Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-08-13 · 33 (13.8.1926) · p. Seite 434

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
33 (13.8.1926)
Date
1926-08-13
Page
Seite 434 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2277379-2277622-2277655--03098-2283572
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

434 Weizmann und seine Richtung als zu schlapp, pazifistisch und nachgiebig empfanden. Sein Standpunkt des „Alles oder Nichts" hinderte ihn an jedem ernsthaften Politischen Einfluß. Wenn auch Zangwill als Zionist praktisch wenig bedeutete, so ist er doch ein interessanter Typus. Dem deutschen theoretisierenden Nationaljuden, der in seelischer Problematik erstickt, ist dieser assimilierte Engländer, der trotzdem um eine nationale Heimstätte für seine russischen Brüder so heftig kämpft, immer ein Rätsel gewesen. Der unerbittliche Tod hat das Krumme gerade gemacht! Der Politik und ihren Problemen ist er entrückt« Uns bleibt aber nicht nur das Werk des Dichters, sondern auch — zuletzt sei das wichtigste gesagt — das Ande n ken an einen grundgütigen Menschen, dessen schlichte Seele von der alles einigenden und alles versöhnenden Menschenliebe des echten Juden erfüllt war. Irauengedanken über Hie Sprache des Gottesdienstes. Von Rosi Graetzer (Kryschanowitz bei Breslau). „Ueberlaßt die hebräische Sprache dem Munde der gottesdienstlichen Funktionäre', die sie, ähnlich wie die Messe der katholischen Kirche erklingen lassen sollen, aber ihre Erlernung sei nicht mehr Sache des jüdischen Publikums, der jüdischen Kinderwelt" — sind diese Worte von einem P r o s e l y L e n m a ch e r geschrieben, der uns den Boden unserer Tradition unter den Füßen sortziehen will, um uns Halt an einem andern Bekenntnis suchen zu lassen? O nein — so schreibt ein „aufgeklärter" jüdischer Lehrer in einem jüdischen Blatte, und ruft damit all die aus den Plan, die für die Kenntnis der teuren Sprache unserer Väter einzutreten Habens — die M ü t t e r , welche die Verbundenheit mit der Bibel auch ihren Kindern zu erhalten wünschen! Wendet nicht ein: „Die Bibel, die tausendjährigen Gebete, sind in glanzvoller deutscher Uebersetzung erschienen, was brauchen wir unsere Kinder mit den fremden, schweren Hyroglyphen der hebräischen Sprache zu quälen!" - Als ob sich nicht jede für Kenntnisse aufgewandte Mühe einmal belohnte, und das Kind nicht selber Freude daran hat, wenn es den bisher geheimnisvollen Buchstaben einen Sinn entlockt. Wir hüten alten Familienschmuck, alten Familienbesitz als stolze Wahrzeichen eines alten Geschlechtes, und wir sollten uns Des Symbols unseres Jahrtausende alten I u d e n t u m s begeben, dev heiligen Gell e t s s P r a ch e, Die unsere Tempelfeiern, unsere Fanrilienfeste umrankte? Mit welcher Bedrückung empfinden wir z. B. in einem nordischen Lande, das; die Menschen dort, uns an Aussehen, Kleidung, Kultur ähnlich, eine Sprache sprechen, die wir nicht verstehen, und wir treten in das Gotteshaus, in welchem uns die vertrauten hebräischen Klänge grüßen: Welch Glücksgefühl durebslutet uns da, eine Gottesheimat im fremden Lar^de gefunden zu haben! Wir sind dem ausländischen Juden kein Fremder mehr, freudig nimmt er uns in sein Heim, an seinen gastlichen Tisch! Wohl bilden wir Juden kein eigenes Volk mehr, bekennen uns freudig als treue Bürger unseres Landes, w i r denken deutsch und w o llen vaterländisch h andeln und tätig sein! Aber wir Juden sind eine große, über die Erde hingestreute Religions gemeinde, und die Gebetssprache ist das Band, das uns mit den Glaubensbrüdern der ganzen Erde, mit unserer erhabenen Vergangenheit verbindet: Käme ein David zurück, er würde im Gotteshause die gleiche Sprache vernehmen, in welcher er in grauer Vorzeit seine unvergänglichen Psalmen sang! Der Knabe, der an seiner Konfirmation aus des Rabbiners Munde den Priestersegen über seinem 'Haupte vernahm, möchte den hebräi s ch e n Klang der Weiheworte neben dem deutschen nicht missen; es war eben