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Central-Verein-Zeitung · 1926-05-28 · 22 (28.5.1926) · p. Seite 303

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
22 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
Seite 303 (sequence 7)
Language
German
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303 „Ich habe an sich nichts gegen das Alte Testa ment. Aber wenn die Gebrüder Grimm in den Orkus sollen, so soll Al ose 8 ihnen nach. (Keine falsche Scham! Antisemit wäre kein Schimpfwort. Solche Geschichten find herrlich für Meister der Orientalistik; auch für Poeten oder Idioten.) Haust du rneine Märchen, haw ich deinen Moses." Vorher lesen wir einen Angriff von Herrn Stapel aus den „Vorwärts". Dort war ansgeführt worden, es fei nicht recht einzusehen, wie rechtgläubige Protestanten ein Aergernis daran nehmen könnten, „daß Andersgläubige . . . diesen Tag (Karfreitag) zu der Erholung -und Zerstreuung benutzen, die ihren Neigungen entspricht, sei es nun eine sidele Landpartie oder ein flotter Shimmy". Sicherlich werden auch unsere jüdischen Leser mit uns der Ausfassung sein, daß diese Aeußerung, die nach keiner Richtung hin aus die Bedürfnisse der protestantischen Bewohner Rücksicht nimmt, wenig geschmackvoll ist. Nieinand wird es Stapel verübeln, wenn er seiner durchaus abweichenden Meinung deutlich Ausdruck verleiht. Stapel beliebt aber, den ihm ja gar nicht bekannten Verfasser der Notiz im „Vorwärts" mit „Der Isidor" anzureden und zu schreiben: „Wenn Isidor das weder von seinem Rabbi in Tarnvpol noch von seinem Chefredakteur Stampfer gelernt hat, so muß es ihm eben von der Polizei beigebracht werden." Und dann wird schön verallgemeinert: Stapel läßt den „Isidor" zurücktreten und erklärt: „Wenn Ihr -am Karfreitag einen flotten Shimmy tanzen wollt, so müßt Ihr wredcr ins Ghetto zurück. ... Es wird uns nicht in den Sinn kommen, unsererseits im Ghetto ausgerechnet am Passah-Vorabend einen „flotten Shimmy" tanzen oder am Passah-Morgen eine „sidele Partie" machen zu wollen." Solche Bösartigkeiten und Hetzereien müssen einmal festgenagelt werden. Sie zeigen der Menge der Einsichtigen am besten, wie Hetze gemacht wird und der Masse der Bevölkerung eingeträufelt wird. Wir werden uns nicht zu wundern brauchen, wenn demnächst in der Oesfentlichkeit die Behauptung ausgestellt werden wird, die Juden in Berlin oder die Juden überhaupt hätten der Entweihung des Sonntags das Wort geredet. Dabei sind ■ wir bei dem Kapitel der G e s ch i ch t s f ä l s ch u n g angelangt, das in höchstem Grade Beachtung verdient, da ja gerade jetzt unser Vaterland durch solche Geschichtsfälschungen, „Kriegsschuldlüge" und ähnliches, am meisten leidet. Ein großer Teil der ganzen völkischen Geschichtsschreibung ist nichts anderes wie Legende. Vielen von uns wird es schmerzlich sein, wenn neuere Geschichtsforscher die bisherige Bewertung Friedrichs des Großen für den deutschen Staat und das deutsche Vaterland als irrtümlich zu kennzeichnen versuchen, und zwar mit Gründen, die ernster Beachtung wert sind. Man sollte infolgedessen an dem Buch „Fridericus oder das König sops er" von Werner Hegemanu*) nicht achtlos Vorbeigehen, und gerade die von Wahrheitsdrang angeblich erfüllten Völkischen sollten es gründlich studieren. Sie sollten das Recht auch hier zu ergründen versuchen und dafür sorgen, daß die Wahrheit schon im Unterricht der kleinen Kinder zum Gegenstand der Darstellung gemacht werde. Den Weg; zu diesem wahren Recht weist das soeben neu herausgegebene Werk „Die Lehre von dem richtigen Rechte" unseres Berliner Rechtsphilosophen Rudolf Stammler* 3); es wird in einer volkstümlichen Bearbeitung der Heranwachsenden gebildeten Jugend 2) Vertag Jakob Hegner irr Hellerau. 1926. 3) Buchhandlung des Waisenhauses, Halle an der Saale. 