Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 21 (21.5.1926)
- Date
- 1926-05-21
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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286 zusammen, oder vielleicht auch in der Redaktion der „Neuen Zeitung", die ihre Räume in Berlin mit Teschen in Polen verwechselt; es kann aber natürlich auch eine andere antisemitische Brutstätte sein, wo der Bericht erfunden wurde. Zu allem Ilebersluß haben wir es uns nicht verdrießen lassen, nach Teschen zu schreiben. Die verspätet eingetrossene Auskunft hat folgenden Wortlaut: Teschen, den 5. Mai 26. Sehr geehrter Verein! Ihr Geschütztes vom 29. vorigen Monats erhalten, teilen wir Ihnen höslichst mit, daß natürlich die ganze Angelegenheit nicht auf Wahrheit beruht. Herr Schönberg, von hochanständiger Familie aus Krakau stammend, selbst ein sehr anständiger Mensch, wurde wohl von seinem Dienstmädel, das wahrscheinlich zu Erpresstmgszwecken angestistet wurde, der Blutentnahme indirekt beschuldigt, aber die gerichtliche Untersuchung ergab bald die Stichhaltlosigkeit der Anklage und wurde eingestellt. Die Abschrift der diesbezüglichen Akten übermitteln wir Ihnen. Herr Schönberg ist wohl wirklich nach Krakau übersiedelt, aber nicht wegen dieses Zwischenfalles, sondern aus rein wirtschaftlichen Gründen, und wäre auch sonst übersiedelt. Natürlich schweigen die Lokalblätter über diesen Fall, aber nicht, weil sie dem Mercy-Konzern angehören, vielmehr, weil sie sich keinen Unannehmlichkeiten aussetzen wollen. Ebenso ist bei der hiesigen Bevölkerung keine Erregung zu bemerken, und die Judenschaft hat auch keinen heißen Boden unter den Füßen. Die ganze Sache ist eine geschmacklose Mache eines hiesigen Antisemiten, gegen den man leider infolge der Stilisierung des Artikels mit „man sagt", „soll" und so weiter nicht gerichtliche Schritte vornehmen kann . . Also das Ganze ein neuer Beitrag zur Charakterisierung antisemitischer Kampfmethode. Zunächst verleumden, vielleicht bleibt etwas hängen — das ist antisemitische Devise. * Die Erbschaft Äes Lord LanDsworth. Herr Oberrabbiner Dr. Landau ans I o h a n n i sb u r ß bittet mich, in der deutschen Presse aus folgendes aufmerksam zu machen: Es gehen in Südafrika eine Unmenge von Anfragen wegen der Erbschaft eines gewissen Stern ein, der es zu fabelhaftem Vermögen gebracht haben und ohne Hinterlassung von Erben als Lord Landsworth gestorben sein soll. Tie ganze Geschichte ist aus der Luft gegriffen. In Südafrika ist von einem solchen Manne nichts bekannt. Die eingehenden Anfragen zu beantworten, ist wegen ihrer Fülle ganz unmöglich. Dr. F. Goldman» (Leipzig). Internationale Unvernunft und Unmoral. Eine ungekrönte Preisschrift von S. Lichtenstaevter. Schopenhauer veröffentlichte seine Abhandlung über das Fundament der Moral mit dem Zusatz „nicht gekrönt von der dänischen Sozietät der Wissenschaft zu Kopenhagen", und er gab ihr in griechischer Sprache das Motto: „Groß ist die Wahrheit, und sie wird siegen." Auch L i ch t e n st a e d t e r s Arbeit ist anläßlich eines Preisausschreibens entstanden, nämlich durch die Friedenspreisaufgabe des Amerikaners E. F i l e n e, und auch er wurde des Preises nicht für würdig befunden. Er legt feine Gedanken nunmehr der Oessentlichkeit*) vor, und er erhofft'von ihr Anerkennung für den inneren Wert seiner Ideen. Einen verhängnisvollen Irrtum der Zeit sieht er in der Verkennung und Unterschätzung des Gewichts und der Berechtigung des nationalen