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Central-Verein-Zeitung · 1926-06-25 · 26 (25.6.1926) · p. Seite 350

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
26 (25.6.1926)
Date
1926-06-25
Page
Seite 350 (sequence 6)
Language
German
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350 muß in Rede und Schrift dieser Abwehrversuch stets ßiif§. neue unternommen werden, wobei alles davon abhüngt, daß man mit dem warnenden und aufklürenden Wort auch an jene Kreise wirklich herankommt, die durch die gegnerische Wühlarbeit in erster Linie bedroht sind. (Ob bei der gegenwärtigen Lage sich auch die Versammlungstätigkeit des C. B. von sogenannten Honoratiorcnversammlungeu mehr ans allgemeine Volksversammlungen umstellen sollte, die vielleicht in Verbindung mit in der Arbei'terwelt wurzelnden, möglichst umsasseuden Organisationen zu arrangieren wären, gibt der Verfasser den zuständigen Stellen des C. V. zur Nachprüfung und Erwägung anheim.) Auch von Broschüren und Flugblättern mit straffer Gedankensührmug und volkstümlicher Logik kann mcnl sich viel Glltes versprechen, wenn man versteht, den Lesestoff im rechten Moment an die in Betracht kommenden Volksschichten heranzubringen, die keinesfalls ausschließlich der Beeinflussung durch die andere Seite preisgegeben werden dürfen. Höher freilich als der Erfolg solcher Augenblicksarbeit ist die von vielen Seiten in jahrzehntelanger Arbeit in die deutsche Arbeiterschaft gesenkte Einsicht und Disziplin zu veranschlagen, die den verläßlichsten Damm gegen die deluagogische Verleumdungsslut bieten. Allerdings gibt es auch hier eine Belastungsgrenze, und es steht nur zu hossen, daß der in glücklicheren Zeiten aufgesammelte und tm deutschen Arbeitervolk investierte iutellektlielle und moralische Fundus, der immun macht gegen verräterische Verlockung, so lange hinhält, bis glücklichere Tage Heraufziehen. Mch gegen öas Schächten. Völkische Bestrebungen in Bayern und Hessen. Alle paar Jahre taucht in der völkischen Presse die Behauptung auf, das Lchächteu sei Tierquälerei und müsse deshalb verboten werden. Obschon immer wieder mit Gutachten und Beweisen von jüdischer und nichtjüdischer Seite der Widersinn dieser Behauptungen dargelegt morden ist, haben kürzlich in München und Hessen völkische Parteien sogar Anträge an die Landesverfammlungen gestellt, um Schächtverbote zu erzielen. So hat der Münchener Tierschuhverein an den Bayerischen Landtag eine Eingabe gerichtet, „durch Gesetz die Betäubung für alle S ch t a ch t t i e r e v o r z u s ch r e i b en und damit das b e t ä u b u n g s l o f e Schächten in Bayern zu verbieten". Gegen diesen Vorstoß der ^chächtgegner wandten sich der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden und die Bayerische Rabbinerkonserenz mit einer Gegeneingabe*) an den bayerischen Landtag. In ihr werden die Einwendungen des Münchener Tierfchutzvereins gegen das Schächten zurückgewiesen. Gegenüber der Behauptung, daß das Schächten weder in der Bibel vorgeschrieben sei, noch auf ein mündliches Gebot zurückgehe, daß es sich vielmehr dabei nur um eine t a l m u d i s ch e Vorschrift handle, wird in dieser Gegeueingabe mit allem Nachdruck betont: Die Vorschriften, deren Einhaltung nach den rkligionsgesetzlichen Quellen des Judentums in Bibel und Talmud als Voraussetzung für bie religiöse Wirksamkeit des Lchächkens bezeichnet ist, werden von den religiösen Instanzen des Judentums ausnahmslos als bindend auch heute anerkannt und beachtet. Zu diesen Vorschriften aber gehört das Verbot der Verletzung der Gehirnhaut durch Schlag oder Schuß vor dem Schächten. In weiteren Ausführungen wird die B e h a u p t u n g widerlegt, daß das Schächten eine Tierquälerei sei, und dabei gerade auf die Stellung hingewiesen, die biblisches und talmudisches Schrifttum zum Tierschutz einnimmt. Eine Reihe von Gutachten wird herangezogen und nachgemiesen, daß durch die von dem Münchener Tierschutzverein vorgeschtagene Methode eine Sicherung der Schlachtjiere gegen unnötige Qualen keineswegs erreicht wird. Gegen die Auswüchse der Frauenmode. Tie Vereinigung traditio nell-gesetzestreu er Rabbiner hat aus ihrer Tagung in Leipzig folgende Entschließung angenommen: „Die Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner erachtet es als ihre heilige Pflicht, die gesamte jüdische Oesfentlichkeit gegen die immer mehr unt( sich greifende Würdelosigkeit der Kleidersitten aufzurufen. Schamhaftigkeit im Wesen wie im Auftreten bildet nach der Thora das Kennzeichen unserer Frauen und Töchter. In Tracht und Gewandung sollen wir Züchtigkeit und Keuschheit als vornehmstes Adelszeichen Israels bekunden. Alle denkenden und hochgesinnten