Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 29 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- Seite 386 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SS- RicharS Seer-tzofmaaii. ^Von Heinz Stroh. Am 11. Juli wurde ein Dichter 60 Jahre alt, dessen Ruhm und Ansehen weit über die Kreise der Literatur und der an jüdischen Dingen Interessierten, ja weit über die Grenzen seines Sprach- und Heimatlandes gehen, obwohl, oder vielleicht gerade weil?, er nur zwei Dramen, sehr wenige Gedichte, eine Erzählung und einen Hymnus geschrieben hat. Freilich steckt in diesen Werken*) „Zeitlose Herrlichkeit"; denn Beer-Hosmann ist „ein zeitlos mächtiger Poet. Reichtum, Schönheit, Wärme! In ihm wohnt die Kraft, das Menschlichste tönen zu lassen." So wird er im Leser das Innerste zu rühren wissen, daß Tränen emporsteigen. Sein Gedicht „Schlaslied für Mirjam" gehört wohl zum Musikalischsten, was je in einer Sprache geschussen wurde, ist in seiner Zartheit und Empsindsamkeit das lyrischste aller, die je erdacht gesummt und erlebt wurden, und wird in seiner Tiese, die kristallklar trotz schmerzlichen Wissens, wohl von keinem Vers erreicht. Aus diesem Wunderwerk und Kleinod deutscher Dichtkunst sprechen Erfahrung und Gewinn eines Lebens; durch diese Strophen rauscht die Welt, aufgefangen in Musik, gegossen in Worte. Ja, musikalisch ist Beer - Hofmann; in ihm ist jene schmerzlich-heitere, jene tiefe, leichte Musik seines Landsmannes Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Wesen und Werk er in seiner Gedenkrede, in seinem Hymnus und Bekenntnis zu diesem göttlichen Mürchensänger, so ganz in sich ausgenommen hat, daß es ihn zu diesen herrlichen Worten zwingt: „Aber im Frühling und in Tagen des Glücks, wenn wir am frühen Morgen in unsere Gärten treten, und, mit noch schlasgelösten Gliedern, die feuchte Lust des frühen Jahres und den Duft der Erde wie ein Glück genießen, und hoch über uns ein Vogel in erdentbundenem Flug sich dem Himmel entgegenwirft, alle Seligkeit seines Lebens in Gesang verströmend — dann grüßen wir dich, Wolfgang Amade Mozart! Und dem Frühling, und unserem Glück und dir strömt unsere Seele zu — unaufhaltsam — wie von hohen Bergen hinab zu tiefen Tälern das Wasser rinnt!" Südlich-deutsche Landschaft in unbeschwertem Erdenglück, wer hat noch so jauchzend-demütige Worte für sie gefunden? Vorher waren die Novelle „Der Tod Georg s", ein Frühwerk, im Inhalt und in der Art den ersten Erzählungen Schnitzlers verwandt, voll müder Melancholi-e und zartem Duft, und das Trauerspiel „Der Gras von C h a r o l a i s" erschienen, das trotz der Bühnenwirksamkeit und manchen Theaterefsektes neben dem Bühnensinn seines Verfassers einen Dichter mit sehr menschlichem Blick zeigt. Um den Erfolg beim Theater weiß Beer-Hofmann, der seinen Stücken ein meisterhafter Regisseur war, der am Wort modellierte, die Körper der Schauspieler löste, Bilder stellte und das Ganze aus eine Melodie gestimmt zum Klingen brachte. Sein Vorspiel zum Zyklus „Die H i st o r i e von König David", das bisher allein erst vollendet ist, dieses Vorspiel „Iaäkobs Trau m", das die Auserwahlung Jaäkobs, des Ahnherrn Davids, aus die Bühne stellt, ist schwer, in Klangschönheit dunkel getönt, vom Mythos heiligen Erschauerns und mächtigen Kchauens. Und wenn Jaakob bittet, betet, wenn es aus ihm spricht: „Herr! Was Tein Wille mir auch auserlege . . Wie Krone will ich's tragen — nicht wie Joch! Hast Du mein Blut erwählt zur Feuersackel, Die ob den Wegen aller Volker flammt . . Laß Deiner heiligen Wahl — Herr — nie vergessen, Was fern und spät noch meinem Blut entstammt! — Doch wenn sie es vergessen — müde sinken Am Weg — laß sie in Kleinmut nicht vergehen. .verstummen wir dann nicht im dunklen Ahnen unserer Tragik? *) Die Werke Richard Beer-Hofmanns einschließlich der „Gedenkrede auf Wolfgang Amade Mozart" sind im S. Fischer-Verlag (Berlin) erschienen. Zu beziehen auch durch Phily-Verlag und Buchhandlung, Berlin SW 68, Linden. Maße 13, Ueber Misch- Musik. Von Dr. Hugo Leichterttritt. Seit längerer Zeit schon sind in Berlin und auch in anderen Orten Bestrebungen im Gange, die jüdische Musik zu Pflegen. Zur Propagierung dieses Ziels