Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 19 (7.5.1926)
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 260 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Der Horsport und feine Erfolge. Von Kurt Landsberger, Vorsitzender des Jüdischen Boxklub „Maccabi" E. V. Seit ich in der „(L V.-Zeitung" Nr. 1 vom 2. Januar 1925 einen Propagandaruf für den Boxsport und den Jüdischen Boxklub Maccabi au die jüdische Oeffentlichkeit gelangen ließ, ist dieser Sport in beispiellosem Siegeszuge von Erfolg zu Erfolg geeilt. Zaghaste Müttor "haben ihr Unbehagen gegen diesen Sportzweig, der den ganzen Mann fordert, und darum auch bildet, aufgegeben, ^ie haben durch den Augenschein die fabelhafte psychische und physische Entwicklung ihrer Söhne (zum Teil ihrer verzogenen und verweichlichten Lieblinge) erkannt. Der Boxsport ist aus den verborgenen (weil verboten gewesenen) Anfängen zum M a s s e n s p o r t, zum Volkssport geworden. Er ist in weitestem Umfange ein Erzieh ungsfaktor, der dein werdenden Mann in freiwilliger Hingabe den Reifeabschluß gibt, den früher der Militarismus in sklavenhaftem Zwang und Freiheit tötendem Druck zu geben suchte. Dieser Sport der Republik, wie er scherzhaft genannt wird, bildet Körper und Geist und bürdet seinen Jüngern moralische Pflichten auf. Es ist für den im Alter der Geschlechtsreise stehenden Jüngling von höchstem Werte, seinen Ueberschuß an jugendlicher Kraft im ächort für den Aufbau und die Entwicklung seines Körpers zu verwerten und diesen nicht durch Abgabe von Kraft — durch Ausschweifung —- zu gefährden. Befreundete Dermatologen haben mir' bestätigt, daß durch die intensive sportliche Betätigung der Prozentsatz böser Krankheiten, die geradezu eine Geißel der Jugend sind, bedeutend zurückgegangen ist. Der Boxjünger beobachtet schon in den Jugendklassen sein Gewicht und weiß sich daher vor den Schäden des „Zuviel" und „Zuwenig" zu schützen. Zu seinen heiligsten Pflichten gehört es, den Alkohol gänzlich zu meiden und dem Tabak möglichst aus dem Wege zu gehen. Schon in den Anfängen dieses Sportes in Deutschland überragten einige Juden die große Masse. In seiner Geschichte werden die Namen Stein und Friede mann als Meister der edlen Kunst der Selbstverteidigung immer wieder genannt werden müssen. Der jüdischen Boxsportbewegung erwuchs in Bruno Goldst e i n der Meisterführer und Trainer, der die Jugend durch seine Begeisterung und Fähigkeiten zur ernsthaften sportlichen Arbeit erzog. Denn Sport ist im Gegensatz zum Militarismus das freie Spiel der Körperkrä'fte unter sorgfältiger individueller Dosierung der geforderten körperlichen Arbeit. Im Sport wie im Leben bildet sich das Talent mit sorgsamem Fleiß nur tn der Stille! Ende 1922 erstand der Jüdische B o x k l u b Maccabi. Nach Kgem Training ging es mit vor Erregung verhaltenem Atem m ersten Kampsabend. Er war für die Maccabäer ein Erfolg! Die jüdische Oeffentlichkeit bestaunte das Boxen, teils anerkennend, teils lehnte sie mit Entsetzen das Boxen der Juden ab. Die sporttreibende Welt in Deutschland hatte die hohen Leistungen einzelner Juden (Stein, Friedemann, Ehrenberg, Malz) bis zum Aufkommen des Maccabi für Einzelerscheinungen gehalten. Als letzt eine Turniermannschaft in den verschiedensten Gewichtsklassen von Erfolg zu Erfolg eilte, da wirkte diese Propaganda der T a t in der vom C. B. geförderten Richtung! Die ersten Kritiken in völkischer Richtung sprachen, sich selbst verspottend, von „Massel und Broche im Ring". Man lese dagegen heute die sachlichen Kritiken politisch rechtsstehender Blätter. Neben den Vorteilen in körperlicher und moralischer Beziehung bietet der Boxsport dem Judentum drei weitere, noch wenig erkannte