Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 30 (23.7.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- Seite 396 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
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. Lusgesetzt. Line Art Femgericht waltet unfehlbar gegen alle „ttefrertreteir". Beamte, Angestellte und alle aus dem großen Heere derer, die irgendwie ihre Existenz aus dem riesigen Apparat der Sowjets ziehen, werden srist- und erbarmungslos entlassen, sobald ihnen das „Verbrechen" einer religiösen Handlung wie Vornahme der Beschneidung oder Beteiligung an einem Gottesdienst — nachgewiesen wird. Die Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen haben ein wachsames Auge für diese Art von „Reinhaltung" ihrer Kreise. In Charkow, Odessa, S l u tz k, H o m m e l, Minsk und vielen anderen Städten wurden auf höchsten Befehl die ältesten und schönsten Synagogen beschlagnahmt und in Klubs oder Getreidespeicher verwandelt." Wir sind überzeugt, injener Presse die ohne das Märchen dom jüdischen Bolschewismus nicht leben kann, wirw man von diesen Feststellungen leine Notiz nehmen, Die Wirtschafts-Enquete. Eine begrüßenswerte Untersnchnngsarbeit. Seit dem 7. Juni tagt in Berlin der Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft, der auf Grund eines Beschlusses des Reichstages einberufen worden ist, und der sich aus 11 vom Reichstag, 9 vom Reichswirtschastsrcck, 9 von der Reichsregierung und 6 kooptierten Mitgliedern Mummensetzt. Diese Enquetekommission ist nicht die erste, die in Deutschland tagt, denn es sind ihr bereits in den letzten Jahrzehnten eine ganze Reihe ähnlicher Untersuchungsausschüsse vorangegangen, erinnert fei an die sozialpolitischen Untersuchungen der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, au die Kartell- und die Börsenenguete, schließlich an die Erhebungen' der Sozialisieruingskomwission, die bald nach dem Umsturz einberufen wurde, und an die Agrar- und LextiL-EnqueLe, die der Reichswirtschastsrat im vorigen Jahr veranstaltet hat. Man hat diese Untersuchungskommissionen den englischen nachgebi-ldet, wo sie bereits feit mehr als 100 Jahren die Aufgabe haben, aktuelle Fragen der Volkswirtschaft zu erforschen. Diese letzte Königliche Kommission Zur Untersuchung der K o h l e n f r a g e, also des Schicksalsproblems der englischen Volkswirtschaft, stand unter der Leitung von Sir Herbert Samuel, dem ersten Oberkommissar von Palästina. Nach .dem Must er ^dieser englischen Enqueteko nrmissio nen ist jetzt der Untersuchungsausschuß mit Vollmachten ausgestattet worden, wie sie noch niemals in Deutschland ein derartiger Ausschuß besessen hat. Er erhielt die Berechtigung, für seine Zwecke überall Erhebungen anzustellen, jegliches Material, das er benötigt, anzufordern, und der Vorsitzende des Ausschusses ist berechtigt, die Vernehmungen unter Eid vorzunehmen!. t Das Programm des Ausschusses scheint ein ungeheuer großes zu sein, die Kommission hat infolgedessen zunächst sechs Unterausschüsse eingesetzt, und zwar für die allgemeine Wirtschaftsftruktur, für die Landwirtschaft, für das Gewerbe (Industrie, Handel und Handwerk), für Geld- und Kreditwesen, für öffentliches Finanzwesen und einen sozialpolitischen Ausschuß zur Untersuchung der Wirkung von Arbeitszeit und Arbeitslohn aus die Arbeitsleistung. Diese einzelnen Ausschüsse haben bereits wieder Arbeitsgruppe n gebildet, und die Enquetekommissionist damit beschäftigt, nach