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Central-Verein-Zeitung · 1926-06-18 · 25 (18.6.1926) · p. Seite 335

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
25 (18.6.1926)
Date
1926-06-18
Page
Seite 335 (sequence 3)
Language
German
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Wahlschwindel und Ritualmordlüge. IMsche Kampfeswelse gegen den Volksentscheid in Groß-Serlin - Auch die Sentschnaliosalen bleiben nicht znrüü - „Mt muß fließen" - Gegen „Rom und Zuda" - Anti-Schmaitz-Serfammümg in Erfurt - Ser Kindesmord in Sreslau-Völkische und dentschnativnale Vlätter verbreiten Mualmordmärchen Fritsch wegen Religionsbefchimpsnng verurteilt. In Berlin, das die Provinz mit ganzen Waggonladungen judenseindlicher Flugblätter für die „Aufklärung" versorgt hat, wird ein Wahlschwindel für den Volksentscheid getrieben, der kaum mehr überboten werden kann. Geld ist in Hülle und Fülle vorhanden, und die Druckmaschinen arbeiten Tag und Nacht. Ist es da ein Wunder, daß die mündliche „Aufklärung" hinter der papiernen nicht zurückstehen will? Das unten wiedergegebene Klischee ist eigentlich eine getreue Zusammenfassung all des unglaublichen Verleumdungsschmutzes, der in Kübeln über die Juden'in Deutschland wieder einmal, weil die Gelegenheit günstig scheint, ausgegossen wird. Greifen wir einige solcher „Aufklärungsvorträge" heraus. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Everling als Hauptreferent in einer Versammlung der „Vaterländischen Verbände" im „Viktoria-Garten" in Wilhelmsaue sprach also: „Mit tiefer Entrüstung müssen wir Deutsche erkennen, wie Teile unseres Volkes sich in tiefstem Haß einander bekämpfen, müssen wir erkennen, wie blonde Germanen durch Ausländer und Juden zum Kampf gegen ihre Volksgenossen gehetzt werden. Verhetzte Masse ist gemein; aber gemeiner sind jene skrupellosen jüdischen Volksversührer, die nur auf ihren materiellen Vorteil bedacht sind. Den Fürsten will man die Paar Millionen rauben, während man Rothschild, der im Frieden mehr Vermögen besaß als alle Fürsten zusammen, ungeschoren lassen will. Das Geld, das die Fürsten mit vollem Recht fordern dürfen, soll lieber zur Erfüllung des Dawes-Plans an das internationale Judentum gezahlt werden. Die Banken und Börsen aber will man nicht enteignen. Das Judentum will das deutsche Volk gemein machen und es gegen die Fürsten aushetzen, denen Deutschland seine Größe und seine Macht zu verdanken hat. Der Volksentscheid ist der Kampf der Juden gegen die Fürsten. Hier soll dieselbe Methode angewendet werden, die die Juden in Rußland angewendet haben, wo sie den Zaren brutal ermordeten und Krone und Gold raubten. Nur schade um die Arbeitergroschen, die auch in diesem Kampfe gegen die Fürsten verwendet werden. Die Arbeiter aber werden einsehen, wie sehr sie dem internationalen Judentum Vorspanndienste geleistet haben und dabei betrogen worden sind. Die Juden sind einst ein Kulturvolk gewesen (Zuruf: Kultur haben sie auch geklaut!), als sie noch im Lande ihrer Väter lebten. Diese Kultur aber haben sie verloren, weil sie sich als Parasiten in fremde Volkskörper eingesaugt haben. Man muß daher die Bestrebungen der Zionisten begrüßen, sür die Redner aufrichtige Sympathie hat. In Deutschland haben die Juden nichts zu suchen. Die Liebe zu ihnen wächst mit dem Grade der Entfernung." Stadtverordneter Honette, der als Deutsch sozialer zum Schluß Herrn Dr. Everling noch übertrumpfen möchte, haut in dieselbe Kerbe: „Juden Prassen in ihren Villen und saugen das deutsche Volk aus, während deutsche Volksgenossen verhungern. Wir müssen die Augen öffnen und erkennen, daß