Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 27 (2.7.1926)
- Date
- 1926-07-02
- Page
- Seite 359 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35tzar keine Nolle. Anderseits ist hervorzuheben, daß unter Führung von evangelischen Geistlichen „The Federal 'Council ol Churches of Christ in America“ gegründet lvorden ift ein Bund, welcher das Ziel verfolgt, Juden u n d Christen Ü b e r die beiderseitigen Religionen a u f z u k l ä r e n. Zu diesem Zweck halten Rabbiner Vorträge in christlicht h e o l o g i s ch e n S e m i n a r e n übe r das I u d e n t u rn u n d -sprechen christliche Theologen in jüdischen Seminaren über das C h r i st e n t u m. Auch diese christliche Vereinigung interessiert sich lebhaft für jüdische Kolonisationsbestcebuugen und hat in Aussicht genommen, 15 Millionen Dollar dafür zu: sammeln. Ob das gelingen wird, ist eine andere Sache. Zum Schluß betonte Dr. Morgenstern, daß das religiöse Judentum in den letzten Jahrzehnten in Amerika große Stärkung erfahren habe und immer noch zunehme. Das, was die Juden in Amerika eint und am Judentum halt, sei nicht der Zionismus unb nicht der Antisemitismus, sondern bi« jüdis ch e Religio n. ' * M« Ute WM SIMM M(D$. öWlmÄ: Ser MfMlie I' ' lies WW« NlllelWtts. Einen besonders lehrreichen Aufschluß über den Besuch der Preußischen Hochschulen durch Juden und Jüdinnen und daraus folgernd über die wirtschaftliche Lage des Judentums vor und nach dem Kriege gibt das Quellenwerk des Preußischen Statistischen Landesamtes mit seinem interessanten, ergiebigen Zahlenmaterial. Vor dem Kriege erschien das letzte Heft im Studienhalbjahr 1911/12. Erst, nachdem in Deutschland die Stabilisierung unserer Währung festen Fuß gefaßt hat, veröffentlicht die amtliche preußische Statistik in den Bänden 279 und 281 ihres Quellenwerkes die ersten Hochischulstatistiken nach dem Kriege. Die Anfmachnng und Anordnung der Daten ist eine andere als früher, aber um zu. Bergleichszahlen zn kommen, lassen wir es bei der alten Bierzahl von Fakultäten, theologische, juristische, medizinische und philosophische Fakultät, bestehen, trotzdem in der Neuzeit auf einer ganzen Reihe von Universitäten eine Teilung der Fakultäten, besonders bei der philosophischen, vorgenommen wurde. Unseren Befrachtungen wollen wir aber zmn besseren Verständnis einige Zusammenstellungen vorausschicken, welche die Auswirkungen des Weltkrieges auf Preußen zum Gegenstände haben. Preußen hat ein Gebiet von 5 bis 6 Millionen Hektar Fläche abgetreten, in dem fast l*/2 Millionen Evangelische, über 3 Millionen Katholiken und fast 50 000 Juden wohnten. Aber wahrend die früheren Deutschen evangelischer und jüdischer Konfession aus deu abgetretenen .Gebieten größtenteils nach Preußen übersiedelten, verblieben die Katholiken, die meist polnischer Nationalität waren, in ihren alten j Wohnsitzen, und die natürliche Folge davon wird eine prozentuale j Verschiebung zugunsten der evangelischen Bevölkerung in Preußen! sein. Trotz der großen Gebietsverluste, trotz der erheblichen! Menschenverluste aus den Schlachtfeldern hat Preußen, nach deu j Ergebnissen der Volkszählung von 1925, die wir folgen lassen, an Einwohnern nicht verloren. Die Einwohnerzahlen P r e u ß e n s. männlich weiblich zusammen darunter Juden v.H. 17 603 141 17 969 701 35 572 842 370 348 1,04 18 476 315 19 668 255 38 144 570 400 000 1,04 Danach ist die Bevölkerungszahl des größten Freistaates Deutschlands von 1910 bis '1925 fast um 3 Millionen gewachsen oder prozentual um 8 Prozent, die Frauen fast um 2 Millionen, die Männer um noch nicht eine Million. Wie sich die Bevölkerung auf die einzelnen Konfessionen verteilt, darüber ffind die Feststellungs- Ziffern der letzten Volkszählung noch nicht veröffentlicht worden, aber wir können cmnchmeu, daß infolge der schon auseinandergesetzten Verhältnisse die Evangelischen stärker zugenommen haben als die Katholiken und der jüdische Teil der Einwohnerschaft entsprechend dem Durchschnitt der ganzen Bevölkerung gestiegen ist, so daß wir i n P r e u ß e n m i t r u n d 400 000 Juden gegenüber 370 348 im Jahre 1910 rechnen können. Auch die Frequenz der preußischen Universitäten hat