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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-09 · 28 (9.7.1926) · p. Seite 370

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
28 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
Seite 370 (sequence 2)
Language
German
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370 Seit jeher haben wir betont, daß unsere Verbindung mit dein De u t f ch t u m eine natürliche und tief innerliche ist und baß sie deshalb auch durch keine anders lautendeBehauPtung des Gegners aus der Welt geschasst werden kann. Weil wir uns aber so sehr innerlich mit dem Deutschtum verbunden fühlen, muß es für uns auch eine Herzenspflicht sein, deutsche Arbeit mit zu leisten. Mit berechtigtem Stolz konnten wir bis dahin darauf Hinweisen, daß an den Fortschritten der deutschen Kultur deutsche Juden in hervorragender Weise mitgearbeitet haben. Diese Männer und diese Frauen sind nicht von Nützlichkeitserwägungen geleitet worden, sondern ihre innere Einstellung zwang sie naturnotwendig, ihre Arbeitskraft im Interesse der deutschen Kultur zu verwenden. Wenn wir aus der einen Seite die Ueberzeugung haben, daß wir Glieder der deutschen Gemeinschaft find, und wenn wir aus der anderen Seite uns von der Arbeit für diese Gemeinschaft ausschließen, so können wir doch nicht leugnen, daß dieser Zwiespalt uns nicht befriedigt. Alan muß dabei natürlich sich immer das eine vor Augen halten: wir Juden sind keine geschlossene politische Einheit; der eine kann nicht verlangen, daß der andere auch da steht, wo er sich hingestellt hat. Jeder muß auf dem Platze sein, auf den ihn seine politische und wirtschaftliche Ueberzeugung hinzieht. Wie oben schon gesagt ist, handelt es sich wirklich nicht darum, sich irgendwie vorzudrängen. Es ist eine Sache des Taktes, festzustellen, wo die Arbeit noch möglich ist und wo in der Tat die Absicht der Mittätigkeit ein nicht zu billigendes Sicheindrängen darstellen würde. Aber man darf auch den Takt nicht mit einer mimosenhaften Empfindlichkeit verwechseln. Es ist auch sicherlich keine angenehme Aufgabe, die hier verlangt wird. Außerordentlich viel leichter ist es, in einer Gemeinschaft zu arbeiten, in der nur Gleichgesinnte sich befinden, und viel angenehmer ist es, dort tätig zu werden, wo man weiß, der Antisemitismus hat keinen Boden. Aber wir Juden und wir deutschen Inden sind eben nicht dazu geschaffen, nur das Angenehme im Leben _ hinzunehmen. Der aber, der sich dieser Ausgabe unterzieht, wird für all die Mühe die große Belohnung haben, daß er viel mehr für das Judentum erreicht, als die unzähligen anderen, die sich zurückgezogen haben, und daß er Arbeit leistet, die chm Herzensbedürfnis ist. Er wird auch infolgedeffen die zunächst so besonders schmerzlich empfundene Mißachtung der eigenen Freunde, die auf Grund ihrer falschen Einstellung seine Handlungsweise oft nicht nur als verkehrt, sondern auch als selbstsüchtig — dieser Vorwurf kehrt ja immer wieder — bezeichnen, überwinden. Es muß dann auch einmal offen ausgesprochen werden, daß wir uns durch diese Taktik, von der Goldmann schon spricht, dem Jdeenkreis des Rat tonal -Judentums nähern, dem wir dadurch einen ausgezeichneten Nährboden bereiten. Für den National-Juden ist dieser jüdische Abschluß, wenn er dort auch aus ganz anderen Erwägungen heraus konstruiert wird, das Wünschenswerte. Je mehr »vir aber auch den Abschlußgedanken in uns selbst groß werden lasten, um so leichter sind wir nationaljüdischen Einflüssen zugänglich, und um so schwerer wird uns das Verständnis für die Zusammengehörigkeit mit unserer Umwelt, mit der wir uns doch verbunden fühlen wollen und müssen'. Auch deshalb ist es eine Pflicht, uns noch rechtzeitig aus diesem Zustand, in den wir hineingeraten sind, herauszureißen. Wir wollen aber beileibe nicht einem Ueberwuchern des jüdischen Einflustes das Wort reden. Das ist der Einwand, der von der anderen Seite kommen wird. Wenn die wenigen Juden, die in Deutschland leben und die in ihrer Lebensauffassung so verschieden eingestellt sind wie die Deutschen überhaupt, sich da betätigen, wo ihre Anschauung sie hinzieht, kann ernsthaft von einem beherrschenden Einfluß nicht gesprochen werden. Selbstverständlich ist cs auch, daß diese Ausführungen nicht etwa den jüdischen Organisationen den Kampf ansagen sollen. Durchaus nicht! Jüdische Organisationen sind aus den verschiedensten Gründen notwendig und gut. Hier geht es jedoch um den einzelnen, und dieser hat nicht nur in den jüdischen Zusammenschlüssen seinen Mann zu stehen. Jeder, der es gut mit dem deutschen Judentum meint, und der ehrlich gewillt ist, für es zu arbeiten, sollte, solange es noch Zeit ist, seine warnende Stimme erheben: Wirmüssen heraus aus dieser falschen Einstellung, die uns gesagt