Moments, und N a t i o n a l i t ä t ist ihm wenigstens in Europa gleichbedeutend mit Sprache. Der Gleichheit der Sprache legt der Verfasser magische Kraft bei, und die Spracher n h e i t muß kraft des Selbstbestimmungsrechts der Völker zum Zusammenschluß s ü h r e n. Zu den bisherigen fünf deutschen Staatskörpern — Deutsches Reich, Oesterreich, Schweiz, Lichtensteiu, Luxemburg — ist ein sechster, Danzig, ja eigentlich im Saargebiet ein siebenter geschaffen worden. Deutschland, Oesterreich, Danzig wollen unbedingt' miteinander vereinigt werden, es wird ihnen verboten. Das Deutsche Reich ist außerdem durch den Polnischen Korridor in zwei Teile zerschnitten. Große Massen des deutschen Volkes sind fremdsprachigen Staaten einverleibt. Diese Vülkervergewaltigung ist schlimmer als alle Lasten, alle Demütigungen, die uns auferlegt werden. Mit größter Skepsis steht der Verfasser dem Völkerbund und der Schiedsgerichtsbarkeit gegenüber. Es kann an dieser Stelle auf die sehr beachtenswerten Ausführungen hierüber nicht eingegangen werden. Völkerbund und Schiedsgerichtsbarkeit sind Zwirnsfäden, die zerreißen werden, wenn es sich uni Lebens- oder Machtsragen großer Staaten handeln wird. Den Ausweg aus allen Schwierigkeiten sieht Lichtenstaedter iit einer national-territorialen Flur b ereinigung Europas, d. h. in einem Austausch der fremden Bevölkerung mit gleichzeitigem Austausch ihrer Wohnsitze und, soweit nötig, mit entsprechender Gebietsabtretung. Ich fürchte, daß dieser Ausweg ein frommer Wunsch bleiben wird, weil für weiteste Kreise nicht nur die Sprache, sondern auch das Land Hauptsache ist, wahrend der Verfasser das ausschlaggebende Gewicht aus die Sprache legt und das Land als nebensächlich ansieht. Der Verfasser wünscht über alle diese Fragen öffentliche Diskussion vor einem internationalen Publikum, um die jetzt noch gänzlich mangelnde Aufklärung zu schaffen. Er erhofft aus der Befriedigung des Nationalitütsprinzips durch die nationale Flurbereinigung die Entgiftung der Beziehungen der Staaten zueinander und die Verstopfung der Hauptquelle internationaler Verbitterung. Justizrat H e i n r ich K i r s ch n e r, *) Hubers Verlag, Dieffen vor München. 1925. Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annalime für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin SW 19, Jerusalemer Straße 46 -49 - Breslau. Chemnitz. Dresden . Düsseldorf« Erfurt» Frankfurt a. M. ♦ Halle (Saale) * Hamburg ♦ Hannover * Karlsruhe« Köln a.Nh.. Leipzig Magdeburg « Mannheim ♦ München - Nürnberg « Stettin - Stuttgart ♦ Amsterdam ♦ Barcelona Basel * Budapest ♦ Bukarest * London ♦ Mailand . Prag « Warschau . Wien - Zürich. Dr. Wigger’s Kurheim wieder unter Vorkriegsleitung bet Vorkriegsp reisen Grosse Ausstellung Düsseldorf 1Q2Ö Gesundheitspflege, soziale Fürsorge, Leibesübungen G E S O L E 1 verbunden mit der Düsseldorfer Kunstausstellung 1Y26. Sl.MM! Knrtielm, PartenMen lllliil!l]!lli!lll!llllllilllliil]!llllllil!llllillll!lllli (Bayerisches Hochgebirge) O$2* 1*5 8 1 m kür innere, Stoffwechsel-, Nerven* iQtUl IwSS I B kranke und Erholungsbedürftige Vollkommenste Einrichtungen — Alle Bequemlichkeiten — Eigenes grosses Kurmittelkaus — Aussichtsreichste und geschützteste Sonnenlage — Eigene diätetische Abteilung — 4 Aerzte Näheres durch den Besitzer Dr. Florenz Wigger, Geb. Hofrat Grösste deutsche Ausstellung im Jahre 1926 Mai — Oktober. fe # 9. \ %a m neben, seit mcfir afe 35 3ähven gepflegten 3e$iehtmgen unserer Die ansgez