Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 5 (20.8.1926)
- Date
- 1926-08-20
- Page
- Seite 17 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ttr. 5 Jahrgang 2 ffeitafle fler öerlin, 2S. August 1-2- Neutralität -er jüdischen fugend. Die vorliegenden Aufsätze sollen die Aussprache über die Frage „Neutralität in jüdischen Jugendbünden" e i n - leiten. Wir begrüßen es, daß Führer der Jugendbewegung sich zu diesem Problem geäußert haben, und hoffen, daß damit die Klärung "dieser Frage, die für die weitere Entwicklung der jüdischen Jugend bedeutsam ist, gefordert wird. D i e Schristle itung. Der verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Von Rabbiner Dr. Klein (Düsseldorf). In einem Aufsatz über „Logen und Jugendbewegung", den das Ha-uptvorstandsmitglied des Centralveveins Dr. Krombach (Essen) in der Festnummer zum Ordenstage im Oktober 1924 schrieb, ging er mit der ihm eigenen Klarheit und Wärme auf die Entwicklung und den Stand der deutschen und jüdischen Jugendbewegung ein. Seine überaus lesenswerten Untersuchungen gipfelten in der Feststellung, daß sich allenthalben die Jugend in einem Kampfe gegen die von der älteren Generation in sie hin-eingetragene Politisierung im Sinne der überkommenen Parteigruppierungen befinde, daß die politische Zerklüftung, der in fortdauernder organisatorischer Umschichtung befindlichen Jugend, nicht nur der jüdischen Jugend, das Werk des Parteiegoismus der Alten sei'. Diese hätten sich nicht gescheut, unter! der offen verkündeten Parole'„Wer die Jugend hat, hat die Zukunft", die gesunden, gerade gegen „die Sünden dev Väter" gerichteten Energien doch wieder für sich -einzufanMn und in das Gegenteil umzubiegen. Die Grundtendenzen der Jugendbewegung führten aber von selbst dazu, daß die Jugend immer entschiedener den Kampf gegen diese unnatürliche Fesselung aufnimmt. Krombach führt zum Bewerfe Aeußerungen aus den verschiedensten Lagern der Jugendbeweguna an. Am eindrucksvollsten erscheint uns die Forderung von Werner M a h r h o l z, daß es eine Wicht der Parteien sei, über den Egoisnms der Parteimaschinen den Gedanken und die Tatsache der Werkgerneinschaft von Hand und Kopf, von Geist und Leib nicht verkümmern Sit lassen. In diesem Problem stehlt Krombach die Entscheidung über das Leben oder Sterben der so groß und kühn begonnenen Jugendbewegung. Wahrhaft beroegte Jugend darf nicht in den Bann von Gruppen und Dogmen geraten. Wer, wie wir, seit vielen Jahren in engster Gemeinschaft mit der Jugend arbeitet, der weiß, wie treffend hier die Psychologie der Jugend gekennzeichnet worden ist. Gerade in den letzten Wochen gelangte an uns ein Rundschreiben eines neu entstehenden Bundes jüngster jüdischer Jugend. In ihm wird von diesen jungen Menschen,' die sich aus allen Lagern Zusammensehen, ausgesprochen, daß es Ausgabe eines Jugendbundes sei, aus Gemeinschaft hinzuwirken. Um die Kräfte der jungen Menschen zur Entfaltung zu bringen, müsse die Erziehung vorurteilslos und undogmatisch sein. Es könne nicht dem Wesen einer Jugend entsprechen, sich endgültig auseinanderzusetzen. Eine Entscheidung könne erst in einem Alten erfolgen, in dem Wissen und ruhige lieberlegung, Erkenntnis der Konsequenzen die Voraussetzungen schaffen. Deshalb dürfe man den jungen Menschen die Entscheidung nicht vorwegnehmen, sie ihnen nicht erleichtern. Man müsse die Problerne an sie heranbringen und sie zur Auseinandersetzung führen. Im Wettstreit der Ideen und Formen müsse man zur Klar-- heit kommen. Menschen zu festigen, das sei die Aufgabe eines Jugendbundes, sie in Freiheit der Entscheidung entgegenzusühren. Dadurch erst würde man Menschen schaffen, die für die Parteien wertvoll seien und sich den Blick siir die Gesamtheit freihielten. — So denkt heute ein sehr großer Teil der Jugend und, wie wir einem Aufsatz der neuesten Nummer der „Blätter des Jüdischen Frauenbundes" von' Else C o h n (Leipzig) entnehmen, auch viele Erwachsene. Hier werden Gedanken üto Neutralität ausgesprochen, welche diesem vielgeschmähten Wort den gewichtigen Inhalt geben, den der Verband der Jüdischen Jugendvereine - Deutschlands von seiner Eiründmrg an der Arbeit seiner Vereine zu geben versucht hat. Dr. Gustav Löffler, «einer der besten.Führer des Verbandes, führte in einem Aufsatz „Jugend und Neutralität" in Nr. 23 vom Jahrgang 1924 der „C. V.