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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1926-08-20 · 5 (20.8.1926) · p. Seite 18

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
2 (1926)
Issue
5 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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erschienen. Es wurde festgestellt, daß nach Ausschaltung aller nur dem Namen nach existierenden Vereine der Verband nunmehr über 120 Vereine mit weit über 10 000 Mitgliedern umfaßt. Besonders erfreulich war es, zu beobachten, wie der Verband sich verjüngte. Während bei den früheren Delegiertentagungen die Delegierten sich fast durchweg aus älteren Führern rekrutierten, sah man diesmal überwiegend wirklich Jugend, die sich begeistert in den Dienst des Verbandes stellte. Dies kam auch bei den Neuwahlen zum Ausdruck. Unter Führung des Schreibers dieser Zeilen wurde der Vorstand stark verjüngt, und, um die Kräfte der alten Führer dem Verband zu erhalten, ein Beirat neu geschaffen, der bei wichtigen Anlässen gutachtlich zu hören und durch Berichte aus dem lausenden zu halten ist. Aus den Veschlüfsen ist der starke Wille zu ersehen, den Verband aus feste Grundlagen zu stellen. Es wurde die Anstellung eines Geschäftsführers beschlossen, der inzwischen in Fritz Schwarzs ch i l d (Wiesbaden) gesunden wurde; ein Fonds wurde geschaffen, um die notwendige Unterstützung der Vereine in- Klein-- gemeinden tatkräftig, in die Wege zu leiten. Der Landesverband Preußischer Synagogengemeinden soll ersucht werden, ausreichende Mittel für die Zwecke der jüdischen Jugendfürsorge bereitzustellen, die in erster Linie den Jugendvereinen in mittleren und ländlichen Gemeinden zugute kommen sollen. Die Bestrebungen der Berufs- Umschichtung sollen gefördert werden. Die Arbeit in den Vereinen und im Verband wurde durch die Referate der beiden Hauptredner Dr. S a l o m o n (Trier) und Dr. Hahn (Essen) eindringlich und klar behandelt. Dr. Hahns bedeutsame Ausführungen werden im. Wortlaut veröffentlicht. Es sei an dieser Stelle eine Bemerkung zu dem Bericht über die Tagung in Nr. 4 der Jugendbeilage vom 11. Juni d. I. gestattet: Der Verband hat in bezug auf die Frage „Deutschtum und Judentum" nie eine andere Stellung eingenommen als die von Robert Salomon und dem Vorsitzenden, der sich ja ausdrücklich auf die. Satzungen bezog, betonte. Er braucht sich also nicht „in dieser Richtung zu entwickeln", da er diese Richtung immer hatte. Er ist auch nie „ein Sanunelbecken jüdischer Jugend gewesen, die unter der Marke Neutralität in Wirklichkeit nationaljüdische Arbeit betreibt". Wer dies behauptet, kennt den Verband nicht oder schließt von Einzelerscheinungen^), die sich selbstverständlich in einen: solch großen Verband nicht vermeiden lassen, aus das Ganze, eine Methode, die wir doch lieber den Antisemiten überlassen wollen. Wir sind gewiß, das; es noch eines großen Weges bedarf, um die Ziele, die wir uns gesteckt haben, zu erreichen, gehen aber unseren Weg in der Gewißheit, vieles beitragen zu können zum Besten der jüdischen Jugend und des gesamten Judentums in Deutschland. IjCtflf iJiCttfröftföi? / Eine notwendige Klarstellung. Das Problem der sogenannten Neutralität in jüdischen Fragen, ganz besonders in Jugendvereinigungen aller Art, ist von jeher leidenschaftlich erörtert worden. Es ist deshalb wichtig, einmal in ganz leidenschaftsloser Weise dem Begriff der Neutralität auf den Grund zu gehen und seine Durchführbarkeit zu prüfen. Neutralität bedeutet^ zu einem bestimmten Fragenkomplex keine grundsätzliche Stellung nehmen, sondern sie jedem einzelnen anheim geben. In diesem Sinne pflegen Geselligkeitsvereinigunaen neutral zu sein. Sie haben lediglich die Unterhaltung ihrer Mitglieder zum Zwecke, fördern das Zusammenleben von Mensch zu Mensch, erwarten von ihren Mitgliedern, daß sie sich auf dem Boden der allgemeinen Moral, der heutigen Kultur und Zivilisation bewegen und nehmen infolgedessen zu religiösen, politischen oder sonstigen Fragen keinerlei Stellung. Allerdings sehen sie voraus, daß ihre Mitglieder nichts tun, was den grundsätzlichen Anschauungen der gesellschaftlichen Form widerstreitet, und können deshalb in diesem Sinne auch als nicht neutral bezeichnet werden. So würden sie jemanden, der sich in bezug aus Tr a ch t, auf die hergebrachte Sitte des rein menschlichen Auftretens aus anders gerichteten Anschauungen heraus anders benimmt, zweifellos auch dann nicht dulden, wenn man. auch dessen Motive durchaus anerkennen würde. Man würde eben sagen, solche Leute passen nicht in unsere Gesellschaft. Also auch in solchen Fragen gibt es, streng genommen, keine völlige Neutralität, und es wird niemand Bereinigungen schassen können, die nicht gewisse Gebundenheiten — seien es auch nur solche primitivster Art als notwendige Voraussetzungen