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Central-Verein-Zeitung · 1926-05-14 · 20 (14.5.1926) · p. Seite 274

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
20 (14.5.1926)
Date
1926-05-14
Page
Seite 274 (sequence 6)
Language
German
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274 Meinung, daß die jüdische Landwirtschaft, falls sie „kein Experiment im Jsolierglase" machen will, das Problem der Eroberung des Marktes durch Umstellung lösen muh. In den Städten hält Pinner die Ueberfülle der Detailgeschäste für ungesund, „jede neue Einwanderungswelle trügt sozusagen die vorangegangene", aber „diese Wellenbewegung kann nicht unbegrenzt weitergehen", die palästinische Wirtschaft muß sich einmal „irr sich s e l b st balancieren". Es fehlt vorläufig an Produktivkapital und der Organisation des Kapitalmarktes. An der Arbeiterschaft bewundert Pinner den „konstruktiven Sozialismus", der „Selbstverwaltung der Arbeit und Selbst- Verantwortung für die Arbeit" geschaffen habe. Nur glaubt er nicht, daß sich die durchschnittliche Lohnsestsetzung ausrechterhalten lassen wird. Man wird Pinner zustimmen müssen, wenn er meint, daß sich „Idealität und Nationalität" in Palästina manchmal aneinander stoßen, daß beide ihr Recht verlangen, wenn die Kolonisation dort „keine Wolkenangelegenheit" sein soll. (Ein zweiter Artikel folgt.) Professor Dr. Siegmun- Sasse!- Mainz). Zum Gedächtnis von Rabbiner S. Kevi (Mainz). Am Sabbat, den 1. Mai, ist, wie in der letzten Nummer der „E.V.-Zeitung" schon kurz berichtet wurde, der Altrabbiner der Gemeinde Mainz, Professor Dr. Siegmnnd Salfeld, gestorben. Anr darauffolgenden Dienstag wurde er nach einer Gedenkfeier, welche in Gegenwart der Vertreter weltlicher und kirchlicher Behörden in der Mainzer Hanptfynagoge stattfand, auf dem Mainzer Friedhof beigeseht. Die ganze Gemeinde und zahlreiche Kollegen von nah und fern gaben ihm das letzte Geleit. Der Tag des Abschieds für die Ewigkeit gab noch einnuil der Verehrung und der Liebe Ausdruck, die Salfeld rn seinem Leben sich erworben hatte. lieber 83 Jahre ist Salfeld alt geworden. Acht Jahre lebte er, nachdem er 10 Jahre in Dessau und 38 Jahre in Mainz als Rabbiner amtiert hatte, im Ruhestand. Begabung war er gerade in Mainz, dieser alten deutschen Judengemeinde, auf dem rechten Platz. In den viereinhalb Jahrzehnten, die er am Rhein wirkte, hat. er die mittelalterliche Geschichte der Stammlande des deutschen Judentums irr emsiger Arbeit erforscht. Mit der Veröffentlichung und Bearbeitung des ,-Martyrologiums", dieses Gedächtnisbuches auf die Märtyrer dev KreuAAugszeiten, hat er sich ein ganz besonderes Verdienst erworben. Der aller Wissenschaftlichkeit, die seinen Werken eigen ist, gibt sich doch in ihnen die gemütvolle und liebenswürdige Art, die Weltzugewaudtheit des Verfassers zu erkennen. Er war nie in Gelehrtenkram eingesponnen. In Dessau war er Stadtverordneter gewesen, und bei seinem Abschied von dort hat man ihn zum Dank für seine soziale und vaterländische Betätigung zum Ehrenmitglied des Gewerbevereins und des Kriegerbundcs ernannt. Auch in der größeren Gemeinde Mainz war er bald bei Juden und Nichtjudcn eine populäre Persönlichkeit, die, wo 'immer es galt, hervortrat. Mit den stets bereiten Argumenten geschichtlicher Kenntnisse und Erkenntnis wagte und wußte er für Recht und Wahrheit und das heißt für das Judentum einzutreten. Noch ehe ein Centralverein bestand, verteidigte er vor Volk und Fürsten die jüdische Sache. Selbstverständlich fand man ihn vom ersten Tage an, da der C.V. gegründet war, in der ersten Reihe der Kämpfer für unser Recht. Viele Jahre hindurch Leitete er die Ortsgruppe M a i n z und wirkte im Ausschuß des Landesverbandes f ü r H esse n u n d H e f s e n - 91 afsau mit, der ihn vor einigen Jahren zum Ehre u Mitglied ernannte. Vor wenigen Wochen noch sprach er gelegentlich der Landesverbandstagung hier in Mainz mit tosendem Beifall aufgenommene Worte, die denen, welche sie gehört haben, unvergessen sein werden. Ter C.B. trauert mit der betagten . Gattin und . der ganzen Familie um diesen Mann, mit dem wir einen ehrwürdigen Herold, einen bewährten Führer verloren haben. Ein dankbares Andenken bleibt ihm bei uns gesichert. 