Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 20 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- Seite 275 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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275' Sigmunü Ireuü 70 Jahre alt. Von Heinz Stroh*). Wie mag Freud an seinem Festtage zumute gewesen sein, als ihm, der einmal bekannte, daß die Tatsache seines Judeseins ihm die Bereitwilligkeit gab, „d a s S ch i ck s a l d e r V e r e i n s a nnu n g i n d e r O P P o s i t i o n auf sich zu nehmen", weil dieses „ein Schicksal sei, das dem Juden vertrauter ist als einem andere n", wie mag dem Gelehrten und Entdecker, dem Netter und Förderer so vieler, dem Gerne Zumute gewesen sein, als ihm, dem Juden, im reaktionär- (bewußt) antisemitischen Oesterreich die Würde eines Ehrenbürgers der Stadt Wien verliehen wurde? Wir jedoch freuen uns ob dieser offiziellen „Anerkennung" und wollen rn ihr den Auftakt zu besserem Verstehen und zur Gerechtigkeit erblicken. Der Raum läßt nicht zu, Werk und Wirkung Sigmund Freuds, des Begründers der psychoanalytischen Schule, so zu betrachten, wie es geschehen müßte. Das Werk des „Nervenarztes" Sigmund Freud ist nichts breiter, als die Krankheit nicht mehr physiologisch zu betrachten, sondern die psychischen Ursachen erkennen zu suchen und so den Heilungsprozeß Zu entwickeln. Diese Ursachen liegen bereits in dem frühesten Kindesalter und sind durch, scheinbar ganz nebensächliche, seelische Eindrücke und Erregungen, meist auf erotisch-sexuellem Gebier, hervorgerufen, die aber i im Unterbewußtsein sortleben und später dann anormale Nerven- und Seelenzustände zeitigen. Diese Theorie zunächst gesunden zu haben und weiter dann zur Praxis zu führen, war Freud beschieden, der die reiche Erfahrung des Klinikers besaß; der den Erscheinungen der Krankheit nachforscht und sie versteht, der sich selbst aber auch verständlich machen kann und der die Fähigkeit hat, seine Lehre zu medizinischer Anwendung zu bringen und so — heilen Zu können. Die „Traumdeutung", seine Traumdeutung, unterstützt ihn. Die „Kollegen" verlachten ihn. Die 'Laien spotteten seiner. Er, der den Hysterischen. Hilst, wurde selbst hysterisch „geschimpft". Aber Freud glaubte an seine Berufung und gab nicht nach. Schüler schlossen sich ihm an und traten für seine Lehre ein, die so unermeßliche Wirkungen heraufbeschwor, daß die „Psychoanalyse" heute bereits oft falsch verstandenes Schlagwort ist. Früh standen bereits zu Freud die Dichter, denen er nah verwandt ist und die ihm recht geben durch ihr Schaffen (das von ihm beeinflußt ist oder seine Lehre bestätigt, wer kann das hier unterscheiden? Sicher ist nur, daß Hesses „Demian" und Werfels „nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig", wie auch Manns „Zauberberg" und einiges aus dem „Wendekreis" von Wassermann von Freud beeinflußt und bestimmt sind, ja sogar ohne ihn vielleicht nicht hätten werden sicherlich aber nicht hätten so werden können). *) Wir haben den vorstehenden Ausführungen Raum gegeben, ohne unsererseits Stellung zu den Freudschen Lehren zu nehmen, über deren Für und Wider die Meinungen der medizniilchen Sachverständigen geteilt sind. Die Pers'önlichkcits Freuds als ernster Forscher und vortrefflicher Mensch ist weit über die Grenzen seiner Heimat der Sympathie sicher. Die Schristleitung. Was aber ist es, das neben dem Heilen können der Erkenntnis Sigmund Freuds so große Bedeutung gibt? Es ist die Möglichkeit, richtige Erziehungsmethoden zu finden und dem Verbrechen. Verständnis e n t g e g e n b r i n g en zu können. So wurde Freud, der einst als „Psychopath" verdächtigt war, zuur Wohltäter der- M e n s ch h e i t. So ist sein Werk, das immer weiter ausgebaut wird, segenbringend u n d —»■ unsterblich. Jüdischer Turnverein Berlin 1905. Der I. T. V. 05 erzieht unsere jüdischen Jungen und Mädel zu gesunden und kräftigen Männern und Frauen, die selbstbewußt für ihr Deutschtum und Judentum eintreten. Turnzelten: Männer- und Frauenabteilung turnt Jüd. Knabenschule, Große Hamburger Straße 27, Montags von 8 bis 10 Ahr. Iugendabteilung turnt Jüd. Knabenschule, Große Hamburger Straße 27, Mittwochs von 8 bis 10 Uhr. Damenabteilung turnt Hinter der Garnisonkirche 2, Mittwochs von 8 bis 10 Uhr. 1. Mädchenabteilung turnt Hinter der Garnisonkirche 2, Mittwochs von ^6 bis M Ahr. 2. Mädchenabteilung turnt in der Turnhalle Kaiserstraße 29/30 Montags von ^6 bis Vß Uhr. Schülerabteilung turnt in der Heinrich-Nouer-Straße 18, Dienstags von 6 bis 8 Uhr. Gäste in allen Abteilungen stets willkommen. Sportplatz. Jeden Dienstag abend 0 Uhr Sportplatz an der einsamen Pappel, Schönhauser Allee, Eingang Rudolf-Moste- Straße, m der Mauer gelegen. Jeden Sonntag ab 23. Mai Spielen in Treptow, Spielwiese 7, 2 bis 9!