hat, daß wir nicht Mitarbeiten dürfen, weil angeblich weite Teile des Volkslebens antisemitisch verseucht seien. Wir können des Judenhasses nur dann Herr werden, wenn wir ihn an seinem Herd packen. Das ist unsere jüdische Pflicht. Und wenn wir Deutsche sein wollen, müssen wir uns dahin stellen, wo Arbeit im Interesse des Deutschtums —im besten und weitesten Sinne des Wortes — geleistet wird. Möglichkeiten sind genug vorhanden. Wir müsten sie nur kennen wollen und wir müsten bereit sein, sie zu ergreifen. Abschluß aber bedeutet schwere Einbuße, bedeutet im letzten Ende die Rückkehrins Ghetto. Eine -verleumderisch^ Anschuldigung. Erklärung -er „Ällianee Israelite Universelle4*. Das „Deutsche Tageblatt" vom 24. Juni veröffentlichte unter großen Überschriften: „Zionistische Mordzentrale aufgedeckt", „Auch «in Mitarbeiter Petljuras ermordet" die Nachricht, daß rin gewisser General Ospilko in Grodek bei Rowno in Polen ermordet worden sei. und läßt sich hierüber aus Paris -einen langen Bericht drahten, in -dem es heißt: „Die Pariser Presse behandelt den Mord an Ospilko mit auffallender Mattheit und ohne jedes in ähnlichen Fällen sonst übliche Kommentar, was daraus hindeutet, ixch der „Große Orient" und die „Alliance Israelite Universelle" schon Abwehr- Maßnahmen vordereren. Alle Anzeichen deuten somit auf das Bestehen einer Mordzentrale hin, deren letzte Drahtzieher in freimaurerisch-Zionistischen Kreisen zu suchen sind, und die gleichzeitig die Interessen der Sowjets, soweit sie jüdische Ziele ver- . folgen, durch Absch'lachten unbequemer Gegner wahrnimmt." Wir haben die „Alliance Israelite Universelle" gebeten, uns mitzuteilen, welche Grundlagen für die Verleumdung beständen, und erhielten die nachstehende Antwort, di« wir in deutscher Uebersetzung wiedergeben: „Zn seiner Nrmnner vom 24. Juni Hai! das „Deutsche Tageblatt" über die Ermordung des Generals Ospilko eine Mitteilung seines Pariser Korrespondenten veröffentlicht, derzufolge die Pariser Presse über den Mord an Ospilko mit einer offenbaren Lauheit und ohne die in ähnlichen Fällen üblichen Kommentare berichtet, was beweist, daß der „Groß-Orient" und die „Alliance Israelite Universelle" schon Wwehrmaßregeln vorbereiten. Die „Alliance Israelite Universelle'' ttUäH <*tt? das entschiedenste, daß diese Anschuldigung, soweit sie die „Alliance Israelite Universelle" betrifft, gegenstandslos und verleumderisch ist. Die „Alliance Israelite Universelle" hat stch stets von jeder Aktion oder Einmischung in Vorfälle, wie die in Frage stehenden, ferngehalten, und wird es auch in Zukunft stets tun. Sie fordert jeden auf, auch nur die geringste Tatsache zn melden, die das Gegenteil beweist." Logik. Adolf Bartels „Deutsche Liste".' Vor wenigen Wochen sprachen alle deutschen Zeitungen von der Errichtung einer deutschen Dichterakademie. Der preußische Kultusminister Dr. Becker hatte auf Vorschlag der Akademie der Künste Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Hermann Stchr, Ludwig Fulda und Arno Holz zu Mitgliedern der neuen „Sektion für Dichtkunst" in die Akademie der Künste berufen. Die Wochenschrift „Die literarische Welt" hat, wie die Tageszeitungen ebenfalls berichteten, unter ihren Lesern eine Abstimmung darüber veranstaltet, welche Dichter ihrer Ansicht nach in die neue Sektion gehören. Das Ergebnis war bedeutend anders als die Berufung des Kultusministers. Die meisten Stimmen erhielten in der Reihenfolge der Stimmzahlen: Thomas M a n n, Franz Werfel, Gerhart H a u p t m a n n, Rudolf B o r ch a r d L, Stefand George, Alfred D ö b l L n. An zwölfter Stelle befindet sich Jakob Wassermann; an siebzehnter Stelle steht Hugo v. H o f f m a n n s t h a l; später kommen: Alfred Kerr, Friedrich Gundolf und Oskar L o e r k e. Wir heben diese Namen heraus, weil sie Adolf Bart e 1% der große Literaturhistoriker, in seiner Monatsschrift „Deutsches Schrifttum" (Nr. 6 vom Juni 1926) als Juden bezeichnet, obwohl verschiedene der angeblichen Juden schon längst dem Judentum den Rücken kehrten. Adolf Bartels schreibt dazu: „Also unter 27 Kandidaten zehn unzweifelhafte Juden und natürlich noch -eine größere Anzahl zweifelhafter und Mischlingel" und anschließend veröffentlicht der große Literaturprosessor seine „Deutsche Listv" mit 86 Namen. Wir sind hier nicht dazu da, die Qualität seiner Liste zu bewerten. Aber wo, verehrter Professor Bartels, bleibt die Logik? Jeden Augenblick bejahen Sie ,chie Berjudung der deutschen Literatur" und sind in der Lage, nicht weniger als sechsunddreißig nach Ihrer Meinung deutschblütige Dichter für die neue Sektion der Akademie der Künste mit einem Male zu empfehlen. Sind alle Schlagwörter so logisch wie das Ihre von der Berjudung der deutschen Literatur?

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