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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-02 · 27 (2.7.1926) · p. Seite 360

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
27 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
Seite 360 (sequence 4)
Language
German
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ZHS Im Anschluß an die Gesamtzahlen bringen wir die VesuchszifferN der einzelnen preußischen Universitäten, beschränken uns aber aus die Wiedergabe der Durchschnittszahlen für die Studienjahre 1911/12 und 1924/25. Mittlere Frequenz der preußischen U n i v e r\i * täten während der Studienjahre a) männlich b) weiblich llrüversüät 1911/12 1924 "25 darunter Juden 1911/12 1924/25 i darunter Jüdinnen 1911/12 1924/25 1911/12 1924; 1. Berlin........ 7 611 6126 1272 749 711 998? 204 2. Bonn. 3 £50 2 010 108 54 237 305? 19 8. Breslau. 2 420 2 292 273 182 132 254? 38 4. Frankfurt a.M. 2 294 247 188 45 5. Güttingen. 2256 2183 47 25 212 212? 4 6. Greifswald... 1050 751 14 1 73 89? 1 7» Halle .. 2258 1744 128 3? 52 121 7 1 8. Kiel. 1798 1 646 33 17 42 142 7 5 9. Köln.. 8814 115 494 20 30. Königsberg ... 1874 1226 215 52 91 150 3 14 11. Marburg. 1967 1 518 58 14 93 234? 6 12. Mürnrer. 1874 1848 12 8 134 304? 2 In den abgetretenen Gebieten lag keine preußische Universität, deshalb sind in Preußen nicht nur die zehn alten Universitäten, erhalten geblieben, sondern, wie die Uebersicht zeigt, sind zu bieien Seit 1911/12 die beiden neuen Universitäten Frankfurt a. M. und?öln mit einer starken Zuhörerschaft huizugekommen, bk bcn Besuch der alten Hochschulen verringerte. In Berlin senkte sich die Zahl der Studenten von 1911/12 bis 1924/25 fast um ein Fünftel, in Bonn, das unter der Konkurrenz von K ö l n besonders litt, sogar um 40 Prozent, - während Kiel, M ü n st e r und Königsberg sich fast auf Friedenshöhe hielten. Bei den jüdisiche;n Studenten, deren absolute Zahl, bedeutend herunterging, erhöhen sich noch die Differenzen in verstärktem Maße, zumal Frankfurt a. M. und Köln im Studienjahr 1924/25 größere jüdische Anteile aufzuweisen hatten. In Greifs wald z. B. ging die jüdische Studentenschaft auf einen zurück, gegen 14 im Jahre 1911/12, in Ha Ile von 120 'auf 37, in Kiel von 35 auf 17, in Göttingen v o n 47 aui 2 5. und s e lb st i n Berlin V e vr rn g eri e s i ch die Z ah l d e r j ü d i s ch e n Studenten von I 2 7 2 auf 7 4 9, a l s o säst um die Hälfte. Was die jüdischen Studentinnen anbetrifft, so find sie am meisten, über die Hälfte, in Berlin vertreten, die kleinere Hälfte verteilt sich auf die Universitäten Breslau, Frankfurt a. M., Köln und Königsberg, während die andern nur ganz wenige Studentinnen jüdischer Konfession anszuweifen haben. Das Quellenwerk gibt auch Auskunft, bei welchen Fakultäten sich Hie Studenten haben einschreiben lassen: Fakultät Theologische.. Iuristljche Medizinische.. Philosophische a) männlich darunter Juden 1911/12 1924/25 1911/12 1924/2: 2 344 1 764 5 640 12140 625 524 4 666 3 422 1640 370 13 547 9 812 473 532 b) lveiblich darunter Jüdinnen 1911/12 1924/25 1911.12 1921.25 3 25 23 657 7 62 260 639 108 107 1493 2 226 130 ISS Die theologische Fakultät kommt für die jüdischen Studenten nicht in Betracht, da auf den Preußischen Universitäten keine jüdischtheologische Fakultät besteht; wir ersehen