Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 32 (6.8.1926)
- Date
- 1926-08-06
- Page
- Seite 420 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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42- Der um 5 Uhr einsehende Empfang der auswärtigen Teilnehmer brachte die erste große Enttäuschung. Denn statt der erwarteten großen Scharen kam eine sehr spärliche Teilnehmer-Zahl in kleinen und kleinsten GrüPPchen, so daß der um 9 Uhr angesetzte Fackelzug er st um 10 Uhr begann. Etwa 600 Teilnehmer (die alle ohne Ausnahme zwei Fackeln trugen, eine als Reserve) mit zirka 25 Fahnen wurden gezählt, dazu drei Spielmannstrupps Trommel und Pfeifen. Auch eine Gruppe Roßbach, zirka 20 Mann mit Lotenkopf-Fä Huchen, wurde gesehen. Das Publikum verhielt sich sehr passiv; es kam zu keinerlei Shmvathiekundgebungen, aber auch zu wenig Ablehnungen. Am Sonntag, um 10 Uhr, fand eine große öffentliche Kundgebung statt, die von etwa 800 Personen besucht war. Des Festredners Angriffe gegen die Juden gingen nicht über das Maß derartiger völkischer Versammlungen hinaus, dagegen gebrauchte er harte Worte gegen den „Judenknecht Stresemann, den er den „auswärtigen" Metzger Deutschlands nannte. Um 2 Uhr sand unter dem Vorsitz des Gausührers Kaufmann im Nebenzimmer des Gasthofes Strickmann eine geschlossene Sitzung für alle Ortsgruppen und N. S. A.-Führer statt. Straffer rügte die mangelhafte Organisation des „Herner Tages". Aus seinen Ausführungen war ersichtlich, daß die Ortsgruppen Dortmund, Essen, Herne usw. gute Fortschritte gemacht h ä t t e n und auch mit ihren Zahlungen an die Hauptgeschäftsstelle München nicht . im Rückstände seien, dagegen sei Gelsenkirchen von 500 Mitgliedern auf zirka 90 zurückgegangen (schuld sei der frühere Vorsitzende S ch n e i d e r, der nunmehr wegen Unterschlagung im Gefängnis sitzt), desgleichen Duisburg, auch Elberfeld halte nicht, was es versprochen. Kurz nach VA Uhr begann -der Werbe- und Propagandaumzug, an welchen zirka 1500 N. S. A.-Leute teilnahmen. Der Zug wurde durch ganz Herne hindurchgeführt. Es kam wiederholt zu sehr schweren Zusammenstößen zwischen Hitlerianern und Republikanern. Dis Hittcrimrer gingen brutal und rücksichtslos gegen aüe A;rdersderrke vor. Die Polizei griff in der Kegel schnell und korrekt ein, konnte jedoch nicht alle Ueberfälle der zahlenmäßig überlegenen Hakentreuzler zurückweisen. Alles in allem zeigte der „Freiheitstag", daß die Hitler- Bewegung auch im Industriegebiet noch immer über eme gewisse Schlagkraft verfügt, wenn auch nicht zu bestreiten ist, daß der Durchschnitt der Mitglieder sich zum größten Teil aus Mittelständlern, verkrachten Existenzen, Erlverbslosen, am wenigsten aber aus bodenständigen Arbeitern zusammensetzt. Eine wirksame Abwehrbewegung gegen die Hitler-Bewegung im Rhein- und Ruhrgebiet ist danach ein Gebot der Notwendigkeit, An unsere Rheinpfälzer Landsleute. Von einem angesehenen christlichen Schulmann, einem gebürtigen Pfälzer, erhalten wir folgende Zuschrift: In Friedenszeiten wohnte in der Pfalz ein lebensfrohes Völkchen. Nach dem Kriege mußte das schöne Psälzerland und sein Volk alle Unannehmlichkeiten einer fremden Besatzung ertragen. Da stand dieses treudeutsche Volk wie ein Mann zusammen, ohne Unterschied von Rang, Stand oder Konfession- Alle hatten ja die gleiche Bedrängnis zu erdulden. Als das unsaubere Gesindel