Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 24 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- Seite 326 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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526 Liebermann erinnern? Er selber weist einmal darauf hin, daß Deutschland für die seit Dezennien dort ansässigen russischen Juden zum zweiten Vaterland geworden sei; er selber be» zeichnet die zweite Generation der nach Amerika eingewanderten Juden schon als „Vollblutamerikaner". Also müßte er doch Hugeben, daß die Länder der Diaspora für die in ihnen lebenden Juoen das eigentliche und einzige Vaterland sind! Aber hieran hindert den Verfasser seine Betrachtung der Dmge im Sinne der 5tomfti* schen Ideologie, die ihm die Fähigkeit zu klarem und entschlossenem Urteil nimmt. Mit Th. Herzl fleht er die Möglichkeit zu einer radikalen Lösung der Judenfrage entweder in der Massentaufe oder in der Gründung des Juden st ante s. Dabei ist er sich aber wohl bewußt, daß die erstere nicht m Frage kommen kann, und daß anderseits der „Judenstaat" immer ein Gegenstand englischer Interessen Politik sein wird. Er weist darauf hin, daß man in London während des Krieges „den Zionismus in den Dienst der eigenen Politik zu stellen" begann und daß schließlich „die Sache Palästinas eine Sache Englands geworden" ist. Damit aber ist zugleich ungewollt zum Ausdruck gebracht, daß die Herzlsche Utopie des Judenstaates und ihre spätere Verwirklichung nichts mehr miteinander gemein haben. Trotzdem ist Palästina für K. „der einzige Lichtpunkt" im dunklen Dasein der gegenwärtigen Judenheit. Für den Zionismus hat der Verfasser trotz mancherlei religiösen Bedenken immer ein freundliches Wort. Dagegen weiß Kreppet vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nur zu sagen, daß er „ausgesprochen assimilatorisch" sei; im übrigen wird die 33jährige, ebenso mühewie segensreiche Wirksamkeit des C. V. mit sechs nichtssagenden Sätzen abgetan. Der unbefangene Leser muß darum der Versicherung des Verfassers, in voller Objektivität die Gegenwartslage der Juden darzustellen, mit einiger Skepsis gegenübertreten. Dieser Mangel an Objektivität zeigt sich ganz besonders auch in dem Kapitel 9: „Religiöse Problem e." Es ist hier nicht der Ort, die engherzige und vollkommen einseitige Art aufzuzeigen, in der der Verfasser die Fragen der Orthodoxie, des Liberalismus, Chassidismus usw. behandelt. Wenn Kreppet die Forderung der Mittel- und Hochschulbildung .für die Rabbiner als eine Gefahr bezeichnet (!), wenn er behauptet, der durch den Liberalismus „angestrebten und vielfach durchgeführten Modernisierung des Gottesdienstes, Anstellung moderner Kanze.redner, Einführung der Orgel und dergleichen ist im allgemeinen der Erfolg versagt geblieben", wenn er anderseits kurz und bündig erklärt, „die Kabbalah ist ein w i s s e n - schaftliches System" — so zeigt er, daß er allenfalls für die Schilderung ostjüdischen Milieus Zureichende Qualitäten besitzen mag, daß ihm aber Zur Beurteilung des westeuropäischen Judentums doch wohl die Kompetenz fehlt. Dieser Eindruck wird ganz besonders verstärkt durch die Beurteilung, die Kreppet den verschiedenen großen Organisationen der deutschen Judenheit zuteil werden läßt. „In Deutschland steht der Deutsch-israelitische Gemeindebund an der Spitze der jüdisch-liberalen Gemeinden." (!) Ferner erklärt K„ im C. V. sei (wie im D. I. G. B. usw.) „das liberale Judentum" konzentriert! Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" nennt er eine Organisation „mehr allgemeinen Charakters". Neben diesen zahlreichen schiefen oder vollkommen falschen tttf* teilen des Verfassers über das deutsche Judentum enthält das Werk aber noch eine Zahllose Fülle von objektiven Unrichtigkeiten. Das!n8Ututum Judaicum der Berliner Universität zählt es unter die Nabbinerseminare, und unter den jüdischen Organisationen in Deutschland figuriert zwischen dem Jüdischen Frauenbund und der „Achduth" der Verein zur Abwehr des Antisemitismus! Bott den Logen U. O. B. B. behauptet der Verfasser, sie würden von den Orthodoxen als a r e l i g i ö s e bekämpft, was zumindest in dieser Verallgemeinerung nicht zutrifft. Falsch und vielfach anfechtbar ist auch, was über das jüdische Schul- und Erziehungswesen, besonders in Westeuropa, ausgeführt wird. In aller Kürze mag noch erwähnt sein, daß das Buch in stilistischer Hinsicht selbst bescheidenen Ansprüchen nicht genügt; die Sprache ist durchaus trivial. Schließlich sei noch ein Wort über die Gesamtanlage des Werkes gesagt. Welches ist die Aufgabe, die der Verfasser sich mit seinem Werke gestellt hat? Er will in objektiver Weise erneu Ueberblick über den gegenwärtigen Stand des Judentums geben. Der Verfasser beschränkt sich aber nicht auf diese Ausgabe, sondern gibt oft eine historische Einführung in die einzelnen Probleme. Hierbei verfährt er aber durchaus willkürlich: einmal geht er ganz ins einzelne — ein andermal läßt er die geschichtliche Einleitung fehlen. So zeigt das Buch in buntestem Wechsel historische Einführung, schematische Ueberblicke und dann wieder seitenlange Aufzählung von vollkommen überflüssigen Namen. Es wäre zu empfehlen, für eine etwa notwendig werdende Neubearbeitung den sachlichen Teil des Buches von dem statistifchen zu trennen, oie ziemlich wertvollen historischen Darstellungen fortfallen zu lassen, den Ueberblick tzber die gegenwärtigen Strömungen und Organisationen des Judentums (unter Ausschluß aller ermüdenden Wiederholungen) wirklich übersichtlich zu gestalten und endlich alle Namen und statistischen Angaben in einen besonderen Anhang zu verweisen. Das hätte auch den großen Vorteil, daß der erste Teil des Werkes, die sachliche Darstellung, für längere Jahre wertvoll bliebe, während der zweite Teil, die Statistik, gewissermaßen als „Jahrbuch" betrachtet würde, das immer wieder auf den neuesten Stand der Forschung gebracht werden könnte. In der gegenwärtigen Gestalt ist das Buch nach einem Jahre veraltet und wertlos. Schließlich' nwge der Verfasser auf sorgfältigere Quellennachweise halten. Es geht doch wohl nicht an, daß Z. B. dre Ausführungen über Len „Verband der deutschen Juden" u. a. m. dem im Jahre 1919 erschienenen Schriftchen „D a 8 deutsche Jude n t u rn. Seine Parteien und Organisationen" zum Teil wörtlich entlehnt sind, ohne daß der Verfasser dessen Erwähnung tut. Dr. Karl Roserrthal (Berlin). für Sportsleute schont Her: und Nerven Alleinige Anzeigen-Annaiune Rudolf Mosse, Anzeigen-Annahnte fiir sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin SW 19, Jerusalemer Straße46—49 Breslau * Chemnitz«Dresden » Düsseldorf» Erfurt» Frankfurt a. M.« Halle (Saale) ♦ Hamburg «Hannover * Karlsruhe « Köln a.Rh. ♦ Leipzig Magdeburg ♦ Mannheim ♦ München Nürnberg « Stettin ♦ Stuttgart » Amsterdam * Barcelona - Basel. Budapest« Bukarest» London » Mailand . Prag » Warschau»Wien -Zürich. DAS WELTKURBAD WIESBADEN —Deutschlands grösstes Heilbad. Wiesbadener Festwochen in Wort, Ton, Tanz und Sport. 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