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Central-Verein-Zeitung · 1926-05-07 · 19 (7.5.1926) · p. Seite 256

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
19 (7.5.1926)
Date
1926-05-07
Page
Seite 256 (sequence 4)
Language
German
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256 Das höchste Gebot nationaler Pflichterfüllung. In einem Leitartikel der „Bayerischen Staatszeitung" (Nr. 87 vom 17. April 1926) schreibt Dr. Josef W e h r l e über „Nationale Pflichterfüllung". Die von tiefem nationalen Pflichtbewusstsein und von Verantwortungsreudigkeit getragenen Ausführungen verdienen unsere vollste Zustimmung. „Das höchste Gebot nationaler Pflichterfüllung in den heutigen Tagen aber ist für uns, -atz jeder aus seinen Kräften mit dazu beiträgt, -atz der Gemeinschastsgedanke im deutschen Volke immer stärker Wurzeln fatzt und -atz damit die festeste Mauer gegen alle Stürme und Widerwärtigkeiten der Zeit geschaffen wird. Diese Worte muten uns an wie eine Bestätigung unseres eigenen Ringens und Strebens, und voller Befriedigung buchen wir diese Aeußerung. Fremdartig berührt uns aber in dem Zusammenhang eine Stelle des Aussatzes, wo von der „untrennbaren Blutsgemeinschast" des deutschen Bolkes gesprochen wird und von der Verpflichtung, die sie in ganz besonderem Maße dem deutschen Volke auferlegt. Diese Blutsgemeinschast, die als „lebendige Erkenntnis" bezeichnet wird, besteht in Wirklichkeit nicht. Sie fristet ihr Dasein nur als unbeweisbare Konstruktion rassenanbetender Völkischer und dient irr diesem Lager als willkürlich gehandhabte Waffe gegen denjenigen Teil der deutschen Volksgenossen, denen man ihr Deutschtum abzu sprechen wünscht. Es wäre daher wohl überzeugender gewesen, wenn Herr Dr. Wehrle in seiner Aufforderung zur Sammlung des deutschen Volkes im Zeichen „nationaler Pflichterfüllung" Begriffe wie Blutsgemeinschaft beiseite gelassen hätte, die offensichtlich nicht geeignet sind, den „Gemeinschaftsgedanken" besonders zu vertiefen. Was wissen wir Deutsches Ei» völkisches Geschichtswerk. Es gibt noch Neues unter der Sonne: ein völkischer Schriftsteller, Dr. Hermann Unger, läßt in einem völkischen Verlag (Dcuiden-Verlag, München) eine deutsche Geschichte erscheinen („Was wissen wir Deutsche!?"), die nichts weiß von Alljuda an, von der jüdischen Internationale, dem jüdischen Marxismus und Kapitalismus, vom „Juden" Liebknecht bis zum Juden Rathenau. — Auch der „jüdische Geist" fehlt, abgesehen vom jüdischen Christentum, mit dessen Hilfe das deutsche Volk auch der jüdischen Herrschaft unterworfen worden sei. Das ist der einzige Fall, in dem sich der Verfasser mit dem Judentum befaßt. Daß er dabei das Judentum nicht mit zarten Händen anfaß.t, sondern Gewicht darauf legt, seinen Antisemitismus an den Mann zu bringen, wird uns nicht wundern. So fällt die Einleitung mit ihrer antijüdischen Einstellung eigentlich ganz aus dem Nahmen dieser deutschen Geschichte heraus. Womit hat nun der völkische Geschichtsschreiber seine 672 Seiten gefüllt, wenn nicht mit Anklagen gegen das Judentum? Nun, es hat ihm an Stoff nicht gefehlt, obwohl er aus das dankbarste Objekt verzichtet hat. Da erscheinen andere Verantwortliche für das deutsche Unglück von 1000 Jahren auf der Anklagebank und vor dem Nichterstuhl des Herrn Dr. Hermann Unger: Nom — auch eine innere christliche Angelegenheit! —, Habsburg, Hohenzollern, die übrigen deutschen Fürsten und ihre Höflinge, die preußischen Junker und Konservativen, die Eroberungs¬ und Flottenpolitik, Lndendorfs und der U-Boot-Krieg, die Justiz und die Wahlrechtsverweigerer. Dieser Völkische hat sogar den Mut, die Revolution geschichtlich und Politisch zu begreifen und die Dolchstoßlegende abzulehnen. Es ist ein „einfältig e s" Buch, einfältig im alten deutschen Sinne. Dieser, von keinen historischen Skrupeln beschwerte Geschichtsschreiber kennt keine Probleme und problematischen Naturen; ihm ist alles klar und selbstverständlich. Schafe und Böcke, Engel und Teufel sein säuberlich geschieden. Ein Buch „fürs Volk". Ist also das Werk schon eine Seltenheit in der völkischen Wissenschaft, so ist der Umstand, daß es auch in der „Deutschen Zeitung" Anerkennung gefunden hat, vielleicht noch auffallender. Wie das möglich ist, wird man begreifen, wenn man den Standpunkt des Verfassers folgendermaßen gekennzeichnet findet: „Er sucht die Ursachen der Uneinigkeit, entgegen der gewöhnlichen Ausfassung, nicht in unserem Volke selbst, sondern in seinen Feinden. Als solche gelten ihm besonders N o m, A l l j u d a, Paris, die meisten deutschen Fürsten und die deutschen Schulen, insbesondere das humanistische Gymnasium mit seiner dem Deutschtum entfremdenden