Möglichkeiten: „Die Aufklärung, den Ausgleich und die Abfuhr!" In Wort und Schrift bemühen sich täglich geistig hochstehende Menschen um die A u f f I a r u n g Wenn der Erfolg nicht der Bemühung entspricht, so mag es daran liegen, daß sie das Ohr, das Auge und vor allen Dingen das Herz der haßverblendeten Gegner nicht erreichen. Dort versucht der einzelne a-uf die Massen unmittelbar 3iU wirken, hier wirkt der jüdische Boxer, durch vier Seile von aller Welt abgeschlossen, gegen den einzelnen Gegner. Sein Beispiel, sein Können und seine sportliche Fairneß wirken mittelbar umso größer aufdie Massen und besonders auf diejenigen, die sonst für die Aufklärung nicht erreichbar wären. Hand in Hand mit dieser Aufklärung geht der Ausgleich, nachdem im sportlichen Wettkampf die Gegensätze überbrückt und das Märchen von der körperlichen Minderwertigkeit der Juden restlos zerstört ist. In diesem Ausgleich finden sich die Menschen. Bei internationalen Kämpfen beweist der jüdische Boxer durch Hingabe seines ganzen Könnens, daß er mit Treue am Vaterlande häugt und die Landessarben mit Stolz verteidigt. Neidlos beugt sich der wahre Sportsmann dem Erfolge des Besseren. In jedem Boxkampf lautet die Devisen „Der bessere Mann soll Sieger sein!" Jeder Kampf bringt neue Kameradschaften, denn in gegenseitiger Achtung verlassen Sieger und Besiegter als Freunde den Kampfring. Unme.rklich und doch stetig wirkt der Ausgleich von Mann zu Mann. Für die „Ganzverblendeten", die nicht anerkennen, die keine Kameradschaft und keinen Frieden wollen, bleibt dei Abfuhr. Nach ihren eigenen Worten ist die beste Parade der Hieb! Sie kennen sich gut und geben das Beispiel für die Wahrheit dieses Wortes, denn Haß und Feigheit sind Geschwister. Häufig fehlt nur der Mut, sich der besseren Erkenntnis zu fügem Auch für diese Parade bildet der Boxsport seinen Jüngern die Faust ur natürlichen Waffe aus. Jeder andere Mensch greift im Augenlick der Gesah?r zur Waffe, und nur der Boxer wirft alles von sich und macht sich für die Verteidigung die Hände frei. Er will nicht töten oder schädigen, sondern nur auf kürzeste Zeit kampfunfähig machen, daher mit Recht der Name: „Die vornehme Art der Selbst-. Verteidigung!" Zu den Brandenburgischen Meisterschaften 1926 waren unter etwa 120 Meldungen acht Juden vorgemerkt (Malz und sieben Maccabäer). Am 1. März traten die 16 Besten zum Endtampf an. Es gab zwei jüdische Meister (Malz und Buchbaum, Maccabi) und zwei Juden belegten Zweite Plätze (Friedländer II, Maccabi, und Praiß, Maccabi). Der kleine 18jührige Fuchs (Maccabi), der noch im Februar in der; Vorrunde der Meisterschaften ausschied, hat sich in dieser kurzen Zeit bis zum Repräsentativen Brandenburgs im Bantamgewicht emporgearbeitet. Am 26. April 1926 im gemeinsamen Kampf mit dem Erfolg gewohnten Polizeisportverein errang der jüdische Boxklub Maccabi in neun Kämpfen vier Siege, vier „Unentschieden" und verlor nur einen Kamps. Auch Kinder dürfen ihn jederzeit trinken Hotel Hehler Berlin--Charlottenburg * Haus ersten Ranges verbunden mit vornehmem Restaurant I Prospekte finden durch die „C.V.-Zeitung“ sehr zweckmässige Verbreitung. Hannover. Centrat-Hotel Kaiferhof. Spezialhaus fürKaufleme. AlleZmuner fließ. Wasser. Nüsnbevs Restaurant Grünspecht Dreitegasse 16 in nächster Nähe aller Hotels. Haupttresspunkt der Geschäftsreisenden und Fremden. das grünte 3odbad Deutschlands mit der berühmten Adelheideqneile. In den Bayerischen Alpen, 700 m, in herrlicher landschaftlicher Lage mit vorzüglichem nervenstärkenden Klima. Jod-, Moor-, kohlensaure und alle anderen medizinischen Bäder, Jodfirinkkuren. Pneumatische Kammern, Jnhalationsräume usw. 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