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Central-Verein-Zeitung · 1926-05-21 · 21 (21.5.1926) · p. Seite 282

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
21 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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282 zu sehr crffnrft und die Rechte in sich zu uneinig. Ich glaube aber an die Gefahr dauernder Bell n r u h i g u n g, der Beeinträchtigung der Staatsautorität und des WirtschaftskreditsundandieMöglichkeit,daßdieruhige Mitte zeitweilig ü b e r r a n n t wird und ein rotes und ein weißes Heer sich gegen üb erstehen. 2. Die Spekulation auf die Psychologie einer vorurteilslosen Masse, die immer dann, wenn Not eintritt, und die Lebenslage sich verschlechtert, nach Schuldigen sucht, und in den Juden findet. 3. Ich möchte nicht prophezeien, aber Aufmerksamkeit ist jedenfalls am Platze. 4. Die Bedeutung einer Aufklärungsorganisation wie des C. V. ist niemals größer g e w e s e n a l s h e u t e. * L. H. Die der Oeffentlichkeit bekanntgegebene Notverfassung der völkischen Putschisten enthielt ursprünglich einen Abschnitt, in dem die Unterbringung aller in Deutschland wohnenden „Angehörigen des jüdischen Volkes" in abgeschlossenen Sammelstellen vorgesehen war. Mit dem Tode sollte bestraft werden, wer sich der Entführung entziehe, wer entweiche oder zu entweichen versuche. Ferner war eine Beschlagnahme des Vermögens der Juden in Aussicht genommen. Diese Bestimmungen sind in der Verordnung gestrichen worden, angeblich, weil ihre Undurchführbarkeit offen anerkannt wurde. Was wir auch ohne diese Bestimmungen von den Putschisten und ihrem etwaigen Siege zu erwarten hätten, braucht einem einigermaßen Klarsichtigen nicht auseinandergesetzt zu werden. Heute ist jede Reaktion judenfeindlich, weil sie ohne Hetze und ohne Verbreitung von Haß die träge Masse nicht auf die Beine bringt. Man mag über Fürstenenteignung denken, wie man will. Auch diese Frage ist geschickt auf die Juden hingelenkt worden. Ist heute etwas peinlich, unangenehm und vom Standpunkt der Völkischen für sie übel, so wird für die Agitation folgende Frage hinzugesetzt: Und wie steht es mit den Juden? So heißt es dann Fürstenenteignung und Juden, Flaggensrage und Juden, Auswertung und Juden usw. Die hierdurch entfesselte Stimmung ist die Putschstimmung. Sie kann natürlich nur Umsichgreifen auf einem dazu vorbereiteten Boden. Und diesen Boden bildet die Mehrzahl unserer heutigen Schulen. Hier wird der völkische P u t s ch i s m u s durch die G e st a I t u n g des Geschichtsunterrichts gefördert und gepflegt. Nicht, als ob dort zum Judenmord aufgehetzt würde! Aber die gesamte Darstellung, die Beeinflussung! der Kindesseele ist psychologisch so geschickt gewählt, daß sich in immer steigendem Maße in dem kindlichen Gemüt der Gedanke von der Minderwertigkeit, der Fremdheit und infolgedessen der Gefährlichkeit der Juden entwickeln m u ß. Wer sich die heute im Gebrauch befindlichen Geschichtsbücher ansieht, wer einen Blick in deutsche Lesebücher wirst, wer die Aufsatzthemen und die als besonders lobenswert beurteilten Aufsätze auch in einer mittleren Schulklasse durchsieht, .wird immer wieder finden, wie man die neue Zeit in der Weise in Gegensatz zur alten setzt, daß sie nicht etwa als die Folge alter Fehler undJrrtümer erkannt wird, sondern daß sie entstand, weil ein höherer Geist des Zerfalles dem deutschen Volke eingeimpft und von ihm leider allzu willig ausgenommen wurde. In der ganzen Behandlung der Vergangenheit wird nur in den allerwenigsten Fällen eine wissenschaftlich einwandfreie Durchprüfung des überkommenen Lehrgehaltes vorgenommen. Was war, war einwandfrei; die Jetztzeit ist jämmerlich. Schuld an den Dingen haben die — na, man darf es ja nicht sagen —, also haben — — gewisse Einflüsse, welche das Mark des deutschen Volkes zerstörten. Die Jugend versteht allmählich. Gewiß wollen die Schulbehörden einen solchen Unterricht nicht, wenigstens soweit sie durch ihre obersten Spitzen allgemeine Anweisungen erteilen. Aber diese Anweisungen werden nicht durchgeführt. Der Geist vieler Schulen ist so rückschrittlich, wie er nur sein kann. Das trifft nicht nur für die Großstädte zu. In den Mittel- und Kleinstädten liegen die Verhältnisse, wie Untersuchungen bewiesen, geradezu jämmerlich. Wie kann man sich über den Putschistengeist wundern, wenn namentlich in den sogenannten ,,höheren Schulen" dieser Geist in dem Unterricht seine Voraussetzungen und seine Nahrung findet. Der Geist, der in den vaterländischen Verbänden herrscht, ist allen bekannt. Auch wer sie lobt, weiß, daß sie auf Umsturz ausgehen und ihre Mitglieder zum Bürgerkrieg erziehen. Wird man