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Central-Verein-Zeitung · 1926-06-25 · 26 (25.6.1926) · p. Seite 347

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
26 (25.6.1926)
Date
1926-06-25
Page
Seite 347 (sequence 3)
Language
German
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347 Oie grosse JnaenzSMnns finde! am 20. Juni statt. Deutsche bleiben zu Hause! Sclir. Klebezettel und Flugblätter mit diesem Inhalt, die von Deutsch-Völkischen u n d von Deutschuationalen und Stahlhelmleuteu <m geklebt und aus den Werbeautos in unzähligen Mengen geworfen wurden, brachten den Volksentscheid auf eine Formel, von der sie Ersprießliches und Nützliches für die Ablehnung der Fürstenentei-gnung erhofften. Die Schlacht ist geschlagen. Rund 14 % Millio n e n deutscher Wähler haben für den Volksentscheid gestimm t. Daß das nicht das Ergebnis einer Judenzühlung ist, wird jeder Sextaner, auch wenn es Ostern nicht für die Quinta reicht, erkennen. Wir können nicht verlangen, daß jene überklugen Drahtzieher, die den Antisemitismus allüberall, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, für ein g^u t e s G e - schäft halten, Jetzt so etwas wie Neue über ihre Skrupellosigkeit empfinden. Wir behaupten aber, daß sehr viele gerecht denkende Menschen, die sich in den letzten Wochen in das judenhetzerische Fahrwasser begeben haben, heute angesichts der Erfolglosigkeit des beliebten Ablenkungsmanövers sich nicht nur über dessen N u tz - losigkeit, sondern auch über den S ch a d e n klar sein werden, das es anrichten mußte. Wir haben rechtzeitig in diesem Blatte vor drei Wochen darauf hingewiesen, daß der C. V. mit der Frage des Volksentscheids an sich nichts zu tun hat. Auch deutsche Juden sind gewiß mit leidenschaftlichem Eifer von ihrer Politischen Weltanschauung aus für die Enteignung eingetreten; wir haben auf der anderen Seite in bayerischen Rechtsblättern Kundgebungen des M ü n ch e n e r Rabbrnats; ferner in der „Deutschen Zeitung", im „Lokal- Klnzeiger" und anderen rechtsgerichteten Tageszeitungen den Auszug eines Briefes lesen können, den Rabbiner Dr. Munk in Berlin an das offizielle Organ des Zentrums, die „G e r m ct n x a", gerichtet hat. Diese Rabbinen erklären übereinstimmend, daß jüdisches Gesetz und jüdische Ethik sich mit keinerlei Enteignung vertragen. Wozu also die wohlinszenierte Judenhetze? Man sage nicht, daß bei dem gigantischen Ringen um die Fürstenenteignung Entgleisungen hüben und drüben ausbleiben konnten. Wir nehmen an, selbst deutschnationale Kreise haben es nicht gebilligt, daß der „Völkische Beobachter" in einer Sonderausgabe, die in München am Tage vorder Wahl in Massen verbreitet wurde, das Bild Walther Rathen aus brachte und diesem die Unterschrift gab: Walther N a t h e n a u, Begründer der Kriegsgesellschaft, Vierzigsacher Anssichtsrat, vielfacher Millionär, Jndustriemagnat, jüdischer Hochsinanzier, Hauptvertreter der Ersüllnngs- und Verelendungspolitik, der Heros der Börse und der Sozialdemokratie, starb eines p l ö tz l i ch e n T o d e s i m I u n i 1 9 2 2. Wir wissen, ha# für solche Roheit auch Rechtskreise ein ehrliches „Pfui Teufel!" haben. Aber in Nürnberg beispielsweise ist, vom Ausschuß gegen die Fürstenenteignung unterschrieben, ein Plakat angeschlagen worden, das eine rote nackte Gestalt mit dem David-Stern auf der Mütze dar stellt und dahinter die Karikatur eines Juden mit der Aufschrift „Börse" zeigt. Solche Kampfesweise ist unwahrhaftig und empörend zugleich. Wir laden die Herren des Ausschusses freundlichst ein, sich in Berlin einmal an Ort und Stellezu erkundigen, ob es zutrifft, daß an der Börse und deren Verwaltung immer nur Juden das Zepter führen. 1 Deutschnationale Blätter und Ortsgruppen haben in dem Kampf um den Volksentscheid die Reinlichkeitsgrenze nach Herrn Richard Kunze hin verwischt, indem sie aus seinem „Deutschen Witzblatt" Schmutzereien übernommen und in Millionen Exemplaren auf die Straße geworfen haben. Deutschnationale Redner — nicht nur D r. E v e r l i n g — haben die Völkischen in verleumderischen -Anschuldigungen gegen die Juden in Groß-Berlin und anderwärts geradezu überboten. •: Es ist bezeichnend, daß uns verschiedene Zuschriften zugingen, die gerade über Everlings zügellose Rede in Berlin voller Empörung waren und die sich auch entrüsteten, daß Gras Westarp, der Führer der Deutschnationalen