-> Uhr. NordseevKder. Für Inserate und Juseratenbeilagen der „C.B.s Zeitung" tränt die Schristleitung keinerlei Verantwortung. Geschäftliche Notizen nnd Bäderrrachrichterr. Der Stadtauflage unserer heutigen Ausgabe liegt anläßlich der a in 16. d. M. st a t t f i n d e n d e n R e p r ä s e n t a u -> ten wählen der Jüdischen Gemeinde in Berlin ein Ausruf der liberalen Partei bei. Am 15. Mai. kann das bekannte Bettenhaus C. H. Schaeker im Stadtbahn ho s Börse auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken. Aus Anlaß des Jubiläums bleibt das Geschäft am 15. Mai geschlossen. Garmisch-Partenkirchen. Jcschkcs Hotel und Kurhof, früher weltbekannt als Dr. Wiggers Kurheim, ist wieder in den Besitz des Geheimen Hofrats Dr. Wigger üvergegangen. Verlag: Ccntralverein deutsch. Staatsbürger jüd. Glaubens e. V., Berlin SW 63. vindeustr. 13. Tel.-Adr.: „Centralglaubeu Berlin". Postscheckk.: Berlin 30472. Für d. Schriftleit, verantwortl.: Dr. Ludwig Holländer, Berlin 81V08. — Unvcrl. Manuskr. werd. nur zurückges., wenn Freiumschlag bciliegt. — Eerantw. f. d« Anzcigent.: Max Junge, Bln.-Friedenau. — Druck: Rudolf Masse, BeclinLWIS. Ihr Kaffee Hag ist in Aroma und Geschmack von anderem Kaffee nicht zu Unterscheiden. Dr. ned. Baum. Kiel Gegen Gicht. Stein* und Stoffwechseiieiden! - Auskunft auch über Hauskuren durduiie Badeverwaitung« Ersnässigie Miffelsfandskuren 3 Wochen — Pauschalpreis M. 189,-. Erstes Haus — Der Neue Badehof — Sol- und Moorbäder im Hause. Für min das Erbgut des jüdischen Dolles! Durch minrr pp den Torahfonds des jüdischen Volkes? min p£ pn den Tagen der geistigen Geburt des jüdischen Volkes! Das sei die Devise, unter der die erste Siwanwoche stehen möge! Für milV Größer denn je ist die Not, in der sich die Stätten der Torah befinden. Die katastrophale Wirtschaftslage im Osten und Westen wirkt sich in furchtbarer Weise aus. Den de° Ostens fehlt es am Notwendigsten. Lehrer und Schüler hungern. In Deutschland ringen seit Jahrzehnten segensreich bewährte Institute um ihre Existenz! Dringende Hilfe ist not. Lleberall und schnell muß sie einsehen. Durch rmrirr pp: Seine bisherige Wirksamkeit legitimiert ihn. Die des Ostens hat er durch eine große Rettungsaktion aus drückendster Schuldenlast befreit. In Deutschland hat er, neben der Unterstühung anerkannter Institute und einzelnen, neben seiner ländlichen Fürsorge, in seinen vier Talmud Torahs Dauerndes geschaffen. Das, was geleistet wurde, ist nur ein kleiner Bruchteil besten, was geschehen sollte und müßte, vor allem in Deutschland geschehen sollte und müßte. Lins fehlen die Mittel. Die Mion npn frup töD soll sie beschaffen helfen. Junge Freunde, Helfer und Helferinnen, werden in den rta^r? J Haussammlungen vornehmen. Ihrer Bitte wird'sich niemand entziehen, jeder wird seinen Teil beitragen, daß er das Fest der Torah in dem Bewußtsein begehen kann. der Liebe zur Torah durch Sorge um die Torah der Sorge um die Torah durch Zahlung an den Keren Hatorah Ausdruck gegeben haben. Lind am niDIV selber bekunde jeder beim Aufruf zur Torah' durch reiches Spenden, daß er ihren Notruf verstanden und beherz'gt habe. Zeder Jude'ist verpflichtet, für den Keren Hatorah zu geben,- so finde sein Ruf offene Ohren, offene Herzen, offene Hände. Wer geben will, der kann geben, Wer geben kann, der muß geben! Hamburg, im 2,'ar 5686. Düs Landesdirektorium des Keren Hatorah in Deutschland. Oberrabbiner Nr. Spitzer, Vorsitzender. Zahlungen gefl. an: Postscheckkonto 24753 Hamburg (LandeLdircktoriüm des «Keren Hatorah" in Deutschland). — Briesadresse: Hamburg 1, Schauenburger Sirabe 15-19.