüßten Gedankens unternehmen solle. Die Ereignisse der äußeren Politik wurden unruhiger. Das schwere Geschick unseres Vaterlandes trat dem einzelnen immer näher vor Augen, und so wurde der Gedanke, dessen Verwirklichung wenigstens zu einem ganz kleinen Teil begonnen hatte, vertagt; nach dem Zusammenbruch blieb er liegen, ohne aber in unseren Reihen vergessen zu werden. Kenner der Verhältnisse des inneren Lebens in Deutschland, die unter unseren Mitarbeitern zahlreich sind, haben sich immer mehr davon überzeugt, daß das Wort vom Wiederaufbau eine Phrase bleiben müsse, wenn nicht mit den u n n ö t i g e n inneren Reibungen Schluß gemacht würde. Keiner von uns hat sich auch nur eine Minute lang dem Gedanken hingegeben, als ob alle Reibungen und alle inneren Kämpfe beseitigt werden könnten. Aber gerade wir in unserem Arbeitsgebiet haben es erlebt, daß Entzweiungen größten Umfangs im Volke entstehen, die mit Weltanschauungsfragen nichts zu tun haben und die dennoch Unfrieden und Haß erzeugen, die zu beseitigen aber nicht gar so schwer wäre. Von diesem Gedanken ausgehend machte der Centralverein das Thema „Innerer Friede" zum Gegenstand eines Vortragsabends vor seiner Hauptversammlung; er hat in seiner Kundgebung nicht nur die Notwendigkeit, daß etwas geschehen müsse, betont, sondern auch, wenigstens in kurzen Umrissen, das W i e angedeutet. In Nr. 11 vom 12. März 1926 hat die „C. V.-Zeirung" einen ausführlichen Bericht über die Vorträge jenes Abends veröffentlicht. Inzwischen hatte Herr Dr. Thimme ohne irgendwelchen Zusammenhang mit dem C. V. auch seinerseits den von ihm schon früher als notwendig erkannten Gedanken weiter verfolgt und brachte') in Gemeinschaft mit Dr. E. Hemmerle im April dieses Jahres eine „Politische Monatsschrift zur Pflege der Deutschen Eintracht" unter dem Titel „Der Zusammenschluß" heraus. Vier Hefte dieser Zeitschrift liegen bis jetzt vor und geben ein klares i) Vergleiche „C. V.-Ze'rtung" Nr. 25, Jahrgang 1926. Bild von den Gedankengängen der beiden Politiker. Sie zeigen, daß die Durchführung dieses an sich schon verdienswollen Versuches hohe Erwartungen nicht enttäuscht. II. Das Programm der Zeitschrift „Der Zusammenschluß" ist: Beseitigung der Ausartungen im politischen und weltanschaulichenRingen. Gehässigkeit und Neid in jeder Form sollen bekämpft, eine Arena für die sachliche und vornehme' Austragung innerer Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten aus allen Gebieten geschaffen, die Probleme der inneren und äußeren Politik von allen Seiten in voller Unbefangenheit und Aufrichtigkeit erörtert werden. Der „Zusammenschluß" bringt deshalb Abhandlungen über Fürstenenteignung, Demokratie und Parlamentarismus, Deutschlands künftige Politik im Völkerbund neben anderen, die mehr das Grundsätzliche, wie „Der Mangel an politischem Verstehen, eine deutsche Schwäche", oder „Die Tragik der Wahrheit", enthalten und starken, erkenntnistheoretischen Wert besitzen. Es ist hier nicht der Platz, auf Einzelheiten zustimmend oder ablehnend einzugehen. Nur zwei Beiträge von ganz besonderer Bedeutung seien erwähnt: Dr. v. Campe, der bekannte preußische Parlamentarier, untersucht „Demokratie und Parlamentarismus" mit dem Untertitel „Zersetzung oder Zusammenschluß" und geht, unter starker Benutzung der psychologischen Methode auf die Grundfragen ein, die heute den Zwiespalt in die Beurteilung unseres parlamentarischen Lebens tragen. Und Dr. Gertrud Bäumer schreibt in einem hervorragenden Aufsatze über „Lebensgefühl und innere Einheit der deutschen Jugendbewegung". Sie entfernt sich zwar anscheinend etwas von dem direkten Ziele der Zeitschrift, dient ihm aber anderseits in außerordentlichem Maße, weil sie auf die unsere Jugend bewegenden seelischen Entwicklungstendenzen im einzelnen klar hinweist. HI. Es ist notwendig nachzuprüfen, ob der Inhalt der vorliegenden Hefte zu dem gesteckten Endziele führt und ob überhaupt die Herausgabe einer Zeitschrift auf die Dauer allein ausreicht. Die grundsätzlichen Aufsätze, wie namentlich die Abhandlungen über die Tragik der Wahrheit, weisen schon den Weg. zu der so notwendigen Klärung derjenigen Probleme, die den Unfrieden hauptsächlich verursachen. Man wird da zunächst mit der Klarstellung der Begriffe, besonders über die Grundfragen unserer politischen Vorstellungen, beginnen müssen. Einer der Mitarbeiter hat bereits in dem letzten Heft des „Zusammenschlusses" daraufhingewiesen, wie notwendig eine Klärung des deutschen Vaterlandsgedankens ist. Man wird nicht verfehlen dürfen, auf die Begriffe „national" und „sozial" in aller Gründlichkeit einzugehen.