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Central-Verein-Zeitung · 1926-05-28 · 22 (28.5.1926) · p. Seite 299

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
22 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
Seite 299 (sequence 3)
Language
German
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♦ ♦ ♦ Werktätige Hilfe schlägt Brücken Vom Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Bon profeffor Dr. G. Seligmann. ' Wenn wir nachst-ehelld den Arlssatz des verdienten Vorstandsmitgliedes der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Professors Dr. E. Selig mann, veröffentlichen, so leitet uns hierbei die Absicht, an einem Einzelwerk aus der Fülle jüdisch-sozialer r Hilfsarbeit zu zeigen, wie eng verflochten Inder: und Christen in unserem deutschen Vaterlande sind, so daß es bei Werken wahrer Menschenliebe gar nicht möglich ist, die Hilfe nur aus den einen BovölkerungsteiL abzustellen. Wir glauben, daß durch derartige werktätige Hilfe dem inneren Frieden in unserem Volke am besten gedient ist. Die Schriftleitung. Jur Jahve 1914 hat -daH KranLeulMlÄ dev Berliner Jüdischen Gemeinde sein neues Heim an der nördlichen Peripherie von Alt- Berlin bezogen. In seine Jugendjahre fielen Krieg und Inflation mit allen ihren Schrecken. Meyr als einmal bedrohte die wirtschaftliche Not seine Grundlagen; das Verantwortungsgefühl der Gemeindebehörden, das kaufmännische Geschick der Mitglieder des Krankenhausvorstandes haben die Zeiten des Unheils überwinden helfen; in bewunderungswürdiger Gestalt geht es seitdem neuem Ausstieg .entgegen. Nur eine Wunde ist noch ungeschlossen: In der Zeit der schweren Not, als der Wohnungsmangel in der Stadt immer drückender wurde, Naurnbeschlagnahmen selbst vor lebenswichtigen Betrieben nicht haltmachten, mußte die Gemeinde auch Teile ihres Krankenhauses zur Verfügung stellen. Ein städtisches Bezirksamt zog mit seinen Dienststellen ein, belegte große Teile des Verwaltungsgebüudes, der gynäkologischen Station und den ganzen Infektions- Pavillon. Die gynäkologische Station haben wir inzlvischen wiedergewonnen; alles andere aber ist uns noch versperrt; die notwendige Erweiterung der Krankenhauseinrichtnngen ist dadurch erschwert, die Ausnahme akut JnsektionSkranker beinahe unmöglich gemacht. Zurzeit verfügt das Krankenhaus, dessen innere Erweiterungsmöglichkeiten wir nach Kräften ausnützen, über insgesamt 310 Botten. Sie verteilen sich auf zwei innere Stationen, zwei chirurgische Abteilungen und eine geburtshilflich-gynäkologische Station. Pathologisches Institut, Röntgenabteilung, chemisches Laboratorium und zahnärztliche Sprechstunde ergänzen die Arbeit der Stationen; als Außenforts wirken stark besuchte Polikliniken für innere lind chirurgische Krankheiten, für Ohren- und Augenleidende. Mit der Zunahme der Zahl der Gemeindemitglieder, mit der fortschreitenden wirtschaftlichen Umschichtung und der Veränderung mancher Krankheitscharaktere wurden innere Umorganisationen erforderlich. So haben wir eine besondere Tuberkulosestation im Nahrnen der inneren Abteilungen geschaffen, die den stärkeren Zustrom tuberkulöser Patienten ausnehmen soll, ihn aber, wenigstens aus der Männerabteilung, durchaus noch nicht bewältigt. Die äußere Abteilung ist durch eine sogenannte „septische Station" ergänzt worden, in die fiebernde infektiöse Kranke ausgenommen werden; auf einem anderen Pavillon sind fünf Betten für kranke, sittlich gefährdete jüdische Mädchen bereitgestellt worden. Hatten wir doch die Hoffnung, daß das jüdische Milieu, in dem die Mädchen sich dort befinden, körperlich und seelisch gesundend auf sie wirken möchte. 280 Betten des Krankenhauses dienen der allgemeinen Krankenversorgung, 80 Betten sind zu einer Extrastation vereinigt, in der wohlhabende Patienten in Einzelzimmern I. und II. Klasse ein Krankenheim finden können. Die Not der Zeit hat es dahin gebracht, daß diese Zimmer nicht genügend ausgenutzt werden. Sind auch die Aufnahmekosten nicht gerade hoch, so werden sie doch von nicht allzu vielen mehr getragen werden können. Wir haben freie Zimmer nicht selten zur Entlastung der allgemeinen Station mit heranziehen können. Daß die ärztliche Versorgung unserer Kranken auf der Höhe der Zeit steht, bedarf wohl kaum besonderer Erwähnung; den stolzen Namen der Chefärzte früherer Jahre schließen sich die augenblicklichen ärztlichen Leiter, bewährt als Fachleute und Wissenschaftler, würdig m. Ein reges geistiges Leben herrscht im Hause, wissenschaftliche Arbeiten stehen in Blüte; da8 Krankenhaus hat den Ruhm, die Kranken den Nutzen davon. So ist es kein Wunder, daß der Andrang behandlungsbedürftiger Patienten ununterbrochen steigt, daß der