Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 29 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- Seite 385 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Keine Hakenkreuze in -er Schulaula. Eine Antwort des prerchischen Knltnsministers. Eine wichtige Entscheidung hat der preußische Kultusminister aus eine Beschwerde der Völkischen in N o r d h a u s e n getroffen. Dort hatte die Deutschbundgernoinde das staatliche Gymnasium für eine Veranstaltung der Hakenkreuzler verlangt. Gynmasialdirektor Tritte! erklärte jedoch, daß er die Aula des Gymnasiums zur Benutzung nicht hergebe, trenn das Hakenkreuz in der Aula als Ausschmückung oder sonstwie als Abzeichen gezeigt werde. Auf die Beschwerde der Völkischen erwiderte der preußische Kultusminrster mit erfreulicher Deutlichkeit: „Das Staatsministecrum billigt das Vorgehen des Studiendirektors des staatlichen Gymnasiums in Nord» hausen. Wenn die Aula einer staatlichen höheren Schule an eine Vereinigung vergeben wird, die durch das Führen des Hakenkreuzes sich dein Verdacht aussetzt, staatsfeindliche Bestrebungen zn verfolgen, so ist es Recht und Pflicht des Schul» leiters, falls er dieser Vereinigung die Aula überhaupt überläßt, für Sicherungen zu sorgen, die Kundgebungen gegen die Republik in staatlichen Räumen verhindern." ' Professor Dessauer oder die Geschichte einer Berichtigung. Die Geschichte hat drei Kapitel. Der Hintergrund ist die „Deutsche Zeitung", deren Unempfänglichkeit für objektive Richtigkeit wiederholt sestgestellt werden mußte. Erstes Kapitel: Der NeichstagsaLgeordneLe Johannes Wolf veröffentlicht in der „Deutschen Zeitung" vom 5. Juni einen Aufsatz „Der Jude als Kirchenlehrer", der sich mit dem Zentrums» abgeordneten Professor D e s s a u e r befaßt und behauptet, ,>er (Dessauer) ist, wie bestimmt versichert wird, getauft. Er ist aber unbestritten Rassejude". Zweites Kapitel: Professor Dessauer läßt durch seinen Anwalt an die „Deutsche Zeitung" eine Berichtigung senden, in der dargelegt wird, daß er niemals Jude gewesen sei, sondern einer seit weit über 1-00 Jahren christlichen Familie entstamme. Die „Deutsche Zeitung" glossiert diese Berichtigung in einer Art, deren Tendenz schon aus der Ueberschrist hervorgeht: „Echt jüdisch! Wie der Dessauer berichtigt." Drittes Kapitel: Abgeordneter Wolf, der Verfasser des Aussatzes, der die Campagne einleitete, veröffentlicht in der „Deutschen Zeitung" eine Erklärung, wonach er sich davon überzeugt hält, daß Dessauer weder Jude sei noch Verbindung mit dem Judentum habe. Wolf schreibt: „Nachdem Herr Professor Dessauer das erklärt, ist es für mich eine selbstverständliche Pflicht, diese Erklärung be» kanntzugeben, da es mir nichL daran liegen kann, ein em M e ns ch e n Unrecht zu tun." Der Dienst am Volke. Wocherrvetrachtung. Es ist nicht Sache der Religion, in die Politik und in die Kämpfe der Parteien einzutreten. Dagegen ist ihre Aufgabe, stets auf der Seite derer zu stehen, die für Recht und Ordnung eintreten. Nach diesem Grundsatz hat auch die jüdische Religion stets gehandelt, getreu dem Grundsätze der Alten: „Bete für das Wohl der Regierung! Denn wäre nicht die Furcht vor ihr, so würde einer den anderen lebendig auszehren." Indes können wir aus der Geschichte Israels und aus der Weisheit von Bibel und Talmud manche Erfahrungssätze entnehmen, die uns über die heilsamsten Methoden der Regierung belehren. Regierung i st nach Anschauung der Bibel ein Die nst am Volke, eine Mühe und Last, die der Regierende übernimmt. Man übergibt ihm, wie der Talmud lehrt, nicht eine Herrschaft, sondern eine Knechtschaft. Einer allein kann die Last nicht tragen. Er soll sie mit redlichen Männern teilen. So spricht Mose zum Volke: „Wie könnte ich allein eure Mühe, eure Last und euren Staat tragen." Wer ist geeignet, an der Regierung teilzunehmen: der Regierende soll ein Wann sein, d. h. nach der Erklärung der Alten ein Gerechter. Sittliche Reinheit ist das erste Erfordernis. Er soll zu den Weisen gehören, Kenntnis des Gesetzes und der Lehre besitzen. Doch darf er nicht bloß ein Mann der grauen Theorie sein, sondern muß Verständnis für die praktischen Dinge des Lebens besitzen. Er soll das Vertrauen des Volkes genießen, soll bekannt sein bei seinem Stamme und Einsicht haben für die Not des Volles und seiner Bedürfnisse Das sind goldene Worte, vor Jahrtausenden niedergeschrieben. Wollten doch die Leiter der Völker und Gemeinden die tiefe Wahrheit, welche noch heute in ihnen liegt, berücksichtigen. Hoffmmrrr. i sin meine lieben vorstanöskollegen! l Offener Brief von Justus