25 Jahre Hisssvereln -er -rutschen Ju-en. Wenn sein Leben auch außergewöhnlich reich an Arbeit und Erfolg, und somit von Segen erfüllt war und wenn man auch weiß, daß für jeden einmal die Zeit des Scheidens kommen must, so können die, welche bis zuletzt um ihn waren, sein Nichtmehrsein schwer als eine Tatsache erfassen. Das hat seinen Grund in der geistigen Rüstigkeit, die den Heimgegangenen bis zuletzt auszeichnete, und an der jugendlichen Anteilnahme, die er allem, was um ihn vorging, entgegenbrachte: „Sein Auge war nicht getrübt, und seine Kraft war nicht geschwunden". Und ihm war eine besondere Kraft des Schaffens und Bollbringens gegeben. Er war ein v o n B e r eh ru ng getragener religiöser Führer seiner Gemeinde, er war ein erfolgreicher Lehrer der Alten wie der Jungen, er war ein eindrucksvoller Redner, ein packender Prediger, der vor jedern Zuhörerkreis die rechte Sprache und den rechten Ton fand. Die Wurzel seines Wesens, aus der sein Schaffen wuchs, war aber seine Forscheranlage als Historiker. Als Schüler des meisterlichen Moritz Steinschneider hat er sich von jungen Jahren an bis ins hohe Alter, ja bis in die letzten Tage hinein, mit geschichtlichen Studien befaßt und hat als. Ergebnis seiner Forschungen zahlreiche kleinere und größere Arbeiten veröffentlicht. Mit seiner historischen Am 16. Mai d. I. begeht der Hilssverein der deutschen^ Juden die Feier seines 25jährigen Bestehens. Man kann sich das Schicksal der armen, unterdrückten, im Elend lebenden jüdischen Brüder ans dem Osten nicht vorstellen, ohne der überaus segensreichen Tätigkeit des Hilfsvereins zu gedenken. In den 25 Jahren seines Bestehens ist er in geradezu hervorragendem Maße für diese Unglücklichen, vom Schicksal Verfolgten durch werktätige Maßnahmen eingetreten. Geleitet von Dr. James Simon und Dr. Paul N a t h a n, jenen Männern, die mit so außerordentlich praktischem Blick einen seltenen Willen Zur Tat und zur werktätigen Hilfe verbinden, hat der Hilssverein in jeder einzelnen Maßnahme zwar geräuschlose, aber außerordentlich wirksame Arbeit geleistet. Bücher müßten geschrieben werden, um alles dasjenige im einzelnen aufzuführen, was der Hilssverein tat. Jeder Jude, jeder anständige Mensch, der ein Herz für die Bedürfnisse der Armen hat, muß ihm dafür danken und in dieser schweren Zeit eine weitere segensreiche Tätigkeit wünschen. Dank aber den Männern, die an seiner Spitze unermüdlich gearbeitet haben. Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Anzeigen-Annalime für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin SW 19, Jerusalemer Strafe 46 -49 ■ Breslau ♦ Chemnitz. .„Dresden Düsseldorf * Erfurt« Frau klirrt a. M.« Halle (Saale) . Hamburg . Hannover . Karlsruhe. Köln a. R h.. LcivZig Magdeburg » Mannheim * München Nürnberg * Stettin »: Stuttgart - Amsterdam . Barcelona > Bafel * Budapest. Bukarest * London ♦ Mailand . Prag Warschau « Wien . Zürich. Grosse Ausstellung Düsseldorf tQ2Ö Gesundheitspflege, soziale Fürsorge, Leibesübungen GESOLEI verbunden mit der Düsseldorfer Kunstausstellung 1920. Grösste deutsche Ausstellung im Jahre 19 2 6 Mai — Oktober. JASMÄIZI €> ZIGARETTEN S0MJ4SMffllsSS«Nf,»ESI)EII:4J6. GRÄFfNMARjZA HÄNSOM 8> - AUGUSToerSTARKE : iC,J

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