Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 28 (9.7.1926)
- Date
- 1926-07-09
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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völkische Arbeit. Ein neuer Volksentscheid! - Parteitag der Nationalsozialisten in Weimar. - ,Nnsrr neuer Nationalismus ist revolutionär/ - Henning und Rübe halten zu Münchmeper. Niedergang der völkischen Sewegung in Amerika. — Esperanto. Volksentscheid über Sie Iuöenfrage? Kg. Wir rühmen uns durchaus nicht prophetischer Fähigkeiten, wenn wir daran erinnern, daß in allen Aussätzen, die in diesen Blättern zur Frage deS Volksbegehrens und des Volksentscheids über die Fürstenabfindung veröffentlicht worden sind, immer daraus hingewiesen wurde, daß die mit aller Bestimmtheit zu erwartende Folge der Volksentscheidbewegung zu dies e r Frage von rechts her die Inszenierung eines Volksentscheids zur Lösung der gesamten oder wenigstens wesentlicher Teile der sogenannten Judenfrage sein würde. Wiederholt ist die geheimnisvolle Buchstabengruppe V. z. v. D. erwähnt worden, und so dürfte. eS allgemein intern esfleren, wenn wir auch einmal den Eintragungsbogen dieser menschenfreundlichen Gruppe, wenn auch etwas verkleinert, naturgetreu zur Wiedergabe bringen. So steht er aus: Parteilose Vereinigung — . zur Vorbereitung eine» ver» falsmigsgemützrn völkischen Volksentscheides bl« Lösung der Jrrdeufrag» <D. z. o. 33.) Staat: ..........Provinz:-- Kreis:- «ttOM 78 bet QSerfoffuttg keMc .«bi «fl {ema herd»iplpHr»»,w«u,elll8»h«t,I der Sll«mr«r»ch1igt,>> te» Begitzre» -nach Darlegung Cb»» Desrtzäntsvrfe» fitm'* gut gtnauwi Brachtang l t. In nachprhendrr List, sti» tat watzldrrrchUgie Prrsoam tlat* Orte» auf)ua«l)me»t L.Fvr!rLe»0rtiftrbub^«L«, 8tn* anjuitgicl 8. Jeder Rom, ist braHU) «m» auch für anteir lerdor dnjobnewl Ort:. Air trag A.: SSmillchr feit 9. Nooemdn IÖ18 «tngewawterten Ostinden sind aaszurveilrn. Schärferer Antrag SLmtNche sei, l. Augutz 1914 rir»grwa»drrte» Jude» sind auszuweisrn. Noch schärferer Antrag Q: Die Antrag A mit Zusatz- Dermögen istsoweit unrechturStzig mvorden— (u drschlagnahmn». Damit sind die um den Ertrag hnr Arbeit drtroaeneu Kriigoanlrihejrichnn und Spam, zuerst di« tzlrlnrren Sparer, zu «nischLdigm. Koch schärfere Fassung 0.. Wie Antrag B. mit Zusatz: Hh,DrrmSgr«Ist -soweitunrechlmStztgmvortea— S> beschlagnahmen. Damit sind die um den lkrtra« rer Arbeit betrogen«» Kriegsanleihezetchn« un» Sporer, zarrst die kleineren Sparer, -u entschädige». Koch schärfere Fassung E.: Wie Antrag D. mit Zusätze .Die unter uns irbenden Anden sind nnt« Fremden« recht zu peven und wie jed» Aagryöitgr eine« fremde» 4?! Staate» zu tehanketn. Line besondere Indrnvrdnrw» ist an«jmrrdetl»n und sum Gesetz zu erheben^. . Sauf«»« Nr Dor» imd giniatzm» Qkraf , w „ I Ich stimm» für Strotz« und Haurnumvmr t Anlrog Jchfttsbfir, monatlich ttnwoll« ©«cstetzurd oerzeichnrt, Person,a sind t« WatzilPl». ad» Watztkartea üngetrage» M«z«s»»den « 53. ml ®. &W ««ba-eatzr 38. Spenden sind durch die Orltgerwpn» »der mm de» SUvljpeiidrr, nmsttteU«» zu (toten au Postzchrchluml» tofurt 7LA> Die Herren der D. z. v. V. geben auch Richtlinien heraus, die der Kuriosität halber gleichfalls bekanntgegeben werden mögen. Sie lauten: 1. Es ist anzustreben, daß die eingezeichneten Personen sich zu Ortsgruppen Zusammenschließen. 2. Die Ortsgruppen haben monatlich .mindestens -eine Zusammenkunft zu veranstalten, um das in den letzten Jahren zusammengetragene Material über die Judenfrage zu verbreiten und die Kenntnis über die Zusammenhänge zu vertiefen. 3. Jodes Mitglied der Ortsgruppe ist zu verpflichten, Beschimpfungen und Tätlichkeiten gegen Juden zu vermeiden und den Inden in jeder Weise aus dem Wege zu gehen. 4. Leiter einer Ortsgruppe dürfen nur solche Männer werden, die sich verpflichten, niemals einen Posten als Abgeordneter des Reichstags oder der Landtage -und niemals einen Posten als Verwaltungsbeamter des Staates auzunchmen. 5. Mit den Ortsgruppen der in Betracht kommenden völkischen Verbände und Parteien ist Fühlung aufzunehmen. Diese können die Obliegenheiten der Ortsgruppen der V. z. v. V. mit übernehmen. 6. Die Verfassung der Ortsgruppen ist ihnen überlassen. 