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Central-Verein-Zeitung · 1926-04-23 · 17 (23.4.1926) · p. Seite 227

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
17 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
Seite 227 (sequence 3)
Language
German
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Die Abnahme der jüdischen Bevölkerung in SüddevWand. Neue Statistik für Bayern, Württemberg, Baben, Hessen, Gchaumburg-Lippe. Für das gesamte Deutsche Reich hat nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung am 16. Juni 1925 trotz des Krieges und der sich anschließenden Notzeiten die Bevölkerungs'ziffer im Vergleich zu 1910 nun über 4t2 Millionen Angenommen, wovon über IVi Millionen auf Männer und fast 3 Millionen auf Frauen entfallen. Die geringe Zunahme der Männer erklärt sich durch den Krieg. Tie volle Aufarbeitung des Zahlenmaterials erfordert einen gewaltigen 'Aufwand an Personal unb Zeit, und bis auf die genannten Hauptergebnisse liegen aus dem statistischen Reichsamt noch wenig Sonderfestftellungen vor, und es dürften noch einige Monate verstreichen, bevor sie der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Dagegen haben besonders in Süddeutschland einige statistische Landesämter Fortschritte anfznweisen. Von ihnen interessieren uns besonders die Konfessiouszahlen. Sie lassen einen R ü cf g a n g der j ü dischen V e v ö l k e r u n g 8 - a n t e i l e erkennen. Wahrend in Bayern bei den Evangelischen und Katholiken sich eine prozentual gleiche Zunahme der Gesamtbevölkerung ergibt, ist die israelitische Wohnbevölkerung in Bayern von 54777 nm 1. Dezember 1910 aus 49 163 am 16. Juni 1925 gesunken. In keinem einzigen bayerischen Regierungsbezirk hat, wie aus foXgenben Zahlen erhellt, die jüdische Bevölkerung Zugenommen: Regiernngsbezirk a m 1.12.10 16. 6.25 A bnah m c v. H. Oberbayern ► . . 11 652 10 790 862 7,4 Niederbayern . * 468 348 120 25,7 Pfalz ...... 8 710 7 868 842 9,7 Oberpfalz 1395 1181 214 15.4 Oberfrankeu . . . 2 946 2 544 402 13,6 Mittelfranken . „ 14 219 13 719 500 3,5 Unterfranken . . . 11 925 9 879 2 046 17,1 Schwaben ..... 3 462 2 834 628 18,1 Zusammen . , 54 777 49 163 5 614 10,5 Demnach ist die jüdische Bevölkerung Bayerns mn 10 v. H. gefallen. Au dem Rückgang nehmen auch die Großstädte teil. Dre Stadt München zählte 1925 nur 10 000 jüdische Eimvohner gegen 11 000 im Jahre 1910, Fürth 2504 gegen 2826, Würzburg 2261 (2514), Augsburg 1203 (1213); von größeren Städten haben eine Zunahme nur Nürnberg imb Ludwigshasen aufzuweisen. Auch in W ü rtte 11t b e x g liegen die Verhältnisse nicht viel günstiger als in Bayern. Die 'konfessionelle Schichtung der württembergischen Bevölkerung ergibt sich culs den Ergebnissen der je 15 Jahre airseinander liegenden Bolkszählllngeu von 1895, 1910 und 1925. Die Gesamtbevölkernng stieg ln diesen drei Zeitpunkten von 2,08 über 2,44 auf 2,58 Millionen Einwohner. Die Evangelischen nahmen zu von 1,44 über 1,67 auf 1,72 Millionen, Katholiken zählte man nacheinander 0,62, dann 0,74 und schließlich 0,80 Millionen. Während aber die Juden von 1895 auf 1910 ihren Stand behielten, ist ihre Zahl bei der letzten Zählung auf 10 852 (11 887, 11982) gesunken, also prozentual fast ebenso stark wie in Bayern; während sie 1895 noch 0,6 v. H. der Bevölkerung bildeten, ist sie 1925 mrf 0,4 v. H. gesunken. Eine Bevölterungsbilanz nach der Konfession macht das statistische Landesamt von Hessen auf, die gerade für die dortige jüdische Bevölkerung manche Aufschlüsse gibt. Auch in Hessen ist der starke Rückgang der jüdischen Bevölkerung eine bemerkenswerte Tatsache, während Evangelische und Katholiken annähernd gleich zugenommen haben. Ende 1910 Ovaren in Hessen noch' 24 063 Juden, das waren 1,88 v. H. der Gesamtbevölkerung, 1925 betrug ihre Zähl nur 20 401 oder 1,51 v. H., das sind 3662 oder 15,2 v. H. weniger. Dieser Rückgang verteilt sich auf fast alle Gemeinden. Besonders stark war er in Offenbach mit 28,8 v. H., in Darmstadt betrug er 17,6 v. H., in Mainz und Worms 6,6 v. H. und in Gießen sogar nur 1,6 v. H. Im allgemeinen kann man aber sagen, daß die Abnahme in Gemeinden mit geringer jüdischer Bevölkerung verhältnismäßig größer war, als in solchen, wo stärkere Gemeinden vorhanden waren. Im Zusammenhang damit steht, daß die Zahl der Gemeinden mit jüdischen Einwohnern im Vergleich zu 1910 von 381 auf 352 im Jahre 1925 zurückgegangeu ist. (Tabelle siehe nächste Seite.) Das Ergebnis der natürlichen BevMerliugsbewegung ist ein Geburtenüberschuß von 6,9 v. H. der Bevölkerung bei den Evangelischen, von 9,8 v. H. bei den Katholiken, während bei den Juden die Geburten hinter den Sterbefällen ltnt 2,6 v. H. Zurückbleiben. Dieser Allsfall voll Geburten bei den ji'ldischen Familien ist zum Teil auf die Auswirkungen des Krieges zirrückzuführen, denn'bei keinelir Teil der deutschen Bevölkerung ftnb die Ehen während der! langen Kriegsdauer in dem Umfang' zurückgegangen, wie bei den Bevölkerungszahlen -er süddeutschen Freistaaten von Beginn des XX. Jahrhunderts bis 1925. (Aach den Volkszählungsergebnissen von 1900,1910, 1925). Zunahme bei der Gesamtbevölkerung Abnahme bei der jüdischen Bevölkerung Freistaat 1900 1910 1925 Zunahme gegen 1900 v. H. 1900 1910 1925 Abnahme gegen I960 v. H. I. Bayern.. 6 176 057 6 882 237 7 898 991 19.0 54928 54 777 49163 10,5 II. Württemberg ........ 2 169 480 2 487 574 2 591 430 20 0 11916 11982 10 827 9,1 III. Baden ... 1 867 944 2 142 833 1 282 051 2 319 581 24,2 20,0 24486 24063 20 401 16,6 IV. Hessen. 1 119 893 1 350 986 26 132 2 586 23 800 8,9 Nr. Freistaat prozentuale Abnahme der Zuden | Zunahme der Gesamtbevölkerung innerhalb des letzten Vierteljahrhunderts i I. Bayern — ——| n. Württemberg ui. Baden ...—..— IV. Hessen WWW» .... . . . . 1 80 25 20 15 10 5. 1 5 10 15 20 25

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