Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 30 (23.7.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- Seite 395 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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r Eine verhältnismäßig strenge und für uns bedeutsame Neuerung enthält der § 168 des Entwurfs bezüglich der Störung Des Gottesdienstes. Heute ist eine solche Störung nur dann strafbar, wenn die religiöse Handlung, die gestört wurde, an einem allgemein dazu bestimmten und geweihten Orte, also etwa einer Synagoge, stattfand; nach dem Entwurf aber wären sämtliche gottesdienstlichen Handlungen geschützt gleich, an welchem Orte sie ausgeübt werden. Gerade der jüdische Gottesdienst ist aber nicht an einen bestimmten Raum gebunden, kann überall da fein, wo die bestimmte Anzahl von Männern sich zum Gebet vereinigt, so daß also der Gottesdienst in einem Sterbehaus von nun an unter die Bestimmung fiele. Sie lautet: „Wer den Gottesdienst einer Religionsgemeinschaft mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt verhindert, ivird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Versuch ist strafbar. —• Ebenso wird bestraft, wer absichtlich den Gottesdienst einer Religionsgesellschaft durch Erregen von Lärm oder Unordnung oder auf ähnliche Weise stört, oder wer an einenl zum Gottesdienst bestimmten Orte beschimpfenden Unfug verübt. — Dem Gottesdienste stehe n einzelne gottesdienstliche Handlungen gleich." A Die den Schutz der Rechtsgüter der einzelnen angehenden Bestimmungen werden in einer der nächsten Nummern dieses Blattes behandelt werden. <><>0<><><><><><><><><><X><><>0<><><><X><><><>0<CK><><><><>0<><>0<X><>C><><><5<X>^^ Der Papst über -en Judenhaß Laut einer Meldung der ,Wiener Morgenzeitung" hat der Papst in diesen Tagen Monsignore van Aseldonk, den Gründer der katholischen „Gesellschaft der Freunde Israels" in Audienz empfangen. Der Papst erklärte, daß er den» Kampf gegen den Antisemitismus, die in den katholischen Ländern gefährlich angewachsene Bewegung, unterstütze. Er sagte wörtlich: „Es ist gegen das katholische Prinzip, die Juden zu verfolgen. Die Juden sind ein göttliches Volk, obwohl ihre höhere Intelligenz zu rationalistisch ist." Der Papst erinnerte dann, daß er seinerzeit bei dem Rabbiner Pana Hebräisch gelernt hatte und daß er während seiner Anwesenheit in Polen mehrmals jüdische Synagogen besucht hat. Er schloß seine Rede mit den Worten: „I ch u n d einige Kardinäle sind Judenfrennde und wir unterstützen die Gesellschaft der Freunde Israels und den Kamps gegen den Antisemitismus." Von angesehener katholischer Seite wird unS dazu geschrieben: Vor kurzem las man in den Zeitungen die Nachricht von der Gründung der „A m i c i d ’ I s r a e 1 e" in Rom, einer Vereinigung angesehener katholischer Geistlichen und Laien, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den unchristlichen modernen Antisemitismus zu bekämpfen und Katholiken und Juden einander näher zu bringen. Nun kommt die Meldung, daß der Heilige Vater den Präsidenten der Vereinigung empfing, die Bestrebungen derselben lobte und sich selbst sowie einige Kardinäle als Freund der Juden bezeichnete. Eine Bestätigung dieser Meldung muß natürlich abgewartet werden. Aber wenn sie sich auch nicht in allen Teilen als zutreffend erweisen sollte, so dürste sie doch die in den maßgebenden vatikanischen Kreisen vorherrschende Gesinnung wiedergeben. Sie entspricht auch vollkommen der konzilianten Art des regierenden Papstes, Pius XI., der übrigens als guter Kenner der hebräischen Sprache gilt; er hatte in Polen wiederholt Gelegenheit, mit jüdischen Kreisen Fühlung zu nehmen. Auch sein mittelbarer Vorgänger Pius X. hat sich gegen den Antisemitismus entschieden ausgesprochen. Bekannt ist das angenehme Verhältnis, welches in Deutschland zwischen amtlichen katholisch» kirch.ichen Stellen und dem Judentum besteht. Die Einstellung der Zentralleitung der Kirche und der katholischen Welt im allgemeinen zum Judentum beruht auf Momenten vorwiegend religiöser Art: Wir Katholiken sehen in unseren jüdischen Mitbürgern Nachkommen des Volkes Gottes, wir achten ihren Sinn für Tradition und ihre religiöse Orientierung, die gegen den