nur aus dem Endziel des Studiums in den Ouellenwerken, daß 2 9 jüdische Studenten Rabbiner werden wollen. Das Rechtsstredium hat gegen 1911/12 sich fast verdoppelt, tmt bei den jüdischen Studenten ging es nm ein Sechstel zrrrüE, dagegen verringerte sich die Zahl der medizinischen Studenten im allgemeinen um fast ein Drittel, bei dem jüdischen Teil sogar um das Dreifache, wohl infolge der Warnung vor diesem Studium wegen Ueberfüllung. In .tu philosophischen Fakultät ist im allgemeinen ein Rückgang von fast einem Drittel zu konstatieren: hier bilden die jüdischen Studenten eine Ausnahme; ihre Zahl ist von 478 auf 5V von 1911/12 auf 1924/25 gestiegen. Bei den Studentinnen ist in allen Fakultäten die Zahl der Studentinnen in der Vergleichszeit angestiegen,. in der juristischen, nationalökonomischen-fast um das Dreißigfache, Lei den Jüdinnen um das Neunfache; in der Medizin hat sich ihre Zahl fast verdoppelt, Lei den \ ü b i f ch c n Studentinnen blieb ihre Zahl stehen, und in den philosophischen Fächern Zählte man 50 Prozent mehr Studierende als 1911/12, was auch Lei den Jüdinnen zu trifft. Schließlich teilen wir noch die Zahlen aus den anderen Hochschulen mit. Die Zahl der technischen Hochschüler hat sich im Jahre 1924/25 im Vergleich zu der Friedenszeit mehr als verdoppelt, unter über 8000 Hochs chü lern befinden sich aber nur 286 Juden, 1911/12 gab es auf ihnen noch keine Studentinnen, im laufenden Jahre 80, darunter 7 Jüdinnen. Die Technische Hochschule in Hannover war nur von 17 bis 20 Juden besucht. Der größte Teil der Hochschüler studierte in Berlin, Jüdische Hörer gab es in den forstlichen Hochschulen überhaupt nicht, aus den landwirtschaftlichen Hochschulen nur 20 bis 40 unter 1200 dis 1400 Studenten, aus den tierärztlichen Hochschulen vier bis sechs unter 330 Hörern, in der Bergakademie ein bis zwei unter 600 bis 800 Hörern, und schließlich auch nur 230 bis 260 jüdische Studenten unter rund 1800 bei den Handelshochschulen in Berlin und Königsberg. Dr. Julius R o L h h o l z. Vermahnung eines öeutschvölkischen Richters. Das Ergebnis einer Beschwerde.' In der „E. V. - Z e i t u n g" Nr. 21 vom 21. Mai d. I. berichtetes wir, daß unser Landesverband Ostpreußen eine Beschwerde an den OberlaudesgerichtsprüsideuLen in Königsberg über Amtsgerichtsrat Wenzel in Li e b st a d t gerichtet habe, weil dieser Amtsgerichtsrat in wenig objektiver Weise in einem Urteil zum Ausdruck gebracht hatte: „Es sei von einem Juden durchaus ungehörig, eiu christliches Fest zu besuchen, und ein Jude, der an einem solchen Fest teilnehme, müsse bamit rechnen, Unannehmlichkeiten ausgesetzt zu sein." Auf das Ersuchen unseres Landesverbandes, gegen Amtsgerichtsrat Wenzel das Disziplinarverfahren einzuleiten, hat der L a n d g e r i ch t s P r ä s i d e n t in B r a u n s b e r g , als die zuständige Diszipliuarstelle, einen Bescheid erteilt, in dem es heißt: ,,Die mündliche Rrrcilsbtgründung ist in ihrer Fassung sccignct, die gesamte Fudenschaft zu verletzen, wenn auch Arntsgcrichtsrat Wenzel lediglich gesagt haben will: „Der Jude hiev macht cs." Er hat sich in jedem Falle durch die verletzende Fassung seiner Ausführungen eines um so schwereren Dienstvergehens schuldig eernächt, als er dadurch seine Pflicht, a n ö gl e i ch c n d zu wirken, gröblich verletzt H at. Ich habe deswegen