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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-09 · 28 (9.7.1926) · p. Seite 369

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
28 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
Seite 369 (sequence 1)
Language
German
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Witter fürpeulfchhun unSlu-entum Ronatsabonnement 40 Goldpfennis zuzüglich Bestellgeld Verlag u. SchrlftlelLung: Berlin 8W 83, Lindenstr. 13. stube Q, Berlin 8 Serlin, Juli 7-2- V. Jahrgang •> Nr. 20 Einzelnummer 10 Gol-pfennig vkMm des Lnrnü-'VerÄvs Etaalsvürser.iüWÄmAimvenSÄi des Judentums her: Amt Dönhoff 3594, S595.Postscheckkonto: Berlin 30472.Bankkonto: Dresdner Dank, MchleK ___ _^ 68, Üindenftr. 7, und von Goldschmidt-Rorhschlld «L Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin SW 19, und derenFilialen. Anzeigenpreise: v,9ü MM für die 7gespaltene Zeile nach Rormalseilenmeffer Rr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Lentralvereins 0,45 MM, die 90 mm breite Reklamezeile 4M Jcm« MtetteU, sein SlbschluS! Von Rechtsanwalt Dr. Kurt Alexander (Krefeld). 'Felix Goldmann hat in Nr. 26 der „C. D.-Zeitung" vnter der Ueberschrift „Taktik oder Prinzip?" eine grundsätzliche und sür unsere Arbeit außerordentlich bedeutungsvolle Frage angeschnitten. Das Problem erscheint mir sür uns alle so wichtig, daß man seine Erörterung nicht mit dieftr einen Ausführung beschließen sollte. M ist begreiflich, daß der wirtschaftlich-politische, gesellschaftlich-geistige Boykott, der von der anderen Seite ausgeht, eine gleiche Bewegung in unseren Reihen zuläßt. Wie so oft, ist es aber auch hier nicht richtig, sich die Kriegführung vom Gegner aufzwingen zu lassen. Goldmann spricht in seinen Ausführungen von der Tatsache des Zusammenschlusses der Juden zu jüdischen Organisationen der verschiedensten Art. Daß man diese Taktik vielfach ohne Unterschied einschlägt, ist nun eine Folge einer grundfalschen Einstellung des einzelnen zu diesen Dingen. Der Ausgangspunkt dieser Ausführungen soll sein, daß die Auffassung des einzelnen zu diesem Problem eine andere werden muß. Ich habe bereits in der Hauptversammlung des Centralvereins im Frühjahr d. I. in meinem Korreferate über die positive Arbeit des Centralvereins nachdrücklichst die Forderung nach der Mitarbeit des deutschen Juden am deutschen Gemeinschaftsleben unterstrichen. Man mag jüdische Organisationengründen, so viel man will, wenn man sie für richtig und notwendig hält, aber man darf sich dadurch nicht unfähig machen, auch noch andere äußerst wichtige Arbeit an unserem deutschen .Volke zu verrichten. - Man wird sofort einwenden, man will uns nicht haben und man habe sich nicht in Kreise einzudrängen, die sich uns verschließen möchten. Das ist nur bedingt richtig. Der Centralverein hat immer auf dem Standpunkt gestanden: wir lassen uns die Zugehörigkeit zum Deutschtum nicht dadurch nehmen, daß uns andere vorwerfen, wir seien keine Deutschen. Vertritt man aber diese Auffassung, so muß man auch die Kraft haben, die Folgerungen aus ihr zu ziehen. Mit der bloßen Geste und mit dem bloßen Pathos ist es nicht getan. Gewiß! Es ist kein Wort darüber zu verlieren, daß man auch nicht einmal den Versuch machen soll, in eine z. B. gesellschaftliche Vereinigung einzudringen, von der man weiß, daß sie Juden nicht wünscht. Darum handelt es sich auch nicht. Es handelt sich vielmehr darum, daß wir uns einmal von der auch in unseren Kreisen immer mehr um sich greifenden und so unendlich gefährlichen Meinung befreien, die Gesamtheit der nichtjüdischen Volksgenossen sei uns feindlich, und wir dürfen deshalb nicht mit ihr zusammenarbeiten. Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, bei denen die Arbeit von einem deutschen Juden geleistet werden kann, wenn sie nur angeboten wird. Eine Vereinigung, gleichviel auf welchem Gebiete sie. besteht, wird noch nicht dadurch zu einer grundsätzlich antisemitischen, daß einzelne Judengegner in ihr tätig sind. Diese Tatsache allein ist aber für viele ein Grund, daß sie großen politischen, wirtschaftlichen und geistigen Zusammenschlüssen völlig sernzubleiben sich sür verpflichtet halten. Dis Folge ist natürlich, daß wir diesen Judengegnern das Feld allein überlassen, während wir im anderen Falle die Möglichkeit hätten, ihnen entgegenzuarbeiten. Woher kommt es denn, daß die Juden immer mehr aus dem politischen Leben des Staates und der Gemeinden verschwinden? Nicht nur deshalb, weil der Antisemitismus sich hier vermeintlich breiter gemacht hat, nicht nur deshalb, weil weite Kreise unseres Volkes sich überhaupt aus dem politischen Leben, das sie verärgert hat, zurückgezogen haben, sondern vor allem deshalb, weil wir glauben, da der Antisemitismus herrsche, dürften wir nicht teilnehmen. Wir sind zur Mitarbeit ja gar nicht mehr gerüstet und gar nicht bereit, und es fehlen uns daher die Kräfte, die zur Verfügung gestellt werden können, wenn der Ruf an uns ergeht. Wir haben ja beinahe den Begriff dafür verloren, wo überhaupt noch die Möglichkeit zur Mitarbeit für uns besteht, weil das Interesse zur Mitarbeit in weiten Kreisen gänzlich verschwunden ist. Immer und immer wieder hören wir das Bedenken, hier und dort kann man nicht Mitarbeiten, denn hier und dort ist die oder jene als antisemitisch bekannte Persönlichkeit tätig, und man hat dies oder jenes getan, was uns als Juden nicht genehm sein kann. Ist das ein Grund, die Mitarbeit zu versagen? Nein! und tausendmal nein!, solange auch für uns die Möglichkeit besteht, Arbeit zu leisten, ist es unsere ernsteste Pflicht, als Deutsche und als Juden, mittätig zu werden. Der, der schmollend in der Ecke steht, hat noch nie etwas erreicht, der aber, der den Stier bei den Hörnern packt, wird den Stier bezwingen. Enlderknngssahrten in -er Heimat. Von Dr. Martin SalomonSki. Rathenaus Vriese. Von Mia Fedem-Kohlhaas. Frauenmode. Von Doris Wittner.

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