7. Die Hauptgeschäftsstelle dient nur der Vermittlung und soll keinen kostspieligen Kops bilden. Bei der Hauptgefchästsstelle eingehende Mittel werden nur zur Aufklärung verwendet. Man wende nicht ein, daß es sich um eine Politisch bedeutungslose Spielerei handle. Wenn das im Herbst wieder zur Beratung stehende Gesetz über die Fürstenabfindung im Reichstag zur Verhandlung kommt, wird auch über einen Antrag der völkischen Reichstagssraktion abgestimmt werden mästen, der die Negierung ersucht, dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach 1. das Vermögen der seit 1. August 1914 zugezogenen Ostjuden und sonstigen Fremdstämmigen sowie der öffentlichen Einfluß ausübenden jüdischen Großunternehmen (z. B. Moste, Ullstein) ohne Entschädigung enteignet wird; 2. der seit 1. August-1914 durch Kriegs-, Revolutions-, Jnflations- oder Deflationsgewinne erworbene Vermögenszuwachs eingezogen wird, und 3. die Kreditbanken Ln die öffentliche Hand übergeführt werden Man sieht auch hierbei, wie grundlegend sich die Erscheinungsformen der völkischen Politik geändert haben: ohne laute Agitation, ohne auffällige Beschäftigung der Oefsentlichkeit werden Gesetze vorbereitet, deren Konsequenzen von unabsehbarer Bedeutung sind. Wach und bereit sein ist alles —! besonders dann, wenn die Lugs ruhig scheint. Die Nationalsozialisten in Weimar. Am 4. Juli fand in Weimar der seit vielen Wochen mit einem ungeheueren Aufwand von Propaganda vorlrereibete Parteitag der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpar. tei statt, der alles in allem als ein Mißerfolg bezeichnet werden muß. Seit Wochen waren großspurig 20 000 Teilnehmer angekündigt, aber knapp 4000 kamen nur nach Weimar, zum größte« Teil halbwüchsige Jünglinge. Daß die Parteileitung sich selbst keinen übergroßen Hoffnungen hingegeben hatte, ist aus folgendem Rundschreiben vom 26. Juni, daß „Streng vertraulich" an alle Ortsgruppensührer versandt wurde, ersichtlich: t , „Abschrift! Dringend! Streng vertraulich! ' An alle Ortsgruppenführer. Es wird nochmals daraus hingewiesen, daß es Pflicht jeder Ortsgruppe ist, für genügende Beteiligung am Parteitag in Weimar Sorge zu tragen. Der Parteitag soll ein treues Abbild der Stärke der Bewegung sein und sich als wuchtige Demonstration der Forderungen dev Partei auswirken. Wirtschaftliche Gründe können für Nichtbeteiligung nicht maßgebend sein. Die Parteileitung erwartet, daß alle Mitglieder restlos ihre Pflicht tun, und daß im besonderen die Ortsgruppensührer wissen, auf was es ankommt. Der Aufmarsch der Partei in We-.ruar muß.den von 1924 noch in den Schatten stellen. N. S. D. A. P. I. A.: gez. Bouhler, Geschäftsführer." Den Auftakt zum Parteitag bildete ein aus Bayern eintreum* der Extrazug, der gegen 10 Uhr in Weimar eintraf. Hunderte von Hakenkreuzlern besetzten einfach den Bahnhof und sperrten fede» freien Verkehr. Widerliche Szenen spielten sich ab) vielfach kam eS zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Reisenden und Haken« treuzlern. Dabei wurden der Schriftleiter des Jenaer „Volt"'« A. Kranold, und ein Theaterkritiker aus Apolda tätlich angegriffen. Das am Bahnhof anwesende Polizeiaufgebot von vier Mann stand dem Treiben der Hakenkreuzler machtlos gegenüber. Unter den Reisenden herrschte ganz allgemein eine außerordentlich» Empörung. Im übrigen konnte man die Wahrnehmung machen, daß es sich bei den Nationalsozialisten durchaus nicht um eine Bewegung oder Partei, sondern vielmehr um einer? Wehrverband handelt, der nicht nur einheitliche Kleidung, sondern zum großen Teil auch die feldmarschmäßige Aus* riistung seiner Mitglieder organisiert. Weimar wurde wohl hauptsächlich deswegen zum Tagungsort gewählt, weil Hitler in Thüringen Redefreiheit genießt. Wie sehr aber Hitler über den schlechten Besuch und die mangelnde Anteilnahme der Bevölkerung erbittert war, geht aus Aeußerungen hervor, die er Dinier gegenüber machte und die diesen unentwegten Hitler- Anhänger veranlaßten, die Weimarer Bevölkerung öffentlich als „begeisterungsunfühige Spießbürger" zu verunglimpfen. Im Anschluß an den Umzug fand auf dem Marktplatz -eine Kundgebung statt mit SLratzer, Streicher und Dinier als Redner. Straßer verkündete die kommende dritte nationale Revolution, die beiden anderen hielten wüste Hetzreden nach altbekanntem Muster. An dem Umzug nahmen genau gezählt etwas über 3800 Personen mit über 300 Fahnen und Standarten und zehn Kapellen teil. Bei den Verhandlungen des Reichsparteitages, zu der der Linkspresse der Zutritt verboten war, führte Hitler in seinem Rechenschaftsbericht aus, daß der Opferwilte des deutschen Volkes noch weit größer werden muffe, wenn es sich vom Joch AKjudas befreien wolle» Im übrigen ließ Hitler an alle Parteien, von den Deutschnationalen angefangen bis hin zu den Kommunisten, kein gutes Haar. Er nannte die Reichsregierung vom Judentum abhängig, die bayerische Regierung jesuitisch verseucht und schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis, daß nur vom Nationalsozialismus die Rettung des deutfchenVolteH kommen könne,