Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 24 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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822 Haben wir etwas zu verbergen? Sollen wir plötzlich unsere alten bewährten Vereinsgrundsätze verleugnen? Schon in der e r st e n ordentlichen Generalversammlung des Ccntralvereins, 1893, prägte der Vorsitzende dieseWorte: „Wir haben mit der Parteipolitik gar nichts zu tun!" Und weiter: „Die politische Meinung r st ganz Sache deS einzelnen!" Und so ist es. Das ist eben der Grundirrtum, der aus vielen deutschen Köpfen ausgerottet werden muß, das Judentum sei politisch eine geschlossene Einheit. Dieser Jude gehört der Bolkspartei an, und d e r der demokratischen. D i e s e r ist Sozialdemokrat und den schreckt die Politik überhaupt. Und so ist's mit dem Volksentscheide. Wir haben keine Stellung für, und wir haben keine Stellung wider e i n z »nehmen. Treu unseren Grundsätzen lassen, wir jeden nach seiner politischen, nach seiner wirtschaftspolitischen Fasson selig werden. Unsere Mitglieder, die politisch mündig sind, werden es sich energisch verbitten, von uns Vorschriften in Fragen deutschpolitischer Natur entgegenzunehmen. Die den Dereinsaufgaben Himmel weit entfernt sind. Darum: Laßt endlich einmal auch das deutsche Judentum mit solchem Ansinnen in Ruhe! Schon künden aus Geheiß einer unsichtbaren Oberleitung völkische Lästerzungen: Das Judentum tritt geschlossen für die Enteignung ein. Ein mehr kindisches als boshaftes Geschwätz. Ganz gewiß werden unleugbare Tatsachen, wie die, daß der Kaiser von einst die „Weisen von Zion" für das trefflichste Buch seiner Hausbücherei erklärt, und daß der Gothaer Herzog Schirmherr und Förderer alles Völkischen von nah und fern st, die Haltung einer Anzahl von jüdischen Deutschen genau o beeinflussen, wie die dankbare Erinnerung an die gerechte Regierung mancher süddeutschen Fürsten. Solche menschliche Imponderabilien werden letzten Endes nicht entscheidend sein. Bei jedem wahrhaften Staatsbürger wird der Gedanke an das Wohl des deutschen Volkes allein den Ausschlag geben. Dr. Alfred Wiener. Ehrhardt und Dinier. Zwei Persönlichkeiten, deren Wirken in und für die völkische Bewegung von völlig verschiedenen Gesichtspunkten aus zu betrachten ist, die aber auch ihrerseits in ganz verschiedenartiger Weise die völkischen Ziele zu verwirklichen streben, treten mit grundsätzlichen Veröffentlichungen auf den Plan. Ehrhardt, dev geheimnisvolle Consul der O. C., Dintev, der völkische Parlamentarier, Romanschreiber und christliche Erneuerer. Ehrhardts EmigungSprogramm. Durch die völkische Presse bis weit nach der doutschnationalen Seite hin geht als KorrespondenzarLikel ein Programm, das ohne Frage den Kapitän Ehrhardt zum Verfasser hat, das einen einheitlichen, zielbewußten Plan für alle vaterländischen und völkischen Verbände bezweckt. Vernichtend sür die bisherige Form der völkischen Bewegung und, da ja das Ehrhardt- Programm noch nicht durchgeführt ist, vernichtender für die völkische Bewegung in ihrer geltenden Erscheinungsform ist die in ihm enthaltene Kritik: „Wer heute noch glaubt, in Volksversammlungen mit Schlag Wörtern das Vaterland retten zu können, ist ein Narr... Vergessen wird dabei, daß zur Erreichung der Macht zielbewußte Kleinarbeit geleistet werden muß ... Hinweg über die reinen Vereinsinteressen zu dem einen gemeinsamen Ziele ... Gesinnungstüchtigkeit allein ist kein Ersatz sür Wissen und Können... An Stelle des F e st e f e i e r n s hat harte, mühsame Kleinarbeit zu treten.. Auch das, was den elf programmatischen Leitsätzen an Eingeständnis über jetzt übliche politische Methoden zu entnehmen! ist, verdient Beachtung. Man will von jetzt ab nur „Männer mik sauberer Weste" haben, die „keine Verführer der Jugend" sind. In großzügiger Weise findet man sich 'mit Außenpolitik, Innenpolitik, Kulturpolitik, Auswertungsfragen und sonstigen Kleinigkeiten in der Form ab, daß man sagt: heut ist es doch aussichtslos, neue Wege erfolgreich einzuschlageu. Und wenn es dann weiter heißt: „Wir lehnen es ab, im politischen Kampf dem Gegner Rechenschaft zu geben", so laßt das für die Politik der nächsten Zeit manches erwarten. Das wenige Positive des Programms ist, daß man ein starkes, freies Deutschland schaffen, die Jugend zu neuer Wehrhaftigkeit erziehen, und klar und zielbewußt den politischen Kampf ausnehmen will. Mit anerkennenswerter Bescheidenheit erklärt man, daß man selbst „der kommende Staat" sein wolle. Und da nun einmal der Weg zur Erlangung politischer Macht die Wahl ist, so will man die große, zündende Parole schassen, die das ersehnte Zweiparteienprinzip