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Central-Verein-Zeitung · 1926-05-14 · 20 (14.5.1926) · p. Seite 273

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
20 (14.5.1926)
Date
1926-05-14
Page
Seite 273 (sequence 5)
Language
German
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273 Palästina in öer tvirtschastsliteratur. Bon De. Kurt Zielenziger. Die großen Schwierigkeiten, denen zurzeit das Aufbauwerk in Palästina begegnet und die ihren Widerhall in der Presse der ganzen Welt gesunden haben, lenken unsere Aufmerksamkeit besonders aus die wirtschaftlich e n Pr o b l e m c des Heitigen Lan - d e s, denn sie sind hauptsächlich ökonomisch bedingt. Das an amerikanische DerhältnisZe erinnernde Entwicklungstempo der Kolonisation der letzten Jahre hat zu. der Krisis geführt, die „nicht die letzte sein wird" („Jüd. Rundschau", Nr. 3, 1926); war doch gerade die „Struktur der Einwanderung der letzten Jahre so geartet", wie wir derselben Quelle entnehmen, „daß sie wirtschaftliche Befürchtungen erregen mußte". „Nur 17 Prozent der neuen Immigranten gingen in die Kolonien. Der Nest blieb in den Städten und wandte sich dort gezwungenermaßen zn einem großen Teil nicht wirtschaftlichen Berufen Zn." So vermehrten sich 1925 die Jndustrieunternehmnngen um 33, die Restaurants lim 40, die Bureaus um 90 Prozent. Die produktiven Wirtschaftszweige konnten „keinen Schritt mit den fduu> dären halten". Diese Aeußernngen von ofsizieller zionistischer Seite deuten schon die G x ü n d e d e r Wirt sch a f t s k r i s i s an. Es ist hier aber nicht unsere Aufgabe, eine Untersuchung über diese schwierigen Fragen anzustellen, noch dazu, da die Krisis natürlich auch durch Momente, die außerhalb der palästinischen Wirtschaft liegen — die Lage in Syrien, Wirtschaftskrise in Aegypten, Polen usw. — beeinflußt wird. Sondern wir wollen uns, um eine Grundlage für die Beurteilung der Wirtschaftslage dieses eigenartigel! Landes zir geben, mit den n e u e st e n w i* r t \ d) a 11 § 111 c x a x t f dj c n B eröffe n t - lichilngen über Palästina beschäftigen, lvobei aber die Einschränkung gemacht werdennnrß, daß statistische und sonstige Z a h le n a n g ab e n in den Büchern über das Heilige Land meistens bei Erscheinen des Buches angesichts des Eiltempos dort schon veraltet sind. Das kann aber an der Betrachtung der Grundtendenz der Werke nicht viel ändern. Vielleicht das interessanteste dieser Dokumente ist der „Bericht des Hohen Kommissars über die Verwaltung von Palästina 1920 bis 1925, überreicht dem Staatssekretär für die Kolonien L. S. Amerd, M. P.", die Denkschrift, die Sir Herbert Samuel bei seinem Ausscheiden aus seinem Amt versaßt hat, und die in Deutschland bisher viel zu wenig gewürdigt worden ist. Samuel zeigt sich in seinem Rechenschaftsbericht als N u r - E n g l ä n d e x , wenn man es nicht wüßte, inan erführe es nicht, daß ein Jude fünf Jahre hindurch die höchste Gewalt über das Heilige Land gehabt hat. „Die Jahrhunderte alte Erfahrung in der Gesetzgebung für alle Teile des Reiches und die Kenntnis der gesamten Gesetzgebung in allen Ländern" bezeichnet er in englischem Stolz als die Grundlage für sein Wirken. So liest sich sein Bericht kaum anders als der eines Gouverneurs irgendeiner anderen Kronkolonie. Aber aus der Schrift geht hervor, welche enorme Aufbauarbeit Samuel und die Engländer in Palästina geleistet haben. Er übernahm das Land nach den Kriegswirren, schuf eine Polizeitruppe, reformierte die Justiz, ordnete die Finanzen, so daß das Etatsjahr 1924/25 einen Ueberschuß von 263 000 Pfund Sterling ergab, baute neue Straßen, Bahnlinien, bekämpfte die Malaria, ließ viele neue Schulen errichten und nahm sich der Pflege der heiligen Stätten an. Den Hauptfaktor der Wirtschaft Palästinas erblickt Samuel in der Landwirtschaft. Durch Aufhebung des Tabakmonopols ist es ihm gelungen, den Tabakbail in die Höhe zn bringen, so daß 1924 schon 1800 Tonnen produziert wurden. Für die industrielle Entwicklung des Landes verspricht er sich viel voll den Elektrizitätsprojekten Nutenbergs; da er aber mehr referiert als kritisch zu den Wirtschaftsproblemen Stellung nimmt, untersucht er auch nicht, ob nicht dre Produktionskapazität der Industrie vorläufig schon für das kleine Land zu groß ist. Die starke P a s s i v i t ä i der Handelsbilanz wird nach seiner Meinung durch eine aktive Zahlungsbilanz, bedingt