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Central-Verein-Zeitung · 1926-08-20 · 34 (20.8.1926) · p. Seite 448

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
34 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
Seite 448 (sequence 12)
Language
German
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„Gesänge für öle hohen Zesttage." Das Individuelle des jüdischen Menschen soll sich auch in feinen Gesängen spiegeln. Es wäre eine Heuchelei an heiliger Stätte, wollte man den Choralstil ausschließlich zur Grundlage des jüdischen Gottesdienstes machen. Davon hält sich Emanuel Kirschner in seinen „Gesängen für die hohen Festtage"*) in angemessener Entfernung. Die religiöse Stimmung wahrt er wie der Autor eines Oratoriums, denkt aber an die Regsamkeit jüdischen Naturells und benutzt sofort innerhalb des Chorsatzes die kantoralen Verbindungslinien, um in figurierter Orgelbegleitung in mustergültiger Weise die Singstimme 31t umrahmen. Im Mali towu geschieht es nach Regeln, die eine völlige Beherrschung alten Kirchenstils 'dokumentieren. Mit dieser Formenkunst wurde Kirschner bahnbrechend, als er vor 30 Jahren als erster jüdischer Musiker in feutm W'schomru und anderen kantoralen traditionellen Singweifen als Wegweiser erschien und lehrte, wie selbst unsere älteste jüdische Vorbeterart durchaus vereinbar ist mit einer Formulierung, wie sie gebildeten Menschen heute durch allgemeine Musikkenntnisse in Fleisch und Blut übergegangen ist. Er macht sich in allen den herrlichen Kompositionen für die Jomim noriom nicht Zum Sklaven uralter Sangesbräuche. Dazu besitzt er zu viel selbstschöpferische Phantasie, hingebende Andacht und biblischen Geist. Er schüttet alten Wein in neue Schläuche. Geht an den Feinheiten nicht vorüber, die wir Ln prachtvoll durchgeführten Orgelpunkten — fortschreitender Harmonie auf gleicher Basis —■ Nachahmungen — Fermatenfüllung mit Durchgangsnoten —- usw. gewöhnt sind. Vergißt über alle Kunst aber niemals den heiligen Platz, von dem aus die inbrünstigen Melodien be§ M’chalkel chajim (einer schöner als der andere) die hohe Mission zu erfüllen berufen sind, jüdische Herzen vor ihrem Gott wieder zu öffnen. Wie Ln Andacht versunken hält der Vorbeter im Adaunoj, adaunoj mit einem bezeichnenden Wort inne, und der Nachsatz der Orgel spricht gleichsam weiter, was unterdes in der Seele des Vorbeters vorgeht. Wer das hebräische Gebetwort in der Uebersetzung auch nicht wüßte, muß aus der Komposition Kirschners den Sinn herausfinden. Man will der Gemeinde ja nicht plötzlich, was sie zu hören gewohnt ist, nehmen. Aber ^Stücke wie Odom j’ssodo, uwaschofor godol, kapper chatoenu sollten von Kantoren mit kultivierter Gesangsweise in Gottesdiensten mit derselben Berechtigung borgetragen werden wie Gesänge anderer Komponisten. Zu Jugenderinnerungen muß ich Zurückgreifen, um eine Parallele für den Ausbruch stärksten Lebensgefühls zu finden, der mich bei diesem strahlenden (^-Dur-Satz des Halleluja von Kirschner ergriff. So jubelte Haydn in seinem Schöpfungschor „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes", so jubelten auch wir innerlich, als.wir in der Aula unseres Gymnasiums, hingerissen von so starker und sonniger Melodik,, jene Töne im Chore sangen. Wer diese Mrschnerschen Kompositionen studiert, wird auch darüber belehrt werden, wie weit es mit dem Kunstgeschmack vereinbar ist, ins Dickicht der Orientalismen vorznd ringen. Was zur Manier erstarrt ist und was als jüdisch-gottesdienstlicher Wert fortlebt, > ' MagrrrrS Davidsohrh, (Berlin). , *) Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. Jütische Köpfe. Unter dem Titel „Judenköpse" veröffentlicht Samuel Meisels mr Verlag „Dre Neuzeit" (Wien) eine Reihe von Essays jüdischer Persönlichkeiten aus alter und neuer Zeit. Es sind dies Porträts berühmter Juden aus den verschiedensten Geistesgebieten; keine Biographien, sondern Skizzen, die zur weiteren Beschäftigung mit dem einen oder anderen, der uns in dieser Reihe vorgeführt wird, anregen wollen. Wir finden hier neben Jehuda Halevi und Mose ben Maim0n auch Immanuel N 0 mr und Don Jizchak Abarban e l, neben Ba r uch de Sp i n0 z a und Moses Mendelssohn Israel B a a l s ch e m, den Schöpfer des Chassidismus. Auch eine Reihe zeitgenössischer Persönlichkeiten auf dem Gebiete der Kunst, der Politik und des sozialen LebeuZ werden uns hier geschildert. Die Sammlung, der noch zwei weitere Bände folgen sollen, ist geeignet, das Gedächtnis der Großen in Israel wachzuhalten, * Die Biographie eines solchen Großen in Israel gibt uns Joseph Unna in seiner Schrift „Der Gaon Saadia. Sein Leben und feine Werke" (Verlag von I. B u l k a in Nürnberg). Unna schildert Darin ausführlich das Leben und Wirken dieses geistigen Führers seiner Zeit, der, in Aegypten geboren, das Oberhaupt der Schulen Babyloniens war. Saadias Bedeutung auf allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft, besonders dem der Religionsphilosophie, werden von dem Verfasser eingehend gewürdigt. Auch diese Schrift ist geeignet, besonders in unserer Jugend den Ainn für die Geschichte des Judentums zu erwecken. I. B. marmn <? JJnvaf mannr _i j Baden-Baden Hotel Messmer I Haus I. Ranges gegenüber dem Kurhaus Haus I. Ranges Einheitspreis i Zimmer mit voller Pension bei Vorbestellung 12 M bei Vorbestellung (wenn nicht vorbestellt 10 °|0 Zuschlag) Zimmer, anschliessend Privatbad, mit voller Pension 15 M. Apartement mit Salon nach Vereinbarung Sämtliche Zimmer fliessendesWasser und i Telephonanschluss l r=, Erstklassige Küche 34^ V ^4^1 die Sdivdcuje! Sachs, Machsorim, 2 Bünde, Leinen, für Neujahrs- und Yersöknungstag (Verlag Brandeis), M. 12,—; 4 Bände LI. 14,—. 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