-Zeitung" aus: „Dem einfachen Wortsinn nach bedeutet Neutralität freilich nichts anderes als unterbleibende oder bewußt unterdrückte Stellungnahme im Streite zweier Meinungen, zweier Menschen, zweier Gruppen. Der Begriff des Wortes aber, klar erfaßt — und für tiefdenkende Menschen geht es letzten Endes immer um die Erfassung des Begriffs —, mnschließt als Folge der Negation stärkste B e j a h u n g. Positiv gewendet bedeutet Neutralität im Denken und bewußten Fühlen der Menschen, die sich zu diesem Begriff bekennen: Willen und Vermögen zur Versöhnung, Einung, Brüderschaft, Gemeinschaft." Im Zeichen dieser Ideale hat sich der Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands zu der größten Organisation der jüdischen Jugend entwickelt. Im Jahre 1908 gegründet, zahlte er vor Ausbruch des Krieges rund 150 Vereine mit etwa 25 000 Mitgliedern. Der größte Teil der männlichen Vereinsmitglieder zog ins Feld. Trotzdem blieben die Vereine während des Krieges meist unter weiblicher Führung bei der Arbeit. Die Nachkriegszeit brachte, wie bekannt, eure vollständige Umwälzung auch auf dem Gebiete der Jugendarbeit. In richtiger Erkenntnis der Berechtigung der Forderungen der Jugendlichen stellte der Verband seine Arbeit um. Während bis dahin nach Art der Literaturvereine das Hauptgewicht auf belehrende Vorträge und Kurse, die von Autoritäten abgehalten wurden, gelegt wurde, bildete bald den Untergrund der Tätigkeit die sogenannte Arbeitsgemeinschaft, die jeden einzelnen an der aktiven Arbeit beteiligte. Dem religiösen Zuge wurde Rechnung getragen, alle Problem-e des Judentums und des Deutschtums in intensiver Arbeit behandelt. Daneben wurde, dem Zuge der Zeit entsprechend, die körperliche Ertüchtigung in Angriff genommen. Die Jahre 1919 bis 1922 bedeuten Höhepunkte für den Verband. Die Zahl der Vereine vergrößerte sich Zusehen-ds, so daß der Verband schließlich rund 200 Vereine mit über 30 000 Mitgliedern umfaßte. Im Sommer 1922 sah die Delegiertentagung in Bonn über 1000 Personen vereinigt. Da kam der Rückschlag. Alfred Apfel legte bei dieser Tagung sein Amt in die Hände Cora Berliners und einer Anzahl junger Führer. Inzwischen waren die Jngendbewegungsbünde erstarkt, der Jungjüdische Wanderbund, ein Kind des Verbandes, sagte sich von ihm los. Der allgemeine Taumel, von dem oben die Rede war, riß viele wertvolle junge Freunde von unserer Seite hinweg, die schweren wirtschaftlichen Verhältnisse drückten auf die meisten der treugebliebenen Freunde. Cora Berliner legte schließlich ihr Amt nieder, und Gustav Löffler übernahm es, das Schiff des Verbandes wieder weiterzusteuern. Er fühlte sich dazu berechtigt, weil bei einer Führerversammlung in Frankfurt a. M. im Winter 1924 zutage trat, daß trotz allem und allem weit über 100 Vereine erhalten geblieben waren und unentwegt weiter arbeiteten. Das Zentrum der Verbandsarbeit lag in Rheinland-Westfalen, Nordwestdeutschland und Sachsen. Der Westdeutsche und der Rheinisch- Westfälische Landesverband hatten im Anfang des Jahre 1924 ans eigener Kraft sich ein Organ geschaffen, „Der Jugendbund", das schnell seine verbindende und befruchtende Arbeit tat und Zeugnis ablegte von der intensiven Tätigkeit, die in diesen Verbänden geleistet wurde. Fm Dezember 1925 übernahm der Vorsitzende des Westdeutschen Landesverbandes provisorisch die Führung und hatte die Genugtuung, den Verband wieder erstarken zu sehen. Die „Jüdischen Blätter", die alte Verbandszeitschrift, konnten im Anschluß an den „Jugendbund" wieder herausgegeben werden und haben sich in kurzer Zeit derart entwickelt, daß sie zu den gelesensten jüdischen Blättern in Deutschland gehören. Die Delegiertentagung, die in den Psingsttagen in Düsseldorf stattfand, bot für jeden, der tiefer schaute, ein erfreuliches Bild. Aus allen Gauen Deutschlands waren die Vertreter der Vereine Ittfyil#4 Rabbiner Dr. Klein (Dnsseldorf): vtJJtl Der Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. — Was heißt Neutralität? — Ernst Loewenthal (Frantfnrt a. M.): Neutralität bei Gemeinschaftsarbeit der Jugend. — Otto Lindemann und Martin Sobotker: Jugendherbergen- und jüdische Jugend. — Friedrich Borchardtr Jugendburg Hohnstein..