Atheismus und die kulturkämpserischen Tendenzen einflußreicher Elemente im Antisemitismus vorteilhaft absticht; wir empfinden den engen Nationalismus, der dem modernen Antisemitismus vielfach zugrunde liegt, als etwas Unkatholisches, und wir wissen, daß die Leidensgeschichte der Juden manche auffallende Parallele mit unserer Leidensgeschichte ausweist. Darum findet der heutige Antisemitismus unter Katholiken und in katholischen Ländern — von vorübergehenden Erscheinungen abgesehen — keinen rechten Nährboden. Darum auch entsprechen die Worte, die voü Pius XI. berichtet werden, der im Katholizismus, besonders in dessen führenden Kreisen, vorwiegenden Einstellung zum Judentum. Dr. theol. Carl Maria Kaufmann. De? Haß gegen öle Religion. So arbeitet der „jüdische" Bolschewismus. Der Haß des Bolschewismus gegen alles, was Religion heißt, liegt in seiner Natur begründet. Er würde seine eigene Auflösung fördern, wenn er das Volk dem Einflüsse kirchlicher Glaubenslehren überließe. Der Bolschewismus macht hierbei keine Ausnahmen, so unangenehm es auch den Verfechtern der Idee einer inneren Verbundenheit von Bolschewismus und Judentum sein mag, soweit die jüdische Religion in Frage kommt. In diesen Blättern ist schon wiederholt, vornehmlich im Zusammenhang mit den sogenannten Chederprozessen in Charkow auf diese Erscheinung hingewiesen worden. In jüngster Zeit hat das Zentralorgan für das orthodoxe 'Judentum, ,D e r Israeli t", Gelegenheit genommen (Nr. 28 vom 8. Juli 1926), sich mit der traurigen Lage der jüdischen Religion in Rußland zu beschäftigen. Wir lesen dort: „Sehen wir zunächst für einen Augenblick von unseren religiösen Aspirationen ab und betrachten wir die Leistungen der großen Voltsbeglücker für das, was sie selbst, die Männer wie Prilutzki, „Kultur" nennen. Der ganze Büchervertrieb in Rußland ist monopolisiert, liegt in der Hand von beamteten Wächtern des Knl.turnive.aus und des literarischen Geschmackes des Volkes. Das Niveau wird wie mit einer Sprungfeder nach Bedarf hinauf- oder hinuntergeschraubt, der Geschmack gezüchtet unter dem Gesichtspunkte der Staatsraison. In den letzten acht Jahren durste aber kein einziges hebräisches Buch, egal welcher Art, M Rußland erscheinen, ebenso ist die Einfuhr von hebräischen Büchern und Zeitschristen strengstens Verbote n. Das Volk des Buches soll dem Buche, seiner Lebensquelle, entzogen werden. Dabei zeigt sich die Sowjetregierung recht entgegenkommend gegen die sogenannten Kulturbedürfnisse der anderen Minoritäten. In tatarischem, in ukrainischem und allen anderen Idiomen von zum größten Teile analphabetischen Völkern erscheinen Bücher und Zeitungen, die sich der weitestgehenden Unterstützung der Regierung erfreuen. Der ukrainischen Judenheit ist von der Kiew er Regierung zur Pflicht gemacht, die ukrainische Presse zu unterstützen. Das Zeitungs- und Schriftenverbot für Hebräisch besteht nach wie vor, trotz mancher Verjuche zur Abschaffung oder Milderung. Alle Bibliotheken des früheren „Vereins zur Verbreitung von Bildung unter den Juden in Rußland" sind von der Regierung beschlagnahmt, die Bücher schlummern in den Regalen ihrer Geifangnisse unter strengster kommunistischer Bewachung.. Kein Exemplar wird ausgegeben oder zur Einsichtnahme! aufgelegt. Für die drei Millionen Juden in Rußland gibt es keine einzige Schule in Stadt und Land, in der das hebräische Wort in alter oder neuer Form sich laut an die Oeffentlichkeit wagen dürfte. Wo das in nichtöffentlichen Schulen geschieht, geschieht es insgeheim, in steter Angst vor den bösen Folgen. Märtyrerheldentum oder Marannentum, einen dritten Weg zur Erziehung der Kinder für das heilige Wort und den sich hinter ihm verbergenden heiligen Gedanken gibt es nicht. In Gefängnissen schmachten jüdische Lehrer, die es wagten, Bibel und Talmud zu lehren. Wenn auch in letzterer Zeit direkte Eingriffe in das religiöse Privatleben und öffentliche Gerichtssitzungen über religiöse Einrichtungen ausgeblieben sind, da den Massen ein Gefühl für die Rechtlosigkeit in ersterem und die Lächerlichkeit im zweiten Falle allmählich aufgeht, so ist doch de facto nach wie vor,ein großer t; Teil der Bevölkerung dem größter Drucke in dieser Beziehung