Volksparter, solche Rede deckte und vollkommen vergißt, wie herzlich er einst um die' jüdischen Stimmen aus dem Wahlkreise M e s e r i tz - B o mst, die ihm in den Reichstag halfen, gebeten hat. Eine bescheidene Anfrage sei uns..noch an Pie Herren der Zentralleitung des Ausschusses gegen die MrsteneuLeignung gestattet: Glauben Sie, daß eine einzige «Stimme m ehr füt d i e Enteignung abgegeben rvorden wäre, wenn der Agitation der Enteignungsgegner der G a s se n a n t is e mi ti s rn u 8 serngehalten worden wäre? Wir sind nicht im Zweifel, wie diese Frage zu beantworten ist. Man mißverstehe uns nicht. Wir sind weit davon entfernt, kampfesmüde zu sein. Wir stellen uns dem Judenhaß entgegen, wann und wo wir ihn treffen. Aber gerade, weil wir alte Zeit in Kampfesstellung sind, fühlen wir uns verpflichtet, denen, die guten Willens sind, immer wieder zu zeigen, daß blinder Eifer nur schadet. Wer den zügellosen Judenhaß realpolitischen Zwecken dienstbar macht, der ruft, wie Mecklenburg deutlich gezeigt hat, Geister, die er nicht mehr los wird. Und Schaden leidet in erster Linie nicht das kleine Häuslein Indern sondern das große deutsche Vaterland. Abgeordneter d. Oraese an die „€ V.-Zeiiung" Der Aussatz unseres zu den Mecklenburger W ahle n n a ch Rostock, Schwerin und anderswo entsandten Sonderberichterstatters in Nr. 24 der „C. V.-Zeitung" gibt dem Vorsitzenden der Deutschvölkischen Freiheitsbewegung, Reichstagsabgeordueten v. G r a e f e - G o l d e b e e, BeraiAassung, uns folgenden Brief zu schreiben: . . Das, was Ihr Herr Berichterstatter über meine Aeußerungen in unserer Rostocker Versammlung vom 5. Juni widergibt, trifft in der von ihm gegebenen Darstellung so nicht zu. Ich habe allerdings die Zustimmung meiner politischen Freunde im Mecklenburger Landtage zum Staatszuschuß für den Landesrabbiner verteidigt — was mir übrigens nicht im mindesten „peinlich" war — und zwar mit dem Hinweise, daß, wenn aus allgemeinen Steuermitteln Zuschüsse für die christlichen Landesbischöse bewilligt würden, die jüdischen Steuerzahler wohl den Anspruch erheben könnten, daß von ihren Steuern auch die Institution ihres Landesrabbiuers berücksichtigt werde. Dann habe ich hinzu gefügt, daß unser Kampf gegen das Judentum an sich kein Religiouskamps sei, sondern sich in erster Linie gegen den dem deutschen Empfinden rassemäßig fremden jüdischen Geist richte, in dem wir eine Zersetzung unseres Volkstums erkannten; darum sei unter Umständen 'ein Reformjude, ja selbst ein getaufter Jude unsympathischer und gefährlicher als ein strenggläubiger Jude; deshalb lehnten wir es ab, unseren Antisemitismus zu einem gehässigen Religiouskamps abstempeln zu lassen. Dagegen ist es mir nicht eingefallen, wie Ihr Berichterstatter meinen Worten entnehmen zu sollen glaubt, zu erklären: „Wir Völkischen werden uns nie dazu hergeben, die jüdische Religion zu bekämpfen." Ich würde mich damit in direkten Widerspruch zu vielen meiner Reden und Artikel gesetzt haben, in denen ich ans die Gefahren vieler Gebote "und Weisungen aus den jüdischen Religionsgesetzen in aller Offenheit hingewiesen habe. Von einem solchen rein sachlichen durchaus ernsten Kampfe gegen jüdische Reliqionsausfassungen werde ich auf in Zukunft keineswegs abgehen und weiß mich darin eins mit allen meinen vMischenFreunden; was ich ablehne ist lediglich, diesen Kampf mit kleinlichen oder gar gehässigen Mitteln zu führen, und ein solches hätte ich in der Ablehnung des oben erwähnten Staatszuschusses erblickt. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diesen Brief, um allen Mißverständnissen vorzubeugen, in Ihrer Zeitung abdrunen würden. Hochachtungsvoll A. v. Graefe-Goldebee, M. d. R." Wenn der Abgeordnete v. Graefe und seine politischen Freunde ablehnen, den Kampf gegen die vermeintlichen Gefahren jüdischer Religionsgebote „nicht mit kleinlichen oder gar gehässigen Mitteln" zu führen, so wollen wir an seinen Worten nicht zweifeln. Ist es aber dem Vorsitzenden der Deutschvölkrschen Freiheitsbewegung unbekannt/wie jede Woche in Wort, Schrift FiuSMsti zum QolMsciieM das in Berlin und im Reiche von der „Vereinigung Bürgersriede" in Massen verbleitet wurde. Also spricht Kaiser Friedrich: Wer mich und mein Geschlecht ehren will, denke an mein Vermächtnis: Judenhaß ist die Schmach des Jahrhunderts!"

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