der Separatisten auftauchte, gab ihm das brave Pfälzer Bürgertum — geschlossen in seinen Reihen — den blutigen Lohn. In letzter Zeit erleichterte sich die Schwere der Besatzung etwas und die Inflation der französischen Währung bewirkt, daß sich die Besatzung nicht mehr m dem Maße betätigen kann wie früher. Nun sind die Verhältnisse für unsere pfälzische Bevölkerung etwas erträglicher geworden, und in diesem Augenblick tritt in unserem schönen Gottesgarten ein neuer Störenfried auf — die Nationalsozialisten, die Streicher-Garde. Auch der „Eisenhammer", ihre Zeitschrift, ist nicht Pfälzer Gewächs. Wie könnte auf dem Boden der schwergeprüften Pfalz, wo in den Leidensjahren eine wahre Volksgemeinschaft entstanden ist, auch eine solche Schmähschrift entstehen. Der „Eisenhammer" erscheint nur demNamen nach in Pirmasens, und ist ein bloßer Ableger des „Stürmer" in Nürnberg. Unseren Pfälzer Landsleuten sei es gesagt und eklagt, daß es^für uns Pfälzer in der Ferne eine etrübende L? a che ist, wenn unserer schönen Heimat der Geist eines Streicher ausgezwungen wird, den jeder anständige Mensch in Nürnberg und Fürth innerlich ablehnt. Ich frage euch nun. euch Nationalsozialisten in der Pfalz: Was ist euer Ziel? Politisch dürft ihr euch nicht betätigen, sonst steigen euch die Franzosen aus die Haube. Ihr treibt also eine andere Arbeit. In den hiesigen Städten heißt man diese Arbeit — Wühlarbeit. Da die eure nur ein Ableger von dieser ist, wird dieser Ausdruck auch auf euch zutreffen, da ihr in unserem Psälzerland die Eintracht und den Frieden unterwühlt. Es ist unerhört! Sei t Menschengedenken war die gesamte Bevölkerung der Pfalz mit allen Konfessionen in treuer Arbeit vereint. Wem wäre es je in den Sinn gekommen, gegen einen Israeliten etwas zu unternehmen? Es gab kein paritätischeres LLndchen, al§ unsere Pfalz. Nun wollen die Nationalsozialisten diesen schönen Frieden stören. Uns Pfälzer, die wir in der Ferne weilen, kränkt es tief, daß die alte Eintracht in der Pfalz durch verantwortungslose Menschen verlorengehen könnte und uns dadurch die Heimat verleidet werden würde. Gibt es etwas Traurigeres? Wir haben in unseren Reihen auch brave und tüchtige Israeliten, die ihre Pfalz lieber haben und treuer an ihrer Heimat hängen als der ganze völkische Block in der Pfalz. Liebe Pfälzer Landsleute! Stehet auf und kämpft gegen den Nationalsozialismus! Er ist ein Fremdkörper und eine Wucherpslanze, die von Nürnberg aus in die Pfalz verpflanzt wurde und keinen Segen bringt. Antisemitismus in denffchen Schulen. Auch irr der Tschechoslowakei. Die „groteske Dummheit des deutschen Antisemitismus" in der Tscheche!, von der in der „C. V.-Zeitung" Nr. 31 berichtet wird, ist wirklich erstaunlich und für jeden wahrhaft deutsch fühlenden Menschen tief traurig. Hierzu folgendes Beispiel: Die Juden von Karlsbad, Marienbad, Teplitz, Franzensbad fühlen seit Jahrhunderten deutsch. Ihre ganze Kultur, Sprache, Geistes- und Herzensrichtung ist urdeutsch. Daher besuchten ihre Kinder auch stets die deutschen Schulen. So ging auch das Töchterchen eines entfernteren Verwandten von mir im Jahre 1923 in die deutsche Schule in . . . Als ich im Jahre 1925 wieder dort war, war das Kind umgeschult und mußte eifrig Tschechisch lernen. Als ich den Vater fragte: „Das haben Sie als deutsch fühlender Mann getan?" erhielt ich folgende Antwort: „Das