das Herausheben aus dem Alltag, das feierliche Bewußtsein, an heiliger Stellern stehen, was den hebräischen Worten die Resonanz für die junge Seele gab! Und welch erwachsener, aufgeklärter Mensch würde seine Empfindungen in ein laut gesprochenes deutsches Gebet legen wollen, während ihn uralte Tradition wie selbstverständlich zwingt, im Kaddischsagen am Jahrzeittage teurer Angehörigen einen Akt der Pietät auszuüben, der ihn selbst erhebt! Wohl erbaut man sich an einer deutschen Predigt, weil sie in lebendiger, jedesmal neue Gedanken entwickelnder Art und Weise uns zum Aushorchen anregt. Wir Frauen lesen auch mit stiller Andacht die deutschen Gebete unserer Erbauungsbücher. Aber das Verlesen deutscher Uebersetznngen unserer Gebete im Gottesdienst verhallt oft wirkungslos, weil der Inhalt durch die ständige Wiederholung uns zu bekannt ist. Das Alltägliche ernüchtert uns, während wir uns dem einzigartigen Stimmungtzwort nicht verschließen können, mit dem das machtvoll erbrausende: „Schema Israel“ au unsere aufgeschlossenen Seelen klopft! Gestehen wir es uns doch selbst: Gar viele, die ein religiöses Elternhaus besaßen, hängen in tiefer Zuneigung an den frommen Bräuchen, wenn sie auch in ihrer Betätigung liberal sind, um mit den Anforderungen der Zeit nicht in steten Konflikt zu geraten. Ihnen allen wäre die.Ausmerzung des hebräischen Gottesdienstes, der für sie der Ausdruck der Koufession ist, ein unersetzlicher'Verlust. Wie sollen wir ihn „als lateinische Messe der katholischen Kirche bewerten?" Diese war i m m e r den „gottesdienstlichen Funktionären", den studierten Geistlichen, Vorbehalten, weil keiner daran dachte, dem Angebildeten Volke die lateinische Sprache aufzuzwingen. Doch bei uns war es die Sprache unserer Ahnen und ein ungeheurer Faktor des einheitlichen Bekenntnisses, der allein es vermochte, die Juden in der Gefangenschaft aufzurichten imb in der Zerstreuung ihrem Glauben zu erhalten bis aus Den heutigen Tag. Und für Den Juden unserer Tage ist die Kenntnis Der hebräischen Sprache ein machtvolles Werkzeug Der Verteidigung und Aufklärung. Sollen wir von unfern Feinden verleumderisch Die Reinheit unserer Bibel und des Talmuds beschmutzen lassen, ohne sie an Hand unseres Wissens widerlegen zu können? Freilich können wir nicht alle Talmuddeuter sein, aber wir können die Gegner schon entwaffnen, wenn wir ihnen an der Hand des hebräischen Originales beweisen, daß wir täglich zu beten haben: „nicht nur für eigenes Glück, sondern für das der frommen Andersgläubigen." Eie Religion, die von ihren Bekennern das tägliche Flehen zu Gott: „um Reinheit der G e - sinnung und der Handlung" verlangt, kann keine unlauteren Forderungen stellen. Sollen wir uns von den andersgläubigen Geistlichen durch ihre uns überlegene Kenntnis unserer heiligen Sprache beschämen lassen? Legt mit dem Radikalismus der Neuzeit nicht Hand an das Rückgrat unseres Judentums: die heiligeGebetssp rache! Von ihr gilt das Goethe-Wort: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen", dann ermöglichen wir auch der kommenden Generation, sich an der erhabenen Sachs, Machsorim, 2 Bände, Leinen, für Neujahrs- und Versölmun£stag (Verlag Brandeis), M. 12,—; 4 Bände M. 14,-. Sachs, Siddur, Halbleinen (Verlag Brandeis), M. 3,50; Leinen, echt Goldschnitt, M. 6,—. Freund, „Hanna“, Deutsches Andachtsbuch, Leinen (Verlag Brandeis), M. 4,80; Leinen, echt Goldschnitt, Velinpapier, M. 6,50. Neada, Stunden der Andacht, Halbleinen (Verlag Brandeis) M. 2,10; Ganzleinen M. 2,60; Leinen, mit echt Goldschnitt, M. 4,20. Machsor, für Neujahrs- und Versöhnungstag, mit Uebersetzung, 2 Bände (Verlag Lehrberger), M. 12,—; 4 Bände IA. 14,—; 5 Bände M. 27,—. f im BERLIN: Gebetbuch für die Neue Synagoge oder für Fasanenstrasse, Neujahrs- und Versöhnungstag, gebunden.je M. 5,— do. mit Goldschnitt.M. 7,50 u. M. 8,50 Preise und Lieferung freibleibend. uyid u&AA&vidtuY^ S^ihJLvi yw6<T jSlAoUvxltK&lit 4$

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.