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Central-Verein-Zeitung · 1926-06-18 · 25 (18.6.1926) · p. Seite 337

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
25 (18.6.1926)
Date
1926-06-18
Page
Seite 337 (sequence 5)
Language
German
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il i li i f i 11 i t IIIiiM et i ii l ii I i ii iili i i & # i b4 i II i* I i t i 337 VMnfthast un- Demagogie. Von Dr. Paul Nathan. Wissenschaft und Demagogie verhalten sich zu einander etwa wie Gold zu Messing. Auch Aressing hat eine ähnliche Färbung wie Gold darin besteht die Uebereinstimrnung. Sonst in nichts. Und Demagogie sucht oft genug den Anschein wissenschaftlicher Unangreifbarkeit für sich Ln Anspruch zu nehmen. Sie stelzt einher wie unwiderlegbare, festbegründete Wissenschaftlichkeit, und ist innerlich morsch, hohl; sie ist aufgeblasene, von blindem Hast eingegebene, leere Behauptung ohne jede feste Stütze. Seitdem die Religion und die Religionen aufgehört haben, die Menschheit feindlich auseinanderzusprengen, ist die Wissenschaft in diese kläglich bevorzugte Stellung befördert worden; freilich eine „Wissenschaft", die mit echter Wissenschaft ebensoviel zu tun hat, wie echte Religion mit den Folterungen, Tötungen, furchtbaren religiösen Kriegen der Vergangenheit, mit der echten Gläubigkeit frommer Menschen. Ob die Menschen an das Alte Testament glauben, oder ob sie 'glauben an das Alte Testament u n b an das Neue zugleich, — das entzündet heute nicht mehr die Scheiterhaufen; aber ob die einen biologisch von „semitischer Abstammung" sind oder von „indogermanische r", das entflammt schon eher bestimmte Teile der europäischen sogenannten Zivilisierten Menschheit Zu Hast, zur Verleumdung, und wenn die Polizei, als oberste Hüterin der Zivilisation in diesem Falle, nicht rechtzeitig eingreift, zu Prügeleien bis zum Blutvergießen. Totschlag und Morde sind schon seltener, und damit ist bezeugt der Fortschritt der menschlichen Nasse. Langsam vollzieht er sich jedenfalls trotz aller Hymnen auf unsere Zivilisation. Vielleicht bahnt sich nun ein neuer Fortschritt an; man pars nur sagen: vielleicht. Bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts etwa gruppierte man die engere oder weniger enge Verwandtschaft der Völker zueinander auf Grund der Untersuchungen über die Verwandtschaft oder bie. mangelnde Verwandtschaft d e r Sprachen, die sie oedeten. Man unterschied die indogermanischen Völker, die eine Sprache des indogermanischen Sprachstammes redeten; dann die semitischen Völker, deren Sprachen auf Wurzeln des semitischen Sprachschatzes Zurück gingen, und so fori; und bezeichnete die entsprechenden Völker entsprechend ihren Sprachen als Jndogernmnen oder als Semiten. Mit Unrecht. Die Historiker konnten feststellen, daß einzelne Völker mit ihrer Freiheit und Selbständigkeit auch die ihnen eigentümliche Sprache verloren hatten, und das war noch geschehen fast unter unseren Äugen, wie denn die Iren heute englisch sprechen und ganz gewiß zu den Angelsachsen, die wiederum nur eine V ö l k e r m i s ch u n g sind, nicht gehören. Bei weiterem Fortschreiten der historischen Wissenschaft mehrten und vermehrten sich die Beispiels und ge* rade die Antisemiten konnten an dem alten Dogma nicht festhalten; denn die deutschen Juden sprechen deutsch, aber es fällt den Antisemiten durchaus ncht ein, ihnen deswegen die Qualität als Deutsche, also als Germanen, Züzuerkennen. So suchte man nach anderen Erkennungszeichen: die krumme Nase, die „wehmütigen" Beine, wie man sich ausdrückte; Unterscheidungsmerkmale, die sehr oft nicht zutreffen, und die so schwankend sind, daß ein findiger Antisemit, der Goethe äugencheinlich nicht liebte, aus seinen „vorstehenden" Augen und seinen Beinen und seinem Gang und seiner „Liebebedürftigkeit" seine unzweifelhafte Abstammung von Juden feststellte; eine Feststellung, die Zwar albern erscheint, aber von den Juden als beleidigend wirklich nicht empfunden werden kann. Auch die sogenannte „Judennase" läßt die Antisemiten im Stich. In dem so interessanten Werk des verstorbenen Professors r v. Luschan: „Völker, Rassen, Sprachen"^, finden sich Abbildungen - *) 