Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 24 (11.6.1926)
- Date
- 1926-06-11
- Page
- Seite 321 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277622-2277646--02976-2283437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mm VMtrr fürj^ulscdlmnW UNSIlwLNMM Httlin, 11. Funk 142S V. Fahrgang « Nr. 24 Einzelnummer 1- Golöpfennig LntralMrdus deutsch. fSrMM-LS Siaatsvüryer iiwifcire» KlMvenskTtt Zeiiun{£ des Oudenrums KonatsaSormentent 40 Goldpfennig nadP'>§ zuzüglich Bestellgeld «erlag u.Echriftleitung: Berlin SW 68, Sinbcnttr.13. -! -§»nsL«ch»: Amt Dönhoff OMt. WSS. .!. Postscheckkonto: Berlin »04 70. stube O, Berlin 8W 68, Llnoenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschüd & Co., Berlin W 8. Meiniqe AnzeiaenannaLme: Annoncen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin 8^ 19, und derenFilialen. Anzeigenpreise: 0,90 (JUL für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Rormalsetlenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 (JIM, die 90 mm breite Reklamezelle 4,80 (JIM, Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel Ser VolkzeatMelil. An welchen üblen Ereignissen zwischen Himmel und Erde, die dem deutschen Volke in den Nachkriegsjahren oft allzu reichlich beschert wurden, hat der Jude nicht schuld? Wütet irgendwo ein bestialischer Lustmörder, so wird gegen alle Wahrheit seine jüdische Abstammung prompt nachgewiesen. Poltert ein wütender französischer General im Ruhrgebiet umher, — so war nach völkischer Afterweisheit Sem sein Ahnherr. Nachdem der Nürnberger „Stürmer" unter Streichers genialer Führung das Judentum als den Schuldigen an dem gräßlichen Eisenbahnunglück in München herausgefunden und Theodor Fritsch, der völkische Altmeister, glücklich entdeckt hat, der französische Generalgouverneur von Syrien, de Jouvenel, heiße zu ostjüdisch „Iüngelche n", und aus Blutsympathien habe er die arabische Ausgabe der „Weisen von Zion" für Syrien verboten, sind alle Rätsel dieser schweren Zeiten gelöst. Und wer sollte den 'Volksentscheid zu selbstsüchtigen dunklen Zwecken herbeigeführt haben, wer den Rahm bei einem zustimmenden Volksentscheide von der Milch schöpfen, wenn nicht der Jude? Für die Einsichtigen im deutschen Volke, die trotz „völkischer Aufklärungsarbeit" noch lange nicht ausgestorben sind, genügen diese Beispiele, um die Lächerlichkeit solcher Beweisführung an den Pranger zu stellen. ■ Ballen von Flugblättern wirft die „Deutsche Erneuerungsgemeinde" in Leipzig, deren geistige Leitung Theodor Fritsch darstellt, zum Volksentscheid auf den deutschen politischen Markt. Wie einfach! Es handelt sich, so erzählen es die Neunmalklugen, „bei dem Volksentscheide um einen großangelegten Raubzug — von seiten des internationalen Judentums". Im gleichen völkischen Flugblatt (Nr. 218) steht dann wörtlich: „Unter dieser (talmudischen) Geheimparole hat man erst den deutschen Staat ausgeschlachtet, hat Heeresvorräte und st a a t l i ch e Werke verramscht, dann hat man die Großindustrie ab gewürgt, einen Stinnes, Krupp. Mannesmann usw. erledigt. Jetzt kommen die Fürstenvermögen an die Reihe." Gewiß haben der deutsche Staat und das deutsche Volk in den letzten Jahren fast nicht mehr zu ertragende Not durchlitten. Gewiß haben die deutsche Industrie und die deutsche Geschäftswelt ungeheure Verluste und Schädigungen erfahren. Daß den jüdischen Deutschen, den Industriellen wie den Kaufmann, den Angestellten wie den Rentner, die Geißel der Seit schrecklich getroffen hat. daß fast jeder Tag von Selbstmord und Hungertod gerade in jüdischen Kreisen er- Mhlt, verschweigen die deutschen „Erneuerer" aus Leipzig sorgfältig. . Aber wozu mit diesen Unbelehrbaren heute hier weiter rechten? Der nicht mehr neue Ablenkungstrick, den schon Haman im alten Persien aufgriff, ist immer noch gut genug, um deutschen Volksgenossen auf neuer Schüssel serviert zu werden. Doch: Man beschuldigt nicht nur schmählich; es geschieht, was heute „große Mode" ist: Man o r g a n i » siert. Schon seit etlichen Monaten hat sich in Erfurt mit dem geschmackvollen Rätselwort „V. Z. v.V." (d. i. in gemütlicher Breite: Parteilose Vereinigung zur Vorbereitung eines verfassungsmäßigen Volksentscheides über die Lösung der Judenfrage) ein Verein gebildet, der, lange bevor von einem Volksentscheide über das Fürstenvermögen die Rede war, in Ober- und Unterfragen, in milderer und in schärferer Fassung Anträge für die Beschlagnahme des jüdischen Vermögens in Deutschland vorbereitete, in Deutschland lebende Juden unter Fremdenrecht zu stellen beantragte und derlei liebliche Dinge mehr. Obwohl für solche Anträge in vielen Versammlungen und Zeitungen, die nicht nur den ausgesprochen völkischen Parteien angehörten, seit langem eifrig geworben wurde, hat bisher niemand gegen solche Enteignungsversuche seine Stimme erhoben. Jetzt stehen einflußreiche Kreise, wirtschaftliche, politische und kirchliche, im ganzen Reiche auf und warnen eindringlich davor, mit zweierlei Maß zu messen: Fürsten anders zu behandeln als die übrigen Staatsbürger. Dürfen auch wir gegen die gekennzeichneten Bestrebungen völkischer und gewisser nationaler Kreise den Juden gegenüber eine gleiche Energie verlangen? Noch immer wird die Göttin der Gerechtigkeit mit einer Binde vor den Augen dargestellt; und Recht soll aus dieser Erde nicht nach Kittel und Namen des Rechtheischenden fragen. Viele Freunde schrieben uns, sprachen mit uns in den letzten Wochen über den Volksentscheid. Die einen: „Gegen den Volksentscheid aus die Schanze! Keinesfalls eine Enteignung!" Die anderen: „Ans! Für den Volksentscheid! Wir alle haben unser Vermögen eingebüßt, und die Fürsten dürfen es nicht besser haben!" Die dritten aber, die Vorsichtigen, die sagten: „Die Finger davon weg! Schreibt nichts und redet nichts, denn die Frage ist heikel." Me Landtagswahlen in Mülenburg. Von Artur Schweriner. Unfcre jüdischen Handwerker. „Juden und Judentum von heute." Von Dr. Karl Vosenthal. Veilage. Äon deutsch-jüdischer Jugend.