ihres Bestandes fordern müßten. Auch der neutralste jüdische Verein wird den Abfall vom Judentum nicht als eine Angelegenheit betrachten, die ihn nichts angeht. Durch sein Bestehen seht er von vornherein die Tatsache voraus, daß seine Mitglieder am Judentum ein irgendwie geartetes Interesse haben. Jeder jüdische Verein ist infolgedessen wie die gleichartigen Vereine anderer Religionen ein Gesinnungsverein: er machteine bestimmte Gesinnung zur Grundlage. Eine „Vereinigung zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" muß z. B. bei seinen Mitgliedern mindestens die Fähigkeit voraussetzen, in der Eigenart des jüdischen Kunstdenkmals die besonderen jüdischen Werte zu verstehen. Bei allen Vereinigungen, welche Erziehung und Selbsterziehung und namentlich die Heranbildung jugendlicher Menschen zur Aufgabe haben, kann von einer absoluten Neutralität noch weniger als sonst gesprochen werden. Denn der Begriff der Erziehung verlangt die Beantwortung der Frage, auf welcher Grundlage und zu welchem Ende die Erziehung geführt werden soll. Bei den Vereinigungen unserer jüdischen Jugend ist zunächst das Interesse an dem altererbten Judentum innerste Notwendigkeit. Man wünscht, daß der junge jüdische Mensch eine durch Wissen vom Judentum erfüllte Persönlichkeit werde, und betrachtet es daher als hervorragende Ausgabe, sein Interesse dafür zu heben und zu wecken. Wenn man von einer Neutralität innerhalb der jüdischen Jugendvereine spricht, so kann dies also nur eine relative sein, d. h. eine Neutralität, die sich auf die verschiedenen religiösen Auffassungen i n n e r h a l b des I u d e n t u m s und auf ihre Auswirkung im täglichen Leben des jungen Juden bezieht. Der jüdische junge Mann oder das junge Mädchen ist aber nicht nur Jude, sondern auch werdender Staatsbürger oder werdende Staatsbürgerin. Er ist, ob er will oder nicht, nach den Worten eines alten griechischen Weisen ein zoon politicon, d. h. ein politisches Wesen, denn er muß und soll bei all seinem Judesein in irgendeinem Lande, in irgendeinem Volke, in irgendeiner Kultur wurzeln. Die Frage, zu welchem Volke er gehört, welches Land er als sein Vaterland ansieht, welch e Kultur die seine sein soll, ist so ungeheuer wichtig für die Entwicklung des werdenden Menschen, daß eine Vereinigung, die sich die Entwicklung der Persönlichkeit zur Ausgabe gestellt hat, an einer Beantwortung dieser Frage praktisch nicht Vorbeigehen kann. Der verdiente Vorsitzende des Verbandes der neutralen jüdischen Jugendvereine, Dr. Apfel, hat deshalb den Nagel auf den Kopf getroffen, als er in einen: Rundschreiben vom April 1919 dem 8 1 der Satzungen dieses Verbandes die Formulierung zu geben anregte und schrieb: „8 1 der Verbandssatzungen lautete bisher: >Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands bezweckt die Förderung der gemeinsamen Interessen der in Deutschland bestehenden Jugendvereine, welche keine bestimmte politische oder religiöse Richtung verfolgen/ Der Verband hat sich die für ihn selbst und für das gesamte deutsche Judentum ernste Frage vorzulegen, ob er in Zukunft der nationalen Frage gegenüber die sogenannte Neutralität aufrecht erhalten kann. Nach Ueberwindung erheblicher Bedenken habe ich mich dazu entschließen müssen, angesichts der veränderten Verhältnisse dem Verbandsvorstand vorzuschlagen, dem 8 1 der Satzungen etwa folgende Formulierung zu geben: »Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands bezweckt die Förderung der gemeinsamen Interessen der in Deutschland bestehenden Jugendvereine, die auf dem Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung ein bewußtes Judentum pflegend" Ebenso treffend schrieb er: „Tausende junger Juden lehnen es ab, der nationalen Frage gegenüber neutral zu bleiben, und verlangen immer stürmischer eine Stellungnahme des Verbandes hierzu." Damals fehlte noch die Erkenntnis, daß ein Schwanken in der Frage, zu welchem Volke man gehöre, wessen Kultur man pflege, für die Dauer jede Möglichkeit einer gedeihlichen Erziehungsarbeit überhaupt ausschließk. Die Jugend muß wissen, w o sie steht und w i e sie steht. Steht sie auf jüdisch-nationalem Boden, so wird sie in ihrer ganzen Erziehung von anderen Gedanken geleitet, als wenn sie im deutschen Volke ihre politische Heimat und in der Entwicklung Deutschlands ihre Zukunft erblickt. In Wirklichkeit wollte man ursprünglich in den Jugendvereinen diese Frage offen lassen, Meinungsverschiedenheiten über diesen Punkt neutralisieren. Ein Jugendverein, der eine Erziehung am ganzen i) Hierzu sei nur kurz bemerkt, daß z. V. der „Jungjüdische Wanderbund", der aus dem neutralen Verband hervorgegangen und heute der stärkste zionistische Zugendbund ist, unseres Erachtens nicht als „Einzelerscheinung" aufzufassen ist. Die Schriftleituug.

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