jüdischen Frauen sind verpflichtet, durch Beispiel und Aufklärung den Entartungen der Mode entgegenzutreten, mn das von Vätern und Müttern überlieferte Ideal jüdischer Sittenreinheit unserer Gemeinschaft zu erhalten." *) Erschienen im Verlage B. Heller (München). Max Liebermaim. Eine deutsch-jüdische Würdigung. Auf Einladung der Berliner Verbindung im K. C. „Sprevia" sprach vor einem großen Zuhörerkreis Dr. Max O s b o r n über den deutschen Maler und Menschen Max Liebermann. Er zeigte, wie Liebermann, als er am Ende des vorigen Jahrhunderts mit neuen Gedanken und Ideen in der Malerei austrat, zuerst bei dem Publikum und den zeitgenössischen Künstlern auf Verständnislosigkeit und Widerstand stieß. Liebermann hatte wie kein anderer Künstler seiner Tage die Forderung Runges nach Licht, Farbe und Bewegung zu fixieren verstanden und damit eben den Widerspruch seiner Zeit herausgesordert. Aber Liebermanns Einstellung und Anforderungen an eine wahrhaft moderne Malerei sollten sich als berechtigt und wegweisend für die zukünftige Entwicklung erweisen (I mpr essionismu s). Während ursprünglich noch Menzelscher Einfluß in Liebermanns Malerei zu verzeichnen ist, wird mit zunehmender Reife auch die ganze Technik und Motivierung seiner Werke Persönlicher. Hauptsächlich der Einfluß des jüdischen Niederländers Israels war es, der Liebermann auf die einfachen, armen, geduckten Szenen hinwies, die Liebermann mit Meisterhand zu Werken intensivster künstlerischer Wirkung zu gestalten wußte. Hier zeigte sich auch, was für uns von ganz besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang sein dürfte, der j ü d i s ch e M ensch in dem großen deutschen Künstler. Er gehörte dabei nicht zu den jüdischen Malern, die, wie auch Israels, in der Wiedergabe ostjüdischer Szenen Meister der Darstellung von Mitleid, Elend und Not geworden sind. Nein, Liebermann, der selbst guten Verhältnissen entstammte, brachte in die Reproduktion derartiger Motive zugleich etwas S t o l z e s, H a r t n ä ck i g e s, U n b e u g s a m e s hinein und verriet so eine Persönlichkeit, in der ständig ringend positive Kräfte sich Bahn zu schassen suchten. Selbstverständlich ist bei keinem Werke Liebermanns ein ausschließlich jüdischer Grundton festzustellen; doch lassen sich bei sorgfältiger Betrachtung seiner Werke, hauptsächlich aus der Zeit, die unter der Einwirkung Israels stehen, unverkennbare jüdische Elemente Nachweisen. In Liebermanns Werken spiegeln sich charakteristische Züge, die in unserer Gemeinschaft durch den Wandel der Zeit eingegraben wurden. Rücksichtslose Wiedergabe sozial tiefstehender Schichten ohne jede Aesthetisierung, Konservativismus in der Befolgung einmal errungener Gruud- und Leitsätze, anderseits aber auch energieerfüllter Radikalismus bei der Durchsetzung eines einmal geplanten Unternehmens. Es muß auch hervorgehoben werden, daß Richard Tehmel gelegentlich Liebermann als jüdischen Maler zur Wiedergabe eines „uot e u t s ch e n , teutonischen Recken" vorschlug. Liebermann als historischer F ü h r e r des deutschen I m - p r e s s i o n i s m u s ist heute Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Er hat als solcher eine Stelle zu bekleiden, die ihm Gelegenheit bietet, durch seine Persönlichkeit für seine künstlerischen Ideen einzutreteu. Daneben sprechen aber noch Momente in seinem Lebenswerk mit, die, wenn sie auch nicht jeder Zeit gerade ins Auge stechend sind, uns in diesem Zusammenhang erwähnenswert scheinen. Liebermann hat aus seinem Judentum nie einen Hehl gemacht und ist so durch sein Werk für unsere Idee eingetreten. Er hat bewiesen/ daß es sehr wohl möglich ist, aus beiden Quellen, Judentum und Deutschtum, zu schöpfen und zu allgemein anerkannter Bedeutung zu gelangen. So sei es auch gestattet, Liebermann unter dem Gesichtspunkt des deutschen Juden betrachtet und die Momente seines Schaffens in großen Rissen analysiert zu haben. Wolfgang S. Matzdorff. TTlein H^ind, ich rate Oirgat- IHtimm BIOMALZ. Das beliebteste und verbreitetste Nähr- und Kräftigungsmittel. Hergestellt aus edelstem Gerstenmalz. Erhält!, in Apotheken u. Drogenhandlungen. Gebr. Pater mann, Te 11o w- Ber 1 in 14. Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands* Berlin S W 10, Jerusalemer Straße 46—49 Breslau - Chemnitz Dresden ♦ Düsseldorf - Erfurt * Fraukfurt a. M. - Halle (Saale)» Hamburg * Hannover - Karlsruhe - Köln a. Nh. - Leipzig Magoebltrg - Mannheim - München - Nürnberg - Stettin - Stuttgart - Amsterdam - Barcelona > Basel - Budapest - Bukarest - London - Mailand - Prag . Warschau - Wien - Zürich, potaDama fuijccnDcs BüeinDaug,. HO1"!

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