Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 28 (9.7.1926)
- Date
- 1926-07-09
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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375 hielt ihy nicht einen Augenblick davon Zurück, das zu leisten, was ihm auferlegt war. Freilich' enthalten viele der/ Veröffentlichten Briese Richtigstellungen, Zurückweisungen von verleumderischen Anklagen, Rechtfertigungen und Selbstvertei-digungen, aber nie in einer Form, die um die Gunst der Angreifer buhlen würde, immer nur in der stolzen und vornehmen Art eines Mannes, der nicht um seiner selbst, sondern nur um der Wahrheit willen sich auf diese Klarlegungen einläßt. Wie gering er selbst über diese Dinge dachte, zeigt sich in einem anderen Schreiben an Schwänen, das vom 24. September 1918 datiert ist, und in dem es heißt: „Man kann nur einen kranken, der etwas will oder der sich fürchtet. Ich will nichts -für mich. Sie haben mir alles nachgesagt, was sie ausdenken konnten, mögen sie es weiter tun. Ich habe keine Bitterkeit gegen sie. Wenn sie mir das Leben nehmen — sie nehmen mir nicht viel. — Ich bin wie einer, der beim Packen ist . . . In jenem neutralen Lande, zu dem keine Eisenbahn führt, -erwarten mich mein Vater und mein Bruder, sie begreifen nicht, warum ich verweile. . . Für meine Gedanken ist gesorgt. Heute will das Land sie nicht, weil sie von mir kommen. Es wird sie ausnehmen, und zu seinem Segen, wenn sie von anderen kommen . . Aber nicht nur in diesen hier zitierten Briefstellen, in der ganzen Fülle der zwei Bände Briese an bedeutende, bekannte und an zahlreiche der Oesfentlichkeit unbekannte Personen ersteht uns das Bild eines Mannes, eines Menschen, der größer war, als unsere Zeit, als unser Volk bisher begriffen hat. Dessen Seele reicher und gütiger war in ihrer spröden, zurückhaltenden Ferne, dessen Geist fruchtbarer und beglückender, dessen Kunst höher und reiner, als wir in unserer durch Alltagslasten getrübten Zeit es erkennen können. Und der umfassender und vielseitiger war, als wir begreifen, ehe wir uns eingeehnd mit ihm beschäftigten. Die Auswahl der Briefe, von der ich schon sagte, daß sie streng und enthaltsam ist, ist so getroffen, daß wir uns wenigstens eine Vorstellung von dem Menschen Rathenau machen können. Und der Schmerz in uns über die sinnlose Verblendung, die diesen Geist, diesen Menschen an allem ferneren Wirken zu unserem Wohl gehindert hat, wird größer. Aber wir empfinden, daß das Wort Rathenaus richtig ist, das er auch in bezug aus den ihn treffenden Haß an Schwaner geschrieben hat: „Es. gibt nur ein Gericht, und das ist Vergebung!" Schechitah tut* Bedikah (Schlachtung und innere Untersnchnng). Ans Grund alttestamerrtlicherr, talmudischen und neuhebräischen Quellenstudiums im Lichte -er modernen Hygiene und Fleischbeschaugesetzgcvung. Von Bruno Laufs; Druckerei B. G. Teubner (Leipzig). Die Broschüre, welche sich das jüdisch^rebigwnsgesetzliche Schlacht- und Untersuchungsversahren zum Gegenstand gewählt hat, verdient um so regeres Interesse, als sie eine Dissertationsschrist darstellt, welche die Genehmigung des Rektors der Tierärztlichen Hochschule in Berlin/ Professors Dr. Bongert, erhalten hat. Es dürfte das erstemal sein, daß das jüdische Schlachtverfahren Inhalt einer Promotionsschrist geworden ist. Verfasser selbst, Schlachthofdirektor in Mülheim a. d. Ruhr, gibt als Zweck der Arbeit an, das jüdische Schlacht- und Untersuchungsverfahren vom Standpunkte des modernen Hygienikers und der Fleischbeschauwissenfchast kritisch zu beleuchten. Dem nichtjüdischen Autor ist die hebräische Sprache nicht fremd. Er hat als Quellen neben der hebräischen Bibel Übersetzungen des Talmuds von Surenhusius (lateinische Mischnah- Uebersetzung) und Lazarus Goldschmidt benutzt, sowie die mit Aebersetzungen versehenen praktischen Schächtlehrbücher von Benjamin und Gronemann. Neben allgemeiner Würdigung des Verfahrens gelangen die einzelnen Bestimmungen über die Schlachtung und die Untersuchung der Organe zur ausführlichen Darstellung. Wir begrüßen es als ein sehr anerkennenswertes und vom jüdischen Standpunkt aus besonders dankbares Unternehmen, daß nunmehr weiteren Krersen Gelegenheit geboten ist, die wissenschaftlichen und ethischen