sich, wie die Statistik lehrt, trotz des Krieges im wesentlichen nicht geändert. Die Gesamtzahl der an den preußischen Universitäten immatrikulierten Studierenden betrug im Sommersemester 1925 27 747 Studenten und 3639 Studentinnen, gegen 26 526 männliche und 3475 weibliche im Wintersemester von 1924/25, während nach den Ergebnissen der letzten Auszählung vor dem Kriege im Wintersemester 1911/12 Studenten 26 550 und Studentinnen 1896 gezählt wurden. Die Zahl der männlichen Studenten ist also, wenn man die Zahlen von heute mit denen der Vorkriegszeit vergleicht. Ziemlich stationär geblieben, während die der weiblichen Studierenden fast auf das Doppelte gestiegen ist. Nich so gleichmäßig verläuft aber die Entwicklung, wenn wir die Konfession der Studenten in Betracht Ziehen, dann -treten kleinere oder größere Differenzen auf, wie folgende Zahlenreihen beweisen^ Die Stu de n t c n s d) a f t n a ch K o n f c ff i o « c :*j in deu I a h r cn 1911-12 u nb 19 24/25. a) NI ii n n c r, y Eommersernefirr Somrnersemsft-rS Konfession io n 192 Evangelisch « * « f B B »5 16 421 16 802 Katholisch «! * J i S 7171 Jüdisch s »! 1 i S £ 2 095 1336 Sonstige i i . 246 1180 * .* Altsanuueu 25 843 27 747 * b) fy v a u c n. Evangelisch » t a i 1071 * 1989 Katholisch . , , i * i 322 1153 Jüdisch « , , « s f. 207 : 349 sonstige 11 r i . 58 157 Zusammen 1 658 3 639 _ Danach haben sich die Zahtenverhältuisie zugunsten der Katholiken verschoben, trotzdem, wie wir schon anseirmudergesetzt haben, infolge Abtretung der Ostgebiete an Polen ihre Anteile in Preußen abgenonnuen^ haben werden. Die evangelischen Studenten haben sich aus der Höhe der Friedenszeiten gehalten, dagegen treten bei den j ü d i s ch e n S t u b e ti t e n w e s e u 111 ch e B e r ü u d e r unge n ein, die man nicht unbachtet lassen darf. Ihre Bor kriegszahl im Sommersemester 1911 ist von 2995 auf 1336 (1925) gefallen, fast um 40 Prozent, und ähnlich liegen die Verhältnisse, wenn man die Vergleichszahlen der Wintersemester von 1911/12 und 1924/25 heranzieht. Auch bei den Studentinnen zeigt sich eine entsprechende Entwicklung; w ä h r e n d die Z a h l der k a t h o - I i s ch e n S t u d e n t i u n e n s i ch f a ft vervierfacht hat, beträgt bei den e v a u g e l i s ch e n der A u f st i e g noch n r ch t 9 0 P r o z e n t u n d ge h t b ei de n I ü d i n n e n "f o g a r auf 70 Prozent h e r u n t c r. Diese sehr beachtliche Erscheinung läßt sich hauptsächlich daraus erklären, daß der jüdische Mittelstand verarmt ist und sich infolge seiner Verarmung die Kosten eines akademischen Studiums nicht mehr leisten kann, denn die Konzentrierung der Juden in großen Städten hat noch weiter zil genommen, und^ die Möglichkeit des Uuiversitätsbesuches für die jüdische Jugend wäre dadurch in erweitertem Maße vorhanden, wenn nicht die pekuniären Mittel versiegt waren. Auch der Einwand, daß die Zahl der Reichsausländer an den Preußischen Universitäten zurückgegaugen und daraus die verringerte Zahl der jüdischen Studierenden sich erklären ließe, kann nicht verfangen, wie solgende Ergebnisse lehren: Reich s ausländer u n t e r den S t ud en ten b e n Preußischen Universitäte n. a) M ä n n e r. Gesamtzahl der davon Jahr Studierenden jüdisch Ausländer Sommerferuester 1911 . . 25 843 3095 1862 Sommersemester 1925 . . 27 747 1336 2069 b) F r a u e n. Sommersemester 1911 . 4 1658 297 160 Sommersemester 1925 . . 3 639 340 271 a u f - darunter jüdisch 729’ t ¥ 69? Daraus ist ersichtlich, daß -die Zahl der Reichsaustünder, welche die preußischen Universitäten besuchten, weder absolut noch relativ abgenommen hat, -und bei den 'antisemitischen Strömungen, die in manchen Randländern, die Deutschland bzw. Preußen mngeben, herrschen, und sogar zu dem numerus clausus für Juden führten, dürfte auch ein Rückgang der Reichsausländer jüdischer Konfession nicht wahrscheinlich sein. Leider bringt aber das preußische Quellenmateriäl nach dem Kriege darüber fern Zahlenmaterial, so daß wir uns mit Analogieschlüssen behelfen müssen; und diese führen uns zu dem Ergebnis, daß von dem Rückgang des jüdischen Studenten tum s vorzüglich die beutfdje Iudenschaft betroffen wird. 00150030