Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 17 (23.4.1926)
- Date
- 1926-04-23
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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226 zwischen Irrationalem und Rationalem scharf und unüberschreitbar gezogen hat: Alles Irrationale ist nur vorstellbar und beschreibbar; erklärbar und begründbar ist nur das Rationale. — Die Völkischen haben aber diese Erkenntnis nicht begriffen und ihre an sich richtige Anschauung vom irrationalen Charakter ihrer Judensemdschast selbst ad absurdum geführt, indem sie eine Theorie, ja sogar eine „Wissenschaft" vom Antisemitismus entwickelt haben. Die treffendste Illustration hierfür bietet ihre Rassen„kunde". Wie sehr Günther selbst in diesem Chaos steckt, zeigt er dadurch, daß er „Rassenbivlogie", „Erblichkeitslehre" und „metaphysische Unterschiede deutschen und jüdischen Wesens" in einen Topf wirst. Was hat Biologie und Erblichkeitslehre als N a t u r w i s s e n s ch a f t mit Metaphysik und Irrationalismus zu schaffen? Und warum — das sollte sich ein so ernster Sucher wie Herr Günther doch einmal fragen — hält sich die Naturwissenschaft v o n der ganzen R assen-frage so scheu z u r Li ck? Nicht etwa, weil sie die Tatsache einer gewissen Unterschiedlichkeit von Arten leugnet, sondern wohl darum, weil ihr ihre rationalen Forschungsmethoden keinen Zugang dazu öffnen. Die völkischen Rassenforscher, aber, hypnotisiert von ihrer ailszerwissenschastlichen Tendenz, haben sich über diese Schwierigkeit hinweggesetzt, und was sie Zustandegebracht haben, ist darum keine Wissenschaft, sondern nach dem fast einstimmigen Urteil der Fachleute das Gegenteil davon. Daran ändert auch nichts das Interesse der „Gebildeten", auf die sich Herr Günther beruft. Wir könnten uns das billige Vergnügen machen, zum Nachweise der Unwissenschaftlichkeit der völkischen Nassenkunde die grotesken „Werke" anszuschlachten, die völkische Schriftsteller (wie z. B. Otto Hauser: „Geschichte des Judentums") in beängstigender Fruchtbarkeit erzeugt haben, und die von den Gebildeten des Herrn Günther so gläubig ausgenommen worden sind. Wir wollen jedoch im Hinblick auf den Ernst dieser Aussprache nur ganz kurz aus den ernstesten von allen, Dr. Hans Günther, und seine „Rassenkunde des deutschen Volkes", Hinweisen. Hans Günther stellt selbst fest, daß es in Norddeutschland kaum 10 v. H., in Süddeutschland kaum 34 v. H. „nordischer" Menschen gibt. Mit diesen paar Millionen soll Deutschland „aufgenordet" werden. Wie denkt man sich das? Wie denkt sich das der Züchter? Hat man den rassenbiologisch funktionierenden Magnet, der die „Nordischen" aus der Masse der „Entarteten" herauszuziehen vermöchte? Will er den 54 Millionen der letzteren das Kinderkriegen und die Kulturarbeit verbieten? Das ist die Rassenbiologie, vor der wir Respekt haben sollen! Das ist auch die Wissenschaft, die Herr Dr. Haas beleuchtet hat. Das ist überhaupt die v ö l k i s ch e Praxis mit der wir es zu tun habe n. Unerfindlich, wie ein so ruhiger, ernster Mann wie Herr Erich G n n t h e r darum einen L u d w i g H aas in Gegensatz zu den ernsten, anständigen Juden stellen und das Abrücken dieser beweihräucherten Schicht von den anderen verlangen kann, die die Lösung der völkischen Frage durch „Totschweigen, Verleumdung, unsachliche Bekämpfung in Wort und Schrift" für möglich und wünschenswert halten. Ach nein, wir schweigen nicht tot! Im Gegenteil! Beachtenswerte Stimmen meinen oft, wir nehmen Leute und ihre Auslassungen ernst, die man außerhalb der völkischen Kreise gar nicht beachte. Und gar Verleumdung? Etwa darum, weil wir die völkische Praxis der Letzten Jahre unentwegt verfolgt und als naturnotwendige Auswirkung der herrschenden — wohlbemerkt: der herrschenden — völkischen Theorie erwiesen haben? Wie berechtigt diese Haltung war und ist, bezeugt uns kein anderer als eben Herr Günther selbst in eben demselben Aussatz, der uns den Anlaß zu dieser Auseinandersetzung gegeben hat. Wie eingangs bemerkt, richtet Günther den Borwurf der ungeeigneten Politik nicht nur gegen den C. V., sondern auch gegen bestimmte Ri ch tun gen im eigenen Lager. Anlaß dazu gibt ihm die Friedhossschändung in Erfurt. Mit erfreulicher Entschiedenheit verurteilt er das Treiben der Rohlinge und Gewaltpolitiker, fordert er Anerkennung des Humanitätsideals und Abwehr der „herandrängenden minderwertigen Elemente". Günther entwirft da ein Bild auchvölkischer Zustände, das einen Völkischen wahrhaftig nicht geeignet erscheinen läßt, als Sittenrichter anderer, vor allem gegnerischer Parteien und Bewegungen aufzutreten. Solange Günther seinen