Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 24 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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der anderen Seite 20 Soziald ernokr at en und 2 Demokraten. Mit den 3 Kommunisten ist für die praktische Arbeit nichts anzufangen. Ausschlaggebend werden im neuen Landtag die drei Stimmen der Wirtschastspartei und die eine Stimme der Mieter- Partei sein. Mein Gewährsmann ist der Ansicht, daß diese vier ver Demokratie nahestehenden Herren sich niemals au dunklen völkischen Zwecken werden mißbrauchen lassen, s o d a h die Herrschaft der Völkischen in Mecklenburg parlamentarisch als völlig beseitigt angesehen werden kann. Diese Feststellung kann uns genügen. Das große Rätselraten über die Regierungsbildung, in Mecklenburg-Schwerin braucht uns an dieser Stelle nicht weiter zu beschäftigen. Nachklänge. Don Interesse für unsere Leser dürfte ein Auszug aus dem Leitartikel des größten rechtsstehenden Blattes des Landes, des „Rostocker Anzeiger", vom 8. Juni sein, der den Deutschvölkischen und ihrer „fluchwürdigen Politik" folgendes ins Stammbuch schreibt: „Was die Deutschnationalen seit 1919 im mecklenburgischen Landtag erst in erbitterter Opposition und schließlich als führende Regierungspartei unter Justizrat Dr. Knebusch für die Gesamtinteressen des Landes — nicht aber für einen einzelnen Stand — politisch alles herauszuholen verstanden ^haben, wird wahrscheinlich jetzt, wo die Karre seit dem absolut unnötigen Sturz der Regierung verfahren ist, gar bald an den Dag kommen. Denn jetzt ist mit dem parlamentarischen System im Landtag rein gar nichts mehr anzufangen, weil immer die Entscheidungen halb zu halb werden gefällt werden müssen. Und das liegt daran, daß Mar die Völkischen mit ihrer Politik dafür gesorgt haben, daß die Deutschnationalen schwer verringert nur wieder in das „Hohe Haus" einziehen können, doch ohne selber sich als führende Partei an die Stelle der Deutschnationalen zu setzen. Denn die schwerste Wahlniederlage als Partei haben die Völkischen zu verzeichnen. Das ist der Fluch ihrer bösen Taten! — Die Fraktion Maertens-Neuhos auf Insel-Poel hat nicht nmk die bürgerliche Mehrheit zerschlagen, sondern sich selbst daber zu« Strecke gebracht. Ihre Politik tonnte nur Erfolg haben, wenn die Deutschnationalen bis zur Selbst e n tma nnurtg angestchtsder dem Lande von den Völkischen drohenden Gefahr einfach gostrgt haben würden: Herr v. Graese will dominieren um Men Preis, wir müssen — weil er sonst die bürgerliche Mehrheit zerschlagt nun notgedrungen völkisch werden. Das hätten dre Deutlchnatwnalen m Rücksicht auf ihre Partei, wenn das das ausschlaggebende Moment gewesen wäre, tun können. Denn das Staatswohl soll alles fern, die Partei nur Mittel zum Zweck. Aber da liegt/der völkische Hase im Psesser; die Maertens-Fraktion war nicht imstande, zu über, nehmen und zu verwalten, wonach sie im heißen Hunger grerrg den Arm reckte. . ' So sieht nun Land Mecklenburg heute einen Haufen völkischer Scherben vor sich ..." Hoffentlich wird die mecklenburgische Lehre bald Gemeingut des gesamten deutschen Volkes werden: Wer eine Volksgemeinschaft so systematisch zerrüttet, wie die D e u t s ch v ö l k i s ch e n, i st aus die Dauer nicht regierungsfähig. Das erste Experiment gleich ist kläglich vorbeigelungen. Nehmen wir daher die Wahlen in Mecklenburg-Schwerin zum guten Zeichen für die Zukunft. Denken wir aber auch daran, daß es sich hier nur um