Kind wurde in den Pausen von den tschechischen Kindern der deutschen Schule belästigt. Man rief ihm „Jude", „Judenmädel" usw. nach (nebenbei: das Mädel ist hellblond, hat wasserblaue Augen). Beschwerde in der Schule half nicht viel, da einige Lehrer selbst völkisch sind und die Beschimpfungen indirekt deckten." Da sagte sich der Vater, diese Kränkungen will ich dem Mädel ersparen, und schulte es um. I n der tschechischen Schule gibt es solche juden» feindlichen Beschimpfungen nicht. Wissen die Völkischen und vor allem die v ö l k i s ch e n Lehrer in der Tschechoslowakei, welche D e r b r e ch e n s i e am Deutschtum begehen? 300 000 Juden leben in diesem Lande, also etwa 60 000 Stimmberechtigte. Mit ganzem Herzen sind sie — mit wenigen Ausnahmen — Deutsche! Sie alle werden durch die kurzsichtige . Politik der Deutschen in der Tschechoslowakei mit Gewalt aus dem deutschen Lager fortgetrieben. Ich kenpe welche, die aus diesem Grunde weiße Stimmzettel abgeben, andere, die nationaljüdisch wählen. Werden aber auf diese Weise die jüdischen Kinder erst tschechisch sein, dann wird das Deutschtum mindestens 45000 Stimmen in der Tschechoslowakei verloren haben — und das allein durch die deutschen Antisemiten in Böhmen. Dr. F. Reich. Die „arabischen" weisen von Zion. In Palästina und Syrien verboten. Die berüchtigten „Geheimnisse der Weisenvon Zion", die in den entscheidenden Teilen bekanntlich aus einer französischen Schrift der sechziger Jahre abgeschrieben sind und mit deren Geheimnissen Benjamin Segel in seiner Schrift „Die Weisen von Zion", die im Philo-Verlag erschienen ist, gründlich aufgeräumt hat, sind unter den merkwürdigsten Umstünden in verschiedene Sprachen übertragen worden und haben nun auch ln arabischer Sprache das trübe Licht ihrer Welt erblickt. Die arabische Ausgabe, die vor einigen Monaten in Beirut erschien, trägt zwar den Druckvermerk „Kairo"; dieser soll aber ersichtlich nur irreführend wirken. Die Typen sprechen dafür, daß die Ansaave in Bei r ut selbst hergestellt worden ist. Die arabische Uebersetzung ist aus dem Fvan zö s i scheu übertragen, und der Verfasser, ein maroni tisch er Geistlicher Anton Jamin, hat ein eigenes Vorwort vorangestellt. Das arabische Organ des lateinischen Patriarchats in Jerusalem, „Rakib Sion", hatte beim Erscheinen, durch die Aufmachung der verleumderischen Schriften irregesührt, eine enrpsehlende Notiz veröffentlicht. Die maßgebenden Stellen des Patriarchats find aber über den Charakter der Schrift alsbald aufgeklärt worden und weisen jede Unterstützung solcher Kampfesmittel weit von sich. Erfreulicherweise hat der englische Oberkommissar von Palästina, wie curch vor kurzem der französische Oberkommissar von Syrien die Verbreitung der Hetzschrift verboten. Wenn auch davon sicher Exemplare in der arabischen Bevölkerung umlausen werden, so ist doch der Verbreitung im wesentlichen Einhalt getan. Bei der Tatsache, daß leider die eingeborene Bevölkerung von Palästina und Syrien zu erheblichen Teilen nicht lesen kann, ist mit emer weiteren irgendwie erheblichen Verbreitung der Schrift nicht zu rechnen. Ein naher Freund unserer Sache hat m unserem Aufträge bei seiner Anwesenheit in Palästina auch noch andere erfolgreiche Schritte unternommen, um der weiteren Verbreitung dieser nur Haß und Bösartigkeit erzeugenden gefälschten Kampsesschrist das Wasser abzugraben^