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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-30 · 31 (30.7.1926) · p. Seite 406

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
31 (30.7.1926)
Date
1926-07-30
Page
Seite 406 (sequence 2)
Language
German
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406 Wir kennen die Anzahl hervorragender jüdischer In genieure, wir wissen, in welch hohem Mähe aus unseren Reihen tüchtige Elektrotechniker, begabte Baum ei st er hervorgegangen sind. Stellt man fest, daß alle diese wertvollen Elemente nicht angestellt werden, weil sie Juden sind, so wird man über die Unklugheit der Unternehmer st a u n e n, nnd man wird geradezu erschrecken, wenn man bestätigt findet, daß in vielen Unternehmungen schon der Gedanke, etwa einen Juden beschäftigen zu sollen, geradezu Bestürzung auslöst! Nicht aus ausgesprochenem Judenhaß, wie nochmals betont sei, sondern weil man seit Jahrzehnten einigen wenigen Schreiern im Betriebe nachgegeben hat. Darin liegt ein großer Teil der Macht all der offen und verkappt gegen die Juden gerichteten Verbände, wögen sie Namen und offiziöse Tendenzen haben, wie immer, daß sie in einer Volkswirtschaft, die immer mehr zu einer gewissen Bureaukratisierung neigt, geschlossen die Konkurrenz tüchtiger jüdischer Bewerber auszuschalten vermögen. IV. Die sogenannte „Rationalisierung" unserer Wirtschaft ist eine Notwendigkeit. Man sieht ein, daß in einer großen Anzahl von Betrieben die zunehmende Bureaukratie Unglück gestiftet hat. Rationalisierung heißt Betriebsführung nach vernunftgemäßen, wirtschaftlichen Gesichtspunkten! Wer sie durchführen will,! wird vor allen Dingen mit Vorurteilen bei der Personalein st e l l u n g aufräumen müssen. Er wird eine Revision der Fragebogen vorzunehmen haben und wird sich vergewissern müssen, daß lediglich die Tüchtigkeit entscheidet und daß nicht das Judesein eines Bewerbers von vornherein gegen seine Verwendbarkeit spricht. Die Leiter großer Unternehmungen werden da ihren > Personalchefs etwas mehr auf die Finger sehen müssen und die Mitglieder der Anssichtsräte werden einmal uachprüfen müssen, ob die Beschäftigung, die ein Unternehmen gewährt, nur nach wirtschaftlichen und nicht nach^ Politischen Gesichtspunkten verteilt wird. Rationalisierung heißt aber weiter auch, den Mahnruf an v i ele Krei se unserer jüdischen : Wirtschafter r i ch t e n , die durch Verständnis und Weitblick Einfluß aus die Entwicklung unserer Wirtschaft . nehmen, und ihnen dringend ans Herz legen, i m Interesse u nd im A llei ni n t e r es se der von ihnen beein- ' flüßten Betriebe einmal nachzusragen, wieviel Inden in ihnen beschäftigt werden. Wir verfügen über traurige Beispiele in großer Zahl, wonach man sich in den Kreisen jüdischer Wirtschafter vor dieser Frage drückt, obwohl sie eine Lebensfrage : für die deutsche Volkswirtschaft sein kann. Die jüdische Be- : völkerung verfügt über einen großen Teil fleißiger, Willi i g e r und fachlich gut v o r g e b i l d e t e r Kräfte, deren genereller Ausschluß aus einer großen Anzahl von Betrieben sich unbedingt ebenso zum Schaden der gesamten Volkswirtschaft wie zu ihrem eigenen Nachteil auswirken muh. Rationalisierung der Wirtschaft bedeutet endlich, daß auch der Staat und die öffentlichen Körpers ch a f t e n, insbesondere die Kommunen, ihre Beamten lediglich nach dem Gesichtspunkte der Tüchtigkeit auswählen, daß der Staat Garantien dafür schafft, daß in einer Zeit, wo jedes Beamtenaehalt eine Belastung der Steuerzahler darstellt, alle wirklich Fähigen, aber auch nur die wirklich Fähigen, beschäftigt werden, daß der Staat ein Auge aus die Universitäten wirst und sich einmal fragt, ob es richtig ist, daß bei der größten Anzahl seiner Universitätskliniken, und sonstigen Institute jüdische Bewerber für bezahlte Assistentenftellungen von vornherein au^geschlossen werden, daß die Kommunen zu dem Grundsatz übergehen-, bei ihren wirtschaftlichen Einrichtungen nur Tüchtigkeit und Anständigkeit, nicht aber Abstammung nnd Glauben entscheiden lassen. Der Kampf um die Durchsetzung dieses gesunden und anständigen Grundsatzes ist schwer, aber er muß geführt werden, um mit Beschränktheit und Vetternwirtschaft aufzuräumen. Wir müssen ihn führen und werden ihn führen sowohl aus Pflicht unseren Freunden gegenüber, wie ans der Erkenntnis, daß unserer deutschen Volkswirtschaft gedient wird, wenn mit dem mittelalterlichen Brauch der für die Juden gesperrten Berufe Schluß gemacht wird. Der beliebte Trick. Die „Deutsche Zeitung" über Wirths Aufruf. Der frühere Reichskanzler W i r t h, führendes Mitglied der Zentrumspariei und aus alter katholischer Familie, hat im „Berliner Tageblatt" bekanntlich einen „Aufruf a n a l l e entschiedenen Republikane r" veröffentlicht, mit dem Ziel, diese zu einer „festen republikanischen Union" zu vereinen. Das