fragen, ob in unseren Schulen der wahre Charakter der vaterländischen Verbände klar gekennzeichnet wird, so wird man antworten, „jawohl, er wird Kar gekennzeichnet", aber nicht so, wie der deutsche Staat sich zu ihm stellen muß, sondern er wird als das Wünschenswerte bezeichnet. Hat sich doch neulich in Sachsen ein Staatsanwalt gefunden, der von einem lobenswerten G e 4 st d e r vaterländischen Verbünde sprach! Vielfach sagt der Staat: „Hier kann ich nicht eingreifen, ich muß nach allen Seiten hin gerecht sein." Warum? Weil die Vertreter dieses Staates nicht den Willen zur Macht haben, lassen sie sich das Wort „vaterländisch", mit dem sich diese Verbände völlig zu Unrecht schmücken, ins Bockshorn jagen. Diese Verbände sind nicht va t e rl ä n di sch, sondern Vaterlandszerstörend, Bürgerkriege entfachend, volksvernichtend und ein Unglück für die Nation. Vaterländisch heißt hier „vaterländisch" in dicken Anführungszeichen. Wer hier von Gerechtigkeit spricht, lacht sich selbst aus. Kein Staat, der seine eigene Er i ste nz schätzt und ehrt und der auf sich irgendwelchen inneren Wert legt, wird sich die Erziehung seiner Jugend durch M e n s ch e n g e f a l l c n l a s s e n, d i e n i ch t s a n d e r e s w o l t e n als b e n 11 n t e r g a rt g dies e s Staates. Die Jugend, die heranwächst, auch "die weibliche, wird in die entsprechende Jugendabteilung dieser Verbünde von der Schule aus zwar nicht direkt, aber meist indirekt hineingeführt. Ihr wird der G l a u b e au einen Staat genommen, ihr ist vielfach Geschichte nichts anderes wie glatte Täuschung. Wie können wir uns infolgedessen wundern über die neu aufgedeckten Pläne, wenn wir sehen, wie in unserem ganzen öffentlichen Leben, weit über die Schule hinaus, die zum Putsch direkt und indirekt immer wieder ausfordernden Völkischen als ein Faktor betrachtet werden, welchen man ja nicht hart ansahren darf. Wie können wir uns darüber wundern, wenn wir hören, wie die Reichswehr sich die Zuverlässigkeit der von ihr einzustellenden jungen Leute von diesen vaterländischen Verbänden bezeugen läßt, wenn auch dort, wo mau allmählich über den Geist des Vaterländischen und über das, was er hätte sein müssen, Verwirrung herrscht! Wir sind überzeugt, daß die Führer der Reichswehr dem Putschgedanken fernstehen. Aber wer wird ihre Befehle ausführen, wenn der Jugend beigebracht wird, daß unser jetziger Staat und unsere Verfassung "aus Verbrechen beruhen, daß man sie nicht achten darf und "muß, daß „vaterländisch" nur der ist, der gegen die Verfassung eintritt, der Gut und Blut gegen die heutige Staatsordnung und die ihr getreuen Mitbürger einsetzt? Gewiß,, die V ö l k i s ch e n "verstehen es, sich als die uns ch u l d i g Verfolgten hinzustellen. Ihr Mäntelchen ist schneeweiß; aber was hinter diesem Mäntelchen steckt, ist nichts anderes als äußerster, erhitzter Haß gegen unseren Staat, gegen unsere Verfassung, gegen die Gleichberechtigung aller Staatsbürger. Einer der Redakteure der „Deutschen Zeitung" hat ausgeführt: „Falls die Unruhen sich nicht von selbst einstellen, müssen sie eben mit allen Mitteln künstlich provoziert werden." Das kann nicht bestritten werden, und wenn man im preußischen Landtag den Abgeordneten Heilmann, weil er diese Dinge vortrüg, auch hundertmal mit Worten wie „Judenlümmel" und ähnlichen schönen Ausdrücken belegte, so konnte man die Wahrheit von dem, was er dort ausführte, nicht bestreiten. Wir kennen die Verhetzung und wissen, wie ein geradezu teuflischer Fanatismus in den zahllosen täglich stattfindenden kleinen Klubs, Vereinigungen, Vereinen, Sportgesellschasten in die Gemüter namentlich jugendlicher Persönlichkeiten eingeflößt wird. Es würde sich lohnen, eine Zusammenstellung aller der Zirkel anzufertigen, in denen an jedem Tage des Jahres der Haß und der Rachedurst gegen unseren heutigen Staat und seine Regierung und damit notwendigerweise gegen die Juden gepredigt wird. In die vielen Tausende geht die Zahl dieser Gemeinschaften. An zahllosen Beispielen wurde in dieser Zeitung erörtert, wie die heutige Rechtspflege diesen Bestrebungen gegenüber der s a g t. Einem Hauptmann der Reichswehr wurde vorgeworfen, er habe die Mannschaften aufgefordert, die Juden totzuschlagen. Der Staatsanwalt stellte das Verfahren ein, weil trotz eidlicher Bestätigung der Beweis dafür nicht erbracht sei, daß der Hauptmann die Äeußerung wirklich getan habe. Und wenn er sie auch getan hätte, so sei doch die Aeußerung nicht strafbar, denn sie sei „nicht ernst" gemeint gewesen. Diese Melodie hören wir immer wieder. Täglich wird Mord und Totschlag gegen die Juden gepredigt, aber niemals ist es

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