Wvankengänge der religionsgesetzlichen Bestimmungen über die Behandlung und den Genuß der Schlachttiere in anschaulicher Darstellung zur Kenntnis zu nehmen. Die Schwierigkeiten, die sich dem Verfasser entgegengestellt haben, sind nicht zu unterschätzen. Trotz fleißiger Benützung der Uebersetzungen wird es einem der talmudischen Literatur Fernerstehenden nicht leicht, die Schwierigkeiten zu überwinden, die aus der Eigentümlichkeit der Stilistik und der Ausdrucksform erwachsen. Der Verfasser hat diese Hemmnisse zum größten Teil glücklich überwunden. Dieses Urteil darf abgegeben werden, obwohl einige nicht unwesentliche Mißverständnisse im Gesamturteil und in Einzelheiten dem Verfasser unterlaufen sind, darunter auch solche grundsätzlicher Bedeutung. Ihre Behandlung würde aber den Nahmen dieser Besprechung übersteigen. So hat"beispielsweise die Erörterung aus Seite 24 unbeachtet gelassen, daß außer den unabhängig von Zeit und Ort unbedingt geltenden Vorschriften der Fleischbeschau eine weitere generelle Vorschrift besteht. Es müssen nämlich solche Organe, an denen je nach Zeit und Ort häufiger Krankheiten austreten und den Genuß des Fleisches gesundheitsschädlich gestalten, einer besonderen Prüfung regelmäßig unterzogen werden. Diese im Talmud wurzelnde Bestimmung wird im Schulchan Aruch ausdrücklich ausgesprochen. Die unmittelbare Benützung des Schulchan Aruch neben den nur Auszüge darstellenden Schächtlehrbüchern Hütte überhaupt den Autor dazu führen können, die Grundsätze und Einzelbestimmungen des religionsgesetzlicheri Schüchtverfahrens in größerer Klarheit zu erfassen. Gleichwohl scheint Verfasser richtig erkannt zu haben, welche außerordentlich ethische und erzieherische Bedeutung den Speisevorschristen des jüdischen Religionsgesetzes, ganz abgesehen von ihrem hygienischen und sanitätspolizeilichen Wert, innewohnt. Die Generalversammlung der Deutschland-Abteilung des Verbandes „ORT" fand kürzlich in Berlin statt. Herr Professor S. Frankfurt begrüßte die Erschienenen. Herr Justizrat Dr. Bro dnitz wurde einstimmig zum Leiter der Versammlung gewählt. Dem Rechenschaftsbericht für die Jahre 1921/25 war zu entnehmen, daß sich die Mitglioderzahl stark vermehrt hat, und daß die Arbeit und die Ziele des Verbandes ein starkes Echo in Deutschland finden. Mit Unterstützung des Arbeitersürsorgeamtes und der jüdischen Gemeinde wird Berlin eine Schneider-Lehrlingsschule erhalten, Stipendien an Handwerker und studierende Techniker wurden gegeben, für die Arbeit in Polen und Beßarabien wurden Zuschüsse bewilligt, die Frauenabteilung entfaltete eine umfangreiche Tätigkeit. Nach Erstattung des Finanzberichtes hielt Herr Dr. A. Singolvwsky einen' Vortrag über dne gegenwärtigen Stand der Tätigkeit des -Verbandes, in den verschiedenen Ländern. Er schloß mit dem Appell, die lebendigen Kräfte der Judenheit für die Ziele des ORT-Verbandes mobil zu macken. Dr. Paul Nathan zollt der großen Arbeit von ORT Anerkennung, meint aber, das Problem der Berussumschichtung in Deutschland werde von den deutschen Juden gelöst werden, ORT sehe am besten seine Ausgabe darin, die Berufsumschichtung der Ostjuden in Deutschland und iw den Ostländern zu leiten und in der gleichen Richtung wie bisher die segensreiche Arbeit fortzusetzen. ■ Bei der Vorstandswahl wurden durch Zuruf die folgenden Herren gewählt: Ingenieur Berland, Rechtsanwalt Bramson, Justizrat Dr. Brodnitz, Dr. A. Singalvwskh, Professor Frankfurt, Bankier Wilhelm Grätz, Direktor Kleemann, Dr. Lwowitsch, Frau Henr. May, Herr Markus, Dr. Hantke, Ingenieur Klementinowsky, Bankier Cavsch, Sch. Rudel, Dr. M. Levy. Die Wahl der Delegierten zum Derbandstag wurde durch Mehrheitsbeschluß dem neuen Vorstand überlassen. fttE HflG coffeinfreier Bohnenkaffee hoch aromatisch und bekömmlich Alleinige Anx eigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands» Berlin SW 19, Jerusalemer Straße46—49 - Breslau ♦ Chemnitz Dresden « Düsseldorf ♦ Erfurt ♦ Frankfurt a. M. - Halle (Saale)« Hamburg ♦ Hannover. Karlsruhe. Köln a.Rh.. Leipzig Magdeburg » Mannheim . München . Nürnberg Stettin « Stuttgart ♦ Amsterdam. Barcelona - Basel ♦ Budapest»Bukarest. London. Mailand «Prag .'Warschau . Wien ♦ Zürich. DIEKÖSTLICHE m r PETZOLD&AULHORNA6. DRESDEN