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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-30 · 31 (30.7.1926) · p. Seite 405

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
31 (30.7.1926)
Date
1926-07-30
Page
Seite 405 (sequence 1)
Language
German
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<mrrol Serlin, 30, Juli 1020 V, Jahrgang ❖ Nr. 31 Einzelnummer 10 Gslöpfennig VMtrr für-elUscdtmnM undluornkum Monatsabonnement 4» Goidpfennig Allgemeine Zeiiund des Gudenrums zuzügllch Bestellgeld Verlag u. SchrffLleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. , Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bant, Wechsel» stube O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigknannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,99 MJL für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) fite Mitglieder d. Centralvereins 0,45 Jl<Mt die 90 mm breite Reklamezeile 4,89 3l<&* Wnpn des üntrdVmins alTcher. StmUsdüryeriüvtlcde« OlmütensTt* Gespevvie Berufe. Don Ludwig Holländer. i. Die in der Schwierigkeit unserer wirtschaftlichen Lage begründete Notwendigkeit, bei der Berufswahl besonders vorsichtig zu sein, ist für uns Inden durch die Sperrung einer großen Zahl von Berufen verschärft. Man gebe sich nach dieser Richtung keinen beruhigenden Täuschungen hin, sondern suche den Dingen auf den Grund zu gehen. Dann wird man bestätigt finden, daß sich die Zahl der Berufsmöglichkeiten für unseren Nachwuchs verringert. Auf der einen Seite zwingen die Schwierigkeiten,' in denen sich ein großer Teil unseres Einzelhandels befindet, dazu, die Wahl des kaufmännischen Berufs von einer besonders ernsten Eignungsprüfung abhängig zu machen und darum in Wirklichkeit zu beschränken, anderseits gibt der Umstand, daß die Großbetriebe in allen Zweigen, auch im Handel, durch ihre Bureaukratisierung dem jüdischen Nachwuchs Erschwerungen auferlegen, zu ganz besonderen Bedenken Anlaß. Hier muß eine Erscheinung geschildert werden, die sich immer mehr bemerkbar macht. Gegen sie anzukämpfen, ist vielleicht nicht leicht, aber notwendig. II. Jeder Großbetrieb neigt zur Cliquenbildung. Es ist nicht wahr, daß allein Staat und Gemeinden bureaukratisch sind. Jeder Großbetrieb muß notwendigweise mehr und mehr zur Bureaukratie gelangen, weil der Ueberblick einer führenden Persönlichkeit über die Gestaltung des Betriebes immer schwerer wird, je mehr dieser an Umfang zunimmt. Dabei zeigt es sich, daß die Anstellung der Mitarbeiter immer mehr von Aeußerlichkeiten als von der wahren Eignung des Bewerbers abhängig gemacht wird. Wie geht es bei solchen Anstellungen zu? Zunächst kommen die beliebten Fragebogen mit Religionsangabe an die Bewerber. Füllt nun der jüdische Bewerber diese Rubrik wahrheitsgemäß aus, so ist es von vornherein klar, daß er als Bewerber ausscheidet, wenn die Hand, durch welche der Fragebogen geht, einer Persönlichkeit angehört, die dem völkischen Gedanken nahesteht, oder sich mit den rechtsradikalen Verbänden nicht schlecht stellen will. Die große Erfahrung, die unsere langjährige Tätigkeit gibt, beweist, daß im Gegensatz zu früher heute mehr denn je ganz offen ausgesprochen wird, man wolle keine jüdischen Angestevlten und Beamten; nicht etwa, weil grundsätzlich an ihnen etwas auszusetzen sei, sondern weil man Reibungen mit völkisch eingestellten Kollegen und . Kolleginnen befürchtet. So kommt es insbesondere, daß die Frage der guten Beziehungen, die durch Jugendvereine, Studentenkorporationen, Parteivereine usw. gewonnen werden, also kurz: d i e Z u g e h ö r i gke i t z u K ä st e n innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft, sinmer bedeutungsvoller si'ir die Erlangung einer Stellung wird. Die unleugbare Tatsache, daß selbst unbemittelte Familien ungeheure geldliche Opfer bringen, um ihren Söhnen die Möglichkeit deS Eintritts in eine sarbentragende Studentenkorporation zu gewähren, ist meist auf die Erwägung gegründet, daß die B e z ieh u n g en i m sp ä t e ren Leben die gemachten Aufwendungen erheblichwettmachen werde n. Die Gedankenrichtung solcher Familie ist durchaus nicht etwa abwegig. Wir finden in der Tat, daß nicht nur in den öffentlichen Körperschaften, sondern in einer großen Reihe von Privatunternehmungen die Auslese des Nachwuchses nach derartigen kastenmäßigen / Gesichtspunkten erfolgt. III. Diesem Umstand ist cs zuzuschreiben, daß Neid und Furcht vor Wettbewerb dem jungen Juden den Eintritt in eine große Reihe von Berufszweigen überhaupt unmöglich macht, wobei man das Wort „überhaupt" nicht im rechtlichen, sondern im tatsächliche n Sinne verstehen muß. Gewiß, wir sind berechtigt, Bergbau zu studieren, wir können uns dem Schiffsbau zuwendeu, haben das Recht, alle Berufe zu ergreifen, aber wir können es t a t s ä ch l i ch nicht. In früheren Jahren hat der C. V. seinen von Erfolg gekrönten Kampf gegen die tatsächlich bestehenden Beschränkungen im Studium des Schisfs'baues in der Oesfentlichkeit dargestellt. Die Möglichkeit aber, eine Anstellung zu siuden, die erfolgte Vorbildung nutzbar im Dienste der Volkswirtschaft zu verwenden, wird praktisch immer mehr und mehr erschwert. Gewiß, man kann Chemie studieren und sich auf der Universität durch besondere Erfolge und besondere Tüchtigkeit auszeichnen. Me wenig große chemische Fabriken gibt es aber, die einen jüdischen Chemiker oder Chemikerin anstellen? Man frage einmal nach, wieviel Juden in der sogenannten Schwerindustrie, wieviele im Innendienst der großen Versicherungsgesellschaften, wieviele bei den Werften beschäftigt sind. Der Fragebogen macht die bewerbende Persönlichkeit unmöglich, sobald das dort als verhängnisvoll geltende Wort „jüdisch" eingetragen ist. Die Zahl dieser tatsächlich gesperrten Berufe ist Legion. Sie hat die Tendenz, sich zu vergrößern, weil eine nationalistisch und antisemitisch verseuchte Jugend immer mehr das Bestreben zeigt, im Berufsleben mit politisch Gleichgesinnten nur den Weg eigener Beschränktheit zu gehen. flfttd hflttl * *"♦ Gesperrte Berufe. Von HllWr "vlll a. ♦ Ludwig Holländer. — Großdeutfche oder kleinvöllische Studentenschaft? Von Kammergerichisreferendar Werner Msenbsrg. - 58 Jahre ÄUSMttSgeseh. Von Moritz A. Loeb (Berlin). - Vor der Gründung eines Reichsveröandes jüdischer Gemeinden.

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