Ausstellung der verschiedenen Arbeitspläne daS ungeheure Material zu sichten. Schon die Börsen-Enquete war seinerzeit einberufen worden, um der anLifemitischen Hetze gegen die „jüdische" Börse zu begegnen und die Bedeutung dieser Institution aufs gründlichste zu erforschen.. Wir begleiten daher die Untersuchungen der Enquetekommission mit großem Interesse.. Ihre Erhebungen „über die Wandlungen im Gesamtgefüge der wirtschaftlichen Unternehmungen und Betriebe Deutschlands und in den wirtschaftlichen Organisationssormen, sowie die Untersuchung der „Wandlungen des Volksein, ko m mens und Volks Vermögens", wie es im Arbeitsplan des ersten Hauptausschufses heißt, ferner die Probleme, die den Ausschuß für Geld- und Kreditwesen beschäftigen, werden von strengster Objektivität getragen sein. Besteht doch dieses Gremium aus Männern der verschiedensten Weltanschauungen und Wirtschaftsausfafsungen, das nur dann mit Erfolg arbeiten kann, wenn es die Sachlichkeit als das leitende Prinzip erklärt. Wir hoffen zuversichtlich, daß sich aus den Forschungsergebnissen der Enquetekommission die Behauptungen beweisen lassen werden, die wir in vielfachen eigenen Untersuchungen bereits ausgestellt haben, nämlich daß von dem immer wieder behaupteten überragenden Einfluß der Juden auf die deutsche Volkswirtschaft oder gar von ihrer Beherrschung durch die deutschen Juden keine Rede sein kann, ja, daß die Wandelungen, die Deutschlands Wirtschaft in der letzten Zeit durchaemacht hat, die Proletarisierung der deutschen Juden beschleunigt hat. Gewiß wird die Fragestellung des Ausschusses nicht tauten: Besteht eine jüdische FiuanKherrschaft? Denn es ist ja nicht seine Aufgabe, den Behauptungen der Völkischen nachzugehen, aber die Schlüffe, zu denen die Enquete führen muß, werden sicherlich indirekt die beste Antwort aus diese völkischen Ideologien geben. L. L. Das vierzehnte Gebot. Eine Ergänzung zu verr Geboten Carnpes. Der Abgeordnete v. Campe, der Vorsitzende der deutschvolksparteilichen Fraktion im Preußischen Landtag, hat in der „Kölnischen Zeitung" 13 Gebote ausgestellt, deren Befolgung zur Entgiftung des politischen Lebens in Deutschl a n d dienen soll. Wer begrüßte nicht warmen Herzens jeden Schritt in dieser Hinsicht? Deutschland kann weder im Innern gesunden, noch nach außen hin die verdiente achtunggebietende Stellung erreichen, solange ein ungeheurer Teil Deutscher im Volksgenossen z u e r st den Politiker und dann erst den Deutschen sieht, solange Begriffe wie „national" und „international", falsch angewendet. Klüfte schassen und erhalten, solange Deutsche nicht nach Leistungen und vaterländischem Verhalten ihrer Volksgenossen sich richren, sondern vermeintliche Rassenunterschiede und pseudowissenschaftliche Bluts- Proben für die wichtigsten Unterscheidungsmittel innerhalb des deutschen Volkes ansehen. Der Abgeordnete v. Campe hat in glücklicher Weise versucht, wesentliche Streitfragen aus dem Politischen Leben auszuschalten, zum Beispiel die Fragen: Republik oder Monarchie, Weimarer Verfassung, Flaggenfrage, Reichspräsident, und sie in ihrer Bedeutung so darzustellen, daß sie me und nimmer der böse Zankapfel zwischen den Parteien sein können. Unter den dreizehn Geboten vermissen wir allerdings ein, wie uns scheint, sehr wichtiges. Wir ergänzen es als das vierzehnte Gebot: „Religiöses Bekenntnis oder vermeintlicher Naffenunterschied dürfen in keinemFalle die Träger derselben von vornherein als minderwertig