eine Teilniederlage handelt; daß das „Deutsche Tageblatt" in seiner Nummer vom 8. Juni in dem Wahlausfall trotzig und unbeirrt den Ansporn steht, in sy st em atisch er O r ga nis ation stt r b e i t „eine neue Plattform für den Ausbau der völkischen Front zu schassen". Auch für uns kann die Lehre der mecklenburgischen Wahlen nur sein: „Nicht ermüden! Mit Kraft und Zuversicht weiter an die Ausklärungsarbeit zur Bekämpfung des offenen und des unsichtbaren Judenhasses!" Unsere Mischen Han-werker. Don der Handwerkertagung in Leipzig. G. Am 30. und 31. Mai fand in Leipzig die Tagung des JeniralverbandesjüdischerHandw.erkerD e u tschlands patt. Unter der Teilnahme einer großen Reihe von jüdischen und irichtjüdischen Behörden und Korporationen fand am ersten Tage eine Festsitzung statt, während der Zweite Tag der ernsten Arbeit ge- .Widmet war. Das Hauptthema der Montagsversammlung war die „Erziehung zum Handwerk", über die Muskatblatt ELeiPZig) und I s i Kahn (Frankfurt a. M.) referierten. Im Anschluß an die Referate wurden folgende Entschließungen angenommen, die gewiß die jüdische Oefsentlichkeit interessieren: 1. Der Verbandstag des Zentralverbandes der jüdischen Handwerker Deutschlands sieht in der Erziehung unserer Jugend zum Handwerk einen Weg, das deutsche Wirtschaftsleben wieder aufzurichten und den Wohlstand unseres Vaterlandes zu festigen. Die ersten Schritte hierzu müssen nicht nur bei der Lehrlingsausbildung beginnen. Auf den Wert der manuellen Tätigkeit muß bereits im Elternhause hingewiesen, und die Unterweisung schon in den ersten Schuljahren durch theoretischen und praktischen Unterricht fortgesetzt werden. Diese Forderungen können nur dann in Erfüllung gehen, wenn alle jüdischen Kreise es sich zur Pflicht machen, sich für die Schaffung von Lehrkingsheimen und entsprechenden Unterrichtsanstalten einzusetzen. '.'2- Der Verbandstag hat nach einem Bericht des Vertreters der Gesellschaft „Ort," davon Kenntnis genommen, daß die Absicht besteht, das Arbeitsfeld der Gesellschaft „Ort" bezüglich Versorgung jüdischer Handwerker mit Maschinen, Werkzeugen und Rohmaterialien aus der Basis einer Kreditgewährung auch auf Deutschland auszudehnen. Der Verbandstag begrüßt diesen Schritt mit Freuden iind empfiehlt allen dem Verband angeschlossenen Ortsgruppen, die Gesellschaft „Ort" in ihren Ausgaben zu unterstützen. Der Hauptvorstand wird ersucht, die Möglichkeit einer gemeinsamen Arbeit auf dem Gebiete der Kredithilfe für jüdische Handwerker zu prüfen und den Ortsgruppen darüber zu berichten. E Aus der prächtigen- Festrede des Herrn Louis Wolfs cvie aus dem Geschäftsbericht des Verbandsvorsitzenden Wilhelm n r c u s und den Darlegungen der angeschlossenen Vereine erfuhr Marrnur außerordentlich Erfreuliches. Neue Ortsgruppen entstanden yin Dortmund, Karlsruhe und Krefeld, ebenso hat sich .'Dresden wieder konstituiert, und in München und Königs- .berg. sind Zweigvereine im Werden. Die Errichtung von Darilehn^skassen für den Mittelstand wurde gefördert. Die angeschlossenen Unterverbände, die Frauen- und Gehilfenvereine .sind in gedeihlicher Fortenwicklung. ...rf k Mehr ahn noch als die tatsächlichen Erfolge und Fortschritte war es der Geist der Versammlung und aller Teilnehmer, der ungemein erfrischend und anfeuernd wirkte. Man fühlte, daß hier nicht nutzlose Deklamationen und Vereinsreden produziert wurden, sondern daß hinter den Männern und ihren Worten auch wirkliche Taten stehen. In schlichter