Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 23 (4.6.1926)
- Date
- 1926-06-04
- Page
- Seite 313 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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313 Gespräche mit Heine. Von Dr. Hugo Lachmanskl. Heinrich Heines Gespräche, die bisher noch keinen Eckermann gefunden hatten, liegen nun gleichZeitig in Zwei Sammlungen^) vor: die eine, die, im Nahmen des überhaupt Möglichen, auf Vollständigkeit Anspruch erhebt, stammt von dem besonders um die Erforschung der Literaturepoche „Das junge Deutschland" hochverdienten Professor Dr. H. H- Ho üben; für die andere, die sich auf eine Auswahl des Wesentlichen, unter Benutzung fast desselben gedruckten und handschriftlichen Materials, beschränkt, ist Dr. Hugo Bieber verantwortlich, der sich erst unlängst mit seinem schönen lind eindringlichen Buch „Heinrich Heine Confessio judaica" als intimen Kenner der mellschlichen lind dichterischen Versvulichkeit Heines legitimiert hat. Beide Werke erfüllen ihren Zweck: die Lebensgeschichte des Dichters durch zeitgenössische Berichte, Spiegelungen der mannigfach bunten Eindrücke aus seinem persönlichen Umgang zu erhellen, gleichzeitig aber allch die zahlreichen mündlichen Aeutzerungen Heines im lebendigen Wechselgespräch festzuhalten. Heine war kein bewußter Sprecher, wie es Goethe zumeist war; seine Gespräche erscheinen, in der direkten Ilebermittlung oder in ihren indirekten Reflexen, als zufällige Jmprovisationell, ails dem Augenblick geboren und für den Augenblick hingeworfen als Zeugnisse einer lvillkürlichen Eingebung, die das Leben in seinen Höhen und Tiefen umfaßte: als verwegene Sarkasmen, boshafte Ironien, sprühende Bonmots, deren stacheliger Witz die großen und die fIciucn Geister der Zeit nicht verschonte und sich ebenso 31t funkelnden Antithesen wie 31t kecker Selbstpersiflage zuspitzte. Die aufschlußreichen Bekenntnisse aus des Dichters Werken, die Doklnnente seines von äußeren und inneren Wirren erfüllten Lebens, wie sie in den von Friedrich H i r t h heransgegebeuen Briefbänden niedergelegt sind, erfahren in dieser bedeutsam vergegenwärtigenden Spruchchronik eine reizvolle unmittelbare Bereicherung: man spürt die Lebensnähe eines immerfort sprudelnden, ans scheinbar nnerschöpslichen Quellen gespeisten Naturells, das in allen seinen Widersprüchen, in den sprunghaft wechselnden Gesühlsäußerirngen, den Regungen von Liebe und Haß, von Bewunderung und Verachtung, von Selbstlosigkeit und Selbstüberhebung, von profan-sinnlichen und metaphysisch-geistigen Kräften zuletzt doch durch die Totalität der Persönlichkeit znsammengehalten wird. Für solche Widersprüche, für das, was der getreue Heinrich Laube einmal den „Riß im menschlichen Organismus" Heines genannt hat, bieten die beiden neuen Kompendien viele Beispiele; nur wird man sich hüten müssen, die Gegensätzlichkeiten lediglich ans der besonderen *) Gesvrächr mit Heine. Gesammelt und herausgegeben von H. H. H 0 u b e n. Literarische Anstalt Ruetten u. Loening, Frankfurt a. M., \ 1926. — Heinrich Heine, Gespräche. Briefe, Tagebücher, Berichte seiner j Zeitgenossen. Gesammelt und herausgegeben von Dr. Hugo Bieber, Welt-; Verlag, Berlin, 1926. 1 Art und Wesenheit des Dichtens herznleiten. Manches wird vielmehr durch die subjektive Haltung und Gesinnung des Berichterstatters bestimmt und auch moduliert sein: wenn also etwa der stärkste menschliche und dichterische Antipode Heines, Friedrich Hebbel, bemerkt, man könne mit ihm das Tiefste besprechen, wm kurze Zeit später gerade das Gegenteil zu behaupten, nämlich, Heine scheue jedes tiefere Gespräch, so liegt der Wiedergabe des zweiten Berichtes eine persönliche Verstimmung zugrunde, die auf die innere Zwiespältigkeit des Sprechers keinen Rückschluß zuläßt. ' Und wenn der Witzbold M. G. Saphir, nach einein Zusammentreffen mit Heine, erzählt, der Dichter sträubte sich mit Händen und Füßen dagegen, Jude zu sein, so wissen wir aus anderen Geständnissen Heines, daß der geborene Feind aller Positiven Religionen, wie er sich selbst einmal bezeichnet hat, zwar niemals, weder vor noch nach der Taufe, für einen Juden im Sinne des Dogmas unb der strengen religiösen Ueberzengung gelten wollte, daß er sich aber trotz allen Bosheiten und Spötteleien — wofern nicht Spott oft nur schlecht verborgene Liebe ist — dem Judentum durch Stammesbewußtsein, Tradition und Geschichte Zeitlebens verbunden fühlte. Nur so ist denn auch das schlichte Bekenntnis anfzufassen, das er, sechs Jahre vor seinem Tode, Ludwig Kali sch gegenüber abgelegt hat: „Ich mache kein Hehl ans meinem Judentum, zu dem ich nicht zurückgekehrt bin, weil ich es niemals verlassen hatte." Und aus demselben Gefühl Heralts schwingen die ins Hymnische gesteigerten Worte, die uns Alfred Meißner, der Herausgeber der „Erinnerungen", ausbewahrt hat: „Seltsames Volk, das seit Jahrtausenden immer geschlagen wird, immer weint, immer duldet, fortwährend von seinem Gotte vergessen wird und doch so zäh und treu an ihm hängt wie kein anderes unter der Sonne. Oh! Wenn Märtyrertum adelt und Üwiser-Mcrax macht das Wasser öe§ täglichen Bades, der Waschungen und Abreibungen zum natürlichen Heil- und Schönheitsmittel. — Durchs den Zusatz von Kaiser-Bora; wird das Wasser weich, reinigungskräftig und antiseptisch und gewinnt wundervoll belebende Wir-! Mng auf die HauttäLigkeit. 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