Gesinnungsgenossen sagen muß, daß sie gegen die Schädlinge im eigenen Lager den Trennungsstrich ziehen sollten — bitte wohl zu lesen: sollten — hat er kein Recht, den „ernsten und vornehmen Juden" das gleiche gegenüber den: C. V. anzuraten. Auch Herr Günther sucht einen Weg zum inneren Frieden. Wenn er aber glaubt, daß er diesen Weg mit Hilfe derjenigen Juden finden wird, die mit ihm die zwei Volkstümer, das deutsche und das jüdische, anerkennen (und das sind anscheinend seine ernsten und anständigen Juden!), dann müssen wir ihm zum Schluß diese Hoffnung noch nehmen. Die überwältigende Masse der deutschen Juden wird niemals diese Lösung als eine „mögliche" anerkennen; sie wird um ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum kämpfen bis zum äußersten und letzten, weil es für sie kein anderes gibt. H. Ster». Rationale Entwurzelung durch den Zionismus. Eine Stimme ans Amerika. Eines der wichtigsten Argumente des deutschen Juden gegen den Zionismus ist der Hinweis auf die Tatsache, daß der Mensch nur e i n Vaterland haben kann und also in dem vom Zionismus verlangten Bekenntnis zu einer angeblichen jüdischen Nation eine Abwendung von der deutschen Nation und eine Leugnung des deutschen Nationalgefühls liegt. Diesen durchaus richtigen Gedankengängen wird oft von den Zionisten spottend entgegengehalten, das sei eine logische Konstruktion, die der Wirklichkeit nicht entspreche, und es sei überdies eine Erfindung speziell der deutschen Juden; die Inder! in den anderen Ländern wüßten nichts von einem Widerspruche zwischen ifjrem heimatlichen Nationalgefühl und den: Bekenntnis zur jüdischen Nation. Nur der Deutsche führe ja beständig seinen Patriotismus im Munde und die deutschen „Assimilationsjuden^ müßten nun natürlich auch diese schlechte Gewohnheit nachahmen. Gegenüber diesen Behauptungen ist eine Aeußerung eines amerikanischen Juden interessant, der als Amerikaner genau die gleichen Gründe gegen den Zionismus vorbringt wie wir deutschen Juden. In „Iba American Israelite" Nr. 38 vom 18. März d. I. schreibt David Goldberg: „Denen, die für die Sammlung des Palästina^ Fonds verantwortlich waren, genügte es nicht, nur Geld zu empfangen; sondern sie verlangten Zugleich mit der Hergäbe des Geldes die Hinnahme einer Philosophie des jüdischen Nationalismus, die eigentlich der: Geldgebern jeden Grund zunr Spenden nehmen und sogar ihre Ruhe und Sicherheit zerstören müßte. Dem Juden wird gesagt: er solle sein Geld für Palästina nicht nur deshalb geben, weil die jüdische Sache in Palästina Geld erfordert, sondern auch UH'ii das Geld hier (im Galuth) für nichts gut wäre. Der Jude könne hier keine Häuser bauen, weil das Land nicht sein eigen ist; die Lust sei nicht sein eigen — in der Tat: nichts im Galuth sei sein eigen, weil er ja möglicherweise vertrieben werden kann. Und so wird er bei der Pflege aller seiner geistigen Bedürfnisse entmutigt; denn im Galuth seien jüdische Schulen, jüdische Seminare, jüdische Rabbiner, sogar die jüdische Thora wertlos. ^Die bis jetzt vorhin-* derte hebräische Universität auf dem Berge Skopus sei tausendfach bedeutender als all die hohen jüdischen Bildungsinstitute in Amerika/ England und Deutschland, obwohl die Paar Professoren, die man an die Jerusalemer Fakultät gewann, sämtlich Produkte der jüdischen Galuth-Jnstitutionen sind. — Und ihm wird ferner gesagt, dem armen reichen Galuth-Juden, dessen Geld man für Palästina verlangt: er wäre nicht nur eine politische Anomalie, wo immer er sich aufhalte, sondern er sei auch ein kultureller Parasit an der abendländischen Zivilisation. Mit anderen Worten: er wird veranlaßt, nicht zu geben durch die wahrlich unmögliche Philosophie, in die er, durch sein Geben, sich hineinverwickelt sieht. Er sagt sich: Die Zionistischen Redner verurteilen meine und meiner Kinder ganze Existenz hier, obwohl sie wissen, daß ich, gleich den vielen Mil» lionen Glaubensgenossen aller Zeiten, unter den Andersgläubigen bleibeil muß. Sie bitten mich um mein Geld, um damit eine Philo-' sophie ausznbauen, die mich und meine Kinder verurteilt. I ch werde mich von ihnen fern halte n." Also genau das, was wir in der Entschließung des Hauptvorstandes vom 10. April 1921 zum Ausdruck gebracht haben, die auf der diesjährigen Hauptversammlung ausdrücklich gebilligt wurde: „Wäre die Besiedlung von Palästina nichts weiter wie ein großes soziales Hilfswerk, fo wäre vom Standpunkt des Centralvereins aus gegen die Förderung dieses Werkes nichts zu sagen. Die Besiedlung von Palästilia ist aber in erster Linie das Ziel der llationaljüdischen Politik, ihre Förderung und Unterstützlmg daher abzulehnen . .