1926. nahegebracht und sollte zu Vortragen mmrhalb aller Bevölkerungsschichten, nicht zuletzt‘ auch der jüdischen, benutzt werden. Das Studium dieses Buches gibt uns erst einen Einblick über unsere Arbeit. Es zeigt uns, wie alle Kreise im Volke berufen sind, für das richtige Recht zu wirken. Wenn Stammler sagt: „Es ist kein feindlicher Gegensatz unter den zweien: Gerechtigkeit und Liede. Sie haben sich ganz wesentlich zu ergänzen. Eines allein ist nicht genug, Heide sind sie im engeren Verein zu hegen? und zu pflegen", so ist das Programm von Schule, Haus und Staat in unserem gesäurten Volksleben erfüllt. Weil wir auch in unserem Centralverein als Grundlage diese Vereinigung von Recht und Liebe von jeher erstrebt haben, begrüßen wir es mit besonderer Freude, wenn ein alter Mitstreiter, wie unser verehrter Freund Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Berlin, die Herausgabe seiner „Gesammelten Schriften"*) mit einem Vortrag „Deutsche und Jude n" eröffnet, den er bereits im Jahre 1894 im Centralverein gehalten hat, und der noch heute von größter Bedeutung ist. Schließen wir diese Betrachtung mit den Worten, die er an denk Schluß seines Vortrages setzt: „Hören wir nicht auf, für die Anerkennung des Wortes zu kämpfen, das ja auch ein Deutscher, und nicht der schlechteste, ausgesprochen, des Wortes, welches in Israel immer widerklang, und welches Goethe bei seinem Wunsche nach Anerkennung der Menschheitsliteratur zum Ausdruck brachte: Gottes ist der Orient. Gottes ist der Okzident!" S« H. Der Verband nationaldeutscher Juden besaßt sich in seiner letzten Nummer erneut mit den Differenzen unseres Vorstandsmitgliedes Dr. Jakob Marx (Karlsruhe) und Sanitütsrat Dr. P e y s e r. Wir können uns damit begnügen, unsere Erklärung, die wir in der Nummer 13 vom 1. April 1926 abgegeben haben, und die Berichterstattung des Organs des Verbandes nationaldeutscher Juden gegenüberzustellen. Wir berichteten: „Herr Sanitütsrat Pehser hat sich durch das einstimmige Gutachten der Herren Rabbiner Dr. Baeck, Reichstagsabgeordneten Ludwig Haas und Justizrat Hugo Sonnenseld nicht belehren lassen. Er hat im Gegenteil in öffentlicher Erklärung versucht, das Gutachten der drei Herren der Lächerlichkeit preiszugeben, und hat den Vorwurf gegen Herrn Dr. Marx (Karlsruhe), er habe Zitate gefälscht, erhoben. Tr. Marx hat deshalb unter Ablehnung einer Fortsetzung der Preßsehde die Entscheidung des Strafrichters angerusen." Sapienti sah „Der nationaldeutsche Jude", Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden E. D., berichtet in seiner Mai/Juni- Nummer:? „Herr Sanitätsrat Dr. Peysev hatte ... die Bitte ausgesprochen, im C. V.-Blatt mitzuteilen, daß er seine Anschuldigungen aufrechterhalte, bis ein unparteiisches Schiedsgericht oder ein ordentliches Gericht gesprochen habe. Diesem Ersuchen hat das C. V.- Blatt zwar nicht entsprochen, dagegen teilt es in der ihm eigenen vieldeutigen Stilistik eine erfreuliche Tatsache mit, nämlich: .Herr Dr. Marx hat sich nun doch endlich entschlossen, den Strafrichter anzurufew, worauf wir bekanntlich schon allzu lange warten ., / *) Verlag von Louis Lannrr, Berlin. 1926, Gegen Gicht. Stein- und Stofiwechselleiden! - Auskunft audi über Hauskuren durck die Badeverwaltung. Ermässigie Mitielsiandskuren 3 Wochen — Pauschalpreis M. 189,—. Erstes Haus — Der Neue Badehof — Sol- und Moorbäder im Hause. Grosse Ausstellung Düsseldorf 1926 Grösste deutsche Ausstellung Gesundheitspflege, soziale im Jahre Fürsorge, Leibesübungen 1926 GESOLEI Yerbunden mit der Düsseldorfer Kunstausstellung 1926. \J 1 Mai — Oktober. H . Die —» ausgesprochene fMarhe des Sportsmaniies aus Besonders feicfcten mazedonischen 'Cabafcen mit geringemTtffcotingcfiaffr

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