Aufrichtig. Liebe Kollegen! Dank, herzlichen Dank, lieber Dr. Martin Salorn o n s k r, für Deinen freimütigen Bericht über die „Entdeckungsfahrt in der H ei m a t". Auch ich hörte oft, auch D u, lieber Kollege, vom Ortsgruppenvorstand, „Es bleibt wirklich nichts zu tun". „Man merkt schon nichts mehr Rechtes von den Judenfeinden." Ist es auch in Deiner Ortsgruppe schon so weit, daß der Ortsg r u p p e n v o r s i tz e n d e es selbst gern glaubt? Er versäumt beileibe keine Landesverbandstagung. Nein, was Holländer oder Wiener Neues, Wichtiges sagen, muß man gehört haben. Das ist aber so „vertraulich", daß unser gestrenger Vorsitzender darüber nichts verlauten läßt. Vorwitzige (nur Vorwitzige?) behaupten allerdings, unser Ortsgruppenvorsitzender sei zu bequem, um mit seinem Vorstand die Ergebnisse der Landesverbandstagung durchzusprochen und für die Gruppe auszuwerten. Aber nein! Solch e Vorsitzende bestehen nur in den Mären verklungener Zeiten. Ich täusche mich doch nicht? Oder sollte ... Ja, die V o r st a n d s s i tz u n g e n sind ein eigenes Kapitel der Vereinsgeschichte. Friedrich Rückert kündet: „In grauen Zeiten lebt ein Mann im Osten." Und der Dichter von heute: Wahrhaftig! Im Westen reckt sich eine große Stadt, E s s e n benamset, in der die Ortsgruppe jede vierzehn Tage (oder gar acht?) regelmäßige Vorstandssitzungen abhült. Großartig! Bei uns, bei Euch, liebe Kollegen, ist es anders. Der Landesverband, die Zentrale, der Phiw-Verlag, versenden Anfragen, interessante Rundschreiben, Neuerscheinungen unserer Aufklärungsliteratur —j. oh, sie sind wohlverwahrt in der Brusttasche unseres Vorsitzenden oder in seinem Bücherspind! Wer behauptet, unser Vorsitzender sei kein guter C. Ver, tut ihm durchaus unrecht. Er steht überall seinen Mann, ist bei Behörden geachtet, seine Rede fließt aus Innerlichkeit und Begeisterung — aber nur „seine Ruh" will er haben, und die anderen vom Vorstand sind nur dazu da, um sich wählen zu lassen und um bei persönlichen Auseinandersetzungen gerufen zu werden. Gewiß, ich übertreibe etwas! Ich weiß, es ist nicht überall so, und in den Vorständen wird viele nützliche Kleinarbeit geleistet. Und doch lebt nufer Vorsitzender. Auch bei Euch? Wirklich? Thema: Mitgliedsbeiträge. I st n u r der Schatz m e t st e r sch u l d? Er macht sich's leicht, nimmt irgendeinen armen Schächer aus der Gemeinde. Der kriegt einen Taler dafür. Er geht zn Cohn, besucht Levh, und jeder drückt ihm etwas nach Gutdünken, Laune, Verärgerung in die Hand. Ost zu wenig. Dann meldet sich der Landesverband und ist unzufrieden. Natürlich ist das kein Weg, um befriedigende Beiträge herauszuholen. Da muh jeder Vorstandskollege mithelfen. Persönlich werben, persönlich Beiträge erheben!, heißt das Geheimnis des Erfolges. Laßt nicht locker, bis Ihr das in Eurem Vorstände erreicht habt! Was geschieht bei Euch für die Aufklärung? Das ist die Losung des Tages! Mit Recht! Wieviel christliche Mitbürger erhalten die M o n a t s a u s g a b e der „C. V. - Zeitung"? Sind sie gut ausgewahlt? Welche auf klären de Literatur verschickt Ihr? Sonderbar, daß Euer Vorsitzender davon gar nichts bekannt gab. Ja, warum verlangt Ihr das nicht energisch? Nur nicht die Dinge treiben lasten. Ihr fühlt doch Eure große Veramvortung? Gewiß, liebe Borstandskollegen! Wir sind in den letzten acht Jahren gut voran gekommen. Der C. V. blüht. Unsere Anschauung von Deutschtum und Judentum ist fest gegründet, unerschüttert und unerschütterlich. Jeder aber, der zu unS gehört, muß herein in ben herein. So in den Jahren von 25 zu 35 fehlt noch mancher. Sprecht nur mit ihm eindringlich: Er kommt. Denkt — ich weiß es genau — wei t über 1060 n e u e Mitglieder haben sich im letzten Winter in Groß-Berlin uns angeschlosien, um von anderen Großstädten gar nicht zu reden. Das ist Erfolg, das ist Leben, das ist Stärkung in unserm schweren Kampfe. Aber nie auf diesen Lorbeeren ausruhen. Rasten heißt Rosten. Verabredet in Eurem Vorstande, daß jeder sich in seinem Freundes- und Bekanntenkreise genau vergewissert, wer uns noch fernsteht. Und jeder berichte nach einigen Wochen über seine Erkundigung und ob er den Fernstehenden gewonnen hat. Wir Vorstandsmitglieder der Ortsgruppen sollen den Mit- . gliedern mit leuchtendem Beispiel vorstehend wir sollen die V o r t r u p p e im Kampfe sein, in Eifer und Hingabe für unsere große Idee. Das dürfen keine Phrasen für Festlichkeiten werden.. Solcher Eifer, solche Hingabe müssen vorgelebt« müssen täglich erfüllt werden. In diesem Sinne kollegiale C. V.-Grüße! Euer getreuer Justus A u f r i ch 11 g.