1922, Welt-Verlag. hethitischsr, Götter und Könige (Tafel 15 und 16). Wenn die Urbitder in einer heutigen antisemitischen Versammlung leibhaftig erschienen, würden sie zweifellos wegen ihrer Nasen trotz ihres Königtums verhauen und hinausgeworsen werden; und die Hethiter werden nicht zu den Semiten gerechnet. Aber auch Armenier (Tafel 14), Kurden (Tafel 11), Griechen und auch ostasrikanische Neger zeigen Typen (Tafel 4), deren Nasen das höchste Bedenken jedes Antisemiten wachrusen müßten. Also auch die sogenannte „jüdische" Nase läßt verräterischerweise die Antisemiten im Stich Eine semitische Bosheit augenscheinlich. Wesentlich näher kommt der Antisemitenhäuptling, Herr Dinier, der Wahrheit; von ihm stammt das erleuchtende Wort: „Im Blute liegt die Schweinerei." Und wenn auch die Wissenschaft die Dintersche „Schweinerei" nicht bestätigst so doch die große Bedeutung, die das Blut, dis Biutkonfiguration für die Gruppierung der Menschheit zu haben scheint. Ich sage „scheint", weit dieser Zweig der Wissenschaft sich erst 31t entwickeln beginnst und weil alle Konsequenzen, die sich damit ergeben können, noch gar nicht zu überblicke:: sind. Ich, der ich Laie auf diesem Gebiete bin, werde gewiß nicht der Tradition der Antisemiten folgen und Möglichkeiten, die meine Politischen Anschauungen zu unterstützen geeignet finix unmittelbar als wissenschaftliche T a t s a ch e n ansgeben. Aber diese Möglichkeiten wenigstens, die ganz neue Wege der Erkenntnis menschlicher Zusammenhänge erleuchten, mögen hier erwähnt werden. Subtile Untersuchungen ncneftcr Zeit über das Blut der Menschen führten zu der Erkenntnis seiner vererbbaren Verschiede n a r t i g k e i t"). Man stellte vier Blutgruppen fest, und es überträgt sich die Vluteigenschaft des Vaters und der Mutter in charakteristischer Weift aus die Nachkommenschaft, und diese Blutgruppen wiederum reißen die bisherige Einteilung der Menschh e i t v ö l l i g a u s e i n a n d e r. Daß diese wissenschaftliche Errungenschaft in Kriminalpuozessen, in Alimentationsprozessen von hoher Bedeutung sein kann, ist offensichtlich und bereits erprobt. Blutspuren bei einem Morde können erkennen lassen, daß das Blut n 1 ch t von dem Ermordeten herrührt; daß also auch der, Mörder verletzt sein muß, und weiter, ob dieses Blut von einem bestimmten Verdächtigen herrühren kann, ob nicht. Und in bezug aus die bestrittene Vaterschaft läßt sich ermitteln, >ob der Bezichtigte überhaupt der Vater sein kann; ob keinesfalls. Das sind Ergebnisse für die unmittelbare Gegenwart. Aber darüber hinaus kann hiermit ein Wegweiser in die fernste Vergangenheit gesunden sein. Wer diesen wissenschaftlichen Ermittlungen nachdenkt, kann e8 als eine ferne Hoffnung betrachten, daß auf Grund der verschiedenen?) Vergleiche hierüber: „Die Individualität des Blutes in der Biologie, in der Klinik und in der gerichtlichen Medizi::" von Professor Leone Lattes, aus dem Italienischen übersetzt von Dr. Fritz Schiff, Abteckungsdirektor am Städti-. schen Krankenhaus im Friedrichshain zu Berlin; und ergänzt von dem Uebevfetzer durch eineu Anhang: „Die forenfisch-medizinische Verwertbarkeit der Blut' gruppendiagnose nach deutschem Recht." Julius Springer, Berlin 1925. Sodann: „Vlutgruppenformel in der Berliner Bevölkerung von S ch i f f und Ziegler in „Klinische Wochenschrift, 3. Jahrgang, Nr. 24; endlich: „lieber den heutigen Stand der Blutgruppenforschung" von Dr. Werner DLlter in „Medizinische Klinik", Nr. 36, 192s, usro. Ihr Kaffee Hag ist wirklich großartig, und zwar positiv — an Aroma und Geschmack, negativ, — durch Fehlen jeder schädlichen Wirkung auf Herz- und Nervenkranke. Sanitätsrat Dr. Gorsfer, Braunfels Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin SW 19. Jerusalemer Straße 46—49 -Breslau.« Chemnitz. Dresden * Düsseldorf * Erfurt ♦ Fran kfurt a. M.»Halle (Saale). Hamburg . Hannover ♦ Karlsruhe » Köln a. Rh.. Leipzig Magdeburg « Mannheim * München . Nürnberg - Stettin * Stuttgart » Amsterdam * Barcelona - Bafel ♦ Budapest ♦ Bukarest» London » Mailand «Prag - Warschau « Wien * Zürich, JASMATZI& ZIGARETTEN GRÄFIN MARIZA 6» HANSOM ö> AUGUSTderSTARKE tü>

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