Berliner, Jude ooer Christ, der unsere Anstalt aufsucht, mit dem Bewußtsein hereinkommt, hier in guten Händen zu sein. Die Wirtschaftsführungdes Hauses erfolgt nach jüdischen Religio ^Vorschriften; die Heiligung des Sabbats!, die rituelle Verpflegung, der Zuspruch des Geistlichen (auch der der christlichen Religionen) werden nach Möglichkeit mit den ärztlichen Bedürfnissen vereinigt. Die Durchführung der rituellen Verpflegung bedrohen gewisse technische Schwierigkeiten und ein etwas erhöhter Aufwand für die Verpflegungskosten; mit beiden: hat die Verwaltung eines jüdischen Krankenhauses sich abzufinden; ist doch der seelische Einfluß dieses jüdischen Milieus für einen großen Teil Der Kranken direkt ein Faktor der Heilung! Die folgenden Zahlen, die die Krankenbewegung der letzten Jahre wiedergeben, lehren die Bedeutung, die unser Krankenhaus sich nicht nur für die Gemeindemitglieder, sondern aud) für die K rankend ersorgungd er Heimatstadt erworben hat. Sie zeigen gleichzeitig den Anstieg der Kraukenziffer und die U m s ch i ch t u n g, die in der Art. der Patienten eingetreten isll Die Zahl der Neuaufnahmen betrug im Jahre 1923: 2134 Personen, im Jahre. 1924: in den ersten zehn Monaten des Jahres 1925: 2824. Von diesen wurden ausgenommen: a) auf Kosten von Krankenkassen .... b) „ „ des Stadt. Wohlfahrtsamtes c) „ „ „ Jüd. d) „ „ der „ Gemeinde. e) „ „ von bes. Stiftungen f) „ eigene Kosten III. Klasse . 8) „ „ - H „ h) „ „ „!. „ . 2978 und zusammen 1923 1924 1925 587 896 1154 403 622 817 — 21 i; 11 107 125! 89 25 18 i ' 8 708 898 960 211 291 273 93 107 64 2134 2978 3375 Es betrug somit die Zahl der Selbstzahler aller Klassen im Jahre 1923: 47,4 Prozent, im Jahre 1924: 43,5 Prozent und im Jahre 1925: 83,4 Prozent, die prozentuale Abnahme ist deutlich; bedenkt man aber, daß zu gleicher Zeit in städtischen Krankenhäusern Berlins die Zahl dieser Selbstzahler nicht unerheblich unter 10 Prozent der Belegschaft bleibt, so ist auch die Ziffer des Jahres 1925 noch immer erstaunlich hoch. Die Zahl der Kassenpatienten ist von 27,4 Prozent im Jahre 1923 auf 34,2 Prozent im Jahre 1925 angestiegen; die Zahl der aus Wohlfahrtsmitteln Unterstützten dagegen nur von 25,2 Prozent auf 27,4 Prozent. Es scheint also, als ob der Hauptteil der ausgefallenen Selbstzahler durch Eintreten in Krankenkassen sich selbst vor den wirtschaftlichen Gefahren deS Krankwerdens geschützt hat. Die folgende Tabelle gliedert die Kranken nach Indern und Nichtjuden. 1923 1924 1925 Auf Kosten von Juden Nichts. Juden Nichtj. Juden Nichtj, Krankenkassen . . . 183 . , 404 816 580 424 730 Stadt. Wohls.-Amt . 201 202 366 256 611 206 Jüd. — — 21 — 11 — Jüd. Gemeinde. . . 107 — 125 — 89 ' — Stiftungen .... 25 — 13 — 8 — Selbstzahler III. Kl. , 528 180 583 815 675 285 II. „ . 195 16 242 49 232 40 u „ I. „ . 89 4 103 4 57 7 Zusammen: 1328 806 1774 1204 2107 1268 Der Anteil der Nichtjuden an der KrankenhauSbchandlnng betrug 1923: 37,8 Prozent, 1924: 40,4 Prozent und 1925: 37,9 Prozent; er belegt Zahlenmäßig die Bedeutung des jüdischen Krankenhauses auch für die nichtjüdische Bevölkerung. Es wäre reizvoll, den Zahlen dieser Tabelle im einzelnen nachzugehen; insbesondere den Anteil der verschiedenen Konfessionen bei Mitgliedern der Krankenkass-em Uniterftützunigsbedürstigen. und Selbstzahlern zu verfolgen. Eine solche Analyse, die volkswirtschaftlich und sozialhygieuisch von Interesse ist, würde jedoch über den Nahmen dieses Aufsatzes hinausgehen. Ich möchte mich deshalb jetzt kurz den Krankengattungen selbst zuwenden und ihre Verteilung auf die einzelnen Stationen darstellen. Es kamen von Tuberkulosekranken zur Aufnahme: 1923 1924 1925 a) Juden ...156 159 171 b) Nichtjuden . ... . . 5 8 13 zusammen: 161 . 162 189 Der relativ lange Aufenthalt, den Tuberkulose in Krankenhäusern nehmen müssen, erklärt wohl das starke Ueberwiegen der Juden. Mehr als andere Gruppen von Kranken drängen sie in unser jüdisches Haus. Im übrigen zeigen die einzelnen Stationen folgende Anfnahmeziffern: 1923 1924 1925 Innere Abteilung .... 1162 1276 Aeutzere „ .... 1036 1131 Gynakol. „ .... .. 333 879 407 Entbindungs-Abteilung . .196 401 561 zusammen: 2134 2978 3375 f Schließen wir biefen Zahlen noch " die Ziffern der Kranken an, die in Polikliniken des Krankenhauses Heilung suchten, so rundet sich das Bild offener und geschlossener Gesundheitsfürsorge: 1928 1924 1935 Ehirurg.-urolog. Poliklinik .... 3024 2151 2576 Zugänge Innere Poliklinik. 2561 2789 2756 Geburtsh.-ghnäkol. Poliklinik . . . 719 850 814 Poliklinik für Augenkranke .... 983 662 604 Poliklinik für HM-, Nasenu. Qhrenkr. 1784 1730 1854 zusammen: 9035 6382 8804 Zugänge

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