ist eine Angelegenheit, die in das parteipolitische Gebiet fällt nnd die damit außerhalb des Bereichs des Centralvereins liegt. Der völkischen Presse bleibt es Vorbehalten, auch diese Angelegenheit nach nun schon etwas abgeschmackter Methode zu einer „jüdischen" zu stempeln. Die „Deutsche Zeitung" (Nr. 217b vom 20. Juli 1926) schreibt wörtlich das folgende: Der 'Aussatz ist in der s ü h t ende n Zeitung des deutschen I u d e n t u m s erschienen. Er beruft sich einzig und allein auf die G e d a n k e n g ä n g e des s o z i a l d e in o k r a t i s ch e n Juden Frank, und wenn sein Verfasser selbst auch kein Jude ist, so find doch dessen Beziehungen zur Inden heit eine feststehende Tatsache. Wir gehen mithin unter gar keinen Umständen fehl, wenn wir diese „neue gemeinsame Basis für die deutsche Republik" als einen rein jüdischen Vorstoß gegen rechts ausfassen. Jede Klärung der Lage mutz uns aber rcd>i sein. Mit Genugtuung begrüßen wir es deswegen, daß jetzt die „republikanische Bewegung Deutschlands" auch von der Gegenpartei als eine ansg e s p rochen j ü d i s ch e Angele g e n h e i t bezeichnet wird. Wenn die Juden so einflußreich sind, daß sie sogar einen früheren ReichskanZler ans Zentrumskreisen Zum Werkzeug ihrer vermeintlichen Umtriebe anstiften können, so mögen di e Völkischen schon Recht haben, die auch Teile der völkischen B e w e g u u g als verjndet und gewisse Völkische als In den - knechte ausgeben.- Ob das schon ans den Verfasser des Leitaussatzes der „Deutschen Zeitung" zutrisst? Wer die Gegnerschaft gegen den Wirthschen Plan durch Lächerlichkeit im Stile der „Deutschen Zeitung" bloßstellt, der handelt doch stark gegen „völkische Belange". Was zu beweisen war. Und wer's nicht glaubt, der kriegt einen Taler! Wenn zwei öasfekbe tun... Lttdendorff und fein Schweizer Bankhaus. lieber Zwistigkeiün finanzieller Natur Zwischen General Silben - dorfs und seinem ^hweizer Bankier, Dr. Adolf B o r ch a r b t, berichtete in diesen Tagen eingehend die deutsche Presse. Das „Berliner Tageblatt" war in der Lage/ aus Prozeßakten nntteilen zu können, daß Ludendorff „durch den großen Erfolg seiner Kriegserinneruugen erhebliche Einnahmen Zuflüssen, bei denen er mit einer scharfen steuerlichen Erfassung rechnete. Er (Ludendorff) brachte Dr. Borchardt gegenüber zum Ausdruck, daß von den Einnahmen seines Buches ihm voranssichllich nahezu alles weggesteuert werben würde . . „Durch die Beziehungen Dr. Borchardttz sollte das Kapital so angelegt werden, daß Ludendorff dadurch Guthaben im Auslände erhielt, die er bei einer nvtgodrungenen Abreise aus Deutschland im Auslände verfügbar hätte ..." „Tr. Borchardt hatte gemäß dem ihm von. Ludendorff erteilten Auftrag einen Teil des Ludendorfsschen Geldes bei der Danksirma Eeeil A.-G. in Zürich angelegt." Diesebei der völkischen Einstellung Ludendorsss Zumindest eigenartigen Geldgeschäfte werden erst klar, wenn man weiß, daß die Angelegenheit in der I n s l a t i o n s Z e i t spielt. Das „Berliner Tageblatt" schließt denn auch aus den Akten, Tr. Borchardt mache also „seinem „nationalen Heros" den unverblümten Vorwurf, daß cr zum Zweck der Steuerhinterzichnng und zur Sicherung feines Vermögens ihn mit Ftapitalvevschiebnngen ins 'Ausland beauftragt habe, was bekanntlich für Ludendorff wie für Dr- Borchardt ein strafbarer Verstoß gegen die Dcvisenordmrng war." Es ist hier nicht unsere Aufgabe, sestznstellen, ob die vom „Berliner Tageblatt" aus den Akten gezogenen Folgerungen berechtigt sind oder nicht. Man könnte sogar über diesen neuen Fäll Ludendorff großzügig hinwcggehen, wenn nicht immer wieder Teile der deutschnationalen Presse, vor allem aber die Völkischen, ans dem Vergehen eines xbeliebigen Juden dem Judentum als solchem einen Strick Zu drehen versuchten. Man stelle sich vor, gegen -einen führenden deutschen Inden würde dieser Vorwurf attemnäßig erhoben, — wochenlang, ja jahrelang, lvürden Völkische in Zeitungen und Versammlungen über den Betreffenden mit Schmähungen. Herfallen und ein solches Geschehnis Zum hochwillkommenen Anlaß rücksichtsloser Bekämpfung und Beschimpfung des Judentums überhaupt nehmen. Im Breslauer „Alldeutschen Verband" feierte ein Dr. Rosikat „Des Freiherrn vom Stein Auferstehung in Ludendorfs". „War Stein", so führt Dr. Rosikat aus, „die repräsentative Persönlichkeit" der Zweiten völkischen Wallung, so ist Ludendorff die der dritten". Dr. Rosikat behauptet, L n d e n d o r f f kenne keine Taktik; ,,-k e n n t e e r sie, w ü r d e er sie nicht a n w ende n". Auf politischem Gebiete wird Dr. Rosikat recht haben, In seiner V er m ö g e n s v e r wa l t u n g aber scheint uns, nach den Enthüllungen des „Berliner Tageblatts", Ludendorss — was die Völkischen den Inden ja immer nachsogen — ein f eh r g u ter Taktiker zu sein.

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