Bewunderung der Griechen und Römer." Vergleicht man diese Anklageliste mit der oben mitgeteilten, dann Muß man wahrhaftig den Kritiker der „Deutschen Zeitung", Dr. Schml dl (G ib iche n fe ls) ob her Un—bekümmertheit seiner Drehung um 180 Grad bewundern. Seit wann hat die „gewöhnliche Auffassung" der Völkischen die Schuld an Deutschlands Unglück im Volke selbst gesucht? Und umgekehrt: Sind die feindlichen Mächte, die Dr. Schmidt (Gibichensels) aufzählt und unterschlägt: die Organisatoren des Gymnasiums bis zu den gegenwärtigen Gymnasiallehrern, die deutschen Fürsten (nicht nur „die meisten"), die Konservativen usw. keine Deutschen? Dr. Schmidt ist bei der Besprechung dieses Werkes auch im Hinblick auf die völkischen Belange leichtsinnig gewesen. Wie nämlich, wenn ein Leser der „Deutschen Zeitung" auf seine Besprechung hin aus den Gedanken kommen sollte, das interessante völkische Buch auch wirklich zu lesen? Worüber wir uns allerdings nicht den Kopf zu zerbrechen brauchen. 3t._ ,, Der <C. v. wehrt sich tzegerr Beschimpfungen im bayerischen Landtag. Im bayerischen Landtag sind in den letzten Tagen von nationalsozialistischer Seite vielfach schwere Beleidigungen gegen die jüdische Bevölkerung ausgesprochen worden. Dies hat den Vorsitzenden unserer Ortsgruppe München, Dr. Ludwig Wasiermann, veranlaßt, sofort beim Präsidenten des Landtags, dem Abgeordneten Königbaner (Bayerische Volkspartci), vorstellig zu werden und darauf hinzuweisen, datz werte Kreise der jüdischen Bevölkerung über diese, unter dem Schutz der Immunität getanen Aeutzerungen empört und entrüstet seien. Der Landtagspräsident erklärte, datz er, wenn er am Präsidium gewesen wäre, die Beleidigungen zurückgewiesen haben würde. Eine nachträgliche Zurückweisung erschien dem Präsidenten geschäftsordnungsmäßig nicht möglich, doch sagte er zu, die Angelegenheit im Landtagspräsidium zu besprechen und dort auch die Beschwerde und ihre Begründung zur Kenntnis zu bringen. Die Münchener Presse, besonders die der Rechtsparteien, hat von diesem Schritt ihren Lesern Kenntnis gegeben, Keren Hajessod und Jewish Agency. Meldungen der zionistischen Presse. Die „W i e n e r M o r g e n z e i t u n g" vom 28. April 1926 veröffentlicht in einer Eigenmeldung aus Jerusalem Teile einer Botschaft, die der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Weizmann, am Tage des fünfjährigen Jubiläums des Keren Hajessod in hebräischer Sprache erließ. Das Blatt gibt folgende Stellen daraus wieder: „Vor allem: der Keren Hajessod bedeutet nicht durchaus Geld; in keinem Falle bloß Geld. Die wahre Bedeutung des Keren Hajessod liegt in der Organisierung des Volkes und seiner Erziehung für die große Ausgabe des Wiederaufbaues." „Die Steuer, der Maasser, ist die Abgabe, die den, der sie leistet, zum Bürger macht. Der Keren Hajessod ist die nationale Steuer — die moralische Pflicht eines jeden Juden, Zu dem Volksbudget für den Wiederaufbau seines Landes beizutragen , . * * Ferner polemisiert nach einer Mitteilung, die wir dem „Hamburger Israelitischen Familienblatt" Nr. 17 vom 29. April entnehmen, die Brüuner zionistische Presse: „Liquidierung der Jewish Agency? Unter diesem Titel polemisiert das Brünner Zionist enorgan heftig gegen die „Ideologie des anationalen Palästina-Aufbaues, deren Organisation die Jewish Agency sein wollte". Bekanntlich war die Jewish Agency als neutraler Boden gedacht, auf dem Zionisten und Nichtzionisten sich zu gemeinsamer Arbeit für Palästina finden sollten. Die Zionisten wollten durch Schaffung dieser Agentur einem Wunsche der englischen Negierung Rechnung tragen, die in den bei der Errichtung einer jüdischen Heimstätte in ihrem Mandatlande auftauchenden Fragen nicht bloß mit einer jüdischen Partei verhandeln wollte, sondern mit Leuten, die einen stärkeren Anhang unter den Inden der Welt hinter sich haben als die Zionisten. Gegen diese Idee erstand aber alsbald in den eigenen Reihen der Jüdisch- Nationalen eine heftige Opposition, die sich auch auf dem letzten Zionisteukongreß sehr kräftig äußerte, und da auch in den nichtnationaljüdischen Kreisen eine immer deutlichere Abkehr von dem Projekt bemerkbar wird, ist dieses wohl schon erledigt. Beweis hierfür ist die Tatsache, daß die Zionisten ihre eigentlichen Absichten nicht mehr verhehlen zu müssen glauben. Ihr eingangs zitiertes Organ erklärt nunmehr ganz offen: „Der Keren Hajessod ist eine Angelegenheit des Zionismus. Man möge auch das Gegenteil behaupten. Das Aufbauwerk Palüstmas, wicht im Sinne der Philanthropie, sondern im Sinne des Glaubens cm dieWiedergeburt des jüdischen Volkes, ist eine zionistische Sache." , _

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