erscheinen lassen. Vor dem Gesetze, wre im politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben, sind alle Deutschen jedweden Bekenntnisses und jedweder Partei glei ch." Wir glauben, daß ein solches Gebot, von allen Parteien anerkannt, ein wahrhafter und wirksamer Fortschritt im innerpolitischen Leben des Vaterlandes wäre. Wann dieses Gebot aber Tatsache wird, das ist in den Sternen geschrieben. Hktler. Der Prozeß mit dem Völkischen Block. Trotz der glanzvollen Heerschau in Weimar geht es mit Hitlers Führerruhm abwärts. Noch vor einem Jahr hätte es sicher kein „deutscher Mann" gewagt, die geheiligte Führerpersönlichkeit vor Gericht zu ziehen. Heute erkühnt sich der ganze Völkische Block im Bayerischen Landtag, die von der alten Hitlerpartei abgespaltete gemäßigtere Gruppe, acht Mann stark, Hitler und seinen getreuen Schriftleiter R o s e n b e r g wie den Nächstbesten wegen Beleidigung anzuklagen. Rosenberg spielt beim Prozeß keine bedeutende Rolle; er ist nur nach dem Preßgesetz für das verantwortlich, was im „Völkischen Beobachter" steht. In der Redaktion selbst hat er anscheinend nicht viel zu sagen; denn Hitler erklärt vor Gericht, Rosenberg sei nur sein Angestellter und habe auszuführen, was er ihm befehle. Sv mußte er Ende Februar auch einen Ausruf des Führers abdrucken, in dem er feinen Groll über die Ungetreuen entlud, weil sie ausgerechnet am Gründungstag der Partei eine Konkurrenzversammlung mit Gras R e v e n t l o w und Herrn von G r a e s e als Rednern einberufen hatten, die dann die Anhänger Hitlers nach allen Regeln der Kunst sprengten. In diesem Aufruf wurden die Herren des Völkischen Blocks als Schwätzer, Stänkererklub, Verrätergesindel bezeichnet. Auch von jämmerlichem Versagen, parlamentarischer Mogelei und ähnlichen Dingen war die Rede. Die Aussprache vor Gericht zwischen Hitler und seinen alten Freunden Dörfler und Drexler — einst gefeiert als der ehrliche Mann der schwieligen Faust, heute hingestellt als ein Mann ohne Charakter — gestaltete sich sehr heftig und förderte einige Neuß ex ungen zutage, die für die völkischen Vorkärnpfer recht kennzeichnend sind, z. B.: Daß der inzwischen verstorbene Polizeipräsident Pöhner mit Bezug aus Hitlers Freunde Esser und Streicher geäußert hat, er setze sich nicht auf einen Dreckhaufen, daß Hitler zu der Auseinandersetzung mit den völkischen Brüdern mit einer Nilpferdpeitsche bewaffnet erschien; das größte Aussehen aber erregte die Behauptung DörskerZ, daß Hitler am Tag nach seiner^ Entlassung aus der Festungshaft, noch bevor er Lud endorff besuchte, einen Empfang beim Ministerpräsidenten erwirkte und ihm dabei erklärte, er stehe ihm und — der Bayerischen Volkspartei Zur Verfügung. Hitler versuchte seinen Erklärungen einen etwas anderen Sinn zu geben, Dörfler hielt aber an feiner Darstellung fest und benannte dafür den Ministerpräsidenten Held als Zeugen. Da für die widersprechenden Behauptungen nahezu 50 Zeugen benannt wurden, vertagte das Gericht die Verhandlung; wir fürchten, daß die Mitwelt dadurch um den Genuß gebracht wird, den Helden-- tampf bis zu Ende zu verfolgen, daß vielmehr die Vertagung den feindlichen Brüdern, die sich vor dem Schöffengericht so tapser geschlagen haben, Gelegenheit geben wird, sich wieder zu vertragen. Dem „Völkischen Beobachter" ist dieses Mal schon die Anwesenheit Zahlreicher Berichter statt er gegnerischer Blätter bei der Gerichtsverhandlung sichtlich au? die Nerven gegangen. W. L.