fanden verschiedene öffentliche Veranstaltungen statt. Eines dieser Konzerte hat vor wenigen Wochen erst Anlaß zu Diskussionen in der Berliner Presse gegeben. Das von der „Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik" aufgestellte Programm wurde in der Kritik einer der angesehensten Berliner Tageszeitungen als durchaus nicht-„jüdisch" bezeichnet. Da über den Begriff „jüdische Musik" in weitesten Kreisen eine große Unkenntnis, zumindest Unklarheit herrscht, dürfte es angezeigt sein, sachlich auf die Frage des näheren einzugehen, ob es überhanpr eine „jüdische Musik" gebe, was ihr Wert und ihre Bedeutung sei, und was man sich von den darauf gerichteten Bestrebungen erhoffen dürfe. Eine „jüdische Musik" im weitesten Sinne gibt es wohl als Synagogenmusik, Volksmusik der orientalischen Juden, allenfalls auch noch als Ghettolied, Tanzmusik der Oslyuden, nicht jedoch im Sinne einer durch hohe Kunst veredelten Musik, wie man von einer italienischen, französischen, deutschen Musik gemeinhin spricht. Es ist wohl der Rohstoff zu einer jüdischen Kunst vorhanden, nicht jedoch diese Kunst selbst. Wohl haben in der Geschichte der abendländischen Musik reichbegabte jüdische Künstler' eine ehrenvolle Stellung eingenommen. Die Juden M e y e r b e e r , Mendelssohn, Halevy , Rubinstein, Gold mark, Mahler, in neuester Zeit S ch ö n b e r g, Bloch, M i l h a u d u. a. kennt jeder, der zur Musik engere Beziehungen hat. Es kann jedoch kein Zweifel sein, daß es sich, zumal bei den älteren der genannten Meister, durchaus nicht um jüdische Musik handelt. Nur in einigen kleinen charakteristischen Zügen mag ihre jüdische Abstammung aus ihre Musik gelegentlich abgefärbt haben, unbewußt, sogar gegen ihren Willen, denn keiner von ihnen hatte jemals den Ehrgeiz, als Meister der jüdischen Musik zu glänzen, sondern als Meister der Musik schlechthin. Daran ändert die Tatsache auch nichts, daß bei seltenen Gelegenheiten der eine oder der andere dieser Meister auch ein Stück geistlicher Musik für den jüdischen Gottesdienst geschrieben hat. Selbst ein so strenggläubiger Jude wie der hochverdienstvolle Louis Lewandowski betont in seinen zahlreichen, die Bedürfnisse des gesamten jüdischen Gottesdienstes deckenden liturgischen Kompositionen die Sonderart jüdischer Musik nur selten und ausnahmsweise; in der Regel ist die Haltung seiner Musik gut deutsch, im Sinne seiner Zeit. Die Idee der „jüdischen Musik" ist überhaupt erst eine Frucht der allerneuesten Zeit. Sie steht im engen Zusammenhang nur dem Erwachen und Erstarken der zionistischen Ideale. Erst seitdem der Begriff des nationalen Judentums Bedeutung gewonnen hat, machen tut Gefolge dieses Begriffs ganz logisch auch die Bestrebungen nach einer nationaljüdischen Kunst sich geltend. Was würde nun zu einer „jüdischen" Musik, die diesen Namen verdient, gehören? 1. Jüdischer Geist, lebendige Tradition; Stammesbewußtsein ebenso wie religiöses Bewußtsein. 2. Eine lebendige Volksmusik als Quelle und Basis. 3. Ein wirtschaftlich gefestigtes jüdisches Gemeinwesen. 4. Eine genügende Menge schöpferisch musikalisch hochbegabter Individuen. 5. Eine technisch und ästhetisch hochentwickelte Kunstübung aus der angegebenen Basis. Bewertet man kühl und nüchtern die tatsächlichen Verhältnisse, dann wird es klar, wie weit wir noch von der wirklich „jüdischen" Musik entfernt sind. Das Versagen eines einzigen von den fünf angeführten Punkten genügt, um das Zustandekommen einer wirklich bedeutsamen Kunst zu verhindern. Der Weg zu ihr könnte nur der eines langsamen, natürlichen Wachstums sein. Selbst Millionenspenden aus Amerika, selbst die klügsten und modernsten geschäftlichen Gründungsmethoden würden das Wachtsum der jüdischen Das „(£. V.-Merkbüchlem" auf das wir in der vorletzten Nummer hingewiesen hatten, enthält u. a. auch einen jüdischen Kalender für das Iahr 5687. Da die Nachfrage sehr stark ist, bitten wir dieOrts - g r u p p e n, die dieses ansprechende, praktische Notiz-und Handbuch beziehen wotlen, ihre Bestellungen dem Philo-Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 13 einzusenden. Bei Abnahme von 20 Stück ä M. 0,60 portofreie Zusendung. Für Werbezwecke hervorragend geeignet.