die Juden, die Nutznießer der Revolution, heute eine zweite bolschewistische Revolution herbeiführen wollen. Aber warten wir ab, was aus dieser Rasse noch gemacht wird. Blut, ein Wort, mit dem die Kommunisten umspringen, wird fließen müssen, wenn der Tag der Freiheit kommen soll." Der dritte Redner, ein deulschvölkischer Ingenieur M e i s e k e n , sucht nachzuweisen, daß die Weltherrschaft der Juden schon im Alten Testament gefordert wird, und sagt dann zum Schluß: „Nicht mit Beifall und Begeisterung können wir die Vorherrschaft der Juden und Judengenossen brechen, sondern nur mit der heiligen Kampsesstimmung, wie wir sie damals zeigten, als wir gegen unsere Feinde im Schützengraben lagen." Wenn ein deutschnationaler Mann wie Dr. E v e r - ling diese Sprache spricht, kann man sich ungefähr ein Bild davon machen, welcher Art die Agitation des radikalen Bruders, des Deutschvölkischen, \% Mord- und Pogromstimmung. Natürlich sind es auch Juden, die in der — Zentr u ms - Partei das Volk gegen die Fürsten aufhetzen. So behauptete ein Herr Walter in einer Versammlung im „Deutschen Neichslandbund" am 14. Juni, die vom Kalholikenausschuß der Deutschliationalen Dollspartel einberufen war: „Es ist eine Schande, daß ein Mann wie Dr. Dessauer (er ist Christ! Die Schriftleitung) -gleich dem „Katholischen Wiudthorst'- Bund" die Katholiken gegen die Fürsten aufhetze. Ich habe Dr. Dessauer einmal im Reichstag gesehen, und ich habe ihn für einen g-alizischeu Juden gehalten. Inhalt seiner Reden und sein Aeußeres stimmen überein. Jene deutschnationalen Katholiken wissen sicherlich nicht, daß in völkischen Versammlungen „Nom und Juda" in einem Atemzuge beschimpft werden. Eine kleine Kostprobe aus einer d e u t s ch v ö l k i s ch e n Versammlung in den Hohenzollern- Sälen in Berlin, die dort am 15. Juni stattfand, möge Zweiflern die Augen öffnen: „Schuld an dem Unglück Deutschlands ist auch der Ultramontanismus. Der feistbäckige Erzberger und andere Jesuiten haben Deutschland verraten. Erzberger ist dem Kaiser in derr Arm gefallen, als Deutschland das Gottesgeschenk, die bl-Boyte, erhielt. Der Papst paktiert offen mit Frankreich, seine Botschafter treiben Spionagedienste. Zu dem Versailler Vertrag hak der Papst seinen Segen gegeben. Der größte Feind deutschen Wesens ist neben dem Juden der römische Katholizismus." Daß bei den deutschnationalen Demonstrationen in Berlin, dir sie in Gemeinschaft mit den Völkischen abhielten, Plakate herumgetragen wurden: „Enteignung der Fürsten, de ns B a r m a t braucht G e l d" oder Jm 20. Juni ist Judenzählung" fiel angesichts dieser Hetze in den Versammlungen ebensowenig auf wie das systematische Absingen des Ehrhardt- Liedes mit dem Schlußreim: „Wir brauchen keine Judenrepublik." Schmalix' Ende. Unermüdliche Aufklärung wird unserseits einsetzen müssen, um wieder gutzumachen, was dieser elende Derleumdungsseldzug während des Kampfes um den Volksentscheid verdorben hat. Daß wir nicht zu verzweifeln brauchen, zeigt das Ende des „großen* deutschvölkischen Agitators Adolf Schmalix in Erfurt, der So arbeiten feie SblWchen. (3n Berlin und im Reiche wird nachstehendes Flugblatt in großen Massen verteilt.) Für — Misere - »atrea Kerrscher! , , f|- „Für wen sollen die Fürsten ihres Privateigentums beraubt werden? Für das Volk? Das wird von den Schlössern, Gemäldegalerien, Museen nicht einen Fetzen bekommen! Für den Staat? Wir wissen doch, wohin in unserer Barmai-Kutisker-Zeit die Staaisgelder fliessen! Für wen also tollen die Fürsten durch Volksentscheid enteignet wtrden?€i

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