Selbstverständlichkeit und Treue arbeiten unsere jüdischen Handwerker an dem Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft und an der Gesundung, des jüdischen Körpers. Ihre Leistungen für die jüdische Ehre sind darum unschätzbar. > Es ist bedauerlich, daß aus den Reden und Berichten die alten Klagen wieder Klangen, jftodj immer erfreut sich daA Handwerk in jüdischen Kreisen nicht der Wertschätzung, die es verdient, Noch immer werden Knaben, die sich für das Handwerk geistig und körperlich eignen, aus törichten Gründen der Eitelkeit in „höhere" Berufe gedrängt, für die sie nicht Lust noch Fähigkeit haben. Noch immer gibt es jüdische Gemeinden und Institutionen, die bei der Vergebung ihrer Aufträge den jüdischen Handwerker geflissentlich übersehen und übergehen, noch immer spurt das gehässige Märchen von der Minderwertigkeit der Arbeit jüdischer Handwerker. Es ist ein schwerer Kamps, den unsere Brüder im Zentralverband jüdischer Handwerker führen, schwer wegen der wirtschaftlichen Krise, in der wir uns quälen, schwer durch die Widerstände, die im Judentum sich ergeben. Getrost darf aber die jüdische Oefsentlichkeit dem Vorstände des Verbandes vertrauen, der Unendliches geleistet hat und von dessen Kraft und Geschicklichkeit man erwarten darf, daß er jüdisches Handwerk überall wieder zu Ehren bringen wird. C.v.-Arbeit. Aus dem Rechenschaftsbericht der Wiener Union. Die „Union deutsch-österreichischer Juden", die man mit gutem Recht als den Centralverein deutsch-österreichischer Staatsbürger bezeichnen kann, hat in den schweren Nachkriegsjahren, wie alle politischen Organisationen, sehr gelitten. In wie erfreulichem Maße diese Folgen überwunden sind und einer aktiven, selbstbewußten Arbeit Platz gemacht haben, geht aus dem Rechenschaftsbericht hervor, den der Sekretär der Union, Oskar H i r s ch f e l d , der Nachfolger des unvergeßlichen Siegfried Fleischer, aus der Delegiertenversamrnlung der Union erstattet hat. Die Tagung, unter Leitung des Präsidenten der Vereinigung, Dr. O r n st e i n , nahm einen allgemein befriedigenden Verlaus. Unsere Leser wird ganz besonders interessieren, was. in dem erwähnten Rechenschaftsbericht über den C e n t r a l v e ve t n und den Philo-Verlag gesagt wird. Es heißt dort: „In überaus dankenswerter Weise hat unser deutscher Schwesterverein, der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, auch unsere Arbeit ergänzt und gefördert. Mit einer die zielbewußte Tätigkeit dieses Vereins überhaupt charakterisierenden Hingebung hat er auch für alle in Deutschland auftauchenden Fragen, soweit sie speziell österreichisch-jüdische Angelegenheiten betressen, lebhaftes Interesse bekundet; hier haben wir wiederholt auf Ersuchen des Centralvereins ihm im Dienste der gemeinsamen Sache Informationen verschafft. Ebenso haben wir auch die Bestrebungen des Vereins durch Mitteilung von Vorfällen in Oesterreich, soweit sie auf die Lage unserer Glaubensgenossen in Deutschland Bezug hatten, unterstützt ... In letzter Zeit wurden auch von unserer Seite Schritte unternommen, um für eine Verbreitung der hervorragenden Abwehrschriften des unter Aegide des Centralvereins stehenden Berliner Philo-Verlages auch in Oesterreich zu sorgen, da hier noch keine ähnliche Institution besteht und die literarische Aufklärung voll-i kommen mangelt. Der wertvolle Inhalt dieser Verlagserscheinungen wird es verständlich erscheinen lassen, wie würdig der Unterstützung hiese Be- Hstzchungen M.'