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Central-Verein-Zeitung · 1926-06-04 · 23 (4.6.1926) · p. Seite 314

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
23 (4.6.1926)
Date
1926-06-04
Page
Seite 314 (sequence 6)
Language
German
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314 Geduld und Treue, Ausdauer im Unglück, so ist dieses Volk adlig vor vielen andern." Es werden im übrigen in den Auszeichnungen der Zeitgenossen manche Wesenszüge Hernes neu lebendig, die weder durch seelische Diskr-epanzen noch durch das Zwielicht verschiedenartiger Betrnch-- tung eine Trübung erfahren. So hören wir, mit welcher rührender Sorge der kranke Dichter bemüht war, von der Mutter jedes Wissen uw sein unheilbares Siechtum sernzuhalten, und dies altruistische Empfinden setzt sich oft, trotz aller eigenen Bedrängnis, in aktive Hilfsbereitschaft um, sobald Freunde von ihm irgendeinen Liebesdienst erbaten. Neben solchen mehrfach erhärteten Zeugnissen reiner Menschlichkeit finden wir aber auch bestätigt, was die Widersacher Heines, gestützt auf seine gewiß nicht immer sanften Ausfälle, gegen deutsche Unfreiheit und nationalistischen Dünkel, oft genug in Zweifel gezogen haben: seine Vaterlandsliebe. Der Apologet eines wahren Deutschtums, der einst „die schwarzrotgoldene Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens Pflanzen" wollte und von einer Universalherrschast Deutschlands, im Sinne einer großen Kulturgemeinschast, träumte, bekennt schon in seiner Frühzeit, als er, im Herbst 1827, von einer Reise aus England Zurückkehrt, „das Herrliche und Hohe seines Vaterlandes" sei ihm eigentlich.erst in der Fremde ausgegangen. Und wie er dann, viele Jahre später, aus dem freiwilligen französischen Exil die Sehnsuchtsverse „O Deutschland, meine ferne Mebe" über den Rhein sandte, so vernehmen wir auch aus seinem Munde den wehmütigen Klageruf: „Oh, könnte ich doch noch einmal mein Vaterland Wiedersehen, wäre es mir doch vergönnt, in Deutschland zu sterben!" In seiner Matrahengrust liegt, fast acht Jahre lang, zusammentzekauert, gelähmt, ein Christuskopf mit geschlossenen Augenlidern, jvon denen er mit seiner, durchsichtiger Hand das rechte nur mühsam, um einen Lichtstrahl auszufangen, in die Höhe heben konnte, der Lotkranke Dichter. Die furchtbare Marterzeit ist uns oft geschildert worden. Sie wirkt doppelt ergreifend in der knappen Aufeinanderfolge der Berichte, wie sie uns durch die Zahlreichen Besucher vermittelt werden. Und diese Berichte bekunden in voller Einmütigkeit, mit welchem bewundernswerten Heroismus der Dichter die grausame Leidenszeit ertrug, wie der ungetrübte Geist, voll seltener Frische und Elastizität, gegen den Verfall der physischen Kräfte ankämpfte, ja, jetzt erst einen Höhenflug annahm, in dessen Richtung der Gedanke vertiest,- die lyrische Phantasie geadelt wurde. Das holde Wunschland Bimini, in dem er seine Jugend wiederfinden wollte, konnte er zwar nicht mehr erreichen, aber das Gottesreich blieb dem zSterbenden nicht verschlossen... ~ ' Wer Heine, aus der Perspektive der Mitlebenden, kennen lernen, wer seiner Gedanken- und Gefühlswelt wirklich nahekomm?n will, wird sich aus seine Werke nicht mehr beschränken dürfen; er wird auch die Gespräche zu Rate ziehen müssen. Die „Illustrierte Reichsbanner-Zeitung" verfolgt mit ihrem soKeni erschienenen Hefte Nr.22*) die Absicht, der, wie die Erfahrung täglich zeigt, gerade in den Kreisen .der