Sassen soll „Hie national, hie international", wobei Paranthese zum Ausdruck kommt, daß man für die nationale Einheitsfront die Deutsche Bolkspartei, die Deutsch- Äationalen, die Bayerische Bolkspartei, die eutschvölkische Freiheitspartei und gewisse reise des Zentrums versteht. National zuverlässige Männer sollen durch das Parlament die Macht ergreifen. Für den Fall, daß sich die also ausersehenen Parteien Nicht dem Ehrhardt-Diktate fügen, will man die Stimmenth a l - trrng der vaterländischen Verbände proklamieren, einen parteipolitischen Trümmerhaufen schaffen und über diesen die vaterländischen Verbände zur Herrschaft hinansteigen lassen. An Stelle eines Kommentars veröffentlichen wir lediglich eine Erklärung, die Ende Mai unter der Ueöerschrift: „Eine Gründungsversammlung der Deutschvölkischen Freiheitspartei* in einer ostdeutschen völkischen Zeitung erschienen ist: Die Bürgerlich-Völkischen in Hirschberg (Schles.), die mit dem „radls kalen" Hitler nicht zu gehen vermögen, hatten sich zum wiederholten Male sür Freitag, den 30. April, dazu aufgerafst, in Hirschberg eine Ortsgruppe ins Leben zu rufen. In großen Anzeigen in den hiesigen Tageszeitungen hatte man alle völkischen Wähler dazu eingeladen. Neben 5 auswärtigen, deutschvölkischen (Mitgliedern der Ortsgruppe Bad Warmbrunn) waren 2 alte Herren erschienen, die sich zur Deutschvölkischen Freiheitspartei bekannten. Die übrigen Erschienenen waren Nationalsozialisten. Der famose Warmbrunner Ortsgrrrppensührer, Herr Süßenbach, lehnte die Wortmeldung des Pg. Börstel ab und bedeutete den anwesenden Pg., das Zimmer zu verlassen. Warum bekommt man trotz großer Propaganda keine Ortsgruppe zustande? Weil hinter dem Programm nicht der revolutionäre Wille zur Erreichung der erstrebten Ziele steht. Wir Hirschberger Nationalsozialisten verspüren keine Lust, mit deutschvölkischen parlamentarischen Führerklimpeln länger herumzustreiten; bei einem weiteren etwaigen Versuch, hier eine Ortsgruppe zu gründen, werden w i r g a n z e A r b e i t machen. Es ist ein langer Weg, Herr Ehrhardt ... Dinkers Zudengefehe. Im thüringischen Landtag hat die Fraktion der Nationalsozialisten acht Judengesetze eingebracht, die ein anschauliches Bild davon geben, was die Juden zu erwarten Hütten, wenn die Völkischen wirklich zur Regierung kämen. Diese Gesetze, von Herrn Dr. Artur Dinter, dem Vorsitzenden der nationalsozialistischen Fraktion, entworfen und einge« bracht, lauten: 1. Gesetz über die Nichtzulassung von Juden alS Lehrer an staatlichen und kommunalen Schulen und an der Landesuriiverfität. § 1. Juden sind als Lehrer an staatlichen und kommunalen Schulen sowie als Professoren und Dozenten an der Thüringer Landesuniversität nicht Zugelassen. § 2. Als Jude im Sinne dieses Gesetzes gilt jeder, der in der großväterlichen Geschlechtssolge (Generation) noch Blutsverwandte hatte, die sich zum mosaischen Glauben bekannten, einerlei, ob sie heute getauft sind oder nicht. 8 3. Das Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft. 2. Gesetz über die Nichtzulassung jüdischer Schüler und Schülerinnen an staatlichen und kommunalen Anstalten. § 1. Der Besuch der staatlichen und kommunalen Schulen ist den Kindern jüdischer Eltern im Freistaate Thüringen verboten. (§§ 2 iirtb 3 wie im 1. Gesetz.) 3. Gesetz über die Nichtzulassung von Juden als Aerzte an staatlichen und kommunalen Anstalten und kommunalen Krankenkassen. § 1. Juden dürfen als Aerzte an staatlichen und kommunalen Anstalten nicht angestellt und als Aerzte an staatlichen und kommunalen Krankenkassen des Freistaates Thüringen nicht zugelassen werden. (§§ 2 und 3 wie im 1. Gesetz.) 4. Gesetz über die Nichtzulassung von Juden akS Richter und Notare. § 1. Juden sind als Richter und Notare im Freistaate Thüringen nicht zugelassen. (§§ 2 und 3 wie im 1. Gesetz.) 5. Gesetz über das Verbot des jüdischen Bich- und Getreide- Handels. § 1. Die Juden werden zum Vieh- und Getreidehaudel im Freistaate Thüringen nicht zugelassen. (§§ 2 und 3 wie im 1. Gesetz.) 6. Gesetz über das Verbot des Schächtens. 8 1. Das Schächten ohne vorherige Betäubung der Tiere ist im Freistaate Thüringen verboten und wird nach § 360, Ziffer 13, des Strafgesetzbuches bestraft. (§§ 2 und 3 wie im 1. Gesetz.) Der „Völkische Beobachter" schließt an die Veröffentlichung dieser' Gesetze die Bitte an alle völkisch gesinnten Deutschen, „Material zu diesen Gesetzen aus der praktischen Erfahrung sowie statistisches Material auch auS nichtthüringischen deutschen Landern unverzüglich an den Vvrfltzenden der nationalsozialistischen Fraktion im Thüringer Landtage, Herrn Dr. Artur Dinter (Weimar), Landtag, einzusendcu".