Die Disziplinarstrafe der Mahnung gernE § iS des Gesetzes vom 7. Mar 1851 gegen ihn ausgesprochen und ihn hierbei darauf tzingewiesen, datz von der Einleitung des förmlichen Disziplinarverfahrens gegen ihn nur deshalb/ abgesehen werde, weil er sich bisher tadelfrei geführt hat." Der Laudgerichtspräsideur in Braunsberg, erkennt also ausdrücklich au, daß die von Amtsgerichtsrat Wenzel gegebene Urteiksbegrüudung ein schweres Dienstvergehen und eine gröbliche Pflichtverletzung mar, Ausschreitungen auf öorkum. Miinchmcycrs Geist geht weiter um. Tic aümiigen Nachwehen bei M ü n ch m c h e r - P r o z es s c 8 ließen sich in bre letzten Zeit auch cm einem Austausch „offen er Briefe" in der „Borkumer Zcitung" seftstellen, der von eine»! Schreiben des Korrespondenten einer großen argentjni - scheu Zeitung, der sich zur Kur nur Borkmn aufhält, ihren Ausgang nahmen. Der Mahnung des argentinischen Herrn, Borkum von keinem schlechten Ruse zu befreien, antwortete an der gleichen Stelle in einer an den Maßstab früherer Veröffentlichungen gemessenen außerordentlich in üben Tonart ein Badegast, worauf Rechtsanwalt Dr. Charig (Emden), unser Syndikus für Ostfriesland, seinerseits mit einem „offenen Briefe" cingriff. Wenige Taäe später mußte Tr. Charig aus bc reiflichen Gründen Borkum auf. suchen. Tags zuvor hielt Münch-.ncycr einen „Deutschen Abend" ab, in dem er ans tzharigS „offenem Brief" die Schlußfolgerung zog, daß der gegen ihn geführte Kampf lediglich zugunsten der Inden und ihres Einzuges auf Borkum geführt tvorden sei. So kamen seine Zuhörer in die „richtige" Stimmuna. Als nun Dr. Charig sich am. nächste:! Abend mit einigen ihm bekannten Borkmnern in die Wandelhalle begab, sammelte sich hinter der Gruppe eine Rotte halbwüchsiger Jungen, die Bemerkungen über Dr. Charig machten und so die Aufmerksamkeit der Badegäste erregten. Einige verhandelten auch anseheinend mit der K u r - kapelle — aber tjng Dazwischentreten eines Schnpowachtmeistcrs schien dein Zwischenfall ein rasches Ende zu machen. Da ertönte plöhlich autzerhalb der Reihenfolge des Programms das berüchtigte Borkum lied, und im gleichen Augenblick war das Publikum auf der Terrasse wie elektrisiert. Alles blieb stehen und umringte Dr. Charig und seine Begleiter. Angesichts der bedenkliche» Situation bat der Schupo Wachtmeister die Herren, mit ihm gemeinsam den Strand zu verlosten, damit Tätlichkeiten vermieden würden. Während das Borkumlicd weiter gespielt wurde, drängte eine immer stärker anschwelleude Menge, die das Lied mitsang, Dr. Charig nach. Ein Zug von «ngesähr 208 bis 300 Menschen folgte bis zum Hotel. Eine Anzahl Feststcllnugeu wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt wurden vorgenommen. Ruse wie „Haut ihn!" und „Schmeißt ihn tau«!" erschollen. Nur langsam verlief sich die Menge. Dr. Charig hüt gegen den Kapellmeister Rothe, der im Gegensatz zux Weisung der Badedirektion das Borkumlied aus Verlangen der Kurgäste hatte spielen lassen, Strafanzeige wegen Aus. . re izun g zum Klassenh a ß gemäß S 130 StGB, erstattet. *) Soeben erschien im Verkäse bcs „Borkumer Beobachters" die allseitig verlangte Broschüre: „Borkum", Veröffentlichungen zum MünchmerM-Proze^ Preis 1 Mart. Die Schrift ist auch durch den Philo-Verkeg zu beziehen. - /

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