verfassungstreuen Parteien herrschenden Unkenntnis über Wesen und Geschichte des deutschen Judentums und die Gefahren b er völkischen Ideologie zu steuern. Die reich ausgestatiete Zestung enthält als Leitartikel einen Aufsatz des Direktors des C. V., Ludwig Holländers: „Die kulturelle Verwilderung.durch'die d e u ts ch v ö l k i s ch e Bewegung." An drei typischen Erscheinungsformen stellt Dr. Holländer die Gefährdung der deutschen Kultur durch die völkischen Methoden dar: die überhandnehmenden .Frie§>hofsschändungen, die bewußte oder unbewußte Verkennung des jüdischen Wesens, wie sie sich besonders beim gesellschaftlichen Boykott und bei der Ausübung der Rechtsprechung Nachweisen läßt, und schließlich die Mißstände in den Schulen, an deren Kritik er, in die Zukunft weisend, die Forderung nach der Erfüllung vor allem der Schule mit dem Geiste des neuen Staates knüpft. Professor Dr. Erik Nölting (Frankfurts. M.) gibt „Glossen zur N a s s e n s r a g e", und Franz v. P u t t t a m m e r schildert unter Verwendung zahlreicher zeitgenössischer Bilder die V erfolg ungd er Juden im Mittelalter und die durch das Ghetto bewirkten Folgen ihrer körperlichen und seelischen Stuktur. Pater Fahl in Mannheim 60 Fahre alt. Am 31. Mai legis Zunus a h l nt Mannheim, ein alter und Wertgeschätzter Freund unserer Ordert, sein 60. Lebensjahr zurück. Wer „Vater Iah l" ist, weiß jedermann im badischen Lande, und wir haben selbst vor längerer Zeit in unserer Zeitung setn selbstloses und vorbildliches Wirken während des Krieges und spater dann zugunsten der heimkehrenden Kriegsgefangenen gewürdigt. Wir schrieben unter anderem: „Nach Beendigung des Krieges galt seine Fürsorge den Kriegsgefangenen, die zu Tausenden, erschöpft an Leib und Seele,, der Hermat zuftrömten. Niemand vermag zu zählen, wie oft und wre, vielen Vater Zahl treuer Helfer und Berater gewesen ist. Tausende hat er rn Mannheim und an der Rheinbrücke empfangen, gepflegt und weitergeleitet. Vielen hat er in seinem Hause die erste gute Heimstätte auf deutschem Boden geboten." Ein ehemaliger Avignon-Gefangener schreibt in der „Neuen Badische n Landeszertung" (Nr. 199 vom 20. April 1926) anläßlich einer Rerse Vater Iahls nach Südfrankreich, „wo er alle die Plätze berührte, dis bei den ehemaligen Avignonern berüchtigten Klang haben", das Folgende: „Vater Iahl lebt heute und für alle Zeiten als väterlicher Freund in den Herzen von, Taufenden ehemaligen Avignon-Gefangenen (das sind die Gefangenen, die noch nach Kriegsschlntz ian Avigiioner Lager zurückgehallen wurden.) Es ist Herrn Iahls Verdienst, wenn nicht noch mehr Deutsche hinter HAG Ihr coffeinfreier Kaffee hat mir bei meinen Patienten große Dienste geleistet. j Dir. med. Bena, Mets Milli 1 1 Grosse Ausstellung Düsseldorf 1Q2Ö Grösste deutsche Ausstellung Gesundheitspflege, soziale Fürsorge, Leibesübungen im Jahre 1926 Mai — Oktober GESOLEI verbunden mit der Düsseldorfer Kunstausstellung 1926 Hotel Hemer Etne Grosstat Berlin - Chartottenburg * Haus ersten Ranges verbunden mit vornehmem Restaurant in unserer seelje normen Zeit nennt OberkantorZlvi das bei uns erschienene Werk von Müller Ein Buch für unsere Mütter IIWGfi «Qichfr•Zucke* Sabbat und Festtage Inn G ar te n der KI n d heit r-.a!blemen 6,50 Mark - Ganzleinen 7.50 Mark & Philo Verlag und Buchhandlung Berlin SW 68 Tel.*. Dönhoff 3594 Lindenstrasse 13 .-.—. ■ « •- - - -—--

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