durch die Gelder der Zionisten, der Touristen, der christlichen Missionen, der englischen Verwaltung, die ins Land fließen, wettgemacht. Den religiösen Gemeinschaften gegenüber betont er seine völlige Unparteilichkeit („absolute impartmliftv"), er war es auch, der ausdrücklich die Anweisung gab, wenig für den jüdischen Land-, erwerb zu unternehmen, und auch nur wenig Inden in der' Verwaltung anstellte. So muß er selbst zngebeu, daß in der Kritik, die von jüdischer Seite an seiner Amtsführung geübt wurde,' ein Körnchen Wahrheit sei. Er bewundert die Arbeit' der Zionisten, vor allem ihre Siedlungstätigkeit, in dem rapiden Aufstieg von Tel-Awiw steht er ein Zeichen jüdischer Energie lind hält die jüdischen Erfolge für groß. Aber h i n t e r allen jüdischen Dinge n steht deutlich für Samuel die Stellung z u d e n Ara b e r n. Junner wieder werden Versuche zlrr Umstimmung der Araber unternommen, und das E h l! r ch i l l - S t a t e nie n t vom 3. Juni 1922, das ausdrücklich die Errichtung eines rein jüdischen Palästinas ablehnte lind damit die Balsonr-Detlaration in vielem Zllrücknahm, ist mit sein Werk. Wie Samuel bezeichnenderweise den 9. Dezember zlrul Staatsfeiertag für Palästina erhob, ben Tag der Erinnerung an Lord Allenbys Einzug in Jerusalem 1917. und nicht das Datlun der Balsonr-Teklaration vom 2. November 1917, so. sind es begreiflicherweise rein e ngli s ch e I n t e r e s s e n, die ihn leiten! Palästina ist für England eine der wichtigstell Etappe n auf dem Wege von K a i r o nach K a l k u t t a. Das wird zwar in der Denkschrift nirgends ausgesprochen, diese Gedanken kann inan aber zwischen den Zeilen lesen. Bei der Bedeutung, die die arabische Bewegung in der letzten Zeit erhalten hat, dominiert die a r a b i f ch e ü b er die j ü d i s ch e F r a g e. So ist Palästina nur ein Glied in der Kette des englischen Wirschaftsimperiums.' Stehen hinter Sir Herbert Samuels Untersuchungen Probleme, des englischen Imperialismus, so führt uns Feli^ Pinner in seinem feinsinnigen und tiefschürfenden Buche "„Das neue Palästina — Volkswirtschaftliche Studien" (Rudolf Moste, Buchverlag, Berlin 1926) in die rein ökonomischen Probleme der jüdischen " Ansiedlung in Palästina ein. Das neue jüdische P a l ä st i n a erscheint ihm noch „k e i u e s u> c g s konsolidi e r r. aber tonsolidiert ist vielleicht die Ansangsbasis". Die Utopien früherer Zeiten hält Pinner für abgetan, und er glaubt auch, daß die Erkenntnis der Schwierigkeiten vorhanden ist. Denn was sich in Palästina vollziehe, geschehe „keineswegs frei und natürlich im Sinne etwa der klassischen Nationalökonomie". Im Gegensatz zu den Nothschildschen Kolonien ist es das Prinzip der zionistische!? Siedlungen, keine Unternehmer, sondern Bauern zu schassen. Die Kwnzoth arbeiten in Konkurrenz gegen die Araber unter H e r a b d r ü ck n n g de s L e b e n s st a n d a r d s , ein, wie Pinner mit Recht betont, „auf die Dauer trotz des größten Idealismus nicht anfrechtznerhaltender Zustand. Die Feststellung rein ökonomischer Resultate wird durch verschiedene Momente verdunkelt, man könnte 'Pinners Aussühruugeu noch dahin ergänzen, daß die idealistischen Motive, die bei der Siedlungspolitik mitsprechen, die nationalen -und sozialen, rein ökonomische Messungen zunächst sehr erschweren. Die „Moschalv Owdim" bedeutet Pinner eine Rückkehr' zur" Privatwirtschaft: aber sie ist belastet durch zu große Landstächen. So läßt die Krisis der Agrarwirtschaft ihn Zweifel au der Sel b st v e r s o r g u n g d e s L a n d e s erheben, und er sieht nur bei einer „hochintensivierten Vieh-, Milch-, Butter- und Küfewirtschaft" neben einer hervorragenden Gemüsezucht die Möglichkeit, „das Land mit einer agrarischen Bevölkerung wirklich dicht zn besiedeln", denn den Nutzen der in ökonomischer Hinsicht zu starken Einwanderung haben vorläufig die Araber. Pinner ist der ‘Tßein l^ind, ich rate (Dir gut; Himm BIOMALZ. Bas beliebteste und verbreitetste Nähr- und Kräftigungsmittel. HergesteiU aus edelstem Gerstenmalz. ErhältI.in Apotheken u.Drogenhandhingen, Gebr. Pater mann, Teltow- Berlin 14. mn Hergestellt nach den Prinzipien der ersten MarkenrlANO. klaviere, aber verkauft zu wesentlich, niedrigeren Preisen,hat es durch sein vornehmes A.eussere, seinen wundervollen Ton und seine Haltbarkeit Tausende von Kunden zufriedengestellt. 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